Langer Steinweg 8 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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'''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus sehr gut erhalten.
'''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus sehr gut erhalten.


Dreifach auf Stichbalken vorkragender Giebel aus kräftigen Hölzern, Vorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, nach oben abnehmend. Im unteren Giebelstockwerk Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen (vgl. Rathaus, Ostgiebel), unter dem Rähm des Dielen-Untergeschosses breite vorgenagelte Bohle mit Inschrift in Fraktur. Leicht außermittiger Torbogen aus sehr breiten Hölzern, Inschrift verwittert oder abgearbeitet (auf hist. Fotos nicht erkennbar), umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittlerer Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend. Obere Flügel des Dielentores bauzeitlich, mit Lilienbeschlägen, Oberlichter mit alter Bleiverglasung. Rekonstruktion des Erdgeschossfachwerks bei Charton und Stiehl (1883) schemaatisch und unzutreffend; das Foto von ca. 1910 zeigt links einen Sturzriegel über den beiden Fenstern der Stube mit Zahnschnitt und Resten weiterer Zierschnitzereien, ursprünglich breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Rechts vom Torbogen Rest einer langen Fußstrebe, zwei Stubenfenster im EG erst im 19. Jahrhundert eingebaut.
Dreifach auf Stichbalken vorkragender Giebel aus kräftigen Hölzern, Vorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, nach oben abnehmend. Im unteren Giebelstockwerk Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen (vgl. Rathaus, Ostgiebel), unter dem Rähm des Dielen-Untergeschosses breite vorgenagelte Bohle mit Inschrift in Fraktur. Leicht außermittiger Torbogen aus sehr breiten Hölzern, Inschrift verwittert oder abgearbeitet (auf hist. Fotos nicht erkennbar), umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittlerer Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend. Obere Flügel des Dielentores bauzeitlich, mit Lilienbeschlägen, Oberlichter mit alter Bleiverglasung. Rekonstruktion des Erdgeschossfachwerks bei Charton und Stiehl (1883) schematisch und unzutreffend; das Foto von ca. 1910 zeigt links einen Sturzriegel über den beiden Fenstern der Stube mit Zahnschnitt und Resten weiterer Zierschnitzereien, ursprünglich breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Rechts vom Torbogen Rest einer langen Fußstrebe, zwei Stubenfenster im EG erst im 19. Jahrhundert eingebaut.


Zuletzt dreischiffiges Dielen-Vorderhaus und unterkellertes Saal-Hinterhaus, Vorderhaus ursprünglich zweischiffig mit rechtsseitiger Diele und linksseitiger Stube. Anschließende Küche anstelle früherer, vermutlich hoher Lucht (großer Dielenkamin durch jüngere Küchenwand angeschnitten). Herdwand als massive "Brandmauer" zwischen Diele und Saal mit mittigem Kaminzug, ca. 1 m stark. Dielenkamin mit spätgotisch anmutenden Kragsteinen und großem, pyramidenförmigem Rauchfang mit horizontalen Zierleisten, Saalkamin mit Reinaissance-Kragsteinen mit Beschlagwerk und hölzernem, umlaufendem Kaminsturz mit Arkaden, Beschlagwerk und Zahnschnitt. Der Kamin wurde nach dem Abbruch 1912 ins Städtische Museum Bielefeld überführt (letzte Abbbildung), nach dem Abbruch des alten Museumsgebäudes für den Bau der Kunsthalle 1966 Verbleib unbekannt. Großer Saal (ca. 50 qm, 3,6 m hoch) mit "Gipsboden" (Taxation 1857) über gering eingetieftem Keller mit Balkendecke (zuletzt als Stall genutzt). An der rechten Traufseite waren drei bauzeitliche Saalfenster mit geschnitzten Pfosten und ornamentaler Bleiverglasung (sog. Schweizer Rauten) erhalten. Balkendecke mit Unterzug und seitlichen Kopfbändern, zuletzt verputzt und hell gestrichen. Saalbau rechts etwa 1 m einspringend (mit Dachvorkragung? - vgl. Langer Steinweg 23); am Einsprung Ausgang zum Hof und jüngerer Stallanbau. Schmales rechtes Seitenschiff mit kleiner Stube, Kammer und Keller vermutlich im 19. Jahrhundert eingebaut, seitdem dreischiffiger Grundriss mit nur 3,60 m breiter Diele.
Zuletzt dreischiffiges Dielen-Vorderhaus und unterkellertes Saal-Hinterhaus, Vorderhaus ursprünglich zweischiffig mit rechtsseitiger Diele und linksseitiger Stube. Anschließende Küche anstelle früherer, vermutlich hoher Lucht (großer Dielenkamin durch jüngere Küchenwand angeschnitten). Herdwand als massive "Brandmauer" zwischen Diele und Saal mit mittigem Kaminzug, ca. 1 m stark. Dielenkamin mit spätgotisch anmutenden Kragsteinen und großem, pyramidenförmigem Rauchfang mit horizontalen Zierleisten, Saalkamin mit Reinaissance-Kragsteinen mit Beschlagwerk und hölzernem, umlaufendem Kaminsturz mit Arkaden, Beschlagwerk und Zahnschnitt. Der Kamin wurde nach dem Abbruch 1912 ins Städtische Museum Bielefeld überführt (letzte Abbbildung), nach dem Abbruch des alten Museumsgebäudes für den Bau der Kunsthalle 1966 Verbleib unbekannt. Großer Saal (ca. 50 qm, 3,6 m hoch) mit "Gipsboden" (Taxation 1857) über gering eingetieftem Keller mit Balkendecke (zuletzt als Stall genutzt). An der rechten Traufseite waren drei bauzeitliche Saalfenster mit geschnitzten Pfosten und ornamentaler Bleiverglasung (sog. Schweizer Rauten) erhalten. Balkendecke mit Unterzug und seitlichen Kopfbändern, zuletzt verputzt und hell gestrichen. Saalbau rechts etwa 1 m einspringend (mit Dachvorkragung? - vgl. Langer Steinweg 23); am Einsprung Ausgang zum Hof und jüngerer Stallanbau. Schmales rechtes Seitenschiff mit kleiner Stube, Kammer und Keller vermutlich im 19. Jahrhundert eingebaut, seitdem dreischiffiger Grundriss mit nur 3,60 m breiter Diele.