Hiddentruper Straße 11-13 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Graf Otto III. von Ravensberg beurkundete 1262 als Lehnsherr den Verkauf von zwei Höfen - so genannten Mansen - in der ''villa Horste'', Kirchspiel Stapelage, seitens eines ''Gerhard Duvellescop'' an das Kloster Marienfeld.<ref>LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152</ref> <ref>Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte, S. 408</ref> Fachleute verstehen solche „Mansen“ als mittelgroße Höfe, so dass unter den Jahrhunderte später marienfeldischen Höfen in Hörste nur Hanning Nr. 6 und Hilbrink Nr. 7 als die 1262 verkauften in Frage kommen. Hier ist der Großkötterhof Hanning (später Nr. 6) also erstmals erwähnt worden - dies allerdings ohne Namensnennung. | Graf Otto III. von Ravensberg beurkundete 1262 als Lehnsherr den Verkauf von zwei Höfen - so genannten Mansen - in der ''villa Horste'', Kirchspiel Stapelage, seitens eines ''Gerhard Duvellescop'' an das Kloster Marienfeld.<ref>LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152</ref> <ref>Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte, S. 408</ref> Fachleute verstehen solche „Mansen“ als mittelgroße Höfe, so dass unter den Jahrhunderte später marienfeldischen Höfen in Hörste nur Hanning Nr. 6 und Hilbrink Nr. 7 als die 1262 verkauften in Frage kommen. Hier ist der Großkötterhof Hanning (später Nr. 6) also erstmals erwähnt worden - dies allerdings ohne Namensnennung. | ||
Mit Namen '''(Jo-)Hanning'''<ref>Man beachte bei Recherchen: Es hat ursprünglich zwei namensgleiche marienfeldische Höfe Johanning in der Vogtei Lage gegeben - einen kleineren in Hörste und einen größeren in Ohrsen. Im 17. Jahrhundert verschwindet bei dem Hörster Hof die erste Namenssilbe Jo- mehr und mehr; Johanning wird zu Hanning.</ref> findet sich der Hof in den frühen Schatzregistern: 1467 ''Cort Johannyngk 1 g.'', 1488 - , 1497 ''Hencke Johanninck 2 m.'', 1507 ''Hencke Johaninck 1 g.'', 1535 ''Hencke Johann''(in)''ck 1 ½ G.'', 1545 ''Hencke Johanninck 1 ½ Fl.'', 1562 ''Cordt Johanninck 3 Fl.'', 1572 ''Cordt Johanninck 3 Ort'', 1590 ''Curdt Johanning 1 ½ Fl.'', 1618 ''Churdt Haningh 3 Gfl.'' | Mit dem Namen '''(Jo-)Hanning'''<ref>Man beachte bei Recherchen: Es hat ursprünglich zwei namensgleiche marienfeldische Höfe Johanning in der Vogtei Lage gegeben - einen kleineren in Hörste und einen größeren in Ohrsen. Im 17. Jahrhundert verschwindet bei dem Hörster Hof die erste Namenssilbe Jo- mehr und mehr; Johanning wird zu Hanning.</ref> findet sich der Hof in den frühen Schatzregistern: 1467 ''Cort Johannyngk 1 g.'', 1488 - , 1497 ''Hencke Johanninck 2 m.'', 1507 ''Hencke Johaninck 1 g.'', 1535 ''Hencke Johann''(in)''ck 1 ½ G.'', 1545 ''Hencke Johanninck 1 ½ Fl.'', 1562 ''Cordt Johanninck 3 Fl.'', 1572 ''Cordt Johanninck 3 Ort'', 1590 ''Curdt Johanning 1 ½ Fl.'', 1618 ''Churdt Haningh 3 Gfl.'' | ||
In der Volkszählung Mitte 1609 werden uns die Menschen auf dem Hof vorgestellt - der Kötter ''Hanningh'' (Curt Hanning) mit Frau, 1 Sohn, 1 Tochter, 3 Kleinkinder(n), 1 Knecht. Der Kötter bzw. der Hof ist zu dieser Zeit ''ziemblich vermugens''. Die ebenfalls auf dem Hof lebende ''Leibzüchtersche'' mit ''1 dochter'' und 2 Kleinkindern ist dagegen arm.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 131</ref> | In der Volkszählung Mitte 1609 werden uns die Menschen auf dem Hof vorgestellt - der Kötter ''Hanningh'' (Curt Hanning) mit Frau, 1 Sohn, 1 Tochter, 3 Kleinkinder(n), 1 Knecht. Der Kötter bzw. der Hof ist zu dieser Zeit ''ziemblich vermugens''. Die ebenfalls auf dem Hof lebende ''Leibzüchtersche'' mit ''1 dochter'' und 2 Kleinkindern ist dagegen arm.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 131</ref> | ||
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Der aus Müssen stammende junge Zimmermeister Fritz Meier (1850 – 1914) wohnt seit Mitte 1882 als Einlieger im ehemals Hanningschen Haus Nr. 6. Er hat zu jener Zeit seine hochschwangere Braut geehelicht und eine Bleibe für seine junge Familie gesucht und zugleich eine Werkstatt für sein Gewerbe benötigt. Das für die verbliebene Landwirtschaft sicher überdimensionierte Haus wird also für seine Zwecke passend gewesen sein. Leute wie Fritz Meier wurden der Tradition folgend als Zimmermann/Zimmermeister bezeichnet, waren aber (gemessen an heutigen Berufsbildern) eher Bautischler, die i. d. R. alles bauten, was im ländlichen Bereich aus Holz gefertigt wurde, also gleichermaßen in der Werkstatt wie auf Baustellen tätig waren. Fritz Meier hat der familiären Überlieferung nach im Hause Hörste Nr. 6 über drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1914 einen Betrieb mit mehreren Gesellen geführt. Das zur Kaufpreisfinanzierung 1885 benötigte Darlehn von 9000 Mark kann er bis 1907 vollständig tilgen, wie der Financier (1885 Major v. Rodewald in Detmold, 1907 zum General avanciert) bestätigt.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Hörste Bd 4 Bl. 102</ref> | Der aus Müssen stammende junge Zimmermeister Fritz Meier (1850 – 1914) wohnt seit Mitte 1882 als Einlieger im ehemals Hanningschen Haus Nr. 6. Er hat zu jener Zeit seine hochschwangere Braut geehelicht und eine Bleibe für seine junge Familie gesucht und zugleich eine Werkstatt für sein Gewerbe benötigt. Das für die verbliebene Landwirtschaft sicher überdimensionierte Haus wird also für seine Zwecke passend gewesen sein. Leute wie Fritz Meier wurden der Tradition folgend als Zimmermann/Zimmermeister bezeichnet, waren aber (gemessen an heutigen Berufsbildern) eher Bautischler, die i. d. R. alles bauten, was im ländlichen Bereich aus Holz gefertigt wurde, also gleichermaßen in der Werkstatt wie auf Baustellen tätig waren. Fritz Meier hat der familiären Überlieferung nach im Hause Hörste Nr. 6 über drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1914 einen Betrieb mit mehreren Gesellen geführt. Das zur Kaufpreisfinanzierung 1885 benötigte Darlehn von 9000 Mark kann er bis 1907 vollständig tilgen, wie der Financier (1885 Major v. Rodewald in Detmold, 1907 zum General avanciert) bestätigt.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Hörste Bd 4 Bl. 102</ref> | ||
Fritz Meier hat irgendwann Magenprobleme | Fritz Meier hat irgendwann Magenprobleme, schließlich Magenkrebs, woran er sich im Juli 1914 in Schloß Neuhaus operieren lässt. Er überlebt die Operation nur wenige Tage. Dann ist seine Ehefrau/Witwe weitgehend allein mit ihrer jüngsten, 8-jährigen Tochter auf der Stätte, denn zeitgleich werden Millionen jüngere Männer in den Krieg befohlen. Anfängliche Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende gehen bald über in mühsame Jahre der Überforderung. | ||
Im Juni 1918 erscheint die im Geschäftsleben vollkommen unerfahrene Witwe Juliane Meier, geb. Brinkmann, vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und lässt sich anstelle ihres verstorbenen Mannes im Grundbuch als Eigentümerin der Stätte Hörste Nr. 6 eintragen. Im selben Termin verkauft sie die Stätte an ihren gegenüber wohnenden Nachbarn, den Colon/Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 10. Der Kaufpreis beträgt 20 000 (Papier-) Mark, Zahlung und Übergabe erfolgt am 1. April 1919. Witwe Meier zieht 1919 zu ihrer Tochter Mathilde, die auf einen Hof in Brakelsiek heiraten kann und verstirbt dort 1936 völlig mittellos, denn der Erlös aus dem Stättenverkauf - bereits zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung auf etwa den halben Wert gesunken - ist als Bankeinlage angelegt bis Ende 1923 wertlos geworden. | Im Juni 1918 erscheint die im Geschäftsleben vollkommen unerfahrene Witwe Juliane Meier, geb. Brinkmann, vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und lässt sich anstelle ihres verstorbenen Mannes im Grundbuch als Eigentümerin der Stätte Hörste Nr. 6 eintragen. Im selben Termin verkauft sie die Stätte an ihren gegenüber wohnenden Nachbarn, den Colon/Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 10. Der Kaufpreis beträgt 20 000 (Papier-) Mark, Zahlung und Übergabe erfolgt am 1. April 1919. Witwe Meier zieht 1919 zu ihrer Tochter Mathilde, die auf einen Hof in Brakelsiek heiraten kann und verstirbt dort 1936 völlig mittellos, denn der Erlös aus dem Stättenverkauf - bereits zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung auf etwa den halben Wert gesunken - ist als Bankeinlage angelegt bis Ende 1923 wertlos geworden. | ||
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==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
'''Haupthaus, um 1560''' | |||
Als Erbauer des um 1560 datierten und 1981 abgebrochenen Zweiständer-Haupthauses kann ''Cordt Johanninck'' gelten, der 1562 und 1572 in den Landschatzregistern genannt wird. | Als Erbauer des um 1560 datierten und 1981 abgebrochenen Zweiständer-Haupthauses kann ''Cordt Johanninck'' gelten, der 1562 und 1572 in den Landschatzregistern genannt wird. | ||
In den Salbüchern ist folgender Gebäudebestand des Hofes Hörste Nr. 6 vermerkt: um 1640 ''2 gebuwte vnnd 1 backhaus'' | In den Salbüchern ist folgender Gebäudebestand des Hofes Hörste Nr. 6 vermerkt: um 1640 ''2 gebuwte vnnd 1 backhaus''; 1730 ''Hannings Hoff mit 4 gebäu und 3 Erdtkuhlen''; 1771 ''an Gebäuden 1) ein Wohnhauß, 2) eine Leibzucht, 3) einen Schoppen, 4) ein Backhauß''; 1781 (wie vor), 1829 (wie vor), Nachtrag: ''ein Kotten auf IV, 15''; 1855 ''1. ein Wohnhaus, 2. eine Leibzucht, 3. einen Kotten auf dem Lande IV. 14.'' | ||
Über Veränderungen des Bestandes bzw. einzelner Gebäude verlautet: | Über Veränderungen des Bestandes bzw. einzelner Gebäude verlautet: | ||
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a) 1670 - 1675 Hans Hanning finanziert aus holländischer Erbschaft den Bau eines neuen Hauses auf dem Hof Hanning. | a) 1670 - 1675 Hans Hanning finanziert aus holländischer Erbschaft den Bau eines neuen Hauses auf dem Hof Hanning. | ||
b) um 1778 Brandschaden des Leibzuchtshauses, daraufhin 1780/81 Steine-Lieferung und Baumaßnahmen <ref>LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226</ref> | b) um 1778 Brandschaden des Leibzuchtshauses, daraufhin 1780/81 Steine-Lieferung und Baumaßnahmen.<ref>LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226</ref> | ||
c) 1842 Bau eines Kottens auf dem Ikenkamp/Saurenkamp <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 – Bd. XV, 2.</ref>, 1868 Verkauf dieses Kottens, der zur Neuwohnerstätte Hörste Nr. 65 wird <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 - Bd. XXI, 15.</ref> | c) 1842 Bau eines Kottens auf dem Ikenkamp/Saurenkamp.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 – Bd. XV, 2.</ref>, 1868 Verkauf dieses Kottens, der zur Neuwohnerstätte Hörste Nr. 65 wird <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 - Bd. XXI, 15.</ref> | ||
d) 1861 Erbvertrag zwischen (bald) abtretendem Kötterpaar und Anerben: <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 – Bd. XX, 17.</ref> (Die Alten hätten) . | d) 1861 Erbvertrag zwischen (bald) abtretendem Kötterpaar und Anerben: <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 – Bd. XX, 17.</ref> (Die Alten hätten) ''...ihre Einnahmen stets zur Verbesserung des Colonats verwandt, namentlich hätten sie mit bedeutendem Kostenaufwand die sämtlichen Colonatsgebäude theils neu gebaut, theils verbessert.'' | ||
e) 1871/72 Abriss des Leibzuchtshauses durch Col. August Hanning, aus dem Holz Bau eines Kottens auf dem Hörsterbruch, 1876 Verkauf dieses Kottens, der zur Stätte Hörste Nr. 71 wird <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 - Bd. XXV, 1.</ref> | e) 1871/72 Abriss des Leibzuchtshauses durch Col. August Hanning, aus dem Holz Bau eines Kottens auf dem Hörsterbruch, 1876 Verkauf dieses Kottens, der zur Stätte Hörste Nr. 71 wird.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 - Bd. XXV, 1.</ref> | ||
f) 1885 ''Durchbau'' des Wohnhauses seitens des neuen Besitzers Fritz Meier <ref>LAV NRW OWL, L 101, A III Nr. 431</ref> | f) 1885 ''Durchbau'' des Wohnhauses seitens des neuen Besitzers Fritz Meier.<ref>LAV NRW OWL, L 101, A III Nr. 431</ref> | ||
g) 1981 Abrissgenehmigung und Abriss des alten Wohnhauses | g) 1981 Abrissgenehmigung und Abriss des alten Wohnhauses. | ||
[[Datei:1560 Nr. 6 | [[Datei:1560 Nr. 6 Giebelansicht 846 1530 001.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann, Hörste Nr. 6: Giebelansicht, Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes von Gerhard Eitzen, 1949. Archiv LWL 846 / Kartensammlung, Nr. 846/1530]] | ||
[[Datei:1560 Nr. 6 | [[Datei:1560 Nr. 6 Grundriss 846 1518 001.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann, Hörste Nr. 6: Längs- und Querschnitt, Grundriss und Rückgiebel, Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes von Gerhard Eitzen, 1949. Archiv LWL 846 / Kartensammlung, Nr. 846/1518]] | ||
[[Datei:1560 Nr. 6 Rückwärtige Ansicht 846 1519 001.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann, Hörste Nr. 6: Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes | [[Datei:1560 Nr. 6 Rückwärtige Ansicht 846 1519 001.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann, Hörste Nr. 6: Schaubild (rückwärtige Ansicht), Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes von Gerhard Eitzen, 1949. Archiv LWL 846 / Kartensammlung, Nr. 846/1519]] | ||
[[Datei:1885 Geb steuer änderungen Hörste.jpg|mini|Baumaßnahmen u. Gebäudesteuer-Veränderungen in Hörste 1885, LAV NRW OWL, L 101 A III Nr. 431]] | [[Datei:1885 Geb steuer änderungen Hörste.jpg|mini|Baumaßnahmen u. Gebäudesteuer-Veränderungen in Hörste 1885, LAV NRW OWL, L 101 A III Nr. 431]] | ||
Neben dem nach bauhistorischen Untersuchungen um 1560 errichteten Haupthaus hat es also ein Backhaus und vor 1670 ein weiteres Haus (Leibzucht ?) auf dem Hof Hanning gegeben. Um 1673 ist dann noch ein Haus hinzugekommen. Etwa 1778 ist die Leibzucht abgebrannt, 1780 dann das Ersatzgebäude errichtet, wie der erhaltene Torbalken ausweist. Dieser Torbalken muss nach Abbruch der „neuen“ Leibzucht 1871/72 auf dem Hof Hanning verblieben sein, so dass er um 1877 bei Errichtung des nächsten, bis heute erhaltenen Hauses an gleicher Stelle (Haus Nr. 72) wieder verwendet werden konnte. | Neben dem nach den bauhistorischen Untersuchungen um 1560 errichteten Haupthaus hat es also ein Backhaus und vor 1670 ein weiteres Haus (Leibzucht ?) auf dem Hof Hanning gegeben. Um 1673 ist dann noch ein Haus hinzugekommen. Etwa 1778 ist die Leibzucht abgebrannt, 1780 dann das Ersatzgebäude errichtet, wie der erhaltene Torbalken ausweist. Dieser Torbalken muss nach Abbruch der „neuen“ Leibzucht 1871/72 auf dem Hof Hanning verblieben sein, so dass er um 1877 bei Errichtung des nächsten, bis heute erhaltenen Hauses an gleicher Stelle (Haus Nr. 72) wieder verwendet werden konnte. | ||
Die 1861 im Erbvertrag vom Ehepaar Hanning in Anspruch genommene Leistung „Colonatsgebäude theils neu gebaut“ bezieht sich offenbar auf den Kotten Ikenkamp. Daneben hatte das Haupthaus - wie auf einem Abbruch-Foto zu erkennen - im hinteren Wohnbereich auf der Ostseite einen seitlichen bruchsteinernen Anbau, dessen Errichtung auf dieses seit 1829 wirtschaftende Kötterpaar zurückgehen kann. | Die 1861 im Erbvertrag vom Ehepaar Hanning in Anspruch genommene Leistung „Colonatsgebäude theils neu gebaut“ bezieht sich offenbar auf den Kotten Ikenkamp. Daneben hatte das Haupthaus - wie auf einem Abbruch-Foto zu erkennen - im hinteren Wohnbereich auf der Ostseite einen seitlichen bruchsteinernen Anbau, dessen Errichtung auf dieses seit 1829 wirtschaftende Kötterpaar zurückgehen kann. | ||
Die ursprüngliche | Die ursprüngliche Baustruktur und Nutzung des Haupthauses aus der Zeit um 1560 geht aus der Bauaufnahme und -rekonstruktion von Gerhard Eitzen hervor. Es handelte sich um einen hochwertige verzimmerten Zweiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern, die verbretterten Giebel kragten auf gekehlten Taubandknaggen vor. Die tragenden Hauptständer waren im Giebel mit beidseitigen, ebenfalls gekehlten Kopfbändern markiert. Josef Schepers beschreibt das Haus wie folgt: "Flettdeelenhaus mit hoher Esslucht und verkümmerter Waschlucht. In die Seitenschiffe eingeschobene Kammern. Am Wohngiebel gleichzeitiger einhüftiger Vorbau mit Aufkammer (kleinem Saal), Anfang 17. Jh. zu vollem Kammerfach erweitert. Einst Giebelausgang. Zweiständerbau, weiter Balkenüberstand. Von Ständerköpfen 2 Rähm- und 2 Balkenkopfbänder abzweigend."<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, 1. Auflage Münster 1960, Tafel 169.</ref> | ||
Sehr beschränkte Finanzmittel haben über die letzten Jahrhunderte nur ebenso beschränkte Veränderungen des Hauses zugelassen. Der nach Erwerb des Hauses von Zimmermeister Fritz Meier 1885 vorgenommene „Durchbau“ wird u.a. in Hinblick auf die Nutzungsänderung erfolgt sein: Wo vorher Pferde und Großvieh im Halbdunkel standen, war für eine Zimmermannswerkstatt Licht erforderlich, wurden die erkennbaren Fenster in den Bereichen Pferdestall und Deele eingebaut. Unter „nähere Beschreibung“ des Hauses wird 1885 | Sehr beschränkte Finanzmittel haben über die letzten Jahrhunderte nur ebenso beschränkte Veränderungen des Hauses zugelassen. Der nach Erwerb des Hauses von Zimmermeister Fritz Meier 1885 vorgenommene „Durchbau“ wird u.a. in Hinblick auf die Nutzungsänderung erfolgt sein: Wo vorher Pferde und Großvieh im Halbdunkel standen, war für eine Zimmermannswerkstatt Licht erforderlich, wurden die erkennbaren Fenster in den Bereichen Pferdestall und Deele eingebaut. Unter „nähere Beschreibung“ des Hauses wird 1885 verzeichnet: "3 Stuben, 5 Kammern, 2 Küchen, 1 Dreschdehl, 3 Keller, Stallung, 1 Werkstätte, 8 Bühnen, Boden. 3 H(ektar) 25 Ar 60 qm." | ||
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• Hans, * um 1605, Anerbe | • Hans, * um 1605, Anerbe | ||
ca. 1630 – 1676 Hans Hanning (ca. 1605 – n. 1682), ∞ 1629 Trinecke Voß (ca. 1605 – n. 1682) von Wellentrup Nr. 11 | ca. 1630 – 1676 Hans Hanning (ca. 1605 – n. 1682), ∞ 1629 Trinecke Voß (ca. 1605 – n. 1682) von Wellentrup Nr. 11 | ||
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• Bartold, * um 1635, Anerbe | • Bartold, * um 1635, Anerbe | ||
1676 – 1713 Bartold Hanning (um 1635 – 1713), ∞ 1671/72 Anna Margarethe Löwe aus Greste <ref>Name der Braut/Ehefrau aus LAV NRW W, B 214, Nr. 1 - 16i, fol. 47r; Datum der Eheschließung aus LAV NRW OWL, L 16 Nr. 163</ref> | 1676 – 1713 Bartold Hanning (um 1635 – 1713), ∞ 1671/72 Anna Margarethe Löwe aus Greste <ref>Name der Braut/Ehefrau aus LAV NRW W, B 214, Nr. 1 - 16i, fol. 47r; Datum der Eheschließung aus LAV NRW OWL, L 16 Nr. 163</ref> | ||
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• Anna Elisabeth Ilsabein, * 1682, ∞ 1709, wird Hollmannsche in Ehrentrup Nr. 6, † 1745 | • Anna Elisabeth Ilsabein, * 1682, ∞ 1709, wird Hollmannsche in Ehrentrup Nr. 6, † 1745 | ||
1713 – 1741 Hans Bartold Hanning (1678 – 1741), ∞ (I) 1715 Anna Elisabeth Hartwig (1693 – 1746) aus Ehrdissen, diese ∞ (II) 1743 Johann Jobst Berend Beining (1711 – 1782) aus Hiddentrup, der Interimswirt und ab 1754 Leibzüchter Hanning wird, er ∞ (III) 1753 Anna Maria Leßmeyer aus Hörste | 1713 – 1741 Hans Bartold Hanning (1678 – 1741), ∞ (I) 1715 Anna Elisabeth Hartwig (1693 – 1746) aus Ehrdissen, diese ∞ (II) 1743 Johann Jobst Berend Beining (1711 – 1782) aus Hiddentrup, der Interimswirt und ab 1754 Leibzüchter Hanning wird, er ∞ (III) 1753 Anna Maria Leßmeyer aus Hörste | ||
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• Johann Berend Ferdinand, * 1764, † 1769 (Blattern) | • Johann Berend Ferdinand, * 1764, † 1769 (Blattern) | ||
1743 – 1754 Johann Jobst Berend Hanning, geb. Beining (1711 – 1782) (vgl. oben) | 1743 – 1754 Johann Jobst Berend Hanning, geb. Beining (1711 – 1782) (vgl. oben) | ||
1754 – 1792 Johann Berend Hanning (1728 – 1792), ∞ 1754 Anna Catharina Ilsabein Brinkmeyer (1733 – 1828) aus Jerxen | 1754 – 1792 Johann Berend Hanning (1728 – 1792), ∞ 1754 Anna Catharina Ilsabein Brinkmeyer (1733 – 1828) aus Jerxen | ||
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• Amalie Sophie Elisabeth, * 1777, † 1777 (Kinderschürken) | • Amalie Sophie Elisabeth, * 1777, † 1777 (Kinderschürken) | ||
1792 – 1798 Töns Henrich Hanning (1770 – 1798), ∞ (I) 1792 Anne Margarethe Elisabeth Lüking (1767 – 1817) von Evenhausen Nr. 6, diese ∞ (II) 1799 Johann Henrich Orbke (1765 – n. 1831) aus Bechterdissen, der Interimswirt Hanning in Hörste wird | 1792 – 1798 Töns Henrich Hanning (1770 – 1798), ∞ (I) 1792 Anne Margarethe Elisabeth Lüking (1767 – 1817) von Evenhausen Nr. 6, diese ∞ (II) 1799 Johann Henrich Orbke (1765 – n. 1831) aus Bechterdissen, der Interimswirt Hanning in Hörste wird | ||
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• Friedrich Adolph, * 1808, † 1810 | • Friedrich Adolph, * 1808, † 1810 | ||
1799 – 1826 Johann Henrich Hanning, geb. Orbke, (1765 – n. 1831) aus Bechterdissen, Interimswirt (s. o.) | 1799 – 1826 Johann Henrich Hanning, geb. Orbke, (1765 – n. 1831) aus Bechterdissen, Interimswirt (s. o.) | ||
1826 – 1828 Töns Christoph Hanning (1795 – 1828), ∞ (I) 1826 Amalia Ilsabein Brink (1802 – 1864) von Hörste Nr. 8, diese ∞ (II) 1829 Justus Franziskus Emilius Lüking (1798 – 1870) von Greste/Evenhausen Nr. 9, der GK Hanning in Hörste wird | 1826 – 1828 Töns Christoph Hanning (1795 – 1828), ∞ (I) 1826 Amalia Ilsabein Brink (1802 – 1864) von Hörste Nr. 8, diese ∞ (II) 1829 Justus Franziskus Emilius Lüking (1798 – 1870) von Greste/Evenhausen Nr. 9, der GK Hanning in Hörste wird | ||
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• Wilhelm Gottlieb, * 1845, ∞ 1875, Einl./Arbeiter, † 1905 in Ehrentrup | • Wilhelm Gottlieb, * 1845, ∞ 1875, Einl./Arbeiter, † 1905 in Ehrentrup | ||
1864 – 1876 <u>August</u>us Franziskus Hanning (1834 – 1905), ∞ 1864 Juliane Karoline Flügel (1841 – 1898) von Heesten Nr. 9, kauft 1875 den verschuldeten Hof Heesten Nr. 9 von seinem ausgewanderten Schwager, bewirtschaftet diesen Hof und lebt dort mit Familie, verkauft in den Jahren danach (in Teilflächen) seinen ererbten Hof Hanning Nr. 6 in Hörste | 1864 – 1876 <u>August</u>us Franziskus Hanning (1834 – 1905), ∞ 1864 Juliane Karoline Flügel (1841 – 1898) von Heesten Nr. 9, kauft 1875 den verschuldeten Hof Heesten Nr. 9 von seinem ausgewanderten Schwager, bewirtschaftet diesen Hof und lebt dort mit Familie, verkauft in den Jahren danach (in Teilflächen) seinen ererbten Hof Hanning Nr. 6 in Hörste | ||
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• Emilie Karoline gen. Hermine, * 1872 | • Emilie Karoline gen. Hermine, * 1872 | ||
(1876 Verkauf des (bereits um div. Flächen verkleinerten) Hofes Nr. 6 an die Besitzerin des Nachbarhofes Nr. 7, Witwe Colona Hilbrink) | (1876 Verkauf des (bereits um div. Flächen verkleinerten) Hofes Nr. 6 an die Besitzerin des Nachbarhofes Nr. 7, Witwe Colona Hilbrink) | ||
1876 – 1882 (Witwe Colona Hilbrink, geb. Schmidtmeier, Hörste Nr. 7) | 1876 – 1882 (Witwe Colona Hilbrink, geb. Schmidtmeier, Hörste Nr. 7) | ||
(1882 öffentlicher Verkauf des Hofes Nr. 6 gegen Höchstgebot; Käufer: Pferdehändler Isaak Hochfeld in Lemgo) | (1882 öffentlicher Verkauf des Hofes Nr. 6 gegen Höchstgebot; Käufer: Pferdehändler Isaak Hochfeld in Lemgo) | ||
1882 – 1884 (Pferdehändler Issak Hochfeld, Lemgo), Einl. ab 1882: Zimmermeister Fritz Meier | 1882 – 1884 (Pferdehändler Issak Hochfeld, Lemgo), Einl. ab 1882: Zimmermeister Fritz Meier | ||
(1884 Verkauf des Hofes Nr. 6 durch Hochfeld in Teilflächen an div. Käufer - dabei der Hofstelle/des Haupthauses mit 3,25 ha Land an den dort bereits wohnenden Einlieger Zimmermeister Fritz Meier) | (1884 Verkauf des Hofes Nr. 6 durch Hochfeld in Teilflächen an div. Käufer - dabei der Hofstelle/des Haupthauses mit 3,25 ha Land an den dort bereits wohnenden Einlieger Zimmermeister Fritz Meier) | ||
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• <u>Erna</u> Paula Frieda Minna, * 1905, ∞ um 1930 Willi Lükermann, Holzbildhauer in Heiligenkirchen/Schling, † 2005 | • <u>Erna</u> Paula Frieda Minna, * 1905, ∞ um 1930 Willi Lükermann, Holzbildhauer in Heiligenkirchen/Schling, † 2005 | ||
1914 – 1919 Witwe Johanne Juliane Meier, geb. Nedderhof (1863 – 1936) (vgl. oben) | 1914 – 1919 Witwe Johanne Juliane Meier, geb. Nedderhof (1863 – 1936) (vgl. oben) | ||
(1918/19 Verkauf des Resthofes Hörste Nr. 6 seitens der Witwe Juliane Meier, geb. Nedderhof, an den Nachbarn Landwirt August Brockmann, Hörste Nr. 10) | (1918/19 Verkauf des Resthofes Hörste Nr. 6 seitens der Witwe Juliane Meier, geb. Nedderhof, an den Nachbarn Landwirt August Brockmann, Hörste Nr. 10) | ||
1919 - 1929 Landwirt Adolf <u>August</u> Brokmann (seit 1913 auf der Nachbarstätte Hörste Nr. 10) (1871 – 1939), ∞ 1900 <u>Emilie</u> Auguste Prüßner (* 1880) von Asmissen Nr. 14 († nach 1940) | 1919 - 1929 Landwirt Adolf <u>August</u> Brokmann (seit 1913 auf der Nachbarstätte Hörste Nr. 10) (1871 – 1939), ∞ 1900 <u>Emilie</u> Auguste Prüßner (* 1880) von Asmissen Nr. 14 († nach 1940) | ||
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ab 1929 Fritz Brokmann (1900 – 1955), Landwirt, ∞ 1937 Lina Hermine Hanke | ab 1929 Fritz Brokmann (1900 – 1955), Landwirt, ∞ 1937 Lina Hermine Hanke | ||
Bewohner des Hofes Hörste Nr. 6 in Volkszählungen (VZ) und Adressbüchern (AB): | Bewohner des Hofes Hörste Nr. 6 in Volkszählungen (VZ) und Adressbüchern (AB): | ||
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- Leibzüchter Hanning (Ma + 1 To) | - Leibzüchter Hanning (Ma + 1 To) | ||
1901 (AB): 6 Meier, Friedrich, Tischler. Kreuzbusch, Wilhelm, Ziegelmeister. | |||
Brokmann, Paul, Landwirt | 1926 (AB): 6 Brokmann, August, Landwirt -> 132 (Lage). Brokmann, Fritz, Landwirt. Brokmann, Paul, Landwirt | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||