Im Seligen Winkel Kirche (Blomberg)
Ev.-ref. Klosterkirche Blomberg
| Im Seligen Winkel Kirche (Blomberg) | |
|---|---|
| Ortsteil | Blomberg (Kernstadt) |
| Straße | Im Seligen Winkel (Blomberg) |
| Hausnummer | Kirche |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | |
Geschichte
Am Ostertag des Jahres 1460 stahl eine Frau 45 geweihte Hostien aus der Martinikirche und warf diese, aus Angst vor Verfolgung, in einen Brunnen. Sie wurde ergriffen, vor Gericht gestellt, verurteilt und verbrannt.
Zur Sühne ließen Graf Bernhard VII. und sein Bruder Simon (seit 1463 Bischof in Paderborn) eine Kapelle über dem Brunnen erbauen, wie in der Stiftungsurkunde des Blomberger Klosters von 1469 überliefert ist. Das Brunnenwasser soll durch die Hostien Wunder bewirkt haben. Dieser Glaube ließ eine blühende Wallfahrt entstehen. Um die große Zahl an Pilger*innen zu bewältigen, gründete Bernhard VII. mit Möllenbecker Augustiner-Chorherren in Blomberg ein Kloster, das einschließlich einer Kirche von 1462–1485 aus den Wallfahrts-Einnahmen anstelle der Kapelle erbaut wurde. Als Meister ist durch Steinmetzzeichen Heinrich Goellerth identifiziert.[1]
Die Reformation läutete die allmähliche Auflösung des Klosters ein. Der letzte Mönch starb am 14.12.1570, Graf Simon nahm das von seinen Vorfahren gestiftete Kloster wieder an sich und schenkte die Klostergebäude 1651 der Stadt Blomberg samt dem Klosterhof zur Schule und als Pfarrhaus.[2] Seit 1833 Pfarrkirche, 1838 durch Ferdinand Brune restauriert, dazu auch eine neue Orgel von Kuhlemann/Kassel, 1860 von Randebroek wesentlich verbessert.[3]
Gebäude
Turmlose spätgotische Hallenkirche, dreischiffiges dreijochiges Langhaus mit annähernd quadratischem Grundriss, im Osten ein 5/8-Chor in der Breite des Mittelschiffs. Die Joche der Seitenschiffe längsrechteckig, im Mittelschiff querrechteckig. Spitzbogiges Hauptportal inmitten der Südseite, spitzbogige dreibahnige Fenster mit Maßwerkschluss, Strebepfeiler mit zierlichen Fialen. Südschiff mit zwei Querdächern und Fachwerkgiebeln, Nordseite fensterlos mit Gewölbeansätzen eines ehem. Kreuzgangs. Innen mit Kreuzrippengewölben auf Rundpfeilern geschlossen, in den Schlusssteinen Kreuz der Augustiner-Chorherren, Lippische Rose, Schaumburger Nesselblatt und, im Chor, Agnus Dei (Lamm Gottes). Kapitelle mit Figuren- und Laubschmuck. Die Gewölbekappen im Chor aus Bruchstein, im Langhaus aus Backstein. West- und Nordseite mit Emporen.[4]
Am westlichen Ende des Langhauses Einbau einer Gruft, 1623 für Simon VII. vergrößert und dabei das Westportal vermauert. Verbindung mit den älteren Grüften für Bernhard VIII. († 1513), Simon V. († 1536), Simon VI. († 1614) und Johann Bernhard zur Lippe († 1652) sowie Mitglieder der Nebenlinien Lippe-Biesterfeld und Lippe-Weißenfeld. Insgesamt 22 Zinn- und Holzsärge von 1584–1769.[5]
Hinweise auf einen angebauten Kreuzgang sind vorhanden, im Haus Schulstraße 15 sind Reste eines zugehörigen Klostergebäudes erhalten.
Inschriften
Am westlichen Strebepfeiler des Chores unterhalb des Wasserschlaggesimses in gotischen Minuskeln "anno dm / m cccc sexa / gesimo secundo" (1462).
Am Westfenster der Südseite an der westlichen Gewändelaibung: "mcccclxxiii" (1473).
Auf dem Schalldeckel der Kanzel Allianzwappen Lippe/Solms-Hohensolms, darunter Stifterinschrift:
Auf dem Taufstein (1833 aus der ehem. Martinikirche): "ANNO DNI / 1574", Steinmetzzeichen des Hans Rade.
2 Grabplatten an der Ostwand des Chors (1833 aus der ehem. Martinikirche), links für den Blombergter Kammerrat Anthon Günther Kopf († 1707) und seine Frau Elisabeth Theopold († 1712), rechts für Pastor Johann Jodokus Abraham Theopold († 1657) und seine Frau Elisabeth Stapperfenne († 1664).
Glocken
Um 1850 existierten sechs Glocken.
| Schlagton | Gussjahr | Name | Gießer | Inschrift |
| b1 | 1463 | Broder Arent Gocke | nicht bekannt | JHESUS . MARIA . BRODER . ARENT ANNO DOMINI MCCCCLXIII |
| es2 | 1844 | Schulglocke | H. J. Lohmeier | Gott allein die Ehre |
| b1 | 1844 | Vorläuteglocke | H. J. Lohmeier | Gott allein die Ehre |
| ges1 | 1845 | Betglocke | ?? | Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. |
| es1 | 1845 | Feuerglocke | ?? | Wo der Herr nicht die Stadt bewacht, so wachet der Wächter umsonst. |
| n.a. | 1849 | Viertelschlagglocke | ?? | Keine |
Vier Glocken aus Blomberg fielen unter die Kriegsabgabe 1917. Lediglich die Broder Arent Glocke blieb der Gemeinde erhalten, sie fiel jedoch 25 Jahre danach unter die Kriegsabgabe 1942.
1921 stifteten die Familien Siekmann, Hausmann und Stöß ein Dreiergeläut das bei Ulrich & Weule in Apolda gegossen wurde.
Das Geläut der (Stahl?)glocken hat die Disposition: [6]
[7]
| Schlagton | Gussjahr | ⌀ in mm | m in kg | Inschrift |
| f1 | 1921 | 1580 | 1550 | |
| as1 | 1921 | 1210 | 700 | |
| c2 | 1921 | 1010 | 450 |
Die Broder Arent Glocke konnte 1948 von der Glockensammelstelle Lünen zurück nach Blomberg gebracht werden. Sie ist angeblich die fünftälteste lippische Glocke und steht seit 1948 unbenutzt im Turm.[6]
1977 beschloss der Kirchenvorstand ein neues Geläut anzuschaffen und die Broder-Arent-Glocke in das Geläut einzubeziehen.[6]
Die drei Bronzeglocken wurden von der Gießerei Rincker gegossen.
| Schlagton | Gussjahr | ⌀ in mm | m in kg | Inschrift |
| b1 | 1463 | ?? | 425 | JHESUS . MARIA . BRODER . ARENT ANNO DOMINI MCCCCLXIII |
| des1 | 1977 | SUCHET MICH, SO WERDET IHR LEBEN AM. 5,4 + GOTT ALLEIN DIE EHRE GLAUBE | ||
| es1 | 1977 | SEID FRÖHLICH IN HOFFNUNG + RÖM. 12,12 + GOTT ALLEIN DIE EHRE HOFFNUNG | ||
| ges1 | 1977 | ALLE EURE DINGE LASSET IN DER LIEBE GESCHEHEN + 1. KOR. 16.14 + GOTT ALLEIN DIE EHRE LIEBE |
Im Turm befinden sich zwei kleine Schlagglocken für die Uhr der Stadt Blomberg.
Ausstattung
Grabmal (Tumba) des Kirchenstifters Bernhard VII. zur Lippe († 1511) und seiner Frau Anna von Holstein-Schaumburg († 1495) im Chor (bis in die 1960er Jahre im Langhaus). Die 4 Seiten architektonisch gegliedert und figürlich geschmückt, darauf die Grabplatte mit den lebensgroßen Ganzkörperbildnissen. Die Köpfe mit geöffneten Augen auf Kissen gebettet unter spätgotischen Baldachinen. Zu Füßen Schilde tragende Löwenkonsolen. Umlaufende Inschrift, unterbrochen von den 16 Wappen der Ahnenreihe Bernhards. Stilistisch wird die Tumba dem Münsteraner Bildhauer Heinrich Brabender zugeschrieben.[8]
Chorgestühl stilistisch kurz nach 1500, 1833 entfernt, ein Rest 315 x 70 cm große Eichenbohle) hinter dem nördlichen Emporenaufgang ausgestellt, ein kürzeres Stück in der Sammlung des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake.
Sakramentshaus ursprünglich als zweigeschossiger Tabernakel in spätgotischen Formen, in der Reformation entfernt, die Bedachung als Taufstein-Baldachin bis in die 1950er Jahre erhalten, bis auf kleinste Reste zerstört.
Barockkanzel aus Holz, 1704 von Jobst Rentorff aus Donop, gestiftet von Graf Friedrich Adolph zur Lippe und Amalia von Solms-Hohensolms.
Bemalte Glasfenster (Wappenfenster) von 1911, gestiftet von Fürst Leopold IV. und Fürstin Bertha, Prinzessin von Hessen-Philippstal-Barchfeld (Chor), Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe und Anna Marie von Sachsen-Altenburg (Südseite) sowie dem Blomberger Magistrat (über dem Portal).
Eigentümer
Ev.-ref. Kirchengemeinde Blomberg
Pastoren
Pastoren ab 1833:[9]
bis 1848 Philipp Ferdinand Neubourg († 21.4.1848), zuvor schon Pastor der 1833 abgerissenen Martinikirche. oo Marie Wilhelmine Volkhausen († 11.7.1840).
1848–1854 Ernst Hovedissen.
1854–1899 Georg Neubourg, zuvor dort 2. Pastor († 23.5.1901).
1899 bis nach 1926 Ernst Thelemann (* Detmold 12.3.1869)
Literatur
- Katharina Priewe, Die ehemalige Klosterkirche "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg (heute ev.-ref. Kirche) (Lippische Kulturlandschaften; 21); Detmold 2012.
- Burkhard Meier, Lippische Kirchen, Detmold 2004.
- Ulrich Meier, Ein folgenschwerer Diebstahl. Ermittlungen und Quellen zum Blomberger Hostienfrevel von 1460 und zur Wallfahrt nach Blomberg (Lippische Geschichtsquellen; 27), Bielefeld 2024.
- Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 16–19, 326–334.
Quellen
Weblinks
- Internetseite der Kirchengemeinde: https://www.blombergref.de
- Archiv der Lippischen Landeskirche: Archivseite
- Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Klosterkirche_(Blomberg)
Einzelnachweise
- ↑ Katharina Priewe, Die ehemalige Klosterkirche "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg (heute ev.-ref. Kirche) (Lippische Kulturlandschaften; 21); Detmold 2012, S. 1–4, 13.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 18 f.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 326.
- ↑ Katharina Priewe, Die ehemalige Klosterkirche "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg (heute ev.-ref. Kirche) (Lippische Kulturlandschaften; 21); Detmold 2012, S. 5–13.
- ↑ Katharina Priewe, Die ehemalige Klosterkirche "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg (heute ev.-ref. Kirche) (Lippische Kulturlandschaften; 21); Detmold 2012, S. 28 f.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Lippische Landeskirche, Archivbestand 07.17
- ↑ Theolog. Bibliothek der Lippischen Landeskirche: "Die Glocken des Lipperlandes"
- ↑ Katharina Priewe, Die ehemalige Klosterkirche "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg (heute ev.-ref. Kirche) (Lippische Kulturlandschaften; 21); Detmold 2012, S. 26.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 333 f.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 17.02.2026 von Wolfgang Kramer
Letzte Änderung am: 15.09.2026 von Wolfgang Kramer