Teutoburger-Wald-Straße 16 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

Dr. Horst Wissbrock (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Dr. Horst Wissbrock (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 16: Zeile 16:
Aus dem Jahre 1603 wird eine etwas delikate Angelegenheit berichtet: 1602 ist des Kötter Webers Frau verstorben <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 195 </ref>, und der Witwer mit drei Kindern — wohl der in den Schatzregistern genannte Marten Weber — hat noch im selben Jahr wieder geheiratet. ''Trine, der alten Beinschen zu Wellentrup dochter'', ist diese zweite Ehefrau.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 196</ref> Irgendwie muss dem Lagenser Amtmann Johannes Backbier ein Jahr später zu Ohren gekommen sein, was man heute als höchst private Angelegenheit sehen würde, der Amtmann aber an das Geistliche Gericht in Detmold — die zentrale Stelle für Ehe- und Partnerschaftsfragen im damaligen Lippe — berichtet: <ref>LAV NRW OWL, L 85 Nr. 2291</ref>  .  .  . ''daß der Weffer zu Hörste an der alten Beinschen Tochter Trinen zu Wellentrup ehelich bestattet, folgends aber nach geendigter ehelicher Copulation, hatt sich gedachte Trine des Weffers genzlich geeußert'' (verweigert), ''vnndt Ihme nit ehelich beÿwohnen wollen, welches sich der Weffer hiebevör bei den wolgeb: unsern allerseits gnedig Hern vnderthenig abgeclagt, Ich s.''(selbst) ''auch gnedig darauf befohlen, man sollte sie ernstlich dahin ermahnen, daß sie Weffer ehelich wie sich deßen geziembt, beiwohnte, wo aber nit, sollte man sie durch Zwangsmittel dahin halten.    .  .  .'' Wie die Sache ausgeht, wird nicht berichtet. Sechs Jahre später in der Volkszählung wird Weber jedenfalls mit Frau und zwei Kleinkindern erfasst.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 142, S. 136</ref>
Aus dem Jahre 1603 wird eine etwas delikate Angelegenheit berichtet: 1602 ist des Kötter Webers Frau verstorben <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 195 </ref>, und der Witwer mit drei Kindern — wohl der in den Schatzregistern genannte Marten Weber — hat noch im selben Jahr wieder geheiratet. ''Trine, der alten Beinschen zu Wellentrup dochter'', ist diese zweite Ehefrau.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 196</ref> Irgendwie muss dem Lagenser Amtmann Johannes Backbier ein Jahr später zu Ohren gekommen sein, was man heute als höchst private Angelegenheit sehen würde, der Amtmann aber an das Geistliche Gericht in Detmold — die zentrale Stelle für Ehe- und Partnerschaftsfragen im damaligen Lippe — berichtet: <ref>LAV NRW OWL, L 85 Nr. 2291</ref>  .  .  . ''daß der Weffer zu Hörste an der alten Beinschen Tochter Trinen zu Wellentrup ehelich bestattet, folgends aber nach geendigter ehelicher Copulation, hatt sich gedachte Trine des Weffers genzlich geeußert'' (verweigert), ''vnndt Ihme nit ehelich beÿwohnen wollen, welches sich der Weffer hiebevör bei den wolgeb: unsern allerseits gnedig Hern vnderthenig abgeclagt, Ich s.''(selbst) ''auch gnedig darauf befohlen, man sollte sie ernstlich dahin ermahnen, daß sie Weffer ehelich wie sich deßen geziembt, beiwohnte, wo aber nit, sollte man sie durch Zwangsmittel dahin halten.    .  .  .'' Wie die Sache ausgeht, wird nicht berichtet. Sechs Jahre später in der Volkszählung wird Weber jedenfalls mit Frau und zwei Kleinkindern erfasst.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 142, S. 136</ref>


Marten Weber verstirbt 1618; vermutlich folgt ihm ein Interimswirt, der wiederum 1635/36 verstirbt. In der nächsten Generation kommt es erneut zu zwei Ehen — einer ersten um 1630 und einer zweiten nach dem Tode des jungen Kötters 1635/36 durch Wiederheirat der Witwe Sophie Weber 1638. Drei Kinder aus diesen beiden Ehen leben Ende 1656: Simon, 25 Jahre; Cordt, 18 Jahre; Frantz, 12 Jahre.
Marten Weber verstirbt 1618; vermutlich folgt ihm ein Interimswirt, der wiederum 1635/36 verstirbt. In der nächsten Generation kommt es erneut zu zwei Ehen — einer ersten um 1630 und einer zweiten nach dem Tode des jungen Kötters 1635/36 durch Wiederheirat der Witwe Sophie Weber 1638. Drei Kinder aus diesen beiden Ehen leben Ende 1656: Simon, 25 Jahre; Cordt, 18 Jahre; Frantz, 12 Jahre.<ref>in der Volkszählung Ende 1648 werden ''3 erwachsene Kinder'' sowie ''2'' (Kinder) ''unter 8 Jahren'' genannt. Zwei Kinder (eins vor 1640, eins nach 1640 geboren) sind offenbar zwischen Ende 1648 und Ende 1656 verstorben. LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 326</ref>


Über Generationen verläuft das Leben auf der Weber-Stätte wie weithin üblich — die wohl einzige Besonderheit: Man ist nicht nur Weber (und Ziegler), sondern heißt auch so. Gleichwohl wird der Ende des 19. Jahrhunderts die Stätte besitzende Kötter August Weber entgegen den Vorgenerationen ausschließlich als Ziegler bezeichnet, denn zu dieser Zeit lässt sich mit Weben kein Geld mehr verdienen. War einst die Finanzlage gut (1645: ''hat einzufordern 100 Thllr.''), werden im 19. Jahrhundert die Schulden mehr und mehr. Lebten 1645 drei (überlebende) Kinder auf der Stätte, gilt es im 19. Jahrhundert, sechs und mehr Kinder in jeder Generation abzufinden.
Über Generationen verläuft das Leben auf der Weber-Stätte wie weithin üblich — die wohl einzige Besonderheit: Man ist nicht nur Weber (und Ziegler), sondern heißt auch so. Gleichwohl wird der Ende des 19. Jahrhunderts die Stätte besitzende Kötter August Weber entgegen den Vorgenerationen ausschließlich als Ziegler bezeichnet, denn zu dieser Zeit lässt sich mit Weben kein Geld mehr verdienen. War einst die Finanzlage gut (1645: ''hat einzufordern 100 Thllr.''), werden im 19. Jahrhundert die Schulden mehr und mehr. Lebten 1645 drei (überlebende) Kinder auf der Stätte, gilt es im 19. Jahrhundert, sechs und mehr Kinder in jeder Generation abzufinden.
Zeile 54: Zeile 54:


• Cordt, * 1638, ∞ 1664 (kauft sich 1664 frei)
• Cordt, * 1638, ∞ 1664 (kauft sich 1664 frei)
• NN1, * vor 1640, † vor 1657
• NN2, * nach 1640, † vor 1657


• Frantz, * 1644
• Frantz, * 1644