Hellweg 390 (Kachtenhausen): Unterschied zwischen den Versionen
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'''Haupthaus von 1765''', erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus (Brandversicherungsakte). Großer Vierständerbau von ## Fachen + Flett und Kammerfach, diese im späten 19. Jahrhundert durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und Fachwerkgiebel ersetzt. #,# m breite Diele mit Kuh- und Pferdeställen in den Seitenschiffen. Wirtschaftsteil nach Teileinsturz 199# abgebrochen, jüngerer Wohnteil erhalten. | '''Haupthaus von 1765''', erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus (Brandversicherungsakte). Großer Vierständerbau von ## Fachen + Flett und Kammerfach, diese im späten 19. Jahrhundert durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und Fachwerkgiebel ersetzt. #,# m breite Diele mit Kuh- und Pferdeställen in den Seitenschiffen. Wirtschaftsteil nach Teileinsturz 199# abgebrochen, jüngerer Wohnteil erhalten. | ||
'''Leibzuchtshaus, erbaut 1785''' unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553. Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie | '''Leibzuchtshaus, erbaut 1785''' unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553 (heute Hellweg 388). Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie fünfzeiliger Inschrift von 1785. | ||
Bei einer gründlichen Bauaufnahme 199# konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. #,# m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa #,# m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des großen | Bei einer gründlichen Bauaufnahme 199# konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. #,# m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa #,# m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte in der Mitte einen Balkenkopf mit einer Gesichtsmaske und ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des großen Vollspännerhofes Haverich (Havergoh) gewesen sein. Möglicherweise war dieser Bau dann im 17. Jahrhundert zur Leibzucht "abgesunken", als man ein neues Meierhaus erbaut hatte, das schließlich 1765 abbrannte und den Neubau des heutigen Haupthauses notwendig machte. Eine ähnliche "Degradierung" von alten Meierhäusern zu Leibzuchtshäusern kennen wir auch von anderen Höfen, etwa Obermeyer in Lieme (Altbau von 1532/33 d) oder Meier zu Asemissen (Altbau von 1555 d). | ||
'''Speicher, 19. Jahrhundert''' | '''Speicher, 19. Jahrhundert''' | ||
Version vom 28. Juli 2026, 01:45 Uhr
| Hellweg 390 (Kachtenhausen) | |
|---|---|
| Ortsteil | Kachtenhausen |
| Straße | Hellweg (Kachtenhausen) |
| Hausnummer | 390 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Kachtenhausen |
| Hausnummer | 004 |
Hof Haverich, ehemals Wellentrup Nr. 4.




Geschichte
Gebäude
Haupthaus von 1765, erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus (Brandversicherungsakte). Großer Vierständerbau von ## Fachen + Flett und Kammerfach, diese im späten 19. Jahrhundert durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und Fachwerkgiebel ersetzt. #,# m breite Diele mit Kuh- und Pferdeställen in den Seitenschiffen. Wirtschaftsteil nach Teileinsturz 199# abgebrochen, jüngerer Wohnteil erhalten.
Leibzuchtshaus, erbaut 1785 unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553 (heute Hellweg 388). Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie fünfzeiliger Inschrift von 1785.
Bei einer gründlichen Bauaufnahme 199# konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. #,# m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa #,# m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte in der Mitte einen Balkenkopf mit einer Gesichtsmaske und ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des großen Vollspännerhofes Haverich (Havergoh) gewesen sein. Möglicherweise war dieser Bau dann im 17. Jahrhundert zur Leibzucht "abgesunken", als man ein neues Meierhaus erbaut hatte, das schließlich 1765 abbrannte und den Neubau des heutigen Haupthauses notwendig machte. Eine ähnliche "Degradierung" von alten Meierhäusern zu Leibzuchtshäusern kennen wir auch von anderen Höfen, etwa Obermeyer in Lieme (Altbau von 1532/33 d) oder Meier zu Asemissen (Altbau von 1555 d).
Speicher, 19. Jahrhundert Rechts vom Haupthaus steht auf dem Hof ein zweigeschossiger Bruchsteinspeicher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Fassade mit zwei Fensterachsen und Eingang, Tür- und Fensteröffnungen mit scharrierten Sandsteingewänden.
Weitere Nebengebäude: Scheune und Viehhaus, frühes 20. Jahrhundert.
Inschriften[1]
Haupthaus
N. 4 ANNO 1765 DEN 8. IUNIUS. HAT BERNDT HENRICH HAVERGOH UND SEINE FRAUE ANNA ILSABEIN ERFLING
ZU KACHTENHAUSEN DIESES HAUS LASEN BAUEN DURCH M HANS / PSLAM 18. Z. 3. VERS. HERZLICH LIB HABE
ICH DICH HER MEINE STARKE HERR MEIN FELS MEIN ERRETTER MEN GOT. MEIN HORT AUF DEN ICH TRAUE
MEIN SCHILD UND HORN MEINES HEILS UND MEIN SCHUTZ HEBRÄER AM. Z. VERS. 13 ICH WIL MEIN
VERTRAUEN AUF IHN SETZEN
Leibzucht
ANNO 1785 DEN Z.TEN IULIUS HAT HERMAN CHRISTOFEL HAVERGOH
UND SEINE HAUS FRAUHE ANNA SCHERLOTTE MEIERS AUS OHRESEN
HABEN DIS HAUS LASSEN BAUEN PSALM 1Z7 VERS. 1 WO DER HERR
NICHT DAS HAUS BAUET SO ARBEITEN UMSONST DIE DARAN BAUEN WO DER HERR
NICHT DIE STADT BEHUTET SO WACHET DER WECHTER UMSONST
M IOHANN HERMAN PLOGER
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
- 1901[2] Albrecht Haverich, Landwirth
- 1926[3] Albrecht Haverich, Landwirt; Wilhelm Haverich, Landwirt; Albert Kracht, Arbeiter; Wilhelm Hilker, Schuhmachermeister
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat
Autor*innen
Heinrich Stiewe, Wolfgang Kramer
Seitenhistorie
Seite erstellt am 15.06.2025 von Wolfgang Kramer
Letzte Änderung am: 28.07.2026 von Heinrich Stiewe