Lopshorner Allee Jagdschloss Lopshorn (Augustdorf): Unterschied zwischen den Versionen
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1657 erbautes Jagdhaus, durch Graf Simon Heinrich ab 1680–1685 durch ein Schloss ersetzt, Umbau 1837–1840, Zerstörung durch Brandstiftung 1945. Gemarkung Augustdorf, Flur 19, Flurstück 1 "Gestütskamp Lopshorn". | 1657 erbautes Jagdhaus, durch Graf Simon Heinrich ab 1680–1685 durch ein Schloss ersetzt, Umbau 1837–1840, Zerstörung durch Brandstiftung 1945. Gemarkung Augustdorf, Flur 19, Flurstück 1 "Gestütskamp Lopshorn". | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Zunächst 1657 als Jagdhaus für Graf Hermann Adolf zur Lippe erbaut. Unter dessen Sohn Graf Simon Heinrich zur Lippe ab 1680–1685 Bau des Jagdschlosses Lopshorn. Abseits war die der Versorgung des Schlosses dienende Meierei untergebracht. Das Zeughaus für die Jagdutensilien wurde nach einem Brandereignis Anfang des 19. Jh. wieder aufgebaut. Umfassende Renovierung 1837–1840 nach Plänen des Landbaumeisters Ferdinand Brune, der das Gebäude schon 1827 als baufällig bezeichnet hatte.<ref>{{KleinmannsLandbaumeister2024}}, S. 155 f.</ref> In beiden Geschossen vollständig neuer Innenausbau, neues Dach, Überformung der Fassaden. Umgestaltung des Inneren in Formen der Neorenaissance unter Fürst Woldemar zur Lippe, unter Fürst Leopold IV. Ausbau des Dachgeschosses für Bedientenkammern. Nach der Novemberrevolution bliebt das Jagdschloss Lopshorn im Domanialvertrag von 1919 Eigentum der Familie zur Lippe. 1957 Enteignung zugunsten des militärischen Übungsplatzes.<ref>{{LippeLopshorn2004}}, S. 117.</ref> | Zunächst 1657 als Jagdhaus für Graf Hermann Adolf zur Lippe erbaut. Unter dessen Sohn Graf Simon Heinrich zur Lippe ab 1680–1685 Bau des Jagdschlosses Lopshorn. Abseits war die der Versorgung des Schlosses dienende [[Lopshorner Allee Meierei Lopshorn (Augustdorf)|Meierei]] untergebracht. Das Zeughaus für die Jagdutensilien wurde nach einem Brandereignis Anfang des 19. Jh. wieder aufgebaut. Umfassende Renovierung 1837–1840 nach Plänen des Landbaumeisters Ferdinand Brune, der das Gebäude schon 1827 als baufällig bezeichnet hatte.<ref>{{KleinmannsLandbaumeister2024}}, S. 155 f.</ref> In beiden Geschossen vollständig neuer Innenausbau, neues Dach, Überformung der Fassaden. Umgestaltung des Inneren in Formen der Neorenaissance unter Fürst Woldemar zur Lippe, unter Fürst Leopold IV. Ausbau des Dachgeschosses für Bedientenkammern. Nach der Novemberrevolution bliebt das Jagdschloss Lopshorn im Domanialvertrag von 1919 Eigentum der Familie zur Lippe. 1957 Enteignung zugunsten des militärischen Übungsplatzes.<ref>{{LippeLopshorn2004}}, S. 117.</ref> | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
[[Datei:Lopshorn_Lennep_6-L-1.png|thumb|Jagdhaus Lopshorn, Kupferstich, Elias und Heinrich van Lennep, um 1663/65 (LLB, 6 L 1)]] | [[Datei:Lopshorn_Lennep_6-L-1.png|thumb|Jagdhaus Lopshorn, Kupferstich, Elias und Heinrich van Lennep, um 1663/65 (LLB, 6 L 1)]] | ||
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Die ab 1680 entstandene Schlossanlage bestand aus dem Schlossgebäude und den seitlich angeordneten Nebengebäuden, Pferdehaus und Zeughaus, die einen Ehrenhof bildeten, der durch ein Gitter an der vierten Seite abgeschlossen war. Das Eingangstor darin wurde beidseits von zwei ruhenden Hirschen flankiert. Fassade an beiden Schauseiten mit einem Portikus von vier jonischen Säulen mit Balkon und flachem Dreiecksgiebel, darin Uhr, Freitreppe mit Eisengeländer, kräftiges Hauptgesims, Dachreiter mit Glocke und Wetterfahne in Form eines Pferdes. Im Inneren sorgte der Dekorationsmaler Carl Falcke aus Hannover 1840 im großen Saal und im kleinen Saal (Speisesaal) für eine neue Ausmalung der Decken und Wände sowie der Öfen, zwei Spiegel für den großen Saal aus der Spiegelfabrik Federlein in Hannover. Bildhauergehilfe Friedrich Nothholz schuf und restaurierte Hirschköpfe, Kränze, Bänder und Rosen aus Stuck, der Königliche Hofstuckateur Wilhelm Nolte in Hannover lieferte Platten von gelbem Stuckmarmor. Im Garten ein 216 Fuß tiefer Brunnen, überdacht von einem achteckigen Brunnenhäuschen. | Die ab 1680 entstandene Schlossanlage bestand aus dem Schlossgebäude und den seitlich angeordneten Nebengebäuden, Pferdehaus und Zeughaus, die einen Ehrenhof bildeten, der durch ein Gitter an der vierten Seite abgeschlossen war. Das Eingangstor darin wurde beidseits von zwei ruhenden Hirschen flankiert. Fassade an beiden Schauseiten mit einem Portikus von vier jonischen Säulen mit Balkon und flachem Dreiecksgiebel, darin Uhr, Freitreppe mit Eisengeländer, kräftiges Hauptgesims, Dachreiter mit Glocke und Wetterfahne in Form eines Pferdes. Im Inneren sorgte der Dekorationsmaler Carl Falcke aus Hannover 1840 im großen Saal und im kleinen Saal (Speisesaal) für eine neue Ausmalung der Decken und Wände sowie der Öfen, zwei Spiegel für den großen Saal aus der Spiegelfabrik Federlein in Hannover. Bildhauergehilfe Friedrich Nothholz schuf und restaurierte Hirschköpfe, Kränze, Bänder und Rosen aus Stuck, der Königliche Hofstuckateur Wilhelm Nolte in Hannover lieferte Platten von gelbem Stuckmarmor. Im Garten ein 216 Fuß tiefer Brunnen, überdacht von einem achteckigen Brunnenhäuschen. | ||
Bei der Auflösung des Gutsbezirks Lopshorn und Eingemeindung nach Augustdorf wurden 1933 vier Hausnummern vergeben: Schloß Lopshorn, Augustdorf 262; Inspektorwohnung Lopshorn, Augustdorf 263; Gestütsaufseherwohnung Lopshorn, Augustdorf 264; Meierei Lopshorn, Augustdorf 265.<ref>LAV NRW OWL L 101 C IV Nr. 3: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Augustdorf, | Bei der Auflösung des Gutsbezirks Lopshorn und Eingemeindung nach Augustdorf wurden 1933 vier Hausnummern vergeben: Schloß Lopshorn, Augustdorf 262; [[Lopshorner Allee Inspektorwohnung Lopshorn (Augustdorf)|Inspektorwohnung Lopshorn]], Augustdorf 263; [[Lopshorner Allee Gestütsaufseherwohnung Lopshorn (Augustdorf)|Gestütsaufseherwohnung Lopshorn]], Augustdorf 264; Meierei Lopshorn, Augustdorf 265.<ref>LAV NRW OWL L 101 C IV Nr. 3: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Augustdorf, | ||
[1890] – ca. 1961.</ref> | [1890] – ca. 1961.</ref> | ||
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Eigentümerin war die Familie zur Lippe (bis 1789 Grafen, 1789–1918 Fürsten). | Eigentümerin war die Familie zur Lippe (bis 1789 Grafen, 1789–1918 Fürsten). | ||
1901 Fürstl. Jagdschloss und Sommerresidenz; Bewohner*innen: Otto Quent, Oberjäger; Fritz Lesemann, Gestütsaufseher.<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 219.</ref> | 1901 Fürstl. Jagdschloss und Sommerresidenz; Bewohner*innen (in den Vorgebäuden): Otto Quent, Oberjäger; Fritz Lesemann, Gestütsaufseher.<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 219.</ref> | ||
1926 Gutsbezirk und Schloss Lopshorn: Fritz Rott, Kutscher; Robert Sobczak, Sattelmeister; Heinrich Kaufmann, Futtermeister; Heinrich Kuhlmann, Landwirt; Heinrich Schlepper, Forstarbeiter; Heinrich Sielemann, Gestütswärter; Karl Schulz, Oberjäger; Marie Jurisch, Wirtschafterin.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 698.</ref> | 1926 Gutsbezirk und Schloss Lopshorn: Fritz Rott, Kutscher; Robert Sobczak, Sattelmeister; Heinrich Kaufmann, Futtermeister; Heinrich Kuhlmann, Landwirt; Heinrich Schlepper, Forstarbeiter; Heinrich Sielemann, Gestütswärter; Karl Schulz, Oberjäger; Marie Jurisch, Wirtschafterin.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 698.</ref> | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
Lisa Marie Bergann, Jagdschloss Lopshorn und die Jagdsammlung des Hauses Lippe, in: Heiner Borggrefe/Michael Bischoff/Vera Lüpkes, Hofjagd. Privileg und Spektakel, Lemgo 2021, S. 197–205. | |||
{{LippeLopshorn2004}}. | {{LippeLopshorn2004}}. | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||