Schapeler in der Senne: Unterschied zwischen den Versionen
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 35: | Zeile 35: | ||
Im Juni 1688 heiratet der Anerbe Berend Henrich Schapeler Anna Cath. Heuwinkel aus dem Hey, die 100 Taler und Vieh mit auf die Stätte in der Senne bringt.<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 135, S. 94 </ref> In den Jahren danach entwickeln sich heftige Streitereien zwischen der jungen Schapelerschen einerseits und ihrer Schwiegermutter mit Töchtern andererseits, die bis zu Tätlichkeiten gehen.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 67 u. 148 </ref> Nachdem 1694 die Übergabe der Stätte an die jungen Leute erfolgt ist <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 149 </ref>, werden 1695 auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn - dem alten und dem jungen Schapeler - gemeldet.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 191 </ref> 1697 zahlt der junge Schapeler Weinkauf für eine Stättenerweiterung; er will mehr Bienen halten (den „Immenstand“ erweitern) und verschiedene Sennestücke beackern.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 274 </ref> | Im Juni 1688 heiratet der Anerbe Berend Henrich Schapeler Anna Cath. Heuwinkel aus dem Hey, die 100 Taler und Vieh mit auf die Stätte in der Senne bringt.<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 135, S. 94 </ref> In den Jahren danach entwickeln sich heftige Streitereien zwischen der jungen Schapelerschen einerseits und ihrer Schwiegermutter mit Töchtern andererseits, die bis zu Tätlichkeiten gehen.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 67 u. 148 </ref> Nachdem 1694 die Übergabe der Stätte an die jungen Leute erfolgt ist <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 149 </ref>, werden 1695 auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn - dem alten und dem jungen Schapeler - gemeldet.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 191 </ref> 1697 zahlt der junge Schapeler Weinkauf für eine Stättenerweiterung; er will mehr Bienen halten (den „Immenstand“ erweitern) und verschiedene Sennestücke beackern.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 274 </ref> | ||
Wiederkehrende Streitereien mit dem Meier zu Stapelage als Grundherrn begleiten die Entwicklung auf der Stätte Schapeler ebenso wie auf den anderen Kötterstätten des Meierhofes.<ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42</ref> 1710 geht es u. a. um Eichen, die Berend Henrich Schapeler für den Bau eines neuen Hauses eingeschlagen und verwendet hat, was mit der Witwe den vorigen Meiers abgestimmt gewesen sei, was der aktive Meier jedoch bestreitet. | Die Haltung von „Immen“ (Bienenvölkern) war vor Jahrhunderten ein wichtiger Wirtschaftszweig auf dem Lande, da Honig, besonders aber Wachs (für Kerzen/Beleuchtung) ein begehrtes Handelsgut war. In frühesten Viehschatzregistern (Besteuerungsgrundlage) werden neben Pferden, Kühen, Rindern, Schafen und Schweinen „Immen“ gezählt – nicht aber das Federvieh. Auf dem Schapelerhof wurden Zeit seines Bestehens zahlreiche Bienenvölker gehalten, weil die dortige Flora (allerlei früh blühende Wiesenkräuter, danach die lange Blüte der großen Heideflächen im August) dies begünstigte. | ||
Mehrfach kommt es zu Unglücksfällen, wenn Menschen (und ihre großen Tiere) einerseits und Bienenschwärme andererseits sich zu nahe kommen.<ref> LAV NRW OWL, L 77 A, Nr. 277 </ref> So begehrt 1828 ein Fuhrmann aus dem Rietbergischen Schadenersatz, weil sein Sohn bei einem Transport zum Schapelerhof vielfach zerstochen worden sei und nicht arbeiten könne, eines seiner Pferde sei in kritischem Zustand , das andere gar verreckt. 300 Bienenstöcke befinden zu dieser Zeit auf dem Schapeler. Der Kötter wird verpflichtet, am Wege aus der Senne, der am Bienenstand vorbeiführt, ein Warnschild aufzustellen. | |||
Im September 1839 will eine Frau aus Oerlinghausen mit geernteten Zwiebeln über den Schapeler nach Augustdorf gehen, wird ''von Bienenschwärmen überfallen und von ihnen so verwundet, daß, der angewandten ärztlichen Hülfe ohngeachtet am Tage nach dem Unglücksfalle der Tod die Folge davon gewesen'' sei. Erneut wird gewarnt. | |||
Zurück zum Geschehen jenseits der Imkerei: Wiederkehrende Streitereien mit dem Meier zu Stapelage als Grundherrn begleiten die Entwicklung auf der Stätte Schapeler ebenso wie auf den anderen Kötterstätten des Meierhofes.<ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42</ref> 1710 geht es u. a. um Eichen, die Berend Henrich Schapeler für den Bau eines neuen Hauses eingeschlagen und verwendet hat, was mit der Witwe den vorigen Meiers abgestimmt gewesen sei, was der aktive Meier jedoch bestreitet. | |||
Dem nächsten Anerben/Kötter Johann Christoph Schapeler (1689 - 1722) ist nur ein kurzes Leben beschieden. Seine junge, aus Ehrentrup stammende Witwe Triene Elisabeth Lütgebrune heiratet nach dem Trauerjahr Johann Jost Ehlebracht aus Hillegossen. Diese beiden bewirtschaften die Schapeler-Stätte 37 Jahre. Mit dem frühen Tod der einzigen Tochter aus erster Ehe der Colona geht 1739 auch die Erbfolge der Stätte auf ihre gemeinsamen Kinder über. | Dem nächsten Anerben/Kötter Johann Christoph Schapeler (1689 - 1722) ist nur ein kurzes Leben beschieden. Seine junge, aus Ehrentrup stammende Witwe Triene Elisabeth Lütgebrune heiratet nach dem Trauerjahr Johann Jost Ehlebracht aus Hillegossen. Diese beiden bewirtschaften die Schapeler-Stätte 37 Jahre. Mit dem frühen Tod der einzigen Tochter aus erster Ehe der Colona geht 1739 auch die Erbfolge der Stätte auf ihre gemeinsamen Kinder über. | ||
| Zeile 66: | Zeile 72: | ||
Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 ''mit aufstehenden Gebäuden und Aufwuchs'' für 300 000 Mark ''für Zwecke der Stationierungsstreitkräfte und Bundeswehr, und zwar für Übungsgelände'' verkauft.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 118 - 120 </ref> | Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 ''mit aufstehenden Gebäuden und Aufwuchs'' für 300 000 Mark ''für Zwecke der Stationierungsstreitkräfte und Bundeswehr, und zwar für Übungsgelände'' verkauft.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 118 - 120 </ref> | ||
In der Folgezeit verlässt Familie Herbst den Schapeler | In der Folgezeit verlässt Familie Herbst, die sich ein Wohnrecht bis Ende 1963 ausbedungen hat, den Schapeler. Die Hofgebäude werden bald durch Vandalismus und militärischen Übungsbetrieb beschädigt, verfallen schließlich zu Ruinen und sind 50 Jahre später vollends verschwunden. „Der Schapelerhof“ ist nurmehr eine Ortsmarkierung auf Landkarten. | ||
| Zeile 72: | Zeile 78: | ||
==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
In den 1930er Jahren trugen zwei Häuser auf dem Schapeler (Torbalken-)Inschriften: <ref> Die Familienchronik Heinrich Hunke (LAV NRW OWL, D 72 Nr. 217) enthält beide Inschriften, teils weicht der Text leicht ab; Inschrift b) ist nur teilweise lesbar erhalten gewesen. Der Torbalken mit der Inschrift a) ist erhalten, restauriert und 2021 wieder aufgestellt worden im Heimathof Leopoldshöhe. ( https://heimatverein-leopoldshoehe.de/aktuell/aufstellung-des-restaurierten-torbogens-auf-dem-heimathof/ ) </ref> | |||
a) '''IM JAHR 1807 D 22 AUGUST HAT JOHAN HERMAN ADOLP SCHAPLER UND ANNA CATTRIENA ILSABEIN KOBS AUS EWENHAUSSEN DIESES HAUS MIT GOT UND SEINER HÜLFE LASSEN BAUEN * TAUSEND MAHL SEI DIR GESUNGEN HERR MEIN GOT PREIS LOB UND DANK DAS ES MIR BISHER GELUNGEN ACH LAS MEINES LEBENSGANG FERNER DOCH DURCH JESU LEITEN A. D. N. GSB 177 V .14 M. T. W.''' | |||
b) '''ANNO 1813 DEN 4. JUNIUS JOHANN CHRISTOPH LANGE ❤️ UND ANNA CATTRINA ILSABEIN . . . BAUEN HAT UNS . . . HEUT SIND WIR FRISCH GESUND UND STARK. MORGEN TOT UND LIEGEN IM SARK. HEUT BLÜHEN WIR WIE EIN ROSENSTRAUCH. BALD . . .''' | |||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||