Kolonat 83 (Haustenbeck)
OrtsteilHaustenbeck
Straße-
Hausnummer-
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHaustenbeck
Hausnummer083

Das Kolonat Eikermann wurde 1811 gegründet. Es lag außerhalb des Dorfkerns, an der Straße nach Augustdorf.

Geschichte

Der „Ackersmann und Maurer“ Frantz Anton Baumann lebte mit Frau und zwei Kinder als Einlieger bei Hahmeyer (Hagemeier) in Berlebeck. Ende 1799 wollte er sich in Haustenbeck in der Nähe der Stätte Meier Nr. 58 anbauen. Der Platz wurde auch ausgewiesen, doch Baumann trat vom Kauf zurück, weil ein Bürge zurückgetreten war. Obwohl der freie Bauplatz von den Kanzeln in Oerlinghausen, Stapelage und Haustenbeck ausgerufen wurde, fand sich zunächst niemand. Man überredete Johann Henrich Eikermann, den Anerben der Stätte 59. Als Grund dafür, warum sich niemand gemeldet hatte, gab er an, „weil die Wilddiebe aus dem Paderbörnischen fast täglich über diese Grundstücke passierten und ihren ordinären Weg daher hätten, welcher Umstand jedermann in Furcht setzte“. Sein Vater bestätigte das. Aber gerade deshalb bestand ein hohes Interesse, dort Bewohner anzusiedeln. Forstmeister Pählig versprach sich von Neuansiedlungen keinen Nutzen. Doch Eikermann bewilligte man dafür zehn abgabenfreie Jahre.[1]

Da der junge Eikermann dann aber andere Pläne hatte, baute Johann Hermann Eikermann, bisher Kolon auf der Stätte Nr. 59 in Haustenbeck, im Jahr 1811 nördlich des Dorfes eine neue Stätte, die die Nr. 83 erhielt, und bezog sie selbst. Seine bisherige Stätte Nr. 59 übertrug er seinem Sohn Töns Henrich Christoph.[2]

Johann Hermann Eikermann war seit dem 17.2.1806 in dritter Ehe Catharine Luise Florentine Beining (* 1.6.1771) aus Hiddentrup im Kirchspiel Stapelage verheiratet. In dieser dritten Ehe wurden noch zwei Töchter geboren. Florentine Elisabeth, die ältere, erbte das Kolonat Nr. 83, das ihr Vater in seiner dritten Ehe gründete. Ihre jüngere Schwester Anne Marie Florentine Elisabeth heiratete 1830 den Kolon Brinkmann und zog zu ihm auf die Stätte Nr. 86. Johann Hermann Eikermann, der Gründer der Stätte, starb am 10.8.1823 als Kolon der Stätte Nr. 83. Seine Frau starb 1831.[3]

Im Jahr 1828 lebt Frau Eikermann mit zwei Töchtern und zwei Dienstboten auf dem Kolonat. Die eine Tochter war damals noch keine 14 Jahre alt.[4]

Als die älteste Tochter Florentine Elisabeth am 16. November 1828 heiratete, übertrug ihre Mutter ihr und ihrem Ehemann Simon Henrich Adolph Röhrmann von Haustenbeck Nr. 6 das Kolonat zwar als Eigentum, behielt sich aber lebenslange Verwaltung und Nutzung vor. In dem vorher amtlich angefertigten Protokoll verpflichtete sie sich, die Eheleute und deren Kinder zu versorgen. Allerdings mussten die junge Eheleute ohne Lohnansprüche stellen zu können, als Knecht und Magd auf der Stätte arbeiten. Auf der Stätte hafteten zu der Zeit noch Schulden. Die Eheleuten waren verpflichtet, den während der Meierzeit der bisherigen Kolona nicht abgetragenen Teil später zu übernehmen.[5]

Das Kolonat übernahm um 1865 der im Jahr 1836 geborene Sohn Hermann Wilhelm Conrad Christoph, nachdem sein älterer Bruder an Nervenfieber gestorben war. Seine Frau Sophie Wilhelmine Henriette Biere war Erbin der Stätte Nr. 40 in Haustenbeck. Sie verkaufte ihre Stätte an ihren Stiefvater und zog zu ihrem Mann auf dessen Kolonat Nr. 83. Die Kinder dieser Ehe verstarben noch im frühen Kindesalter, so dass Heinrich Friedrich Wilhelm August, der älteste Sohn aus zweiter Ehe, die Stätte später erbte. Der kleine Anerbe war gerade sieben Jahre alt geworden als sein Vater 1883 stab. Drei Jahre später wurde Friedrich Wilhelm Hermann Mehrmann aus Haustenbeck Nr. 27 sein Stiefvater und zog der als Interimswirt zu seiner Mutter auf das Kolonat. Friedrich Mehrmann war von 1894 bis 1919 Bürgermeister in Haustenbeck. Sein Büro hatte er in dem alten Fachwerkhaus auf der Stätte. Der Anerbe Wilhelm Eikermann übernahm die Bewirtschaftung der elterlichen Stätte 1905 und betrieb später ein Sägewerk und einen Dreschkasten (Dreschmaschine).[6]

Letzter Eigentümer war Wilhelm Eikermann. Er verzog am 17.6.1941 an den Hellweg in Wellentrup bei Oerlinghausen. Die Stätte wurde nach April 1945 ruiniert.[7]

Gebäude

 
Haustenbeck Nr. 86, LAV OWL D75 09753

Drei- oder Vierständerbau von 1811 mit Brettergiebel und Abseite. Neues Wohnhaus, zweigeschossiger Walmdachbau mit Stallanbau, Backsteinrohbau, um 1930. Nach 1939 verschwunden, Hausstätte heute wüst.

Inschriften

„Lasset uns die Hauptsumme aller Lehre horen – Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gehört allen Menschen zu.“ Johann Herman Eikermann und Florentine Beining aus Hittentrup habe ds. Haus bauen lassen den 10. Mai Anno 1811 Meister Christoph Alemer[8]

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • Johann Hermann Eikermann (* 1756, † 1823);
    er III oo 1806 in Stapelage: Catharine Luise Florentine Beining aus Hiddentrup bei Stapelage (* 1771, † 1831)
  • 1828 Florentine Elisabeth Eikermann (* 1806, Tochter von Johann Hermann E., † 1886) oo 16.11.1828 Simon Henrich Adolph Röhrmann, Haustenbeck Nr. 6 (* 1803, † 1841)
  • 1865 Sohn Hermann Wilhelm Conrad Christoph Eikermann (* 1836, † 1883) oo 1866 Frau Sophie Wilhelmine Henriette Biere (* 1833, † 1872);
    er II oo 1875 Friederike Walter, Haustenbeck Nr. 35 (* 1865, † 1918);
    sie II oo 1886 Friedrich Wilhelm Hermann Mehrmann, Haustenbeck Nr. 27 (* 1856, † 1933)
  • 1901 Mehrmann, Friedrich, Landwirth.[9]
  • 1905 Heinrich Friedrich Wilhlem August Eikermann (* 1876)
  • 1926 Eikermann, Wilhelm, Ldw., Lohndrescherei und Sägewerk.[10]

Literatur

  • Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
  • Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
  • Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
  • Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994

Quellen

  • Nachlass Walter Göbel (in Privatbesitz).
  • Kartei Hans Sprenger (in Privatbesitz).
  • L 92 Z Nr. 1451.
  • L 108 A Nr. 142.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Kartei Hans Sprenger.
  2. ↑ Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  3. ↑ Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  4. ↑ L 92 Z Nr. 1451, S. 211.
  5. ↑ L 108 A Nr. 142, S. 348ff.
  6. ↑ Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  7. ↑ Forschungen Walter Göbel (Manuskript); zur neuen Adresse s. auch Walter Göbel in Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994 , S. 56.
  8. ↑ Walter Göbel, Hausinschriften in Haustenbeck
  9. ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 207.
  10. ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 677.

Autor*innen

Margit Lenniger, Olaf Biere

Seitenhistorie

Seite erstellt am 08.07.2026 von Olaf Biere

Letzte Änderung am: 24.10.2026 von Margit Lenniger