Katerallee 1 (Hiddesen)
OrtsteilHiddesen
StraßeKaterallee (Hiddesen)
Hausnummer1
Karte
Adressbuch von 1901Nein

Feuerwehrgerätehaus (Spritzenhaus), erbaut 1919.

Geschichte

Nachdem schon seit 1909 Planungen bestanden,[1] wurden 1919 eine Feuerspritze und der Bau des Spritzenhauses vom Verwaltungsamt Detmold in Auftrag gegeben.[2]

Zur Bedienung sollte eine Pflicht- oder Freiwillige Feuerwehr gebildet werden. Am 29.10.1919 verpflichteten sich 30 Hiddeser Männer zu einer Freiwilligen Feuerwehr. Brandmeister wurde der Schmiedemeister Heinrich Runte, Hauptmann und Kommandant wurde Bäckermeister F. A. Günther.[3] Am 15.2.1920 erhielten die Wehrmänner ihre Ausrüstung und Uniformen im Wert von 6.000 Mark. Am 2.8.1921 erfolgte der erste größere Einsatz bei einem Heidebrand. Nach Günthers Tod folgte Zimmermeister Ernst Wegener als Hauptmann. 1945 folgte der alten, von Pferden gezogenen Spritze eine Tragkraftspritze der ehem. Wehrmacht, die von einem DKW-Zweitaktmotor angetrieben 800 Liter/min. förderte. 1956 folgte der erste (gebrauchte) Mannschaftswagen.[4]

Als Baudenkmal eingetragen in die Denkmalliste der Stadt Detmold am 23.3.1994, Nr. A452.

Aufgrund seiner Gestaltung und der Lage am Waldrand wurde das Spritzenhaus in frühen Jahren auch als „Waldkapelle“ bezeichnet. Nachdem 1997 das unmittelbar daneben errichtete neue Gerätehaus bezogen worden war, diente der Altbau der Jugendfeuerwehr noch einige Zeit als Gruppenraum. 1999 verkaufte die Stadt Detmold die Immobilie zum symbolischen Preis von einer D-Mark an die örtliche Pfadfindergruppe, die das Gebäude seither als Gruppenraum nutzt.

Die Hiddeser Pfadfinder begannen anschließend mit einer umfassenden Restaurierung des Gebäudes. Dabei wurden Teile des Fachwerks erneuert sowie die Tore und Sprossenfenster ersetzt. Im Jahr 2022 konnten die Arbeiten mit der Erneuerung der seitlichen Eingangstür nach historischem Vorbild abgeschlossen werden.

Gebäude

 
Feuerwehrgerätehaus Hiddesen, 2017, Foto: Tsungam

Eingeschossiger Mauerwerksbau mit Bruchsteinsockel und Putzfassade, Fachwerkgiebel zur Nordseite, Satteldach. Südlich beidseitig eingerückt angebaut ein Schlauchtrockenturm mit Fachwerkdrempel, Fachgiebel und steilem Satteldach. Im Fachwerkgiebel oberhalb der Jalousieläden inschriftliche Datierung „1919“ und auf der Giebelschwelle die Inschrift „SPRITZENHAUS“ mit 2 Lippischen Rosen. Darunter breites Holztor. Im Turm an der Westseite eine kleine Rundbogentür. Holzklappläden (Jalousieläden). Die obere Hälfte der Giebeldreiecke verbrettert, die Brettfugen mit Deckleisten. Rautenförmige Fenster im Spitzboden. Östlich jüngerer Anbau unter abgeschlepptem Dach.

Inschriften

Im Fachwerkgiebel „ERBAUT 1919“ und „SPRITZENHAUS“.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Gemeinde Hiddesen, seit 1970 in Rechtsnachfolge Stadt Detmold.

1997 Verkauf für 1 DM an die Hiddeser Pfadfinder.

Literatur

Förderverein Freiwillige Feuerwehr in Hiddesen e.V. (Hg.), 100 Jahre Feuerwehr in Hiddesen. Löschgruppe Hiddesen. Festschrift, Detmold 2019.

Siegfried Platte, Retten - Löschen - Bergen - Schützen, in: Kneipp- und Verkehrsverein Hiddesen e. V. (Hg.), Dorfchronik Hiddesen, Detmold 2006, S. 127-129..

50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hiddesen 1919-1969, Lemgo 1969.

Quellen

LAV NRW OWL, L 80.14 / Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten, Nr. 630: Errichtung und Unterhaltung eines Spritzenhauses in Hiddesen, 1909-1939.

LAV NRW OWL, L 80.22 / Regierung/Landesregierung Lippe - Bauabteilung, Nr. 603: Neubau des Spritzenhauses zu Hiddesen, 1919-1923, 1931, enthält v. a. Kostenanschläge, Verdingungen, Zahlungen, Handzeichnungen.

LAV NRW OWL, L 103 / Lippische Kriegswirtschaftsbehörden und andere Kriegs- und Kriegsfolgeeinrichtungen, Nr. 514, 1919, enthält u. a. Spritzenhausbau in Hiddsesen.

LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/4806-17: Pläne für den Bau eines Feuerwehrhauses zu Hiddesen, Ansicht und Pläne, 1920.

LAV NRW OWL, L 80.14 / Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten, Nr. 631: Ernennung der Feuerwehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Hiddesen, 1937.

LAV NRW OWL, L 80.14 / Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten, Nr. 629: Errichtung, Satzungen und Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Hiddesen, 1920-1922, 1940.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. LAV NRW OWL, L 80.14 / Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten, Nr. 630: Errichtung und Unterhaltung eines Spritzenhauses in Hiddesen, 1909-1939.
  2. LAV NRW OWL, L 80.22 / Regierung/Landesregierung Lippe - Bauabteilung, Nr. 603: Neubau des Spritzenhauses zu Hiddesen, 1919-1923, 1931, enthält v. a. Kostenanschläge, Verdingungen, Zahlungen, Handzeichnungen.
  3. LAV NRW OWL, L 80.14 / Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten, Nr. 629: Errichtung, Satzungen und Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Hiddesen, 1920-1922, 1940.
  4. Siegfried Platte, Retten - Löschen - Bergen - Schützen, in: Kneipp- und Verkehrsverein Hiddesen e. V. (Hg.), Dorfchronik Hiddesen, Detmold 2006, S. 127-129..

Autor*innen

Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 15.11.2025 von Joachim Kleinmanns

Letzte Änderung am: 28.05.2026 von Cord Brüning