Kurzer Steinweg 14 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
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Zum Kurzen Steinweg giebelständiges, dreischiffiges Dielenhaus, Ende 17. oder frühes 18. Jahrhundert. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt, dreifach vorkragender Giebel. Dielentor durch klassizistische Haustür mit einläufiger Vortreppe ersetzt, daneben Schaufenster. | |||
Dreischiffiges Kaufmannshaus von 6 oder 7 Fachen Länge, Raumstruktur durch ein Nachlassinventar des "Kauff- und Handelsmanns" Henrich Abraham Kersting von 1758 überliefert:<ref>{{StieweHausbau1996}}, S. 189ff.</ref> Zwei straßenseitige Stuben, eine größere "Wohnstube" mit drei Fenstern an der Ecke zur Petersilienstraße und eine "kleine Stube" mit zwei Fenstern vorn im linken Seitenschiff waren Hauptwohn- und Schlafräume mit jeweils einer "Bettespahn". Weitere Betten gab es "in der Kammer bei der kleinen Stube", "auf der Kammer" (über der Wohnstube?) und "hinten auf der Kammer". Bei dieser "Hinterkammer" dürfte es sich um einen rückwärtigen Saal gehandelt haben, wie er in Blomberg und anderen niederdeutschen Städten im 18. Jahrhundert üblich war. Eine Küche wird nicht ausdrücklich genannt, vermutlich befand sie sich in einer offenen Lucht am Ende der Diele. Auf eine offene Feuerstelle verweisen die im Inventar genannten eisernen Herdgeräte: 2 "Brandeisen", 2 "Kesselhaacken", 2 "Dreyfüße", "eine alte Ruster" (Roste) sowie ein "Blaßbalg". Der Kaufmannshaushalt war mit Leinen und Tischwäsche, Besteck und Essgeschirr sowie Kaffeegeschirr gut ausgestattet. In den Stuben standen zahlreiche Stühle, an den Wänden hingen "an Mahlerey 5 Bilder mit Gläser" und vier Spiegel. In einem eigenen Einbau, vermutlich vorn links in der Diele, befand sich die "Boutique", ein offener Kramladen mit einem reichhaltigen Warensortiment: Neben Lebensmitteln wie Butter, Stockfisch, "Caffee Bohnen", getrockneten Zwetschen und "Bradtbirnen" sowie Gewürzen handelte der Krämer Kersting mit Stoffen, Garnen, Eisenwaren (div. Nägeln), Glas- und Keramikgeschirr sowie Farbstoffen und Chemikalien, darunter Schwefel, Schießpulver, Vitriol und "eine Krucke mit 1/2 Pfd. Quecksilber". Außerdem hatte er zahlreiche Tonpfeifen und Tabak sowie Spielkarten im Angebot. | |||
Im 19. Jahrhundert, vermutlich nach dem zweigeschossigen Durchbau der Diele, wurde an der Nordseite des Hauses ein Wirtschaftsteil mit einer Querdiele mit Stallungen und einem Abort angebaut. | |||
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Version vom 11. September 2026, 17:49 Uhr
| Kurzer Steinweg 14 (Blomberg) | |
|---|---|
| Ortsteil | Blomberg (Kernstadt) |
| Straße | Kurzer Steinweg (Blomberg) |
| Hausnummer | 14 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Hausnummer | 168 |
Kaufmannshaus an der Ecke zur Petersilienstraße, alte Hausnummer 168. Abgebrochen 1963. 1964 Neubau der Blomberger Volksbank; dieser wurde 1982 ebenfalls abgebrochen und 1983 durch das heutige Gebäude Kurzer Steinweg 12-14 ersetzt.



Geschichte
Die Hausstätte "in bester Lage" an der Ecke Kurzer Steinweg/Peterslilienstraße befand sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Kaufmannsfamilien Kersting und Heringlake.
Nach 1890 Erwerb durch den jüdischen Viehhändler und Schlachter Marcus Königheim (Bürgerrecht 1885), Sohn des Meier Königheim. Der Sohn Gustav Königheim musste das Haus 1934 unter Druck des NS-Regimes verkaufen (Zwangsversteigerung), seit 1937 Gewerbebank (Volksbank). Im Dezember 1937 gelang Gustav Königheim und seiner Familie die Flucht nach Argentinien; später lebte die Familie in Israel.[1] Seit Dezember 2023 erinnern vier Stolpersteine vor dem Eingang der Volksbank an Gustav und Elsa sowie Max-Julius und Ilse Königheim (verh. Wildau), die 1937 nach Argentinien auswanderten.
Gebäude
Zum Kurzen Steinweg giebelständiges, dreischiffiges Dielenhaus, Ende 17. oder frühes 18. Jahrhundert. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt, dreifach vorkragender Giebel. Dielentor durch klassizistische Haustür mit einläufiger Vortreppe ersetzt, daneben Schaufenster.
Dreischiffiges Kaufmannshaus von 6 oder 7 Fachen Länge, Raumstruktur durch ein Nachlassinventar des "Kauff- und Handelsmanns" Henrich Abraham Kersting von 1758 überliefert:[2] Zwei straßenseitige Stuben, eine größere "Wohnstube" mit drei Fenstern an der Ecke zur Petersilienstraße und eine "kleine Stube" mit zwei Fenstern vorn im linken Seitenschiff waren Hauptwohn- und Schlafräume mit jeweils einer "Bettespahn". Weitere Betten gab es "in der Kammer bei der kleinen Stube", "auf der Kammer" (über der Wohnstube?) und "hinten auf der Kammer". Bei dieser "Hinterkammer" dürfte es sich um einen rückwärtigen Saal gehandelt haben, wie er in Blomberg und anderen niederdeutschen Städten im 18. Jahrhundert üblich war. Eine Küche wird nicht ausdrücklich genannt, vermutlich befand sie sich in einer offenen Lucht am Ende der Diele. Auf eine offene Feuerstelle verweisen die im Inventar genannten eisernen Herdgeräte: 2 "Brandeisen", 2 "Kesselhaacken", 2 "Dreyfüße", "eine alte Ruster" (Roste) sowie ein "Blaßbalg". Der Kaufmannshaushalt war mit Leinen und Tischwäsche, Besteck und Essgeschirr sowie Kaffeegeschirr gut ausgestattet. In den Stuben standen zahlreiche Stühle, an den Wänden hingen "an Mahlerey 5 Bilder mit Gläser" und vier Spiegel. In einem eigenen Einbau, vermutlich vorn links in der Diele, befand sich die "Boutique", ein offener Kramladen mit einem reichhaltigen Warensortiment: Neben Lebensmitteln wie Butter, Stockfisch, "Caffee Bohnen", getrockneten Zwetschen und "Bradtbirnen" sowie Gewürzen handelte der Krämer Kersting mit Stoffen, Garnen, Eisenwaren (div. Nägeln), Glas- und Keramikgeschirr sowie Farbstoffen und Chemikalien, darunter Schwefel, Schießpulver, Vitriol und "eine Krucke mit 1/2 Pfd. Quecksilber". Außerdem hatte er zahlreiche Tonpfeifen und Tabak sowie Spielkarten im Angebot.
Im 19. Jahrhundert, vermutlich nach dem zweigeschossigen Durchbau der Diele, wurde an der Nordseite des Hauses ein Wirtschaftsteil mit einer Querdiele mit Stallungen und einem Abort angebaut.
Inschriften
Keine Inschriften überliefert.
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Zur Familie Königheim vgl. Stadtgeschichtlicher Arbeitskreis Blomberg, Juden in Blomberg, Blomberg 1988.
- ↑ Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996, S. 189ff.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 11.09.2026 von Heinrich Stiewe
Letzte Änderung am: 11.09.2026 von Heinrich Stiewe