Bentweg 20 (Hörste)
| Bentweg 20 (Hörste) | |
|---|---|
| Ortsteil | Hörste |
| Straße | Bentweg (Hörste) |
| Hausnummer | 20 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Hörste |
| Hausnummer | 067 |
Ehemals Neuwohnerstätte August Schapeler, Haus 1940 wegen Baufälligkeit abgebrochen, dann Jahrzehnte Brachgrundstück; Parzelle des früheren Kolonatshauses um 1995 mit Mehrfamilienhaus bebaut; historische Haus-Nr. 67
Geschichte
Ein früh baufälliges Colonatshaus, Kinderreichtum über mehrere Generationen und dadurch bedingt immer wieder Abtrennung/Übertragung von ursprünglich zum Colonat gehörenden Grundstücken für Siedlungs- bzw. Bauzwecke prägen in der Geschichte der Hörster Stätte Nr. 67. Diese Entwicklung führt direkt auf die heutige Struktur des Stättengeländes - kein erhaltenes wirklich altes Haus, südlich des Baches (teils Landschaftsschutzgebiet - ehemals „Schwarzer Dreck“/Torfstich) Natur, nördlich des Baches nahezu flächendeckende Bebauung mit Häusern unterschiedlichen Alters, die großenteils im Besitz von Nachfahren des Stättengründerpaares sind.
Der Reihe nach: Im Hörster Salbuch von 1855 wird am 17. Febr. 1870 nachgetragen: [1] Nr. 67. Schapeler, August; hat die Zubehörungen dieser Stätte vom Brinkschen Colonate Nr. 8 angekauft und besitzt: I. ein Wohnhaus; II. Länderei vom Hörsterbruche – 11 Schfls.; Darunter folgt ein weiterer Eintrag: Hinzu von Brink N.8.; Hude und Torfstich auf dem schwarzen Dreck – 25 Schfls.; Eing. 22. Jan. 1881
Dem Brinkschen Hof Nr. 8 waren bei der Teilung des Hörsterbruches um 1840 größere Flächen am Südrand des Geländes zugeschlagen worden, deren Verkauf Colon Brink Mitte der 1860er Jahre anstrebt. Dazu erhält er 1865 die Genehmigung zur Errichtung von zwei Kotten auf dem Gelände.[2] Womöglich ist der Bau der Kotten schon zugeschnitten auf zwei avisierte Käufer - August Schapeler und dessen Verwandten Arnold Gauss aus Mackenbruch. Auch Käufer und Verkäufer sind verwandt bzw. verschwägert: Die Colona Brink ist Justine Wilhelmine Schapeler (aus der Senne), eine mit ihm aufgewachsene Cousine des Käufers August Schapeler. So kommt es Ende 1869 zum Kaufkontrakt seitens des Kolons Brink Nr. 8 zu Hörste an die Einlieger Arnold Gauß von Mackenbruch und August Schapeler von Pivitsheide.[3] Jeder Käufer erwirbt einen der Kotten und zugehöriges Land; die Neuwohnerstätten Gauss/ab 1881 Stölting Nr. 66 und Schapeler Nr. 67 entstehen.
August Schapeler zahlt für 11 Schfls., von denen zwei dem sogenannten schwarzen Dreck zugerechnet werden, 1900 Taler, davon 900 bei Übergabe. 1000 Taler gewährt Verkäufer Brink als mit 4 Prozent verzinsliches Darlehn. Zusätzlich zu dieser ursprünglichen Fläche von knapp 2 ha erwirbt er 1880 weitere südlich angrenzende 4 ha Land „auf dem schwarzen Dreck“ (größtenteils Moorgelände) von Brink Nr. 8.
Im Februar 1900 verkauft Ernst August Schapeler seinem ältesten Sohn, dem seit 1894 verheirateten, aber noch als Einlieger auf der elterlichen Stätte lebenden Ziegelmeister August Adolf Schapeler ein 0,85 ha großes Teilstück seines Colonates, auf dem dieser im selben Jahr ein Haus baut, das er mit Familie bezieht - Hörstes Stätte Nr. 100 entsteht.[4]
August Schapeler („der Gründer“), seit 1907 Witwer, wird seine letzten 25 Lebensjahre durch im Hause wohnende Kinder und Enkel unterstützt, bleibt aber bis zu seinem Tod 1932 Eigentümer der Stätte, deren Anerbe der nebenan auf Nr. 100 lebende Sohn August Sch. („der Ältere“) wird. Dieser überträgt die Stätte Nr. 67 im Folgejahr 1933 käuflich an seinen bereits seit Jahren mit Familie auf Nr. 67 lebenden ältesten Sohn August („den Jüngeren“).
Sechs Jahre später erfolgt der amtlich verordnete Abbruch des Colonatshauses wegen Baufälligkeit; die Familie Schapeler zieht um in das alte Leibzuchtshaus auf dem Hof Wiemann in Hiddentrup.
Wiederum der älteste Sohn Ernst August Schapeler (1929 – 2013) erwirbt 1960 ein Baugrundstück von der ehemaligen Stätte, baut und lebt dort mit Familie. Er findet einige Jahre später seine Geschwister ab und übernimmt den von der Stätte Nr. 67 verbliebenen Grundbesitz.
Gebäude
Das Colonatshaus, noch errichtet als Kotten des Hofes Brink, war ein Bruchsteinbau mit Satteldach und Brettergiebel; der Einfahrgiebel mit Rundbogentür lag nach Südosten / zum kleinen Bach hin gerichtet. Der familiären Überlieferung nach war das Haus unter dem beziehungsreichen Spitznamen „Zum geflickten Ständer“ bekannt. Es hatte offenbar frühzeitig substanzielle Mängel.
1923 wendet sich Wilhelm Kleine, Schwiegersohn des 85-jährigen Stättengründers, wegen gewünschter Übernahme der Stätte an das Amtsgricht in Oerlinghausen [5] . . . Auch möchte ich erwähnen, daß wir dies hauptsächlich angehen, weil (Schwieger-)Vater es gern will, denn das Haus ist ziemlich verfallen und der Grund und Boden ist nicht der beste. . . . 1928 klagt dann der jetzt bei dem inzwischen 90-jährigen Alten wohnende Enkel August Schapeler „der Jüngere“ über die Last der Altenversorgung bei gleichzeitig ihm zu zahlender Miete: Die Wohnung ist aber sehr baufällig, die Kammerdecke ist vor kurzem schon eingestürzt. 1939/40 wird das Haus auf amtliche Verfügung hin wegen Baufälligkeit abgebrochen.[6]
Inschriften
nicht bekannt
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Der Stättengründer Ernst August Schapeler (1838 – 1932) ist ein Spross der Schapelers „auf dem Schapeler“ in der Senne (Hörste Nr. 30): Sein Vater Johann Töns Henrich Schapeler (1807 – 1847), ein nachgeborener Sohn, war nach seiner Eheschließung 1838 als Einlieger und Spinner auf der elterlichen Stätte geblieben, die sein älterer Bruder Joh. Berend Christoph Schapeler geerbt hatte und bewirtschaftete. Hier in der Senne geboren, wurde August Schapeler Ziegler, lebte ab der Eheschließung 1864 fünf Jahre mit Familie als Einlieger in Pivitsheide VL, dann erfolgte Ende 1869 Grundstückskauf und Gründung der Stätte Hörste Nr. 67.
1869 – 1932 Ernst August Schapeler „der Gründer“ (1838 – 1932), ∞ 1864 Florentine Amalie Henriette Wiemann (1842 – 1907)
Kinder:
Johanne Friederike Justine, * 1865, ∞ 1888, wird Stöltingsche auf Nr. 66, † 1926
August Adolf „der Ältere“, * 1866, ∞ 1894 Johanne Wilh. Amalie Mölling (1871 – 1966) aus Piv., gründet 1900 die Stätte Hörste Nr. 100, † 1936; 4 Kinder, darunter August Friedrich Wilh. „der Jüngere“
(weitere 6 Kinder, * 1868 . . . 1881)
1932 – 1933 August Adolf „der Ältere“ (s.o.)
1933 – 1969 August Friedr. Wilh. „der Jüngere“ Schapeler (1898 – 1969), ∞ vor 1928 Emma Funke († nach 1969); diese Eheleute haben die Stätte bereits ab Mitte der 1920er Jahre (als Einlieger) bewohnt, dies aber nur bis 1939/40 (Abbruch des Hauses).
Kinder:
Ernst August (1929 – 2013)
9 weitere Kinder
Literatur
Quellen
Familienforschung Schapeler c/o Gottfried Schapeler, Detmold (erarbeitet teils von Werner Schapeler (1933 - 2015, Hörste)
Weblinks
Einzelnachweise
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 24.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock
Letzte Änderung am: 04.06.2026 von Dr. Horst Wissbrock