Richthofenstraße 70 (Detmold)
| Richthofenstraße 70 (Detmold) | |
|---|---|
| Ortsteil | Detmold (Kernstadt) |
| Straße | Richthofenstraße (Detmold) |
| Hausnummer | 70 |
| Karte | |
| Quartiersnummer | A 102 |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Detmold |
| Wohnplatz | Feldmark IV |
| Straße | Lemgoer Chaussee |
| Hausnummer | 001 |
Eine im Jahr 1845 gegründete Hausstätte. Sogenannte "Kaffeemühle". Alte Quartiersnummer A 102. Die Hausstätte wurde ehemals auch als Lemgoer Chaussee 56 geführt.[1]In den Adressbüchern (s. u.) 1884 bis 1901 Bezirk bzw. Feldmark IV Nr. 1, Quartiernummer A 102 (1891 jedoch Lemgoer-Chaussee 1); 1904 Lemgoer Chaussee 58; 1909 Lemgoerchaussee 56, ab 1912 Lemgoerstraße 70.
Geschichte
1845 durch den Gärtner Adolph Bergmann gegründete Stätte. Spätestens 1857 Gaststätte "Kaffeemühle".[2]
1894 als Kaffeemühle erwähnt,[3] ebenso 1896.[4] Bis mindestens 1904 "Kaffeemühle".[5]
1919 von dem Detmolder Kunstmaler Ernst Rötteken erworben und zum Atelierhaus umgebaut. "Der vor 1854 vor der Stadt im freien Gartengelände an der Lemgoer Chaussee errichtete Bau war in der 2. Hälfte des 19. Jh. ein beliebtes Ausflugslokal der Detmolder Bürger, das noch heute unter dem Namen "Kaffeemühle" bekannt ist. Nach ihm hieß der südliche, zur Stadt fallende Hang der "Kaffeemühlenberg", der im ausgehenden 19. Jh. erschlossen und bebaut wurde.[6] Das Haus wurde 1919/20 nach Plänen von Dipl.-Ing. Hörmann für den bedeutenden lippischen Landschaftsmaler Ernst Rötteken (1882 - 1945), der 1917 den Lippischen Künstlerbund mitgegründet und lange als Vorsitzender geleitet hat, als Wohn- und Atelierhaus umgebaut und erweitert. Das Haus ist seither kaum verändert worden."[7]
Am 17.5.1988 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen, A279.
Gebäude
"Der eingeschossige Verputzte Massivbau mit talseitig vollständigem Souterraingeschoß wurde vor 1854 errichtet und 1920 umgebaut. Er ist heute gekennzeichnet durch das konvex-konkav geschweifte Mansarddach, mit beidseitig aufgesetzten Zwerchhäusern, die seitlich von je einer Schleppgaube flankiert sind. Die kubischen Anbauten an den Giebelseiten, nach Südosten mit Altan, nach Nordwesten mit Walmdach, wurden in der Umbauphase um 1920 errichtet. Die vier Rundbogenfenster im gartenseitigen Souterraingeschoß und die Rundbogeneingangstür in der Mittelachse stammen wohl aus der Bauzeit vor 1854. Die Tür ist zweiflügelig mit schmalem Standflügel und rundbogigem Oberlicht. Auf den Flügeln über Sockelbrett drei (1 : 2) schlanke ionisierende Pilaster mit Sockelprofil und zierlichen, flachen Kapitellen. - Im Inneren des Hauses zahlreiche orig. Zimmertüren mit schlichter Felderung, durchgängig noch mit den orig. Kasten, Schlössern und Beschlägen."[8]
1919 Umbau der "Kaffeemühle" durch den Detmolder Ingenieur Hörmann zu einem Wohn- und Atelierhaus.[9] "Der Umbau von 1919/20 hat mit der Umgestaltung der Eingangs- und Giebelseiten und dem ungewöhnlichen, mansardähnlichen Schweifdach den Urbau in eigenwilliger und origineller, an der Reformarchitektur der Zeit um den Ersten Weltkrieg orientierter Weise umgeprägt, hat aber dabei zugleich in bemerkenswerter Schonung des Altbestandes die Gartenseite in ihrem spät-klassizistisch geprägten Charakter (mit Rundbogenöffnungen im Erdgeschoß samt Haustür und Fensterteilung, Zwerchhaus mit flachem Dreiecksgiebel) bewahrt und in die Neugestaltung einbezogen sowie das Innere weitgehend unberührt belassen."[10]
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1845 Adolph Bergmann, Privatgärtner.[11]
1852 Dietrich Karl Piderit, Auditor und Geheimer Oberregierungsrat.[12]
1862 Wilhelm Beineke, Wirt.[13]
1870 H. Hüppe, wohnhaft in Remmighausen.[14]
1872, Karl Friedrich Wiebecke, Particulier.[15]
1882 Bankgeschäft "Salomon & Oppenheimer".[16]
1884 Adolf Lüken, Medizinalrat.[17]
1884 Eigentümer: Salomon & Oppenheimer, Bankgeschäft; Bewohner*innen: Dr. Adolf Bernhard Lücken, Medizinalrat a. D.[18]
1887 Dr. Adolf Bernhard Lücken, Medizinal-Rat a. D.[19]
1891 Frau Medizinal-Rat Lüken.[20]
1894 Sophie Kohring, Witwe, Rentnerin, Kaffeemühle, Lemgoerchaussee, vom 1. April ab: Wirtschaft, Besitzer: Rehm.[21]
1897 Hermann Rehm, Wirt; Louise Brinckoch, Witwe.[22]
1901 Hermann Rehm, Gastwirt, Wirtschaft "Zur Kaffeemühle".[23]
1904 Hermann Rehm, Gastwirtschaft "Zur Kaffeemühle".[24]
1909 Eigentümer: Niemeyer/Röhrentrup; Bewohner: Julius Adam, Gastwirt.[25]
1912 Franz Jann, Wirt.[26]
1914 Franz Jann, Masseur und Wirt.[27]
1916 kein Adressbucheintrag (vermutl. unbewohnt, s. 1918).[28]
1918 Eigentümerin: Frau Rittergutsbesitzerin Niemeyer/Röhrentrup; unbewohnt.[29]
1919 Kauf der Kaffeemühle durch den Maler Ernst Rötteken.[30]
1920 Ernst Rötteken, Kunstmaler.[31]
1923 Ernst Rötteken, Kunstmaler; Frau Agnes Reye, Rentnerin.[32] Vermutlich die Schwiegermutter Röttekens, der 1912 die aus Otterndorf stammende Margarethe Reye geheiratet hatte.[33]
1925 Ernst Rötteken, Kunstmaler.[34]
1926 Ernst Rötteken, Kunstmaler.[35]
Literatur
Vera Scheef/Imke Tappe-Pollmann, Ernst Rötteken 1882-1945. Leben und Werk des lippischen Künstlers, Detmold 1995 Digitalisat
Quellen
StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
StadtA Detmold D 106 Detmold Nr. 6, 649.
StadtA Detmold D 106 Detmold Nr. 7-8, 575,389.
StadtA Detmold D 106 Detmold Nr. 9.
LAV NRW OWL L 101 C I Nr. 7-10, Salbuch.
LAV NRW OWL, L 83 B / Lippische Justizkanzlei, Jüngere Prozessakten (1801-1879), Nr. S 898: Schierenberg, Wirt, Kaffeemühle bei Detmold gegen Kolon Brinkoch in Berlebeck Nr. 16 - Abfindung Stätte Brinkoch, 1857.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 5/1863: Karte über die Regulierung der Lemgoer Chaussee bis zur Kaffeemühle, Profil und Lageplan (Stadt und Amt Detmold); auf Transparent, Längenmaßstab 1:500, Höhenmaßstab 1:200, 1896.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ LAV NRW OWL, L 83 B / Lippische Justizkanzlei, Jüngere Prozessakten (1801-1879), Nr. S 898: Schierenberg, Wirt, Kaffeemühle bei Detmold gegen Kolon Brinkoch in Berlebeck Nr. 16 - Abfindung Stätte Brinkoch, 1857.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold, 4. Auflage, Detmold 1894, S. 74.
- ↑ LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 5/1863: Karte über die Regulierung der Lemgoer Chaussee bis zur Kaffeemühle, Profil und Lageplan (Stadt und Amt Detmold); auf Transparent, Längenmaßstab 1:500, Höhenmaßstab 1:200, 1896.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold, 6. Auflage, Detmold 1904, S. 64.
- ↑ Gerhard Peters, Baugeschichte der Stadt Detmold, in: Geschichte der Stadt Detmold, Detmold 1953, S. 182–225, S. 223.
- ↑ Stadt Detmold, Untere Denkmalbehörde, Denkmalkartei.
- ↑ Stadt Detmold, Untere Denkmalbehörde, Denkmalkartei.
- ↑ Vera Scheef/Imke Tappe-Pollmann, Ernst Rötteken 1882-1945. Leben und Werk des lippischen Künstlers, Detmold 1995 Digitalisat, S. 16.
- ↑ Stadt Detmold, Untere Denkmalbehörde, Denkmalkartei.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch; weitere Informationen zu Piderit sind zu finden in seinem Eintrag im "Deutsches Geschlechterbuch Band 7", S. 207-209, und dem Werk: Piderit, "Abriß meines Lebens". Eine Abschrift des Letzteren ist im Stadtarchiv Detmold unter der Verzeichnung StadtA Detmold D 71 Nr. 410.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1884, S. 45.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold, 2. Auflage, Detmold 1887, S. 50.
- ↑ Adreß- und Geschäftshandbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1891, S. 58.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold, 4. Auflage, Detmold 1894, S. 74.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1897, S. 109.
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 22.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold, 6. Auflage, Detmold 1904, S. 64.
- ↑ Adreß- und Geschäftshandbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1909, S. 21 u. 43.
- ↑ Adreß- und Geschäftshandbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1912, S. 24 u. 43.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914, S. 44.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1916.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918, S. 56.
- ↑ Vera Scheef/Imke Tappe-Pollmann, Ernst Rötteken 1882-1945. Leben und Werk des lippischen Künstlers, Detmold 1995 Digitalisat, S. 16.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1920, S. 97.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1923, S. 52.
- ↑ Vera Scheef/Imke Tappe-Pollmann, Ernst Rötteken 1882-1945. Leben und Werk des lippischen Künstlers, Detmold 1995 Digitalisat, S. 15.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1925, S. 165.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 213.
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Seite erstellt am 27.11.2024 von Nils Lienenlüke
Letzte Änderung am: 19.05.2026 von Joachim Kleinmanns