Murnerweg 3 (Hörste)
| Murnerweg 3 (Hörste) | |
|---|---|
| Ortsteil | Hörste |
| Straße | Murnerweg (Hörste) |
| Hausnummer | 3 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Hörste |
| Hausnummer | 015 |
Murnerweg 3 und Murnerweg 7 sind die heutigen Adressen der beiden noch vorhandenen Häuser der alten Hoppenplöckerstätte Bax (im Orte), früher Hörste Nr. 15.
Achtung: Es besteht Verwechslungsgefahr mit der Stätte Bax, Hörste Nr. 19 (im Uekenpohl).
Geschichte
Die Stätte Bax in Hörste Nr. 15 wirkt mit den beiden giebelständig an der Straßen stehenden Häusern ohne erkennbaren Hofraum eher wie eine Straßenkötterstätte und wird auch häufig so bezeichnet. Sie ist aber im Salbuch von 1781 als Hoppenplöcker eingestuft. Die gräflich lippisch eigenbehörige Stätte ist ab 1535 in den Landschatzregistern nachweisbar: Cort Backeß 1 Ort (1535), Cordt Backs 1 Ort (1545), Cordt Backhuiß 1/2 Fl. (1562), Cordt Backhuß 1/2 Ort (1572), Backhues 1 Ort (1590), Backhaus 20 g. (1603), — (nicht aufgeführt) (1618).
1599 hat Hermann Backhaus zu Höste vff seines Bruders Johan Hoff zu Höste ein Häußlein gesetzet, zu dessen ferner Aufbereitung er etwas Gelds benötigt.[1] 1607 erhält dieser Hermann Backhaus (= Bax) gegen Zahlung von 14 Talern von der gräflichen Regierung die Genehmigung zur Umsetzung seines Hauses auf die Hörster Gemeine . . . vnndt ist ihme danebst ein kleines Gärtlein . . . zugeweiset.[2] Hörstes Stätte mit der späteren Nummer 28 entsteht.
In der Volkszählung 1609 wird Backes Johan mit Frau und zwei Kleinkindern, zusätzlich im Hause eine Inliggersche mit Kleinkind ausgewiesen. Als weitere Stätte findet sich Herman Backes mit Frau.
1612/13 wird ein Kriminalfall Gesprächsthema in Hörste gewesen sein: Drei Beschuldigte wurden 1612 festgenommen und nach Brake überführt: Jobst von Ottinghausen (zwischen Währentrup und Oerlinghausen gelegen), sein Schwager Cordt von Hörste und Johan Bax (häufig in den Akten korrigiert zu Johan Backhaus) aus Hörste.[3] Alle drei werden güttlich (etwa wie heute) und peinlich (mit Folter) verhört. Raubmord eines aus Mackenbruch stammenden Zimmerknechtes namens Hermann in der Senne, sowie verschiedentlich Einbruch und Diebstahl (u. a. bei Stöppler im Hey) lauten die Anklagepunkte. Eine Expertise der juristischen Fakultät der Universität Marburg wird eingeholt. Das Urteil für den ersten wegen Raubmordes: mitt dem Schwerte vom Leben zum Tode hinzurichten vndt offenttlich auffs Ratt (Rad) zu legen. Johan Bax hingegen wird wegen Diebstahls des Landes verwiesen und stirbt, wie der Bauerrichter 1613/14 zu Protokoll gibt, im Ravensbergischen: Johan Backhauß zu Hörste ist hiebevor wegen seiner Vorbrechung deß Landes vorwiesen, ist hernacher zu Hillegarsen jemmerlich vmbkommen, hatt vorlaßen eine Khue vnd 1 Rindt.[4]
Wie es auf der Stätte Bax weitergeht, ist nicht unmittelbar ersichtlich. 1616 wird in der Landschatzliste zu der Sollzahlung von 10 Groschen vermerkt „0“ (gezahlt); daneben nur bei dieser Stätte der Kommentar „ist nichts zu bekommen“. Im Salbuch des Folgejahres 1617 wird die Stätte als Leneke Backs aufgeführt. Möglicherweise ist diese die Witwe des Johann Bax, sie wird in Abgaben-Registern bis 1643 genannt. Erstmals im Salbuch um 1640 tritt dann Berendt (auch Bernhard) Bax (ihr Sohn ?) als Kötter in Erscheinung, dessen 1640 und 1644 geborene Kinder seine Eheschließung und seinen Stättenantritt kurz vor 1640 nahelegen.
Der jüngere Sohn Johann Hermann Bax übernimmt die Stätte in der nächsten Generation offenbar früh. Er lässt 1670 - noch ledig - ein bis heute erhaltenes Haus auf der Stätte errichten, das dementsprechend nur seinen Namen im Torbalken trägt. 1674 heiratet er dann eine Tochter aus der Familie Schulze, die als Einlieger mit auf der Bax-Stätte lebt. Bereits vier später verstirbt er. Die Witwe heiratet daraufhin Johann Jost Bax, einen Einlieger (und vermutlich Verwandten des Verstorbenen) aus Mackenbruch. Diese Ehe währt 47 Jahre.
Nach Jahrzehnten in gleichförmigen Bahnen kommt es 1722/23 wieder zu großen Veränderungen auf der Stätte Bax: Tod der Ehefrau und Mutter, Wiederheirat des Witwers Cord Bax, sein Tod und nachfolgend die Einheirat des Interimswirts Simon Jobst Sundermann ereignen sich in dichter Folge. Die alten Leibzüchter und ihre Enkelkinder sehen sich unvermittelt mehr oder weniger fremden Menschen gegenüber, die das Leben auf der Stätte jetzt und die nächsten 20 Jahre bestimmen.
Nach dem Tode des alten Leibzüchters Johann Jost Bax 1734 bezieht das 1722/23 eingeheiratete Stiefelternpaar offenbar das Leibzuchtshaus, während die herangewachsenen Kinder des verstorbenen Kötterpaares das andere Haus bewohnen. Nur so ist der aus dem Winter 1735/36 berichtete Zusammenstoß des etwa 20-jährigen, wohl recht robusten Anerben mit seinem Stiefvater zu deuten: Der alte Bax klaget, daß der junge Bax in sein Leibzuchtshauß gekommen, ihme in der Stube beÿ den Harren heraus gerißen, auch erbärmlich mit der Faust am Kopf geschlagen. Bittet ümb Beschützung und ernstliche Bestraffung.[5] Die Beziehung wird mit den Jahren nicht besser.[6] 1743 stirbt die im Leibzuchtshaus lebende Stiefmutter Bax, geb. Wömmel, der Anerbe heiratet und übernimmt die Stätte offiziell. Sein Stiefvater, geb. Sundermann, sucht daraufhin schleunigst das Weite und heiratet eine verwitwete Stättenbesitzerin in Heidenoldendorf. Im Eheprotokoll heißt dazu heißt es: . . . der Bräutigamb bekombt von seinem Stieffsohn, dem jungen Bax, vor die verlaßene Leibzucht jährlich 4 thlr . . .[7]
Im 19. Jahrhundert werden noch mehr Kinder als zuvor auf der Stätte geboren, aber auch der Tod hält reiche Ernte: Nicht nur Kinder sterben, auch die Eltern werden häufig im Alter von 30 bis 50 Jahren dahingerafft - meistens ist Schwindsucht die Todesursache. Zweimal wird so per Heirat der verwitweten Colona ein jüngerer, noch auf der Stätte lebender Bruder des verstorbenen Colons Bax zum Interimswirt Bax Nr. 15.
Zwischen 1790 und 1850 hatten die Colone und Interimswirte Bax Nr. 15 durchgehend das „Amt“ des Hörster Bauerrichters inne.[8] Diese Zuarbeit für die Landesverwaltung/den Vogt in Lage wurde vergleichsweise schlecht bezahlt, war dadurch für größere Bauern nicht attraktiv. Besitzer kleiner Stätten mussten jedoch irgendeinem Nebenerwerb nachgehen.
1882/83 kam es mit dem Tod auch beider Stiefeltern des Anerben zum völligen Absterben der Erwachsenen-Generation auf der Stätte. Der zehnjährige Anerbe und zwei Halbgeschwister wuchsen deshalb im weiteren bei ihren Vormündern und Onkeln (und zugleich Nachbarn) auf, die auch die Stätte über Jahre mit bewirtschaften.
Dieser Anerbe Heinrich Bax hingegen, zugleich der letzte Bax auf der Stätte, hat wie auch seine Ehefrau ein sehr langes Leben. Volljährig geworden wird er 1893 im Grundbuch als Besitzer eingetragen und bleibt dies bis zu seinem Tod 1962. Seine Witwe stirbt ein Jahr später, Ende 1969 wird die Stätte dann zwischen den vier Töchtern des Ehepaares Bax bzw. aus diesen hervorgegangenen Erben aufgeteilt.
Gebäude
Kötterhaus, Zweiständerbau von 1670.
Inschrift\
Inschrift am Torbogen:[9]
WIE WIRD EIN IVNGLING SEINEN WEG VNSTREFLIG GEHEN WEN / ER SICH HELT NACH DEINEN WORDT AVS DEM 119 PSALM ANNO 1670 / HANS HERMAN BACKHAVS FECIT

Eigentümer*innen, Bewohner*innen
- Adressbuch 1901: 15 Bax, Heinrich, Maurer. Herdejürgen, August, Ziegler. Strate, August, Ziegler.[10]
- Adressbuch 1926: 15 Bax, Heinrich, Kolon. Kleinegees, Hermann, Chauffeur. Herdejürgen, August, Ziegler. Herdejürgen, Fritz, Ziegler. Diekjobst, Albrecht, Ziegler. Diekjobst, August, Ziegler.[11]
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 130, S. 313
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 131, S. 987
- ↑ LAV NRW OWL, L 86, Nr. 234 und Nr. 248
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 172, S. 221
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 184, S. 248/249
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 187, S. 89
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 138, S. 322
- ↑ LAV NRW OWL, L 92 A Nr. 484
- ↑ Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat
Autor
Seitenhistorie
Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock
Letzte Änderung am: 17.09.2026 von Dr. Horst Wissbrock