Vlothoer Straße Kirche (Wüsten)
Ev.-ref. Kirche Wüsten
| Vlothoer Straße Kirche (Wüsten) | |
|---|---|
| Ortsteil | Wüsten |
| Straße | Vlothoer Straße (Wüsten) |
| Hausnummer | Kirche |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | |
1620/21 erbaute Kirche, zuletzt 1845 erweitert und 1863/64 mit einem neuen Turm versehen.
Geschichte
Um 1618 erste Anregungen zur Gründung einer Kirchengemeinde in Wüsten durch Generalsuperintendent Heinrich Dreckmeyer, da die Wüstener selten zum Gottesdienst nach Salzuflen oder Schötmar gingen. Graf Simon VII. gab 200 Taler zum Bau, Kollekten wurden in ganz Lippe gehalten, die Stadt Salzuflen gab 1 Baum dazu. Wie später in Haustenbeck wurden auch hier Fenster gestiftet, die Hausmarken und Namen (Initialen) der Spender trugen.[1] Im Mai 1621 war der Bau fertig. Zunächst nur Predigtkirche, ab 1623 durften auch Sakramente erteilt werden, ab 1628 wurden um die Kirche Bestattungen vorgenommen, die bis dahin auf einem "Wüstener" Areal des Kirchhofs in Schötmar erfolgt waren.[2] 1629 Verlängerung des Kirchenschiffs um 16 Fuß (4,64 m). Schwere Schäden im Dreißigjährigen Krieg, 1634 der Abendmahlskelch geraubt, 1649 die Glocke von 1621 zerschossen (s. u.). 1657 Bau eines Pfarrhauses. 1660 Einbau einer Prieche. 1698 Kollekte zur Erweiterung der Kirche und Erneuerung des Glockenturms auf dem Dach. 1838 Erweiterungsplanungen, Entwürfe von Ferdinand Merkel und Salinenbaumeister Culemann 1839, Ausführung des Merckel-Plans ab 1840 mit 200 Talern Zuschuss von Leopold II., 1845 weitere Vergrößerung, im Vorjahr drei Entwürfe von Baukondukteur Gödecke/Salzuflen, Salinenbaumeister Culemann/Salzuflen und Landbaumeister Ferdinand Brune/Detmold, dessen Plan gewählt wurde.[3], 1863/64 Neubau des heutigen Turms nach Entwurf des Detmolder Baumeisters Leopold Petri. [4] [5]
Gebäude
Die erste Kirche war ein schlichter Saalbau aus Bruchsteinmauerwerk mit Putzfassaden, rundbogige Zwillingsfenster mit Sandsteingewänden, dazwischen Rundbogenportal an der Südseite (jetzt vermauert), Westportal. Satteldach mit kleinem Dachreiter im Westen für die Glocke. Grundfläche von ca. 19 x 11 m, dreiseitiger Chor, Kanzel an der Nordseite. Erweiterung um 1 Fensterachse nach Westen (1629). [6]
Die Erweiterung von 1840–1842 erfolgte nach Westen um 20 Fuß, Erhöhung der Außenmauern um 6 Fuß und neues Dach mit geringerer Dachneigung, Turm von 12 x 12 Fuß Grundfläche und 67 Fuß Höhe mit Kuppel gedeckt. [7]
Kurz darauf 1845 weitere Vergrößerung, nach Entwurf von Landbaumeister Ferdinand Brune/Detmold. Verbreiterung um 12 Fuß nach Norden mit Abbruch und Neubau der Nordmauer sowie Vergrößerung des Dachstuhls.[8] Je Längsseite 4 gekuppelte Rundbogenfenster, an der Südseite darüber 2 Rundfenster, Satteldach, im Chor dreiseitig abgewalmt. Der Turm stand nun nicht mehr in der Mittelachse. Er wurde 1863 durch einen Neubau ersetzt, da er auch nicht mehr für standsicher gehalten wurde. Neubau aus Sandsteinquadern, Rundbogenportal, neoromanische Schallöffnungen, spitzer Turmhelm mit Schieferdeckung.
Im Innenraum im Osten Altar, Kanzel und Orgel übereinander angeordnet (Prinzipalordnung), Gestühl parallel zu den Außenwänden, darüber Priechen (Emporen), alles von 1845, die hölzerne Flachdecke jedoch erst 1954 eingebaut.[9]
Unmittelbar neben der Kirche zu Wüsten bezeichnet ein mächtiger Grabstein die letzte Ruhestätte einer für die lippische Kirchengeschichte überaus wichtigen Persönlichkeit. Nicht weniger als drei Bibelzitate sind in das Denkmal für den 1858 verstorbenen Johann Barthold Jobstharde eingemeißelt.[10]
Inschriften
Steinplatte an der Südseite mit dem Wappen Simon VII. und der Jahreszahl 1620.
An der Ostseite Sandsteinsturz über der linken Tür: DILATATUM AO 1841 DENUO RENOV. ET DILAT. 1845 (Erweitert im Jahre 1841, von neuem renoviert und erweitert 1845.
Über der Tür (Predigereingang) rechts daneben: "Dein Wort ist eine rechte Lehre / Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich."
Auf der kleinsten der drei Glocken von 1863: "Lobet den Herrn in seinem Heiligtum."[11]
Glocken
Am 27.5.1621 lieferte Bert Krieger aus Salzuflen eine Glocke von 2 ½ Zentnern und 17 Pfund mit Klöppel. Das Hanfseil kam von Cort. 1649 zerschossen, anschließend umgegossen. 1671 zersprungen, daher 1672 Guss zweier neuer kleiner Glocken durch Meister Engelke/Bielefeld.[12]
1863 Anschaffung eines neuen Glockengeläutes für 6.000 Mark aus Spendengeldern der Gemeinde, gegossen von Petit und Edelbrock/Gescher. Die beiden größeren im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen, 1949 durch Stahlglocken ersetzt.[13]
Orgel
1695 stiftete Bürgermeister Hermann Barkhausen in Salzuflen ein Positiv, 1718 durch eine Orgel des Meisters Klasing/Herford ersetzt.[14] 1845 Orgel von Christian Wilhelm Möhling/Rinteln, 1877 durch eine Orgel von Ernst Klaßmeyer/Kirchheide ersetzt, diese wiederum wich 1971 einer Orgel von Steinmann/Vlotho unter Beibehaltung des Orgelprospektes.[15]
Eigentümer
Ev.-ref. Kirchengemeinde Wüsten
Pastoren
Nach Butterweck.[16]
1621–1657 Bernhard Schomerus († 1659).
1657–1670 Johann Nisäus Kaczkowsky.
1670–1674 Johann Hermann Dahlhausen.
1674–1680 Johann Reußius.
1680–1686 Johannes Albert Reußius, Sohn des vorigen.
1686–1713 Johann Henrich Stöcker.
1713–1728 Johann Otto Stöcker, Sohn des vorigen.
1728–1757 Johann Dietrich Voigt († 18.5.1757).
1757–1770 Johann Ernst Wöhlberg (* 1730 in Cappel).
1770–1791 Dietrich Henrich Clüver († 24.3.1791).
1792–1805 Johann Dietrich Gerhard Siegmund Köhler († 15.7.1822 im 69. Lebensjahr).
1807–1826 Friedrich Konrad Krüger.
1826–1843 Ludwig Volkhausen.
1843–1851 Heinrich August Knoll.
1851–1860 Gustav Meyer.
1860–1865 Johann Ludwig Credé (* 10.9.1827 in Bettenhausen b. Kassel, † 21.7.1904 in Detmold).
1865–1877 Theodor Krücke († 11.10.1912 in Berlin-Lichterfelde).
1877–1884 Adolf Schmidt.
1885–1910 Heinrich Thelemann.
1910–1919 Konrad Bleibtreu.
1919–nach 1926 Wilhelm Böke.
Literatur
Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926.
Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021.
Burkhard Meier, Lippische Kirchen, Detmold 2004
Quellen
Weblinks
Internetseite der Kirchengemeinde https://kirche-wuesten.de
Archiv der Lippischen Landeskirche: Archivseite
Einzelnachweise
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 12.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 630.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 15–18.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 630.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 12 f.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 12 f.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 13–15.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 15–18.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 20.
- ↑ Burkhard Meier, Lippische Kirchen, Detmold 2004, S. 15
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 18 f.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 12 f.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 18 f.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 630.
- ↑ Roland Linde/Heinrich Stiewe, Wüsten. Die Kirche und ihr Kirchspiel (Lippische Kulturlandschaften; 47), Detmold 2021, S. 20.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 631–636.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 21.01.2026 von Wolfgang Kramer
Letzte Änderung am: 07.09.2026 von Joachim Kleinmanns