Brüntruper Straße 4 (Cappel)
Ev.-ref. Kirche Cappel
| Brüntruper Straße 4 (Cappel) | |
|---|---|
| Ortsteil | Cappel |
| Straße | Brüntruper Straße (Cappel) |
| Hausnummer | 4 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | |
Kirche der ev.-ref. Kirchengemeinde Cappel, seit 2020 Cappel-Istrup.
Geschichte

Die Kirche in Cappel wird erstmals 1231 in einem Archidiakonatsverzeichnis des Archidiakonats Steinheim erwähnt. Vermutlich entstand sie aus einer Filialkapelle der älteren Kirche in Reelkirchen.
In der mittelalterlichen Kirchengemeinde Cappel gab es insgesamt sechs Bruderschaften: 1. die Bruderschaft St. Johannes Baptist (des Täufers), 2. die Bruderschaft der Hl. Katharina, 3. die Bruderschaft des Hl. Geistes, 4. die Bruderschaft unserer lieben Frauen (der Jungfrau Maria), 5. die Bruderschaft der Hl. Anna, 6. die Bruderschaft des Hl. Leichnams.
Bruderschaften sind religiöse Vereinigungen von Geistlichen und wohlhabende Bürgern, manchmal auch ärmeren Leuten und Landbewohnern. Sie waren bestimmten Kirchen und Altären zugeordnet, ihr Zweck war die Fürsorge für Arme, Alte und Kranke. Eine wichtige Rolle spielten Messen zum Totengedenken für verstorbene Mitglieder. Höhepunkte waren Feste zu Ehren der Patrone der Bruderschaften. Wilhelm Butterweck schreibt 1926, es habe um 1600 sechs Bruderschaften in Cappel gegeben, deren Patrone der Heilige Geist, der Heilige Leichnam (Fronleichnam = Leichnam des Herrn), St. Anna, St. Katharina, die Jungfrau Maria (unsere liebe Frau) und Johannes Baptista (Johannes der Täufer) waren.[1] Im Archiv der Kirchengemeinde Cappel, das sich heute im Landeskirchenarchiv in Detmold befindet, gibt es noch ein älteres Register der Bruderschaft „Zum Heiligen Leichnam“ mit Eintragungen aus der Zeit zwischen 1466 und 1590. Die sechs Bruderschaften in Cappel sind ungewöhnlich viele für eine einfache Landgemeinde, weitaus häufiger waren diese Vereinigungen in den mittelalterlichen Städten. Ulrich Meier aus Bielefeld, der beste Kenner der Blomberger Stadtgeschichte, vermutet, dass ursprünglich nur die Bruderschaft Johannes Baptist in Cappel ansässig war – sie ist nach dem mittelalterlichen Schutzheiligen der Cappeler Kirche benannt. Die fünf anderen Bruderschaften dürften im Mittelalter in der Stadt Blomberg entstanden sein und erst nach der Reformation an diesem Ort verlagert worden sein.[2]
Ein altes Bruderschaftsbuch aus Cappel mit Aufzeichnungen zu Einkünften der "Heilig-Geist-Bruderschaft" und der "Bruderschaft unserer lieben Frauen" aus den Jahren 1612-1644 und 1672 konnte 2021 im Internet erworben werden. Das Buch enthält die Namen zahrlreicher Höfe aus dem Kirchspiel Cappel, deren Bauern der Bruderschaft Gelder schuldeten. Es soll nach Auswertung dem landeskirchlichen Archiv in Detmold übergeben werden.[3]
1538 wurde auf dem Landtag von Ritterschaft und Städten, der unter einer Linde bei der Kirche in Cappel tagte, die Einführung einer lutherischen Kirchenordnung in der Grafschaft Lippe beschlossen. Das reformierte Bekenntnis wurde nach 1605 eingeführt.
Die Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt und danach nur notdürftig wiederaufgebaut. Am 22. Juli 1827, kurz nach dem Gottesdienst, stürzten Gewölbe und Dach der Kirche ein und zerstörten Altar, Kanzel und Orgel. 1828 wurde die Kirche neu errichtet, der mittelalterliche Westturm blieb erhalten. Während der Bauzeit diente die Cappeler Pfarrscheune als Notkirche.
Der Neubau der Kirche wurde am 6. Dezember 1829 eingeweiht, Pastor Stivarius legte seiner Festpredigt die Psalmworte zugrunde: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ (Ps. 26, 8).
Gebäude
Einziger Kirchenbau des Klassizismus in Lippe, erbaut 1828 nach Entwurf des Bückeburger Landbaumeisters Heinrich Julius Weissich (1794–1837). Rechteckiger protestantischer Predigtsaal mit seitlichen Emporen auf dorischen Säulen, Kanzel und Abendmahlstisch in der Mitte der Nordseite.

Die Kirche steht auf einem erhöhten Kirchplatz im Ortskern von Cappel, umgeben von einer Bruchsteinmauer mit einigen Treppenaufgängen.
Der längsrechteckige Baukörper des Kirchenschiffes mit einer Länge von ca. 25 m und einer Breite von ca. 14 m besteht aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit einem hohen, mit Tonpfannen gedecktem Walmdach. Die Längsseiten mit fünf Fensterachsen, östliche Schmalseite mit drei Achsen. Putzbau mit Eckaquaderung und hohen Rundbogenfenstern. Rustizierter Mittelrisalit an der Südseite mit Mitteleingang ("Brüntruper Tür"), darüber Halbkreisfenster und abschließender Dreiecksgiebel. Über dem Eingang an der Ostseite ("Großenmärper Tür") ein weiteres Halbhkreisfenster.
Mittelalterlicher Westturm mit weit über die Landschaft ragendem spitzem Turmhelm. Der Turm hat eine Kantenlänge von 7 m und besteht aus verputztem Bruchsteinmauerwerk. Höhe des Turmschaftes ca. 20 m, mit dem achtseitigen, schiefergedeckten Turmhelm beträgt die Gesamthöhe ca. 56 m.
Innentraum und Ausstattung:Klassizistischer Predigtsaal mit glatter Muldendecke, seitliche Emporen auf jeweils sechs dorischen Säulen, Gestühl aus dem 19. Jahrhundert. Zentrale Kanzel mit seitlichem Aufgang hinter vergitterten Wandelementen, sechseckiger Kanzelkorb mit Ecksäulchen und klassizistischen Malereien. Orgel mit neuromaischem Prospekt von 1865. Abendmahlsgeräte von 1888, zwei Kronleuchter von 1892, undatierter Opferstock aus Eichenholz am östlichen Eingang, Inschriftenstein von 1694 der Familie von Donop. Zwei große, aus Eichenholz geschnitzte Tafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges hängen an der Innenseite der Südwand.


Glocken: Nach Ablieferung der ursprünglichen Glocken im Ersten Weltkrieg besaß die Kirche drei Gussstahlglocken der Gießerei "Bochumer Verein" von 1921. Diese wurden 2023 durch ein neues Bronzegeläut der Gießerei Bachert in Neunkirchen/Baden ersetzt.

Inschriften
Datierung auf dem Fries des südlichen Giebels: 1828
Eigentümer
Ev.-ref. Kirchengemeinde Cappel-Istrup
Pastoren
bis 1926 [4]
- JJJJ
Literatur
- Burkhard Meier, Lippische Kirchen, 2004
- Elfriede Ulrichs, Aus der Geschichte der Kirchengemeinde Cappel. Festschrift aus Anlaß 150-jährigen Bestehens des Kirchbaus, Cappel 1979.
Quellen
Weblinks
- Internetseite der Kirchengemeinde: https://kirche-cappel-istrup.de
- Archiv der Lippischen Landeskirche: Archivseite
- Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Kirche_Cappel
Einzelnachweise
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 38 und 354.
- ↑ Ulrich Meier, Lippische Kirchengeschichte im Mittelalter. Pfarreien, Konvente und fromme Gemeinschaften, in: Heide Barmeyer u. a. (Hg.), Lippische Geschichte, Bd. 2, Petersberg 2019, S. 164-184, hier: S.175ff.
- ↑ Heinrich Stiewe, Altes Dokument entdeckt: Ein Cappeler Bruderschaftsbuch aus dem 17. Jahrhundert, in: Heimatland Lippe 3, 2022, S. 22-23.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, Seite 354 ff
Autor*innen
Heinrich Stiewe, Lothar Kaup, Wolfgang Kramer
Seitenhistorie
Seite erstellt am 17.02.2026 von Wolfgang Kramer
Letzte Änderung am: 26.07.2026 von Heinrich Stiewe