Langer Steinweg 20 (Blomberg)
| Langer Steinweg 20 (Blomberg) | |
|---|---|
| Ortsteil | Blomberg (Kernstadt) |
| Straße | Langer Steinweg (Blomberg) |
| Hausnummer | 20 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Hausnummer | 263 |
Mittelalterliche Hausstätte mit seitlicher Hofzufahrt rechts. Das erhaltene Fachwerkhaus entstand 1452 (d, Vorderhaus) und 1455 (d, Hinterhaus, Kellerdecke) während des Wiederaufbaus nach der Zerstörung in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. Ältestes erhaltenes Fachwerkhaus in Blomberg und in ganz Lippe. Alte Hausnummer 263.









Geschichte
Das Haus Langer Steinweg 20 ist das einzige vollständig erhaltene Fachwerkhaus aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung Blombergs in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. (Das 1450-54 (d) wiederaufgebaute Haus (Neue Torstraße 10) befindet sich seit 1988 im LWL-Freilichtmuseum Detmold). Der rückwärtige Steinkeller unter dem Hinterhaus reicht möglicherweise sogar noch in die Zeit vor 1447 zurück. Das Gebäude ist das derzeit älteste Fachwerkhaus in Blomberg und darüber hinaus in ganz Lippe.
Gebäude
Zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen (7 Gebinden), im Dachwerk datiert 1452 (d). Fassade und Teile der Traufwände erneuert 1824 (d), lt. eingeritzter Jahreszahl an einem oberen Riegel der linken Traufwand 1826. Schmaleres Steinkeller-Hinterhaus, Kellerdeckenbalken datiert 1455 (d). Das Kellermauerwerk ist vermutlich sogar älter, es dürfte die Zerstörung von 1447 überstanden haben und bis ins 13. oder 14. Jahrhundert zurückreichen. Kellerfußboden mit mittelalterlichen quadratischen Backsteinplatten. Ca. 60 Grad steiles Sparrendach mit zwei angeblatteten Kehlbalkenlagen, datiert 1452 (d), mindestens drei Gebinde sind noch unverändert erhalten.
Räume nach Taxation von 1829: Stube rechts mit Lamperrei (Lambris) und alkoben, dahinter Schlafkammer. Zweite Stube mit Nebenkammer in schmalerem Seitenschiff links, wohl 1824 (d) eingebaut. Geschlossene Küche mit gewellerter Decke, Feuerherd mit Brandmauer und Schornstein. Über dem Keller der Sal, zu dem eine Treppe hinaufführte, mit Neben Kammer. Erhaltener Stallanbau mit Schleppdach an der rechten Traufwand des Hinterhauses (heute Garage). Um 1930 zweigeschossiger Durchbau der vorderen Diele und Vergrößerung der linken Stube; moderner Ladeneinbau 1968.
Inschriften
Riegel an der linken Traufseite oben, eingeritzte Jahreszahl "1826"
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Erster nachweisbarer Besitzer ist Hermann Kleinsorge (Bürgerrecht 1637); 1662 Erwerb durch Pastor Christoph Levinus Theopold, der im selben Jahr den erhaltenen Saalbau anfügen ließ.[1] Theopold, Sohn des ersten reformierten Pfarrers Abraham Theopold, war von 1657 bis zu seinem Tode 1676 Pastor an der Stadtkirche St. Martini.[2] Sein zweiter Sohn, der Arzt Dr. Heinrich Werner Theopold, erbte das Haus und praktizierte dort ab 1683 als Arzt und Apotheker. 1726 Braugerechtigkeit, auch Beschwerden wegen unrechtmäßigen Branntweinbrennens.
1735 heiratete der Schlosser und spätere Ratsbeisitzer Franz Henrich Fette ein (Bürgerrecht 1733); er lebte 1776 (VZ) mit einem Sohn und einer Magd im Haus und hielt 2 Kühe und 1 Rind. Um 1820 erwarb der begüterte Färber und Lohnherr Johann Friedrich Rohne das Haus, wohnte aber in Nr. 289 (Langer Steinweg 25) und betrieb dort eine Färberei. Rohne ließ die Außenwände des Vorderhauses 1824 (d) bis 1826 (i) erneuern; 1825 ließ er sein "bedeutend ausgebessertes Wohnhaus No. 263" für die Brandkasse neu taxieren; der Taxwert stieg von 550 auf 925 Rt.
1835 (VZ) war das Haus unbewohnt; wenig später übernahm es Rohnes Schwiegersohn, der Blaufärber (Schönfärber) Friedrich Diekmann. 1847 lebte das Ehepaar Diekmann mit einem Kind und einer Magd im Haus; das Gebäude blieb bis 1967 in Familienbesitz.
1967 Erwerb durch den Drogisten Rademacher aus Hannover. 1968 Umbau und Einrichtung einer modernen Drogerie mit Fotogeschäft im Erdgeschoss.
Literatur
- Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996.
- Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996.
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996, S. 299f.; ausführlicher: Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996, S. 112.
- ↑ Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 332.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 10.09.2026 von Heinrich Stiewe
Letzte Änderung am: 10.09.2026 von Heinrich Stiewe