Friedrich-Petri-Straße 5 (Lage): Unterschied zwischen den Versionen
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Im 20. Jahrhundert wurden noch einige Toiletten und ein kleines Badezimmer hinzugefügt. In diesem Zustand wurde das Haus noch bis 1986 vermietet und bewohnt. | Im 20. Jahrhundert wurden noch einige Toiletten und ein kleines Badezimmer hinzugefügt. In diesem Zustand wurde das Haus noch bis 1986 vermietet und bewohnt. | ||
'''1871''' (gemalte Jahreszahl auf einem Sandstein-Türsturz) wurde links von dem Fachwerkbau ein zweigeschossiges Werkstattgebäude mit einem Bruchsteinuntergeschoss und einem Backsteinobergeschoss erbaut, das als '''Lohgerberei''' genutzt wurde. Das Gebäude besaß einen vierkantigen Industrieschornstein aus Backstein. Vier Gerbgruben wurden 2014-17 in den freigelegten Grundmauern des 2004 abgebrochenen Gebäudes gefunden und mit Metallgittern gesichert. | |||
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Version vom 30. August 2026, 18:29 Uhr
| Friedrich-Petri-Straße 5 (Lage) | |
|---|---|
| Ortsteil | Lage (Kernstadt) |
| Straße | Friedrich-Petri-Straße (Lage) |
| Hausnummer | 5 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Nein |
Sogenannte "Alte Burg", ehemaliges Vogteigebäude von 1618 (d), ältester Fachwerkbau in der Kernstadt von Lage, und Lohgerberei von 1871, beide Gebäude 2004 abgebrochen. Kritiker werfen der Stadt Lage vor, jahrelang nichts zur Sicherung und Erhaltung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes unternommen zu haben. 2014-17 wurden erhaltene Mauerreste und Fußböden der beiden Gebäude im Gelände konserviert und als archäologische Stätte zugänglich gemacht.[1]





Geschichte
Das relativ große Grundstück nördlich der Langen Straße am rechten Ufer der Werre wird in älteren Katastern als "Freier Hof" bezeichnet und war bis ins 18. Jahrhundert in landesherrlichem Besitz, in unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die ehemalige landesherrliche Wassermühle (abgebrochen in den 1960eer Jahren). Die verkehrsgünstige Lage in der Nähe eines alten Flussübergangs über die Werre am westlichen Rand des Siedlungskerns von Lage spricht für die Annahme, hier die urkundlich nachgewiesene "Burg zur Lage" zu lokalisieren. 1984 legten Mitglieder der Arbeitsgruppe Natur- und Denkmalschutz im Lippischen Heimatbund, Ortsverein Lage, mit fachlicher Unterstützung des Lippischen Landesmuseums Detmold (Dr. Friedrich Hohenschwert) einen Grabugsschnitt an, bei dem ein mittelalterlicher Graben angeschnitten wurde, der nach den gefundenen Scherben im 15.-17. Jahrhundert verfüllt worden ist. Dieser Graben ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der spätmittelalterlichen Burganlage zuzuordnen.
Gebäude
Das Fachwerkgebäude (abgebrochen 2004) wurde 1985 von Heinrich Stiewe im Auftrag des Ortsvereins Lage im Lippischen Heimatbund aufgemessen und bauhistorisch untersucht.[2]
Freistehender Fachwerkbau von 10 Fachen (11 Gebinden), dendrochronologisch datiert 1618 (d). Schmaler Wandständerbau (Grundfläche: 9,3 x 19,6 m) mit eingehälsten Deckenbalken und Sparrenschwellen (Oberrähmen), im Wandfachwerk lange Fußstreben, die über die Riegel geblattet sind (rechte Traufwand). Zweistöckige Giebel, im unteren Stockwerk Fachwerk, oben verbrettert, auf kleinen Stichköpfen vorgekragt. Im Vordergiebel waren bauzeitliche Backsteinausfachungen mit Ziermustern erhalten (vgl. Giebelansicht, Rekonstruktion).
Trotz zahlreicher späterer Umbauten und Erweiterungen konnte die Bau- und Raumstruktur des Ursprungsbaus von 1618 (d) vollständig rekonstruiert werden (vgl. Grundriss, Rekonstruktion): Anstelle der zuletzt vorhandenen Haustür im Vordergiebel (Südost-Giebel) bestand ein großes Dielentor, die breiten Torständer waren noch erhalten. Das Tor führte auf eine hohe, aber nur etwa 4 m breite Diele, die sich in der Mitte des Hauses zu einer großen, vier Fache langen Flettküche erweiterte; dahinter lag ein drei Fach langer, kaminbeheizter Saal.
In der vorderen rechten Hausecke befand sich ein nur geringfügig eingetiefetr Keller mit Balkendecke und ca. 55 cm starken Bruchsteinmauern mit drei quadratischen Kellerfenstern mit eiserner Vergitterung (das Kellermauerwerk blieb beim Abbruch erhalten und wurde 2014-17 konserviert). Über dem Keller lag eine geräumige Stube mit großen, ursprünglich bleiverglasten Fenstern, die ein Fensterband am Südostgiebel bilden und zwei Fenstern an der Nordostseite. Diese Stube mit einer anschließenden Schlafkammer war vermutlich die Wohn- und Amtsstube des Vogtes der Vogtei Lage.
Hinter diesem unterkellerten Einbau weitete sich die Diele zu einer hausbreiten Flettküche von drei Fachen mit einem mächtigen Herdkamin aus Bruchsteinmauerwerk in der hinteren Querwand. Es ist anzunehmen, dass diese Küche seitliche Ausgänge und große bleiverglaste Fenster in den Traufwänden besaß, ähnlich dem Flett eines Bauernhauses. Hinter der Querwand lag ursprünglich ein drei Fache langer, dielenhoher Saal, der durch einen kleineren Kamin an der Rückseite des Küchenkamins beheizt werden konnte. Beide Kamine besaßen schlichte, abgerundete und scharrierte Kragsteine ohne weitere Dekorationselemente. Kaminstürze und Rauchfänge waren nciht mehr vorhanden. Die Deckenbalken über Küche und Saal wurden durch kräftige, an den Kanten gefaste Mittelunterzüge unterstützt.
Damit entspricht dieses Haus dem Bautyp des städitschen Dielenhauses mit rückwärtigem Saal, wie es in westfälischen und lippischen Städten wie Lemgo, Salzuflen oder Detmold vielfach anzutreffen ist.
1769 (Datierung über einer Tür an der Nordostseite) wurde am rückwärtigen (nordwestlichen) Giebel ein kleinerer Fachwerk-Anbau von drei Fachen angefügt, der vermutlich Stallungen oder Wirtschaftsräume erhielt.
Weitere Umbauten erfolgten im 18. bis 20. Jahrhundert: Zunächst wurden im hinteren, linken Bereich der großen Kaminküche zwei Stuben oder Kammern eingebaut, die nach den verwendeten Füllungstüren in die Mitte des 18. Jahrhunderts datiert werden können. Im 19. Jahrhundert fügte man an der linken (südwestlichen) Traufwand eine Abschleppung an, die eine weitere Stube und Kammer enthielt. Damit wurde die alte Diele zum Hausflur; das Dielentor wurde durch eine zweiflügelige Haustür ersetzt. Danach wurde der frühere Saal aufgegegeben und zu einer Querdiele umfunktioniert, dazu baute man einen Torbogen (ohne Inschrift) in der nordöstlichen Traufwand ein. Auch dieser Torbogen wurde später wieder geschlossen und durch eine kleine Außentür ersetzt.
Im 20. Jahrhundert wurden noch einige Toiletten und ein kleines Badezimmer hinzugefügt. In diesem Zustand wurde das Haus noch bis 1986 vermietet und bewohnt.
1871 (gemalte Jahreszahl auf einem Sandstein-Türsturz) wurde links von dem Fachwerkbau ein zweigeschossiges Werkstattgebäude mit einem Bruchsteinuntergeschoss und einem Backsteinobergeschoss erbaut, das als Lohgerberei genutzt wurde. Das Gebäude besaß einen vierkantigen Industrieschornstein aus Backstein. Vier Gerbgruben wurden 2014-17 in den freigelegten Grundmauern des 2004 abgebrochenen Gebäudes gefunden und mit Metallgittern gesichert.
Inschriften
Altbau des Vogteigebäudes von 1618 (d) ohne Inschriften (Torsturz nicht erhalten), rückwärtiger Anbau mit Datierung "1786" auf einem Türsturz an der nordöstlichen Traufseite.
Lohgerberei: Gemalte Jahreszahl "1871" auf einem Sandstein-Türsturz.
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Literatur
- August Wilhem Peter, Pflug im Wappen: Lage in Lippe. Kirchdorf, Weichbild, Stadt. Eine siedlungskundliche Untersuchung (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe; Bd. 14), Detmold 1960
- Heinrich Stiewe: "Alte Burg" und "Freier Hof" in Lage. Zur Bau- und Nutzungsgeschichte eines ungewöhnlichen Fachwerkhauses, in: Heimatland Lippe 85 (1992), S. 242-248.[3]
- Margarete Wißmann: Die „Alte Burg“ früher und heute, in: Historisches Jahrbuch Lage, 2017, S. 24-55.
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Margarete Wißmann: Die „Alte Burg“ früher und heute, in: Historisches Jahrbuch Lage, 2017, S. 24-55; https://www.lz.de/lippe/lage/20830403_Bei-der-Restaurierung-der-Alten-Burg-legen-Arbeiter-wertvolles-Relief-frei.html
- ↑ Zum Folgenden vgl. Stiewe, Heinrich: "Alte Burg" und "Freier Hof" in Lage. Zur Bau- und Nutzungsgeschichte eines ungewöhnlichen Fachwerkhauses, in: Heimatland Lippe 85 (1992), S. 242-248.
- ↑ Digitalisat: https://s2w.hbz-nrw.de/llb/periodical/pageview/5971843
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 30.08.2026 von Heinrich Stiewe
Letzte Änderung am: 30.08.2026 von Heinrich Stiewe