Osterheider Straße 16 (Kachtenhausen): Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1A_001.png|thumb|Hof Erfling, Haupthaus, Zweiständerbau von 1655, abgebrochen um 2010. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1A_001.png|thumb|Hof Erfling, Haupthaus, Zweiständerbau von 1655, abgebrochen um 2010. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1B_001.png|thumb|Haupthaus von 1655, Torbogen mit Inschrift. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1B_001.png|thumb|Haupthaus von 1655, Torbogen mit Inschrift. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
[[Datei:Kachtenhausen, Erfling, 1655, Trauseite, LS, Grundriss 846 1624.jpg|mini|Kachtenhausen, Hof Erfling, Haupthaus von 1655. Traufansicht, Längsschnitt und Grundriss, Rekonstruktion. Aufmaß und Zeichnung: Gerhard Eitzen um 1960, Baupflegeamt Westfalen (Archiv LWL, 846/1624)]]
[[Datei:Kachtenhausen, Erfling, 1655, Trauseite, LS, Grundriss 846 1624.jpg|mini|Kachtenhausen, Hof Erfling, Haupthaus von 1655. Ansicht linke Traufe, Längsschnitt recchte Dielenseite und Grundriss, Rekonstruktion. Aufmaß und Zeichnung: Gerhard Eitzenm um 1950, Baupflegeamt Westfalen (Archiv LWL, 846/1624)]]


==Geschichte==
==Geschichte==
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Großer Zweiständerbau von 1655, abgebrochen ca. 2010. Kraftvolles Gefüge, die tragenden Ständer an der Diele waren nach vier Seiten mit großen, bogenförmig ausgesägten (gekehlten) Kopfbändern verstrebt. Verbretterter Giebel, auf profilierten Knaggen vorkragend, Hauptständer durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben. Dieses prächtige Haus von 1655 war ein spätes Beispiel eines voll entwickelten Zweiständerbaus, entstanden wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Großer Zweiständerbau von 1655, abgebrochen ca. 2010. Kraftvolles Gefüge, die tragenden Ständer an der Diele waren nach vier Seiten mit großen, bogenförmig ausgesägten (gekehlten) Kopfbändern verstrebt. Verbretterter Giebel, auf profilierten Knaggen vorkragend, Hauptständer durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben. Dieses prächtige Haus von 1655 war ein spätes Beispiel eines voll entwickelten Zweiständerbaus, entstanden wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.


Fettdielenhaus ohne Kammerfach (der zuletzt vorhandene Wohnteil war im 18. und 19. Jahrhundert angefügt worden). Flett mit eineinhalb Fach langen Luchten, links mit voller Dielenhöhe, rechts halbhoch. Über der früheren offenen Herdstelle war in halber Höhe eine Räucherbühne eingezogen. Stallteil mit Kuh- und Rinderställen in den Stallabseiten (Kübbungen) an der Diele, Pferdestall in kastenförmig vorspringendem Einbau neben dem Dielentor.  
Fettdielenhaus ohne Kammerfach (der zuletzt vorhandene Wohnteil war im 18. und 19. Jahrhundert angefügt worden). Flett mit eineinhalb Fach langen und dielenhohen Luchten. Über der früheren offenen Herdstelle war in halber Höhe eine verbretterte Räucherbühne eingezogen (s. Aufmaß G. Eitzen, Querschnitt). Stallteil mit Kuh- und Rinderställen in den Stallabseiten (Kübbungen) an der Diele, Pferdestall in kastenförmig vorspringendem Einbau rechts neben dem Dielentor.  


Das Haus wurde um 1950 von dem Hausforscher Gerhard Eitzen aufgemessen und von Josef Schepers in seinem bekannten Werk "Haus und Hof westfälischer Bauern" gewürdigt.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960, S. ###; vgl. auch den Beitrag von Heinrich Stiewe in Linde, Kachtenhausen 2004.</ref>
Das Haus wurde um 1950 von dem Hausforscher Gerhard Eitzen aufgemessen und von Josef Schepers in seinem bekannten Werk "Haus und Hof westfälischer Bauern" gewürdigt.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960, S. ###; vgl. auch den Beitrag von Heinrich Stiewe in Linde, Kachtenhausen 2004.</ref>
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HIDDENTRUP . DITH . HVS . LATEN . BUWEN / WOL. GADT . VORTRVWET HEFT . WOL . GEBVWET / IM HEMMEL . / VND VP ERDEN . DEN . WEN . GADT / IS MIT . VNS WOL KAN . DAN WEDDER / VNS . SIN. M.H.A.M.
HIDDENTRUP . DITH . HVS . LATEN . BUWEN / WOL. GADT . VORTRVWET HEFT . WOL . GEBVWET / IM HEMMEL . / VND VP ERDEN . DEN . WEN . GADT / IS MIT . VNS WOL KAN . DAN WEDDER / VNS . SIN. M.H.A.M.


Die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache und lateinischen Großbuchstaben in Kernschnitt enthält den bekannten "Gottvertrauensspruch", die ersten Zeilen eines Kirchenliedes von Joachim Magdeburg (1570, Ev. Gesangbuch Nr. 660) und ein Bibelzitat aus Römer 8, "Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein", im 16. und 17. Jahrhundert eine bekannte Devise der lutherischen Reformation, u. a. von Philipp Melanchthon.<ref>Stiewe, Inschriften 2017.</ref>
Die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache und lateinischen Großbuchstaben in Kernschnitt enthält den bekannten "Gottvertrauensspruch", die ersten Zeilen eines Kirchenliedes von Joachim Magdeburg (1570, Ev. Gesangbuch Nr. 660) und ein Bibelzitat aus Römer 8, "Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein", im 16. und 17. Jahrhundert eine bekannte Devise der lutherischen Reformation, u. a. von Philipp Melanchthon.<ref>Stiewe, Hausinschriften 2017.</ref>


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
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==Literatur==
==Literatur==
* Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960.
* Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960.
* Roland Linde, mit einem Beitrag von Heinrich Stiewe, Kachtenhausen, Lage 2004.
* Roland Linde, Kachtenhausen. Eine lippische Ortsgeschichte einschließlich des Dorfes Wellentrup (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage 17), Lage 2004.
* Heinrich Stiewe, Fachwerk und Bruchstein. Historischer Hausbau in Wellentrup und Kachtenhausen, in: Roland Linde: Kachtenhausen. Eine lippische Ortsgeschichte einschließlich des Dorfes Wellentrup (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage 17), Lage 2004, S. 229-261.
* Heinrich Stiewe, „WEN GADT IS MIT VNS WOL KAN DAN WEDDER VNS SIN“ – Hausinschriften der Reformationszeit in Lippe, in: Julia Schafmeister (Hg.), Machtwort! Reformation in Lippe. Ausstellung im Lippischen Landesmuseum Detmold, 3. September 2017 bis 7. Januar 2018 (Kataloge des Lippischen Landesmuseums, Bd. 21), Detmold 2017, S. 101-118.


==Quellen==
==Quellen==

Version vom 28. Juli 2026, 21:34 Uhr

Osterheider Straße 16 (Kachtenhausen)
OrtsteilKachtenhausen
StraßeOsterheider Straße (Kachtenhausen)
Hausnummer16
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeKachtenhausen
Hausnummer001

Hof Erfling, alter Vollspännerhof in Kachtenhausen, alte Kolonatsnummer 1.

Hof Erfling, Haupthaus, Zweiständerbau von 1655, abgebrochen um 2010. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold
Haupthaus von 1655, Torbogen mit Inschrift. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold
Kachtenhausen, Hof Erfling, Haupthaus von 1655. Ansicht linke Traufe, Längsschnitt recchte Dielenseite und Grundriss, Rekonstruktion. Aufmaß und Zeichnung: Gerhard Eitzenm um 1950, Baupflegeamt Westfalen (Archiv LWL, 846/1624)

Geschichte

Der Hof Erfling ist ein alter Vollspännerhof in Kachtenhausen.

Gebäude

Großer Zweiständerbau von 1655, abgebrochen ca. 2010. Kraftvolles Gefüge, die tragenden Ständer an der Diele waren nach vier Seiten mit großen, bogenförmig ausgesägten (gekehlten) Kopfbändern verstrebt. Verbretterter Giebel, auf profilierten Knaggen vorkragend, Hauptständer durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben. Dieses prächtige Haus von 1655 war ein spätes Beispiel eines voll entwickelten Zweiständerbaus, entstanden wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Fettdielenhaus ohne Kammerfach (der zuletzt vorhandene Wohnteil war im 18. und 19. Jahrhundert angefügt worden). Flett mit eineinhalb Fach langen und dielenhohen Luchten. Über der früheren offenen Herdstelle war in halber Höhe eine verbretterte Räucherbühne eingezogen (s. Aufmaß G. Eitzen, Querschnitt). Stallteil mit Kuh- und Rinderställen in den Stallabseiten (Kübbungen) an der Diele, Pferdestall in kastenförmig vorspringendem Einbau rechts neben dem Dielentor.

Das Haus wurde um 1950 von dem Hausforscher Gerhard Eitzen aufgemessen und von Josef Schepers in seinem bekannten Werk "Haus und Hof westfälischer Bauern" gewürdigt.[1]

Inschrift

Inschrift am Torbogen:[2]

ANNO DOMINI .1655 . DEN . 14 . IVNIVS . HABE / ICK : IOHAN . ERVLLINCK . UND . MAGRETE . BEN / INCK . VAN . / HIDDENTRUP . DITH . HVS . LATEN . BUWEN / WOL. GADT . VORTRVWET HEFT . WOL . GEBVWET / IM HEMMEL . / VND VP ERDEN . DEN . WEN . GADT / IS MIT . VNS WOL KAN . DAN WEDDER / VNS . SIN. M.H.A.M.

Die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache und lateinischen Großbuchstaben in Kernschnitt enthält den bekannten "Gottvertrauensspruch", die ersten Zeilen eines Kirchenliedes von Joachim Magdeburg (1570, Ev. Gesangbuch Nr. 660) und ein Bibelzitat aus Römer 8, "Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein", im 16. und 17. Jahrhundert eine bekannte Devise der lutherischen Reformation, u. a. von Philipp Melanchthon.[3]

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1901 Heinrich Erfling, Landwirt.[4]
  • 1926 Ottilie Erfling, Wirtschafterin; Heinrich Menze, Verwalter; Wilhelm Kordhanke, Lehrer.[5]

Literatur

  • Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960.
  • Roland Linde, Kachtenhausen. Eine lippische Ortsgeschichte einschließlich des Dorfes Wellentrup (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage 17), Lage 2004.
  • Heinrich Stiewe, Fachwerk und Bruchstein. Historischer Hausbau in Wellentrup und Kachtenhausen, in: Roland Linde: Kachtenhausen. Eine lippische Ortsgeschichte einschließlich des Dorfes Wellentrup (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage 17), Lage 2004, S. 229-261.
  • Heinrich Stiewe, „WEN GADT IS MIT VNS WOL KAN DAN WEDDER VNS SIN“ – Hausinschriften der Reformationszeit in Lippe, in: Julia Schafmeister (Hg.), Machtwort! Reformation in Lippe. Ausstellung im Lippischen Landesmuseum Detmold, 3. September 2017 bis 7. Januar 2018 (Kataloge des Lippischen Landesmuseums, Bd. 21), Detmold 2017, S. 101-118.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960, S. ###; vgl. auch den Beitrag von Heinrich Stiewe in Linde, Kachtenhausen 2004.
  2. Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV
  3. Stiewe, Hausinschriften 2017.
  4. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
  5. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat

Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 15.06.2025 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 28.07.2026 von Heinrich Stiewe