Kolonat 3 (Haustenbeck)
| Kolonat 3 (Haustenbeck) | |
|---|---|
| Ortsteil | Haustenbeck |
| Straße | - |
| Hausnummer | - |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Haustenbeck |
| Hausnummer | 003 |
Das Kolonat Nr. 3 wurde 1661 von Johann Schmaske gegründet. Es trug lange Zeit den Stättenamen Schmaske, seit etwa 1892 den Stättenname Röhrmann.[1]
Geschichte
Johann (Hans) Schmaske, der Gründer der Stätte, war bereits verheiratet. Er scheint bereits um 1678 verstorben zu sein. Aus der Ehe seines Sohnes und Nachfolgers Johann Gerhard Schmaske sind zwei Söhne, Jürgen Henrich und Franz Adam, bekannt. Der ältere Sohn Jürgen Henrich erbte die Stätte. Doch er verstarb nach vier Jahren Ehe und hinterließ keine Kinder. Die Stätte gelangte deshalb an seinen Bruder Franz Adam.[2]
Franz Adam war drei Mal verheiratet. Die Kinder der beiden ersten Ehen waren schon früh verstorben. Als Franz Adam selbst im Jahr 1747 verstarb, führte seine Witwe die Stätte bis zur Heirat der ältesten Tochter einige Jahre allein weiter. 1753 verheiratete sich die Tochter Anne Marie Elisabeth mit Cord Simon Brockmann aus Hörste Nr. 10 und übernahm mit ihm ihr elterliches Kolonat. Der ältere ihrer beiden jüngeren Brüder, Johann Hermann Philipp Schmaske, erwarb 1761 mit seiner zweiten Frau Trina Margarete Schneider die Stätte Nr. 37 in Haustenbeck von dem kinderlosen Johann Hermann Dreimann.
Das Besitzerpaar [Cord Simon Schmaske geb. Brockmann und Anne Marie Elisabeth Schmaske geb. Schneider, s.u.] hatte im Jahr 1776 zwei Söhne und vier Töchter. Sie besaßen zwei Kühe und drei Rinder. Die Leibzüchterin [Anna Ilsabein geb. Wächter] lebte allein und hielt eine Kuh.[3]
1828 lebten fünf Personen auf der Stätte, neben den Ehepaar Schmaske mit zwei Kindern auch eine nicht näher bezeichnete weibliche Person.[4]
Auch wenn die Stättenbesitzer häufig weitere Ehen eingingen, weil der Ehepartner/die Ehepartnerin verstorben war, so ist das Kolonat trotz einiger Unwegsamkeiten doch immer im Besitz der Familie geblieben.
Die Anerbin Wilhelmine Amalie Schmaske heiratete im Jahr 1858 Christoph Bernhard Kelle von der Stätte Haustenbeck Nr. 34. Das Paar hatte im Jahr 1868 sechs Kinder (eins war bereits verstorben), als der Vater und Ehemann Christoph Bernhard geb. Kelle am 8. September tötlich verunglückte, weil der Brunnen einstürzte. Die Witwe war nun allein mit ihren kleinen Kindern, verheiratete sich aber nicht erneut und bleibt bis 1891 Eigentümerin der Stätte.
1886 zog Friedrich Heinrich August Röhrmann mit seiner Familie als Interimswirt auf die Stätte Nr. 3. Heinrich Röhrmann stammte von der Stätte Röhrmann Nr. 6 in Haustenbeck. Er hatte sich 1869 mit Anne Marie Sophie Amalie Schmaske (* 6.7.1840) von der Stätte Nr. 3 verheiratet. Seine Frau war eine Schwester der Erbin und jetzigen Witwe Wilhelmine Amalie Schmaske. Das Paar hatte zunächst einige Jahre als Einlieger in Haustenbeck gelebt und 1876 die Stätte 85 in Taubenteich angekauft. Inzwischen – 1886 – soll die Stätte Nr. 3 in Haustenbeck wohl sehr heruntergewirtschaftet gewesen sein. Wohl deshalb verkaufte Heinrich Röhrmann sein Kolonat in Taubenteich und bezog als Interimswirt die Stätte Nr. 3.
Nach einer Erbauseinandersetzung wurde der der Anerbe, der ledige, 1862 geborene Bernhard Heinrich Friedrich Schmaske Eigentümer der Stätte Nr. 3. Er kann die Stätte aber nicht halten. So gelangt sie 1892 wieder in den Besitz seines Onkels, des vorherigen Interimskolons Friedrich Heinrich August Röhrmann, und seiner Tante Anne Marie Sophie Amalie Schmaske.
Deren ältester Sohn und Anerbe, Ziegelmeister Heinrich Friedrich Wilhelm Röhrmann trat mit seiner Eheschließung 1903 mit Florentine Friederike Henriette Eikermann von Haustenbeck Nr. 83 das elterliche Kolonat Nr. 3 an.
Als 1938 die Auflösung des Dorfes für die Erweiterung des Truppenübungsplatzes beschlossen war, wurde der Bestand des Kolonates festgehalten. Zur Stätte Nr. 3 gehörten ein Pferd, vier Kühe, ein Rind, Schweine und Kleinvieh. An Gebäuden wurden registriert: ein 1928 neu errichtetes Wohnhaus mit angebautem Stall und Scheune, eine freistehende 1912 erbaute Scheune, ein älteres Backhaus mit angebautem Schweinestall und Backofen, ein Schuppen.
Mit dem von der Ruges (Reichsumsiedlungsgesellschaft) festgesetzten Betrag war Friedrich Röhrmann nicht einverstanden. In einem Vergleich wurde der Preis für das Kolonat 1939 dann um 500 Mark niedriger angesetzt. Nach zähen Verhandlungen, die sich von November 1938 bis Juni 1939 hinzogen, konnte Friedrich Röhrmann schließlich den Kaufvertrag für die Stätte Nr. 9 in Wissentrup schließen. Danach schloss er den Kaufvertrag mit der Ruges wegen seines Besitzes in Haustenbeck und verzog am 13. November 1939 mit seiner Familie nach Wissentrup.
Die Ländereien des Kolonates Nr. 3 in Haustenbeck übernahm ein Großpächter. Die Gebäude blieben zunächst erhalten und dienten bis 1945 der Unterbringung von übenden bzw. neu aufzustellenden Truppen. Aber nachdem die britische Militärregierung 1945 bombengeschädigten Einwohnern aus Paderborn die Erlaubnis erteilte hatte, sich von den leerstehenden Häusern in Haustenbeck Dachziegel und andere Baugegenstände holen zu dürfen, blieben von den Gebäuden nur Ruinen zurück, die 1960 wegen Einsturzgefahr abgebrochen wurden.
Gebäude
- 1912 erbaute freistehende Scheune
- 1928 errichtetes Wohnhaus mit angebautem Stall und Scheune,
zum Bestand 1938 zählten:
- ein älteres Backhaus mit angebautem Schweinestall und Backofen,
- ein Schuppen.
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
- 1661 Johann (Hans) Schmaske oo NN
- um 1678 Gerhard Schmaske (* 1646, Sohn von Johann Sch., † 1727) 1678 oo Anne Catharine NN (* um 1658, † 1738)
- 1713 Jürgen Henrich Schmaske (* 1679, Sohn von Gerhard Sch., † 1717) oo Gertrud Cottmann
- 1717 Franz Adam Schmaske (* 1692, Bruder des Vorgängers, † 1747) oo 1715 Anne Marie Elisabeth Becker (* 1693, † 1725);
er II oo 1725 Marie Elisabeth Meier aus Wilberg (* 1697, † 1733); er III oo 1733 Anna Ilsabein Wächter aus Haustenbeck (* 1701, † 1788)
- 1753 Anne Marie Elisabeth Schmaske (* 1737, Tochter von Franz Adam Sch., † 1772) oo Cord Simon Brockmann aus [[|Hiddentruper Straße 6x (Hörste)|Hörste Nr. 10]] (* 1724);
er II oo 1773 Anne Marie Elisabeth Schneider aus Fissenknick (* 1740, † 1792); er III oo 1794 Friederike Krumme aus Holzhausen
- 1794 Johann Gerhard (Gerd) Conrad Schmaske (* 1771, Sohn von Anne Marie Elisabeth geb. Sch., † 1835) oo Anne Marie Sophie Luise Koch (* 1773 in Haustenbeck, † 1844)
- 1835 Johann Bernhard Conrad Schmaske (* 1808, Sohn von Johann Gerd Conrad Sch., † 1890) oo Sophie Christine Kleinegees (* 1807 in Haustenbeck, † 1843);
er II oo 1844 Anne Marie Wilhelmine Charlotte Hanning, Haustenbeck Nr. 87 (* 1817, † 1856)
- 1858 Wilhelmine Amalie Schmaske (* 1835, Tochter von Johann Bernhard Conrad Sch., † 1920) oo Christoph Bernhard Kelle, Haustenbeck Nr. 34 (* 1830, † 1868);
1886 Interimswirt Friedrich Heinrich August Röhrmann (* 1842, † 1915) oo 1869 Anne Marie Sophie Amalie Schmaske (* 1840, † 1926)
- 1891 Bernhard Heinrich Friedrich Schmaske
- 1892 Friedrich Heinrich August Röhrmann (* 1842, † 1915) oo 1869 Anne Marie Sophie Amalie Schmaske (* 1840, † 1926)
- 1901 Röhrmann, Heinr., Landwirth.[5]
- 1903 Heinrich Friedrich Wilhelm Röhrmann (* 1875, † 1943) oo Florentine Friederike Henriette Eikermann (* 1878)
- 1926 Röhrmann, Friedrich, Landwirt.[6]
Literatur
- Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
- Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
- Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
- Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994
Quellen
Nachlass Walter Göbel (in Privatbesitz).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 25, 200.
- ↑ Soweit nicht anders gekennzeichnet stammen alle Angaben aus den Forschungen von Walter Göbel zu den Hausstätten in Haustenbeck und ihren Besitzern.
- ↑ L 92 Z Nr. 1448, S. 112f.
- ↑ L 92 Z Nr. 1451, S. 205.
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 206.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 674.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 08.07.2026 von Olaf Biere
Letzte Änderung am: 21.10.2026 von Margit Lenniger