Wilbasen, Wohnplatz in Siebenhöfen

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Wilbasen, Wohnplatz in Siebenhöfen
GroßgemeindeBlomberg
Karte

Wilbasen ist ein alter Wohnplatz südlich der Bundesstraße 1 zwischen Siebenhöfen und Blomberg. Er besteht aus dem früheren Meierhof Stork, Siebenhöfen Nr. 10 (heute Wilbaser Straße 5) und dem weiter westlich an der B 1 gelegenen Festplatz. Hier, auf früheren Ländereien dieses Hofes, findet alljährlich am zweiten Wochenende im September der "Wilbaser Markt", eine große Stoppelkirmes vor den Toren der Stadt Blomberg, statt, die heute vom Kreis Lippe veranstaltet wird. Auf dem Meierhof Stork tagte unter einer Linde der Freistuhl von Wilbasen, ein mittelalterliches Freigericht, und hier lag auch die 1398 urkundlich erwähnte Marienkapelle von Wilbasen, eine Wallfahrtskapelle, die zeitweilig auch als Grablege der Edelherren zur Lippe genutzt wurde. Aus dem Kirchweihfest dieser Kapelle, das am 10. September stattfand, entwickelte sich der 1500 erstmals erwähnte "Wilbaser Markt" am zweiten Septemberwochenende.

"Meyer Storckes Hoff" mit Ruine der Wilbaser Kapelle und Blomberger Siechenhaus (rechts, No. 54). Flurkarte der Gemarkung Blomberg von Johann Christoph Friemel, 1750, Ausschnitt
Die Kapelle auf dem Meierhof Stork in Wilbasen. Skizze von Ernst Klaas, 1958
Madonna zu Wilbasen, Eichenholz, um 1500. Lippisches Landesmuseum Detmold
Hof Stork, Schlusstein mit Lamm Gottes und Gewölberippen der Kapelle zu Wilbasen in der Wand der Scheune, um 1960. LLB DT, BA-BL 7-10
"Reste der Kirche zu Wilbasen". Skizze von Carl Dewitz, 1880. LLB DT, 3 W 3


Lage

Der frühere Meierhof Stork liegt als Einzelhof an der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 1,5 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft das "Talsystem des Königsbaches" (auch: Hainbach, früher "Wilbaser Beke"), westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking durch archäologische Streufunde mit Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.[1]

Verwaltungszugehörigkeit

Der Wohnplatz Wilbasen mit dem früheren Meierhof Stork gehörte mit der alten Kolonatsnummer 10 zur Bauerschaft (Gemeinde) Siebenhöfen, die seit dem 1.1.1970 ein Ortsteil der Stadt Blomberg ist.

Geschichte

Der in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erstmals erwähnte Ort Wilbasen war Sitz eines Freistuhles, eines Freigerichtes, an dem vom Kaiser ernannte Freigrafen Recht sprachen.[2] Noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts tagte das Freigericht regelmäßig unter einer Eiche auf dem Meierhof Stork, dann wurde es in den sog. Wilbasensaal, den kleinen Saal im Blomberger Rathaus, verlegt.

Heiligabend 1398 stifteten Simon III. und Bernhard VI. zur Lippe einen Altar des Evangelisten Johannes in der Wilbaser Kapelle, einer Filiale der Kirche in Reelkirchen, und statteten diesen mit Besitz aus. 1400 wird eine Marienkapelle zu Wilbodessen erwähnt. Möglicherweise wurde schon vor 1400 ein Sohn Simons III., Otto, in Wilbasen beigesetzt, doch war zu dieser Zeit noch die Marienkirche in Lemgo Grablege der Edelherren zur Lippe. Nach Johannes Piderit (Chronicon Comitatus Lippiae, Rinteln 1627) soll die Kapelle Ende des 14. Jahrhunderts von der Gemahlin Simons III. wegen einer schweren Hautkrankheit Simons zu Ehren der Jungfrau Maria gestiftet worden sein. Die Kapelle soll auf eine wundertätige Marienfigur zurückgehen, die an einem Feldweg nach Istrup gestanden haben soll, das Flurstück heißt noch heute "Auf unserer lieben Frau". Die Wilbaser Kapelle, in der neben dem Maria geweihten Hauptaltar weitere Altäre für den Evangelisten Johannes und die Apostel Petrus und Paulus sowie für die Heiligen Antonius und Katharina standen, entwickelte sich schon bald zu einer beliebten Wallfahrtsstätte. Eine spätgotische, aus Eichenholz geschnitzte Marienfigur aus der Zeit um 1500 blieb erhalten und befindet sich heute im Lippischen Landesmuseum. Die Kapelle enthielt Grabstäten von vier in der Umgebung ansässigen Adelsfamilien und diente für einige Jahrzehnte auch als Grablege des Hauses Lippe. Die Kapelle wurde mit Schenkungen und Stiftungen reich ausgestattet, neben ihr bestand eine Klause, in der zwei Priester lebten, die in der Kapelle Dienst taten.

Über die Wallfahrt berichtet Piderit 1627 in seiner lippischen Chronik: "Man hat zu unserer Zeit die Krücken und Stäbe, welche die Gebrechlichen zum Zeichen ihrer Gesundheit haben stehen und liegen gelassen, gefunden, wie auch die Hellen und eisern Bande, so die Türcken und andere Tyrannen armen Christen mit Gewalt angelegt, ohne Zutun daselbst sind abgefallen." Aus dem Kirchweihfest der Kapelle, das auf den 10. September fiel, entwickelte sich schon bald der "Wilbaser Markt", ein Jahrmarkt, der bis heute am zweiten Wochenende im September stattfindet und der 1500 erstmals erwähnt wird. Am 10. September 1430 musste die Wilbaser Kapelle durch den Mindener Bischof neu geweiht werden, weil sich der 1429 dort bestattete Simon IV. zur Lippe im Kirchenbann befand. Vielleicht war dieser Umstand der Grund für die Wahl der Kapelle zu Wilbasen (und nicht der Marienkirche in Lemgo) als Grablege durch seine Witwe. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts diente die Kapelle als Grablege der Edelherren zur Lippe.

Am 14. März 1458 schenkten Bernhard VII. zur Lippe und sein Bruder Simon, der spätere Bischof von Paderborn, ihre beiden Leibeigenen Henne und Gertrude Husemann der Kapelle "Unserer Lieben Frau" zu Wilbasen. Diese Eheleute und ihre Erben sollten als Eigenbehörige den zur Kapelle gehörenden Meierhof, den späeren Meierhof Stork, bewirtschaften.

Nach der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg 1468 entzog Edelherr Bernhard VII. der Kapelle in Wilbasen seine Gunst und verlegte die Grablege seiner Familie 1495 in die Klosterkirche nach Blomberg; in der Folge wurde die Wilbaser Kapelle dem Kloster inkorporiert, das künftig für die Unterhaltung der Kapelle, ihrer Ausstattung, der zugehörigen Klause und des Priesterhauses sowie aller Nebengebäude und des Kirchhofes verantwortlich war.

Als um 1500 keine Pilger mehr nach Wilbasen kamen, wurde um 1504 in der Klause bei der Kapelle ein Siechenhaus, also ein Leprosenhaus, eingerichtet, das 200 Jahre später von der Stadt Blomberg übernommen wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts war die Kapelle in Verfall geraten; 1708 war sie bereits Ruine und der Bauerrichter ließ die Straße nach Herrentrup mit Steinen der Kapelle ausbessern. Schon 1643 hatte ein Sturm das Dach der Kapelle beschädigt und 1688 brach der Meier zu Siebenhöfen "Fenstergewölbesteine" heraus, um sie auf seinem Hof zu verwenden. Eine Zeichnung des Meierhofes Stork auf einer Flurkarte der Blomberger Feldmark des Landmessers Friemel von 1750 zeigt die Ruine der Kapelle am nördlichen Rand des Hofes; später wurde sie ganz abgebrochen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Erbbegräbnis der Besitzerfamilie Stork/Tippenhauer. Ein Schlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Stücke von Gewölberippen waren bis vor etwa 30 Jahren noch in der Scheune des Hofes Stork/Tippenhauer eingemauert; heute befindet sich der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" in der Kirche in Reelkirchen.

Siedlungscharakteristik

Großer Einzelhof westlich der Stadt Blomberg.

Pläne, Ortsansichten

Flurkarte der Gemarkung Blomberg des Geometers Johann Christoph Friemel, 1750

Ortsname

Älteste Erwähnungen:

1036-1051 (Fälschung des 12. Jh.): in Wigodessun

1146: decimam in Wilbodessun

1183: decimam in Wilbod

1271: de decima in Wilbodessen

1400: Kapelle zu Wyllebadesen

1400: Marienkapelle zu Wilbodessen

1440: in Wilbadessen

1480: in Wilbasen

Birgit Meineke deutet den Ortsnamen als eine Bildung aus dem Personennamen Wil(le)bod mit dem Grundwort husen, "bei den Häusern des Wil(le)bod".[3]

Bevölkerung

Hausstätten

Meierhof Stork, Siebenhöfen Nr. 1 = Wilbaser Straße 5

Verkehrswege

An Wilbasen vorbei führt die Bundesstraße 1, die frühere "Cöllnische Landstraße", eine alte Handelsstraße, die als ein Zweig des westfälischen Hellwegs von Paderborn über die Egge bei Horn nach Blomberg führt und von dort weiter über Hameln in Richtung Braunschweig und Magdeburg verläuft.

Straßen

Wilbaser Straße (Blomberg)

Literatur

Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 46), Leopoldshöhe/Bielefeld 1996.

Ulrich Meier/Heinrich Stiewe, Blomberg (Historischer Atlas westfälischer Städte, 13), Münster 2022.

Birgit Meineke, Die Ortsnamen des Kreises Lippe (Westfälisches Ortsnamenbuch, 2), Bielefeld 2010.

Heinrich und Berta Plöger, 16 Hofgeschichten aus dem Kirchspiel Reelkirchen (Beiträge zur Familiengeschichte Theopold), Masch.-schr. Manuskript Reelkirchen 1972.

Heinrich Stiewe, "Bernhardiner-Bauten". Häuser und Höfe von Nachfahren Bernhards VII. zur Lippe aus dem 16. bis frühen 18. Jahrhundert, in: Wolfgang Bechtel, Margit Lenniger, Roland Linde u. a., Bäuerliche und bürgerliche Nachkommen Bernhards VII. zur Lippe (1428-1511) bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts (Beiträge zur westfälischen Familienforschung 69, 2011), Münster 2013, S. 40-73.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe (...), ..., S. 58f., 77, 125ff., 167.
  2. Zum Folgenden vgl. Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe, Leopoldshöhe/Bielefeld 1996, S. 19-22.
  3. Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe, Bielefeld 2010 PDF, S. 523f.

Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 12.09.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 13.09.2026 von Heinrich Stiewe