Breite Straße 39 (Lemgo): Unterschied zwischen den Versionen
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}}Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 8 geführt, nach 1900 Breite Straße 39. Fachwerk-Giebelhaus, errichtet 1507 (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle | }}Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 8 geführt, nach 1900 Breite Straße 39. Fachwerk-Giebelhaus, errichtet 1507 (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle [[Breite Straße 41 (Lemgo)|Breite Straße 39/41]], um 1650 und 1828 umgebaut. 1978–2019 bildeten beide Gebäude die Einkaufs-Passage „Hanse Center“, 2023 wurden sie denkmalgerecht saniert. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo am 15.5.2018. | ||
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[[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023a_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) vor der Sanierung, 2023, Foto: Kramp & Kramp]] | [[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023a_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) vor der Sanierung, 2023, Foto: Kramp & Kramp]] | ||
[[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-47_um-1912_Stadtarchiv-Lemgo.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 und 41 (2. und 3. v. links) vor 1912, Foto: Stadtarchiv Lemgo]] | |||
Zur Entstehung des Gebäudes schreibt Dr. Michael Sprenger in seiner Dokumentation: „Zusammen mit dem nördlichen Nachbarhaus Breite Straße 41 wurden nach der dendrochronologischen Altersbestimmung der Bauhölzer beide Häuser 1507 errichtet. Dies ist insofern bemerkenswert, als es sich hier offenbar um eine mittelalterliche Großparzelle handelt, die zu Beginn der frühen Neuzeit mit einem großen bruchsteinernen Bürgerhaus (Breite Straße 41) und einem kleineren Neben-, Quer- oder Beihaus (Breite Straße 39) bebaut wurde (...) Eine gleichzeitige Entstehung von Haupthaus und bebauter Hofzufahrt für das frühe 16. Jahrhundert war bisher in Lemgo nicht bekannt.“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 39, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | Zur Entstehung des Gebäudes schreibt Dr. Michael Sprenger in seiner Dokumentation: „Zusammen mit dem nördlichen Nachbarhaus Breite Straße 41 wurden nach der dendrochronologischen Altersbestimmung der Bauhölzer beide Häuser 1507 errichtet. Dies ist insofern bemerkenswert, als es sich hier offenbar um eine mittelalterliche Großparzelle handelt, die zu Beginn der frühen Neuzeit mit einem großen bruchsteinernen Bürgerhaus (Breite Straße 41) und einem kleineren Neben-, Quer- oder Beihaus (Breite Straße 39) bebaut wurde (...) Eine gleichzeitige Entstehung von Haupthaus und bebauter Hofzufahrt für das frühe 16. Jahrhundert war bisher in Lemgo nicht bekannt.“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 39, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | ||
Version vom 21. September 2026, 11:52 Uhr
| Breite Straße 39 (Lemgo) | |
|---|---|
| Ortsteil | Lemgo (Kernstadt) |
| Straße | Breite Straße (Lemgo) |
| Hausnummer | 39 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Lemgo |
| Straße | Breite Straße |
| Hausnummer | MB 008 |
Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 8 geführt, nach 1900 Breite Straße 39. Fachwerk-Giebelhaus, errichtet 1507 (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle Breite Straße 39/41, um 1650 und 1828 umgebaut. 1978–2019 bildeten beide Gebäude die Einkaufs-Passage „Hanse Center“, 2023 wurden sie denkmalgerecht saniert. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo am 15.5.2018.
Geschichte



Zur Entstehung des Gebäudes schreibt Dr. Michael Sprenger in seiner Dokumentation: „Zusammen mit dem nördlichen Nachbarhaus Breite Straße 41 wurden nach der dendrochronologischen Altersbestimmung der Bauhölzer beide Häuser 1507 errichtet. Dies ist insofern bemerkenswert, als es sich hier offenbar um eine mittelalterliche Großparzelle handelt, die zu Beginn der frühen Neuzeit mit einem großen bruchsteinernen Bürgerhaus (Breite Straße 41) und einem kleineren Neben-, Quer- oder Beihaus (Breite Straße 39) bebaut wurde (...) Eine gleichzeitige Entstehung von Haupthaus und bebauter Hofzufahrt für das frühe 16. Jahrhundert war bisher in Lemgo nicht bekannt.“[1]
Zur neueren Geschichte teilen die Eigentümer mit:
„1978/1979 umgebaut zur modernen Prestige-Einkaufspassage „Hanse Center“ in Innenstadt-Randlage verlor diese – wie viele andere Passagen auch – mangels Wettbewerbsfähigkeit an Attraktivität, wurde 20 Jahre später wieder geschlossen und stand dann 12 Jahre lang leer. Für den damaligen Umbau zur Hanse Center Passage wurden die beiden Gebäude [Breite Str. 39 u. 41] vollständig entkernt und die gesamte Erdgeschossfläche in die typische, kleinteilige Gewerbefläche mit breitem Mittelgang gegliedert. Rückseitig entstanden ein Flachdachbau für einen Lebensmitteldiscounter und ein Parkplatz, beides über die Passage erreichbar. Nach der Schließung war sich die mehr als 100 Mitglieder zählende Eigentümergemeinschaft nicht einig, wie es weitergehen sollte und so verfielen der ‚moderne‘ Flachdachbau und die beiden historischen Gebäude zunehmend. Schließlich war der Verfall so schlimm, dass die Lemgoer Initiative Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) die Fassaden der Straßenseite hinter Bannern versteckte. 2019 wurde der Hanse Center zwangsversteigert und der Flachdachbau des ehemaligen Lebensmitteldiscounters durch die jetzigen Eigentümer abgerissen.“
2023 wurde das Gebäude denkmalgerecht saniert (siehe unten). Hausstätte und Gebäude sind nunmehr im Besitz der Eigentümergemeinschaft Andreas Kramp und Guido Kramp, Lemgo-Lieme.
Gebäude
„Bei Breite Straße 39 hat sich von dem Kernbau von 1507 nur das Dachwerk erhalten (...) Erstmals archivalisch erwähnt wird der Grundbesitz 1582 mit einer urkundlichen Besiegelung des Bürgers Hermann Grabbe und seiner Ehefrau Anne. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kommt die Ratsherrenfamilie Dreyer in den Besitz des Hauses, das offenbar baulich erneuert werden musste und mit einem Speichergeschoss aufgestockt wurde. Diese Baumaßnahme ließ sich mit der dendrochronologischen Altersbestimmung eines Wandständers in dem neu errichteten Speicherstock auf um 1650 datieren. (...) Zu dieser Zeit bekam die ebenfalls erneuerte Straßenfassade Zierelemente der Spätrenaissance wie Zahnschnittfriese an den Rähmen und Eierstableisten an den Unterkanten der Stockwerk- und Giebelschwellen. Die Dachbalken über dem Speicherstock wurden entsprechend den Gefügemerkmalen des 17. Jahrhunderts in die Köpfe der Wandständer eingehälst und mit queraussteifenden Kopfbändern gesichert. Auf Sparrenschwellen wurde das Dachwerk von 1507 als einfache Kehlbalkenkonstruktion mit flacherer Neigung wiederverwendet. Die Dachbalkenlage des räumlich nicht weiter unterteilten Speicherstocks wurde von einem firstparallelen Unterzug getragen, der von kopfbandverstrebten Säulen gestützt wurde. An der Unterkante dieses Unterzuges wurden abgeschrägte Fasen angebracht. Über die Bau- und Raumstruktur des Erdgeschosses nach der Erneuerung des Hauses um 1650 gibt es keine Anhaltspunkte. Es wurde nach der dendrochronologischen Datierung zweier Bauhölzer 1828 neu errichtet. Dabei entstand ein rund fünf Meter hohes, zweischiffiges Dielenerdgeschoss, dass durch ein rundbogiges Dielentor in der Straßenfassade erschlossen wurde. Das Bauholz für den linken Torständer des Dielentores wurde mit Waldkante 1828 geschlagen. Rechts vom Dielentor verlief ein zweigeschossiges Seitenschiff, während die hohe Diele weiterhin als Durchfahrt zum Hof genutzt wurde. Auch die Straßenfassade wurde unter Wiederverwendung einiger Althölzer neu abgebunden und ohne Vorkragungen in den Brüstungszonen von Speicherstock und Giebeldreieck errichtet. Die Gefache wurden mit Backsteinen ausgemauert und verputzt, während die Traufwände Bruchsteinausfachungen erhielten.“[2]
Zur Kernsanierung der Gebäude Breite Straße 39 und 41 im Jahr 2023 teilen die Eigentümer mit:
„Anhand der Erkenntnisse und der Rekonstruktionszeichnungen von Dr. Sprenger wurde die Fachwerkfassade Nr. 39 auf den Stand ab ca. 1828 rekonstruiert. Mit den räumlichen Umgestaltungen des späten 19. Jahrhunderts wurden Ladenlokale im Erdgeschoss eingerichtet, für die die Fachwerkwände durch Stahlträger abgefangen wurden. Bei Start der Kernsanierung im Jahr 2023 waren die Gebäude in einem desolaten Zustand. Waren die Einbauten der Gewerbeflächen für die Ewigkeit gebaut, so marode waren die Geschosse darüber. Die Fachwerkhölzer wiesen außen wie innen große Schäden auf und die Putze fielen aus den Gefachen. Die historischen Fenster boten dem Wetter keinen Widerstand mehr und Feuchtigkeit war allgegenwärtig.
Um die Bausünden der Vergangenheit zu beseitigen, erfolgte ein vollständiger, innerer Rückbau bis auf die historische Bausubstanz: Neuzeitlich Zwischenwände wurden abgebrochen, Wand- und Deckenverkleidungen aus Spanplatten und Gipskarton entfernt, Steckdosen, Elektroinstallationen und Heizungsrohre rückgebaut, Tapeten und loser Putz von den Wänden entfernt. Die vorhandene, bis zu 280 mm starke Stahlbetonsohle wurde bis auf das Erdreich abgetragen und die alten Aluminium-Schaufensterfronten, Eingangs- und Außentüren ausgebaut. Aufgrund mehrerer Einbauten aus Stahlbeton und Stahlträgern war der Rückbau auf die Originalsubstanz aus statischer Sicht eine Herausforderung und nahm viel Zeit in Anspruch. Die Statik musste im Laufe der Sanierung mehrfach neu berechnet werden. Abstützungsmaßnahmen im Zuge der Bestandssicherung von Decken und Wänden war unerlässlich.“
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Bewohner - Stand 1849:[3]
- Fr. Wilh. Tintelnot (Kaufmann)
- Julie Tintelnot (Ehefrau)
- Johanne Tintelnot (Tochter)
- Henrich Tintelnot (Sohn)
- Wilhelm Tintelnot (Sohn)
- Leopold Tintelnot (Sohn)
- August Tintelnot (Sohn)
- Marie Tintelnot (Tochter)
- Henriette Brinkmann (Magd)
- Viehbestand: 1 Ziege
Bewohner - Stand Adressbuch 1901:[4]
- Hempelmann, Wilh. (Kaufmann), Fernsprech-Anschluss Nr. 33
Bewohner - Stand Adressbuch 1909:[5]
- Hempelmann, Wilhelm (Kaufmann), Fernsprecher-Anschluss Nr. 33
- Plöger, Friedrich (Kaufmann)
- Schrader, Hermann (Handlungsgehilfe)
Literatur
Quellen
Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 39, Dörentrup-Schwelentrup 2024
Eigentümergemeinschaft Andreas Kramp und Guido Kramp: Dokumentationen „Revitalisierung des historischen Gebäude-Ensembles „Hanse Hof“ und „Geschichte der Gebäude“.
Breite Str. 39+41 in der Alten Hansestadt (32657) Lemgo„Straßenverzeichnis mit Hausnummern. Neue und alte Hausnummern -vor 1890- ermittelt aus B 2601“, Lemgo 1972, S. 3.
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 437.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 39, Dörentrup-Schwelentrup 2024
- ↑ Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 39, Dörentrup-Schwelentrup 2024
- ↑ Stadtarchiv Lemgo, A 646 (Bevölkerungs- und Viehstandslisten der Stadt Lemgo 1849), Marien-Bauerschaft, Bl. 126/127, Haushaltung Nr. 11 (Haus Nr. 8) (Digitalisat Bevölkerung / Bl. 126, Digitalisat Viehstand / Bl. 127).
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 78
- ↑ Adreßbuch der Stadt Lemgo 1909, Stadtarchiv Lemgo Bib 10395. (Digitalisat / Scan).
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 18.09.2026 von Roland Linde
Letzte Änderung am: 21.09.2026 von Roland Linde