Teutoburger-Wald-Straße 16 (Hörste)
| Teutoburger-Wald-Straße 16 (Hörste) | |
|---|---|
| Ortsteil | Hörste |
| Straße | Teutoburger-Wald-Straße (Hörste) |
| Hausnummer | 16 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Hörste |
| Hausnummer | 012 |
Frühere Kleinkötterstätte Weber, alte Kolonatsnummer Hörste Nr. 12. Das Kötterhaus von 1566 wurde 1985-89 saniert und als Begegnungsstätte in das ca. 1985 auf dem Hofgelände errichtete Alten- und Pflegeheim "Weberhof" einbezogen.
Geschichte
Die Kleinkötterstätte Weber in Hörste ist seit 1497 in den Landschatzregistern nachweisbar: Weuirherman 1 m. (1497), Weuerherman 1/2 g. (1507), Weuer Gercke 1 Ort (1535), Weuergercke 1 Ort (1545), Weuergercke 1/2 Fl. (1562), Weuergercke 1/2 Ort (1572), Weffer Gerke 1 Ort (1590), Marten Wefer 20 g. (1603), Marten Weiffer 20 Gr. (1618).
Die Stätte war gräflich lippisch eigenbehörig und wurde als Hoppenplöcker geführt.
Aus dem Jahre 1603 wird eine etwas delikate Angelegenheit berichtet: 1602 ist des Kötter Webers Frau verstorben [1], und der Witwer mit drei Kindern — wohl der in den Schatzregistern genannte Marten Weber — hat noch im selben Jahr wieder geheiratet. Trine, der alten Beinschen zu Wellentrup dochter, ist diese zweite Ehefrau.[2] Irgendwie muss dem Lagenser Amtmann Johannes Backbier ein Jahr später zu Ohren gekommen sein, was man heute als höchst private Angelegenheit sehen würde, der Amtmann aber an das Geistliche Gericht in Detmold — die zentrale Stelle für Ehe- und Partnerschaftsfragen im damaligen Lippe — berichtet: [3] . . . daß der Weffer zu Hörste an der alten Beinschen Tochter Trinen zu Wellentrup ehelich bestattet, folgends aber nach geendigter ehelicher Copulation, hatt sich gedachte Trine des Weffers genzlich geeußert (verweigert), vnndt Ihme nit ehelich beÿwohnen wollen, welches sich der Weffer hiebevör bei den wolgeb: unsern allerseits gnedig Hern vnderthenig abgeclagt, Ich s.(selbst) auch gnedig darauf befohlen, man sollte sie ernstlich dahin ermahnen, daß sie Weffer ehelich wie sich deßen geziembt, beiwohnte, wo aber nit, sollte man sie durch Zwangsmittel dahin halten. . . . Wie die Sache ausgeht, wird nicht berichtet. Sechs Jahre später in der Volkszählung wird Weber jedenfalls mit Frau und zwei Kleinkindern erfasst.[4]
Marten Weber verstirbt 1618; vermutlich folgt ihm ein Interimswirt, der wiederum 1635/36 verstirbt. In der nächsten Generation kommt es erneut zu zwei Ehen — einer ersten um 1630 und einer zweiten nach dem Tode des jungen Kötters 1635/36 durch Wiederheirat der Witwe Sophie Weber 1638. Drei Kinder aus diesen beiden Ehen leben Ende 1656: Simon, 25 Jahre; Cordt, 18 Jahre; Frantz, 12 Jahre.
Über Generationen verläuft das Leben auf der Weber-Stätte wie weithin üblich — die wohl einzige Besonderheit: Man ist nicht nur Weber (und Ziegler), sondern heißt auch so. Gleichwohl wird der Ende des 19. Jahrhunderts die Stätte besitzende Kötter August Weber entgegen den Vorgenerationen ausschließlich als Ziegler bezeichnet, denn zu dieser Zeit lässt sich mit Weben kein Geld mehr verdienen. War einst die Finanzlage gut (1645: hat einzufordern 100 Thllr.), werden im 19. Jahrhundert die Schulden mehr und mehr. Lebten 1645 drei (überlebende) Kinder auf der Stätte, gilt es im 19. Jahrhundert, sechs und mehr Kinder in jeder Generation abzufinden.
1893 verkauft August Weber schließlich 1,23 Hektar Land für 4700 Mark an den Kleinkötter u. Ziegler Dietrich Hellweg, Hörste Nr. 28, um aus dem Erlös die Schulden zu mindern. Die Rentkammer befindet in ihrer Genehmigung, dass die Stätte Nr. 28 verbessert werde, das Colonat Weber andererseits mit über 11 Hektar auch nach dem Verkauf noch genügend groß bleibe.
Mitte der 1980er Jahre, als kleinteilige Landwirtschaft bereits weitgehend der Vergangenheit angehört, kommt die Stätte Weber in andere Hände, und auf der bisherigen Hofstelle entsteht das heutige Seniorenzentrum Weberhof. Nicht nur der Name dieser Einrichtung, auch das eine erhaltene, restaurierte und in die Seniorenanlage einbezogene Haus der Stätte Nr. 12 - seit 1981 das älteste Haus Hörstes - stellen die Brücke dar zwischen Geschichte und Gegenwart dieses Ortes.
Gebäude
Auf der Hofstelle Weber Nr. 12 wird als Gebäudebestand genannt: 2 Häuser (Salbuch 1685), 3 gebäu (Messbuch 1730), Wohnhaus, Leibzucht, Backhaus (Salbuch 1829), Wohnhaus, Leibzucht (Salbuch 1855). Das im Gebäudegrundriss 1907 (vgl. Abb.) links oben gelegene Haus ist erhalten, die Häuser nahe der Straße und rechts oben nahe dem Bach existieren nicht mehr.
Das erhaltene Kötterhaus Weber von 1566 ist das älteste Haus in Hörste (Baudenkmal der Stadt Lage Nr. 18): Kleiner Zweiständerbau von 4 Fachen (5 Gebinden), Kübbungen (Abseiten) im späten 19. Jahrhundert in Backstein erneuert und verputzt. Verbrettertes Giebeldreieck vorn auf Stichbalkenköpfen, hinten auf gekehlten Knaggen mit rohen, unbeschnitzten Profilen vorkragend, tragende Hauptständer mit beidseitigen Kopfbändern verstrebt. Durchgangsdiele mit verbretterter Räucherbühne über der früheren Herdstelle im letzten Fach. Stallanbau links vom Dielentor im 17. Jahrhundert angefügt, am Rückgiebel unterkellerter Kammeranbau des 18. Jahrhunderts (1986 abgebrochen). Außerdem war am Rückgiebel nachträglich ein Backofen angebaut wotden (nicht erhalten).[5]
Ein weiteres, zuletzt verputztes Kötterhaus mit einer Utlucht rechts vom Dielentor, möglicherweise die Leibzucht der Stätte, stand vorn rechts an der Hofzufahrt. Es war um 1986 noch bewohnt und wurde um 1990 abgebrochen.
Inschriften
Auf dem Torsturz Jahreszahl 1566 und liegender Wappenschild mit Rose in Kerbschnitt.
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
ca. 1590 - 1618 Marten Weber (o. eingeheir.) († 1617/18), ∞ (I) um 1590 NN (o. Weber) († 1602), ∞ (II) 1602 Trine Beine aus Wellentrup
• 3 Kinder aus erster Ehe, * vor 1603
• 2 Kinder aus zweiter Ehe (2 Kleinkinder in Volkszähl. Ende 1609), * 1604 . . . 1609
ca. 1630 - 1635/36 Sohn des Marten Weber (o. eingeheir.) (um 1595 - 1635/36), ∞ (I) um 1630 Sophie NN (o. Weber) († 1665/66), diese ∞ (II) 1638 Jobst Schäfer o. Kalkreuter (* ca. 1607) aus der Kalkreute, der Interimswirt Weber wird
Kinder aus 2 Ehen:
• Simon, * 1631, Anerbe
• Cordt, * 1638, ∞ 1664 (kauft sich 1664 frei)
• Frantz, * 1644
1638 - 1658 Jobst Weber, geb. Schäfer o. Kalkreuter von Hörste Nr. 24 (vgl. oben)
1658 - 1667 Simon Weber (1631 - 1667), ∞ (I) 1658 Anna („Anneken“) Hilbrink (um 1640 - 1704) von Hörste Nr. 7, sie ∞ (II) 1667 Cort Strate (1641 - 1726) von Hörste Nr. 20, der Interimswirt (u. LZer) Weber wird
Kinder:
• Cord Simon I, * 1658, Anerbe
• Hans, * um 1660, † vor 1709
• Catrina, * um 1663, noch 1708 ledig auf der Stätte („nicht klug“)
• Anna Catharina, * 1668, ∞ Joh. Friedrich Hunke, KK Hörste Nr. 13, † 1741
1667 - 1697 Cort Weber, geb. Strate (vgl. oben)
1697 - 1729 Cord Simon Weber I (1658 - 1745), ∞ 1697 Anna Margretha Hunke (1667 - 1742) von Hörste Nr. 13
Kinder:
• Cord Simon II, * 1698, Anerbe
• Anna Catharina, * 1699, ∞ 1728 Hermann Berend Stöppler, KK in Bill. Nr. 6, † 1772
• Trin Ilsabein, * 1702, 1726/27 unehel. Kind von Jost Klocke; ∞ 17xx Jost Henrich Schierlau, KK in Billinghausen, Heysundern, † 1747
1729 - 1755 Cord Simon Weber II (1698 - 1759), ∞ (I) 1729 Margarethe Elisabeth Häger († 1731) aus der Osterheide, ∞ (II) 1731 Maria Ilsabein Gronemeier (1707 - 1750) aus Währentrup, ∞ (III) 1750 Clara Anna Sophia Elisabeth Winter aus Altendonop, diese ∞ (IV) 1762 Joh. Töns Heyde, Witwer in Hörste
Kinder aus 2 Ehen:
• Nnw, * 1729
• Cordt Simon, * 1734, † 1734
• Cord Simon Henrich, * 1735, Anerbe
• Anna Margaretha Elisabeth, * 1736, konf. 1751
• Catharina Agnetha, * 1739, ∞ 1776 Witwer Johann Cord Arend in Eken a. d. Pivitsheide, † 1794
• Anna Margaretha Ilsabein, * 1741, † 1741
• Catharina Margaretha, * 1742, ∞ 1774 Johann Jost Grützediek, KK in Billinghausen, † 1817
• Anne Ilsabein, * 1745, ∞ 1768 Bartold Strate, Einl. in Hörste, † 1818
• Anna Maria Ilsabein, * 1748, dient als Magd a. d. Schapeler in d. Senne, wird 1770 der Unzucht mit dem Colon Schapeler beschuldigt[6]
• Amalia Elisabeth, * 1752, ∞ 1780 Joh. Arend Sielemann (1756 - 1830), Gründer der Stätte Augustdorf Nr. 18, † 1823
1755 - ca. 1784 Cord Simon Henrich Weber (1735 - 1823), ∞ 1755 Anna Margaretha Elisabeth Schapeler (1730 - 1788) a. d. Senne
Kinder:
• Kord Berend, * 1754, ∞ 1779 Catharina Elisabeth Kehne (1756 - 1832), leben mehr als 50 Jahre als Einl. u. Weber auf Hörste Nr. 12, † 1832
• Johann Cord Berend, * 1759, Anerbe
• Anna Margaretha Ilsabein, * 1761, † 1763
ca. 1784 - ca. 1822 Johann Cord Berend Weber (1759 - 1833), ∞ 1781 Anna Louise Ilsabein Mellies (1762 - 1834) von Hörste Nr. 31
Kinder:
• Anne Marie Sophie Ilsabein, * 1781
• Johann Cordt Berend, * 1783, † 1784 (Kinderblattern)
• Amalie Ilsabein, * 1785
• Berend Henrich Christoph, * 1787, Anerbe
• Anne Marie Catharine Elisabeth, * 1789
• Louisa Wilhelmine, * 1792, ∞ 1819 Töns Henrich Kramer (1792 - 1850) a. d. Piv., † 1869
• Friederike Henriette, * 1795, ∞ 1831 Töns Henrich Hanning (1803 - 1886), Schuhmacher in Hörste, † 1838
• Töns Henrich Adolph, * 1798, ∞ 1825 Amalie Wilhelmine Louise Tweele aus Währentrup, werden Einl. a. d. Pivitsheide
• Simon Henrich Adolph, * 1800, ∞ (I) 1828 Anna Catharina Amalia Thies (1806 - 1830) aus Währentrup, ∞ (II) 1830 Anne Marie Kleinegees aus Hörste; leben als Einl. in Hörste
• Sophie Elisabeth, * 1803, † 1804 (Kinderschürken)
• Friderich Adolph, * 1804, † 1808 (Bräune u. Halsschaden)
ca. 1822 - 1844 Berend Henrich Christoph Weber I (1787 - 1844), ∞ (I) 1817 Amalie Sophie Elisabeth Bax (1791 - 1830) von Hörste Nr. 15, ∞ (II) 1832 Wilhelmine Florentine Amalie Sielemann (1804 - 1876) aus Hörste
Kinder aus 2 Ehen:
• Louise Anne Sophie Henriette, * 1818, † 1818 (Schürken)
• Hanna Friederica (Friederike), * 1820, ∞ 1845 Ernst Eduard Theodor Meier (1820 - 1869), Kolon Hörste Nr. 41, † 1894
• Berend Henrich Christoph II, * 1822, Anerbe
• Karoline Wilhelmine, * 1825, ∞ 1853 (Aug.) Töns Henrich Heidbrink (1828 - 1887), Kol. Augustdorf Nr. 53, † 1917 in Lage
• Ludwig Adolph, * 1832, ∞ 1857 Karoline Amalie Strate (1833 - 1909) von Hörste Nr. 20, † 1902, Einl., Weber u. Ziegler
• Friedrich Wilhelm, * 1834, † 1834 (Krämpfe)
• August Gottlieb, * 1837, ∞ 1870 Karoline Wilhelmine Strate, † 1924
• Hermann Friedrich Adolph, * 1838, ∞ 1869 Friederike Henriette Wilhelmine Schulze von Hörste Nr. 32, Einlieger u. Weber
• Karoline Auguste, * 1840, † 1840
• Hanne Henriette, * 1841, ∞ 1870 (Aug.) Friedrich Isenberg, Einl. in Augustdorf, † 1873
• Konradine Pauline, * 1843, † 1847 (Kopfkrankheit)
1850 - 1883 Berend Henrich Christoph Weber II (1822 - 1897), ∞ 1851 Karoline Wilhelmine Konradine Pollmann (1828 - 1896) von Billingh. Nr. 26
Kinder:
• Karl August, * 1852, Anerbe
• Heinrich Wilhelm, * 1855
• Friedrich Christoph, * 1858, † 1872 (Nervenfieber)
• Karoline Wilhelmine (Minna), * 1861, ∞ 1886 Heinrich August Koch (1849 - 1897), Einl. u. Ziegler in Hörste
• Karoline Henriette Luise, * 1864, ∞ vor 1894 Gustav Pollmann, Ziegelmeister zu Hörste
• Wilhelm Gottlieb Hermann, * 1867 (1893 Ziegler in Hörste), ∞ 1896 Auguste Karoline Henriette Weeke (* 1872) aus Billinghausen
• Hermann Christoph, * 1870, † 1871
• Hermann Adolf, * 1872
1883 - 1905 Karl August Weber (1852 - 1905), Ziegler u. Col., ∞ 1879 Karoline Henriette Amalie Wächter (1853 - n. 1933) aus Hörste
Kinder:
• August, * 1879, Anerbe (u. Ziegler)
• Friedrich Wilhelm, * 1882
• Gottlieb Wilhelm, * 1884
• Wilhelm Gottlieb Hermann, * 1887
• Heinrich Wilhelm, * 1889
ab 1919 August Weber, * 1879
- Adressbuch 1901: 12 Weber, August, Ziegler. Weber, Gottlieb, Ziegler. Fußknecht, Karl, Ziegler.
- Adressbuch 1926: 12 Weber, Aug. sen., Kolon u. Ziegler. Weber, August, Ziegler. Weber, Auguste, Kriegerwitwe. Weber, August, Tischler. Holländer, Wilhelmine, Witwe. Burmeier, Wilh., Kriegsbeschäd. u. Ziegler. Schulze, Wilhelmine, Witwe.
Literatur
- Fred Kaspar, Fachwerkbauten des 14.-16. Jahrhunderts in Westfalen (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 52), Münster 1986.
- Heinrich Stiewe, Die ältesten Bauernhäuser der Grafschaft Lippe. Neue Befunde zum ländlichen Hausbau des 16. Jahrhunderts, in: Heinrich Stiewe (Red.), Ländlicher Hausbau in Norddeutschlannd und den Niederlanden (Berichte zur Haus- und Bauforschung, 4), Marburg 1996, S. 293-328.
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 195
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 196
- ↑ LAV NRW OWL, L 85 Nr. 2291
- ↑ LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 142, S. 136
- ↑ Vgl. Fred Kaspar, Fachwerkbauten des 14. bis 16. Jahrhunderts in Westfalen, 1986 S. 133; Heinrich Stiewe, Die ältesten Bauernhäuser der Grafschaft Lippe. Neue Befunde zum ländlichen Hausbau des 16. Jahrhunderts, in: Heinrich Stiewe (Red.), Ländlicher Hausbau in Norddeutschlannd und den Niederlanden (Berichte zur Haus- und Bauforschung, 4), Marburg 1996, S. 293-328, hier: S. 320f.
- ↑ LAV NRW OWL, L 86 Nr. 1648 e
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Seitenhistorie
Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock
Letzte Änderung am: 23.08.2026 von Heinrich Stiewe