Friedrichstraße 22 (Lage): Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
1878 eingeweiht.
Seit Anfang der 1920er Jahre keine Gottesdienst mehr. Daher übernahm der Vorsteher Max Werthauer die 7 Thorarollen in sein Haus. 1937 wurden die Scheiben eingeworfen, danach keine Gottesdienste mehr. Am 26.10.1938 Verkauf der Synagoge und des benachbarten Schulhauses an die Stadt für 6.000 RM. Beginn der Abbrucharbeiten noch vor den Novemberpogromen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Grünfläche, dann Bebauung mit einem Geschäftshaus. 1952 wurde die Jewish Trust Corporation Eigentümerin der ehemals der jüdischen Gemeinde gehörenden Grundstücke; die Stadt Lage zahlte für die abgebrochenen Gebäude 5.000 DM Schadenersatz. An die Synagoge erinnern eine Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof und eine gegenüber der ehem. Synagoge aufgestellte Gedenktafel mit dem Umriss der Synagoge.<ref>{{PrachtKulturerbe1998}}, S. 321 f.</ref>


==Gebäude==
==Gebäude==
Aus der Straßenflucht zurückgesetzter, traufständiger zweigeschossiger Massivbau aus Bruchstein-Sichtmauerwerk, quadratischer Grundriss, Satteldach. Breiter Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel, palmettenförmiger Aufsatz, Ecklisenen mit kuppelförmigen Aufsätzen, Werkstein-Gewände und -Traufgesims aus Rundbögen. Über dem mittigen Eingang übergiebelter Rundbogen, darüber großes Fensterrad, im zu beiden Seiten des Risalits je ein Zwillingsfenster, darüber kleineres Rundfenster mit Dreipass gefüllt.<ref>{{PrachtKulturerbe1998}}, S. 321 f.</ref>
Hilde Pollack, geborene Hammerschlag, beschrieb die Synagoge 1981 aus ihrer Erinnerung: "Die Synagoge war aus solidem schweren Bruchstein gebaut und trug an der Stirnseite als Baujahr die Jahreszahl 1878. Über der Eingangstür stand in goldenen hebräischen Buch-staben: ›Dies ist ein Bethaus für alle Völker, das Wort aus Jesaja 56,7c. Über der Tür befand sich ein großes rundes Fenster aus Buntglas. Die Synagoge hatte ein durchgehendes Pfannendach und keine Kuppel, wie z.B. die Synagoge in Detmold. Das Licht fiel durch die Seitenfenster, deren verschobene Vierecke in den Farben Rot, Weiß, Grün und Gelb gehalten waren. Der Innenraum war sehr hell, die Wände waren weißlich getüncht. In der Mitte oben hing ein großer Kronleuchter. Die Synagoge hatte Gasbeleuchtung, daneben wurden Wachskerzen benutzt. Durch die Haupteingangstür gelangte man in ein Vestibül, das sein Licht durch die beiden Seitenfenster neben der Tür erhielt. In diesem Vestibül befanden sich die Schränke für die gottesdienstlichen Bücher und vor allem die Treppe, die zur Empore über das Vestibül führte. Diese war der Platz der Frauen, es konnten hier 30 bis 40 Personen sitzen. Die Frauenplätze waren mit Wachskerzen ausgestattet. Durch eine Tür gelangte man vom Vestibül in den eigentlichen Gottesdienstraum. Rechts und links vom Mittelgang gab es etwa sechs Reihen Bänke, in denen jeweils ungefähr fünf Personen sitzen konnten, so daß also ca. 60 Männer Platz hatten. Der Mittelgang führte zu dem breiten Vorlesetisch (Almemor oder Bimah), auf dem die Thorarolle jeweils ausgerollt und verlesen wurde. Hinter diesem Tisch an der Ostseite befand sich der Thoraschrein. Er war mit einer Holztür verschlossen, vor der ein schwerer Samtvorhang angebracht war. In dem Thoraschrein wurden mindestens sechs Thorarollen aufbewahrt, alle mit Samtmantel und Brustschild eingekleidet und mit Silberkronen gekrönt."<ref>Zit. nach Martin Hankemeier, Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.; 12), Detmold 1994, S. 27.</ref>


==Inschriften==
==Inschriften==
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==Literatur==
==Literatur==
Volker Beckmann, Ortsartikel Lage, in {{HengstHandbuch2013}}, S. 479-486, hier S. 483.
{{PrachtKulturerbe1998}}, S. 321-323.
Martin Hankemeier, Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.; 12), Detmold 1994


==Quellen==
==Quellen==

Version vom 2. Juli 2026, 12:37 Uhr

Friedrichstraße 22 (Lage)
OrtsteilLage (Kernstadt)
StraßeFriedrichstraße (Lage)
Hausnummer22
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeLage
StraßeFriedrichstraße
Hausnummer022

An dieser Stelle hatte die Jüdische Gemeinde ihre Synagoge und ihre Schule.

Geschichte

1878 eingeweiht.

Seit Anfang der 1920er Jahre keine Gottesdienst mehr. Daher übernahm der Vorsteher Max Werthauer die 7 Thorarollen in sein Haus. 1937 wurden die Scheiben eingeworfen, danach keine Gottesdienste mehr. Am 26.10.1938 Verkauf der Synagoge und des benachbarten Schulhauses an die Stadt für 6.000 RM. Beginn der Abbrucharbeiten noch vor den Novemberpogromen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Grünfläche, dann Bebauung mit einem Geschäftshaus. 1952 wurde die Jewish Trust Corporation Eigentümerin der ehemals der jüdischen Gemeinde gehörenden Grundstücke; die Stadt Lage zahlte für die abgebrochenen Gebäude 5.000 DM Schadenersatz. An die Synagoge erinnern eine Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof und eine gegenüber der ehem. Synagoge aufgestellte Gedenktafel mit dem Umriss der Synagoge.[1]

Gebäude

Aus der Straßenflucht zurückgesetzter, traufständiger zweigeschossiger Massivbau aus Bruchstein-Sichtmauerwerk, quadratischer Grundriss, Satteldach. Breiter Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel, palmettenförmiger Aufsatz, Ecklisenen mit kuppelförmigen Aufsätzen, Werkstein-Gewände und -Traufgesims aus Rundbögen. Über dem mittigen Eingang übergiebelter Rundbogen, darüber großes Fensterrad, im zu beiden Seiten des Risalits je ein Zwillingsfenster, darüber kleineres Rundfenster mit Dreipass gefüllt.[2] Hilde Pollack, geborene Hammerschlag, beschrieb die Synagoge 1981 aus ihrer Erinnerung: "Die Synagoge war aus solidem schweren Bruchstein gebaut und trug an der Stirnseite als Baujahr die Jahreszahl 1878. Über der Eingangstür stand in goldenen hebräischen Buch-staben: ›Dies ist ein Bethaus für alle Völker, das Wort aus Jesaja 56,7c. Über der Tür befand sich ein großes rundes Fenster aus Buntglas. Die Synagoge hatte ein durchgehendes Pfannendach und keine Kuppel, wie z.B. die Synagoge in Detmold. Das Licht fiel durch die Seitenfenster, deren verschobene Vierecke in den Farben Rot, Weiß, Grün und Gelb gehalten waren. Der Innenraum war sehr hell, die Wände waren weißlich getüncht. In der Mitte oben hing ein großer Kronleuchter. Die Synagoge hatte Gasbeleuchtung, daneben wurden Wachskerzen benutzt. Durch die Haupteingangstür gelangte man in ein Vestibül, das sein Licht durch die beiden Seitenfenster neben der Tür erhielt. In diesem Vestibül befanden sich die Schränke für die gottesdienstlichen Bücher und vor allem die Treppe, die zur Empore über das Vestibül führte. Diese war der Platz der Frauen, es konnten hier 30 bis 40 Personen sitzen. Die Frauenplätze waren mit Wachskerzen ausgestattet. Durch eine Tür gelangte man vom Vestibül in den eigentlichen Gottesdienstraum. Rechts und links vom Mittelgang gab es etwa sechs Reihen Bänke, in denen jeweils ungefähr fünf Personen sitzen konnten, so daß also ca. 60 Männer Platz hatten. Der Mittelgang führte zu dem breiten Vorlesetisch (Almemor oder Bimah), auf dem die Thorarolle jeweils ausgerollt und verlesen wurde. Hinter diesem Tisch an der Ostseite befand sich der Thoraschrein. Er war mit einer Holztür verschlossen, vor der ein schwerer Samtvorhang angebracht war. In dem Thoraschrein wurden mindestens sechs Thorarollen aufbewahrt, alle mit Samtmantel und Brustschild eingekleidet und mit Silberkronen gekrönt."[3]

Inschriften

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Eigentümer: Jüdische Gemeinde

  • 1901[4] Adolf Herzfeld, Lehrer; Fritz Stegemann, Ziegler
  • 1926[5] Wilhelm Obermeier, Schneider

Gedenkstele

Literatur

Volker Beckmann, Ortsartikel Lage, in Karl Hengst, Ursula Olschewski (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 479-486, hier S. 483.

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 321-323.

Martin Hankemeier, Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.; 12), Detmold 1994

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 321 f.
  2. Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 321 f.
  3. Zit. nach Martin Hankemeier, Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.; 12), Detmold 1994, S. 27.
  4. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
  5. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat

Autor*innen

Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 30.11.2024 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 02.07.2026 von Joachim Kleinmanns