Wilbaser Straße 5 (Blomberg)

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Wilbaser Straße 5 (Blomberg)
OrtsteilBlomberg (Kernstadt)
StraßeWilbaser Straße (Blomberg)
Hausnummer5
Karte
Adressbuch von 1901Ja
Ergänzte Hausnummer010

Meierhof Stork (später Tippenhauer) zu Wilbasen, alter Vollspännerhof in Siebenhöfen Nr. 10 (heute: Wilbaser Straße 5).

"Meyer Storckes Hoff" mit Ruine der Kapelle zu Wilbasen. Flurkarte der Blomberger Feldmark von Johann Christoph Friemel, 1750, Ausschnitt. Niedersächsisches Landesarchiv, Bückeburg.
Wilbasen, ehem. Hof Stork, Meierhaus von 1705. Foto: Nadine Behrmann 2013
Wilbasen, ehem. Hof Stork, Torbogeninschrift von 1705. Foto: Pahmeier 1970, LLB DT
Wilbasen, Hof Stork, Meierhaus und Scheune von Nordwesten. Foto: Stiewe 2013
Wilbasen, Hof Stork, Schlusstein mit Lamm Gottes und Gewölberippen der früheren Kapelle zu Wilbasen, um 1960. LLB DT
Wilbasen, Hof Stork, Erbbegräbnis der Familie Tippenhauer (um 1900) am Standort der früheren Kapelle. Foto: Stiewe 2013

Geschichte

Der frühere Meierhof Stork liegt als Einzelhof an der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 1,5 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft das "Talsystem des Königsbaches" (auch: Hainbach, früher "Wilbaser Beke"), westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking durch archäologische Streufunde mit Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.[1]

Auf dem Meierhof Storck in Wilbasen tagte unter einer Eiche der Freistuhl oder das Freigericht zu Wilbasen; Ende des 16. Jahrhunderts wurde es in den "Wilbasensaal" im Blomberger Rathaus verlegt. Außerdem befand sich auf dem Hof die 1398 erstmals erwähnte Marien-Wallfahrtskapelle zu Wilbasen, die von etwa 1400 bis um 1495 auch Grablege der Edelherren zur Lippe war. Nach 1495 wurde die Kapelle dem Blomberger Augustinerchorherrenstift "Zum Heiligen Leichtnam" inkorporiert.

1458 wurden die Leibeigenen Henne und Gertrude Husemann von Edelherr Bernhard VII. zur Lippe und seinem Bruder Simon der Kapelle zu Wilbasen geschenkt und als erbliche Meier auf dem zugehörigen Meierhof eingesetzt, den sie und ihre Erben bewirtschaften sollten.

Im 18. Jahrhundert war die Kapelle eine Ruine und wurde nach 1750 abgebrochen. Ein Gewölbeschlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Gewölberippen blieben eingemauert in der Scheune erhalten. Der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" befindet sich heute in der Kirche zu Reelkirchen.

Gebäude

Das Meierhaus Stork ist ein großer Vierständerbau von 1705, der stark in Verfall geraten und inzwischen teilweise eingestürzt ist. Zweistöckiger Brettergiebel, auf Stichbalkenköpfen und Füllhölzern vorkragend. Prächtiger Torbogen mit langer Inschrift und Rose und Stern mit Rankenwerk auf den Kopfbändern, links und rechts vom Dielentor gekrümmte Fußstreben.

Inschriften

Rähminschrift:

GOTT DER VATER WOHN UNS BEY UND LAS UNS NICHT VERDERBEN . MACH UNS VON ALLER SÜNDE FREY UND HILF UNS SELIG STERBEN . FÜR DEM TEUFFEL UNS BEWAHR . HALT UNS BEY FESTM GLAUBEN UND AUF DICH LAS UNS BAUEN AUS HERZEN GRUD VERTRAUEN .

Torbogeninschrift:

GERLACH BECK / MEIER UND ANN / A ILSABETH STARCKS ANNO 1705 / DEN 16. JUNIUS PSALM XXIII . MEIN HÜTER UND MEIN HIRTE IST GOT DER HERRE DRUM FÜRCHT ICH NICHT / DAS MIR ETWAS GEWERE . AUF EINER GRÜNEN AUEN ER MICH WEIDET . ZUM SCHÖNEN FRISCHEN / WASSER ER MICH LEITET . ER QUICKT MEIN SEEL. VON SEINES NAMENS WEGEN GERAD ER MICH FÜHRT / AUF DEN RECHTEN STEGEN . PSALM / ZORN UND ZÜCHTIG MICH NIHT IN / VI ACH HER STRAFE MICH NICHT IN DEINEN / DEINEN GRIM . HER SEY MIR GENA / DICH DEN ICH / BIN SCHWAG. / M. J. H. F.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Angaben nach Plöger 1972[2]

1535: Storck to Wylbadessen 2 Gulden (Landschatzregister)

1590: Tonies Storck 2 Florin (Landschatzregister)

1592: "Simon Storck hat zwei Knechte und einen Jung und sein Vater sitzt bei ihm aufen Hause" (Knechtschatzregister)

1618: Simon Storck, Dollingsteich 4 Florin (Landschatzregister)

1643/44 (Salbuch): "Johan Storck (geb. Recker), seine Frau heiße Anna Dorothea, sei 34 Jahre alt und von diesem Hofe bürtig. Habe 3 Häuser nebst einem Backhaus auf dem Hofe, das eine von 6, das andere 5, das dritte 4 und das Backhaus 3 Sparren. Habe bei 30 Eichbäumen, 2 Apfel- und 4 Birnbäume auf dem Hof stehen. Vor dieser Zeit habe er 6 Pferde, 7 Kühe, 3 Rinder und eine Stiege Schweine zu eigen gehabt. Jetz habe er 3 Kühe, 2 einjährige Rinder, 2 Kälber und 2 Schweine. Habe 2 Töchter und 1 Sohn; die älteste Tochter sei 14 Jahre, heiße Christina, die zweite: Anna von 3 Jahren; der Sohn sei 7 Jahre alt."

1668 (Salbuch): Cordt Storck, Wilbasen. "Hat Ländereyen zu 2 Fuder und 39 Scheffel Korn = 139 Scheffelsaat, Wiesewachs zu 3 Fuder Gras, Kuhweide zu 3 Kühen.

1687: Auf dem Hof wurde eine Krugwirtschaft betrieben.

1692: Heirat von Gerlach Beckmeier von Struchtrup mit der Anerbin Ilsabe Storks zu Wilbasen, das Ehepaar hatte drei Söhne. 1705 ließen die Eheleute das erhaltene Meierhaus errichten.

1776 (VZ): Meier Storch, 41 Jahre; Frau Elisabeth, 36 Jahre; Kinder: Henriette, 12 Jahre; Sophie, 9 Jahre; Amalie Sophie, 7 Jahre; Luise, 5 Jahre; Christoph, 3 Jahre; Leibzüchter: Christoph, 77 Jahre; Frau Catharina, 66 Jahre; Knechte: Christoph aus Detmold; Joh. Bernd Conerding, 14 Jahre; Mägde: Luise Steinkamp, 22 Jahre; Anneliese Reineke, 22 Jahre.

1882: Der Oeconom Friedrich Wilhelm August Storch zu Siebenhöfen-Wilbasen will mit seiner Frau und seinem 6-öjährigen Töchterchen nach Amerika auswandern. Der Hof in Wilbasen (54,55 Hektar) wurde für 93.000 Mk. an den Brennereibesitzer und Landwirt Rudolf Theopold in Blomberg verkauft.

1909: Verkauf des Hofes für 100.000 Mk. an den Landwirt Tippenhauer aus Schwalenberg.

Literatur

Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 46), Leopoldshöhe/Bielefeld 1996.

Ulrich Meier/Heinrich Stiewe, Blomberg (Historischer Atlas westfälischer Städte, 13), Münster 2022.

Birgit Meineke, Die Ortsnamen des Kreises Lippe (Westfälisches Ortsnamenbuch, 2), Bielefeld 2010.

Heinrich und Berta Plöger, 16 Hofgeschichten aus dem Kirchspiel Reelkirchen (Beiträge zur Familiengeschichte Theopold), Masch.-schr. Manuskript Reelkirchen 1972.

Heinrich Stiewe, "Bernhardiner-Bauten". Häuser und Höfe von Nachfahren Bernhards VII. zur Lippe aus dem 16. bis frühen 18. Jahrhundert, in: Wolfgang Bechtel, Margit Lenniger, Roland Linde u. a., Bäuerliche und bürgerliche Nachkommen Bernhards VII. zur Lippe (1428-1511) bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts (Beiträge zur westfälischen Familienforschung 69, 2011), Münster 2013, S. 40-73.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995, S. 58f., 77, 125ff., 167.
  2. Heinrich und Berta Plöger, 16 Hofgeschichten aus dem Kirchspiel Reelkirchen (Beiträge zur Familiengeschichte Theopold), Masch.-schr. Manuskript Reelkirchen 1972, S. 132ff.

Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 12.09.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 13.09.2026 von Heinrich Stiewe