Marktstraße 14 (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
Die Hausstätte 4 / vor 1970 Marktstraße  / Heiden Nr. 18 liegt an der Südseite des Marktplatzes. Das Grundstück grenzt südöstlich an den Krugberg, der hier ein starkes Gefälle hat sowie südwestlich an die Straße Feuerborn, zu der eine hohe Natursteinmauer das Grundstücksniveau sichert.
Nach den Angaben von Hüls, Heiden in Lippe, wird schon im Landschatzregister von 1568 ein Hennrich de Kroger als Gastwirt genannt. In der Friemelschen Karte von 1728 sind als Besitz des Alten Krug neben dem Hofgrundstück am Marktplatz drei Flächen ausgewiesen, die an der Heßloher Straße (ein Teil ist heute Sportplatz) sowie in der Lake liegen. Bis 1881 kommen drei kleinere Flächen hinzu, die zuvor zum Meierhof Nr. 3 gehörten. <ref>{{HülsHeiden1974}} Abb. 38 und 53</ref>
Gemäß dem Salbuch von 1770 wird dem Krüger erlaubt Bier zu brauen und anzubieten. Im 18. Jahrhundert waren die Einzugsbereiche der Gaststätten fest geregelt. Der Krüger in Heiden durfte sein Bier nur an die Einwohner aus Heiden, Heßloh, Hardissen Hedderhagen und Niewald verkaufen. Bis 1840 war er auch zuständig von „ausländischen Fahrern“ Zoll zu erheben. <ref>Hüls 1974 S. 79 und 96</ref>  Von 1890 bis ca. 1970 befindet sich im Alten Krug auch die Poststelle in Heiden. <ref>Hüls 1974 S.170 </ref>


==Gebäude==
==Gebäude==
[[Datei:Marktstraße14_BA_TB-18-30_001.png|thumb|Der Alte Krug in Heiden, Foto: Pahmeier, 1970, LLB BA_TB-18-30_001]]
[[Datei:Marktstraße14_BA_TB-18-30_001.png|thumb|Der Alte Krug in Heiden, Foto: Pahmeier, 1970, LLB BA_TB-18-30_001]]
[[Datei: Marktstraße 14 Alter Krug,.jpg | thumb | Marktstraße 14 Alter Krug, Foto Lothar Kaup 2015]]
[[Datei:Marktstraße14_160809_2.jpg|thumb|Ausschnitt der Inschrift im Balken der Geschoßdecke, Foto: Hans-Christian Schall, 2009]]
[[Datei:Marktstraße14_160809_2.jpg|thumb|Ausschnitt der Inschrift im Balken der Geschoßdecke, Foto: Hans-Christian Schall, 2009]]
[[Datei:Zeichnung_Dewitz_1882.jpg|thumb|Inschrift an Giebel der Scheune, abgelesen 1882]]
[[Datei:Zeichnung_Dewitz_1882.jpg|thumb|Inschrift an Giebel der Scheune, abgelesen 1882]]
Im Jahre 1819 wird das Gebäude des Alten Kruges als Fachwerkhaus neu erbaut. So steht es als Inschrift im Rähm über dem Hauseingang. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude mit  eine 45° Satteldach und einem Krüppelwalm zum Markt. Aus dem regelmäßigen Fachwerk ergibt sich die fünfachsige Fensteranordnung bis in den Giebel sowie dem zentralen Eingang mit der doppelflügeliegen Haustür, wohl aus der Bauzeit, im Erdgeschoss. An der Westseite, die 16 Gebinde tief ist und einen Nebeneingang hat, lässt sich die Fachwerkstruktur noch erkennen, doch die östliche Traufseite ist mit Faserplatten verkleidet.
Das Fachwerkhaus  ist in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen. Der Denkmalwert ergibt sich einerseits aus dem Gebäude selbst,
„das mit seiner schlichten wohlproportionierten Fachwerkkonstruktion ohne wesentliche Zierformen ein typischer Vertreter der Zimmermannskunst der Biedermeierzeit ist“ und andererseits aus der städtebaulichen Situation, denn „der Bau schließt mit seiner breiten Front den annähernd dreieckigen (Markt-) Platz vor der Kirche nach Südwesten wirkungsvoll ab, womit das Haus eine städtebaulich sehr wirksame und wichtige Dominante am Rand der leicht geneigten Terrasse über dem Bachtal ist“.
„Kultur- und ortshistorisch bedeutend ist das Gebäude als Gastwirtschaft im Kernbereich des Dorfes; auf diese Funktion weist die reizvolle gereimte Rähminschrift hin.
Quelle: Benehmen LWL vom 28.04.1986“. <ref>Stadt Lage, Stadtarchiv</ref>
Im Urkatasterplan von 1883 ist das Gebäude eingetragen. Dort ist auch erkennbar, dass der Anbau eines großen Saales hinter dem Gaststättengebäude vermutlich um 1900 erfolgt ist, mit sichtbarem Ziegelsteinmauerwerk und hohen Fenstern und voll unterkellert. Für den Saalanbau ist ein schmales langes Gebäude abgebrochen worden, was die Annahme erlaubt, dass hier ehemals eine Kegelbahn der Gaststätte bestanden hat.  <ref>Kreis Lippe, Katasteramt </ref>
Der Katasterplan zeigt auch drei weitere Gebäude auf dem Grundstück des Alten Krug, das mittlere Gebäude ist die ehemalige Leibzucht. Das alte Fachwerkhaus wurde um 1900 nach Norden mit einem Ziegelsteinanbau um ca. 5 m erweitert und ist nach Grundstücksteilungen heute Marktstraße 12.
Die Bemühungen aus der Dorfgemeinschaft Heiden, mit Gründung eines Vereines das Gebäude des Alten Kruges im Rahmen einer Zwangsversteigerung im Jahre 2016 zu erwerben, um es als eine genossenschaftliche Gaststätte weiterzuführen, waren gut vorbereitet, doch nicht erfolgreich. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus wurde von einem Privatmann erworben, der das Haus inzwischen als Lager nutzt.


==Inschrift<ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref>==
==Inschrift<ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref>==


Im Jahre 1829 am 12.Juni hat W. Büngener aus Brake und Annemarie Gellhaus aus Heiden dieses Haus bauen lassen. Liebe Gäste, kommt herein und trinkt ein Gläschen Branntwein, ein Gläschen Bier und auch wohl Wein, möchte ebenfalls nicht schädlich sein. Auch gibt es hier ein gut Quartier und nebenbei ein gut Pläsier.<br>
Im Jahre 1829 am 12.Juni hat W. Büngener aus Brake und Annemarie Gellhaus aus Heiden dieses Haus bauen lassen. Liebe Gäste, kommt herein und trinkt ein Gläschen Branntwein, ein Gläschen Bier und auch wohl Wein, möchte ebenfalls nicht schädlich sein. Auch gibt es hier ein gut Quartier und nebenbei ein gut Pläsier.<br>
'''Inschrift an der Scheune, abgelesen 1882:<ref>Zeichnung (1882) Carl Dewitz in Sammlung Lippischer Hausinschriften der Lippischen Landesbibliothek</ref>:<br>'''
'''Inschrift an der Scheune, abgelesen 1882:<ref>Zeichnung (1882) Carl Dewitz in Sammlung Lippischer Hausinschriften der Lippischen Landesbibliothek</ref>:<br>'''
KIRCHEN GEHEN * SEVMET NICHT ALMISSEN<br>
KIRCHEN GEHEN * SEVMET NICHT ALMISSEN<br>
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==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
*1781 Salbuch,  Nr.18 alt. Krüger, ein Kleinkötter <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 108: Salbuch Vogtei Heiden 1781</ref>
*1829 Salbuch,  Nr.18 Alter Krüger, ein Kleinkötter <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 121: Salbuch Vogtei Heiden 1829</ref>
*1855 Salbuch, Nr.18 Krüger Büngener <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 137: Salbuch Vogtei Heiden 1855</ref>
* 1901<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 257.ff.</ref> Wilhelm Büngener, Gastwirth
* 1901<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 257.ff.</ref> Wilhelm Büngener, Gastwirth
* 1926<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 731.ff.</ref> Wilhelm Büngener, Kaufmann und Landwirt
* 1926<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 731.ff.</ref> Wilhelm Büngener, Kaufmann und Landwirt