Langer Steinweg 20 (Blomberg)
OrtsteilBlomberg (Kernstadt)
StraßeLanger Steinweg (Blomberg)
Hausnummer20
Karte
Adressbuch von 1901Ja
Hausnummer263

Mittelalterliche Hausstätte mit seitlicher Hofzufahrt rechts. Das erhaltene Fachwerkhaus entstand 1452 (d, Vorderhaus) und 1455 (d, Hinterhaus, Kellerdecke) während des Wiederaufbaus nach der Zerstörung in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. Ältestes erhaltenes Fachwerkhaus in Blomberg und in ganz Lippe. Alte Hausnummer 263.

Blomberg, Langer Steinweg 20. Foto: Stiewe 2015
Langer Steinweg 20, Vorderhaus von 1453 (d) und Hinterhaus mit Kellerdecke von 1455 (d), Isometrie. Zustand zur Bauzeit nach 1452 (d), Rekonstruktion. Zeichnung: Stiewe 1995 (nach Stiewe 1996, 66)
Langer Steinweg 20, Kehlbalkenanblattung im Dach mit "Schwalbenschwanz" und vierkantigem Holznagel, 1452 (d). Foto: Stiewe 1994
Langer Steinweg 20, Ansichten, Zustand 1995 (nach Stiewe 1996, 300)
Langer Steinweg 20, Längs- und Querschnitte, Zustand 1995 (nach Stiewe 1996, 302)
Langer Steinweg 20, Grundrisse. Oben: EG mit Keller, Zustand um 1900; Mitte: OG mit Saal, Zustand nach 1662 (d); unten: EG mit Keller, Zustand nach 1455 (d), Rekonstruktion (nach Stiewe 1996, 301)
Langer Steinweg 20, Fassade von 1826 (d), Rekonstruktion (nach Stiewe 1996, 299)
Langer Steinweg 20, Saalbau von 1662 (d) über mittelalterlichem Steinkeller, Rekonstruktion (nach Stiewe 1996, 169)
Langer Steinweg 20, zwei Spätrenaissance-Türen aus dem Saalbau von 1662 (d) (nach Stiewe 1996, 152)

Geschichte

Das Haus Langer Steinweg 20 ist das einzige vollständig erhaltene Fachwerkhaus aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung Blombergs in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. Der rückwärtige Steinkeller unter dem Hinterhaus reicht möglicherweise sogar in die Zeit vor 1447 zurück. Das Gebäude ist das derzeit älteste Fachwerkhaus in Blomberg und darüber hinaus in ganz Lippe.

Gebäude

Zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen (7 Gebinden), im Dachwerk datiert 1452 (d). Fassade und Teile der Traufwände erneuert 1824 (d), lt. eingeritzter Jahreszahl an einem oberen Riegel der linken Traufwand 1826. Schmaleres Steinkeller-Hinterhaus, Kellerdeckenbalken datiert 1455 (d). Das Kellermauerwerk ist vermutlich sogar älter, es dürfte die Zerstörung von 1447 überstanden haben und bis ins 13. oder 14. Jahrhundert zurückreichen. Kellerfußboden mit mittelalterlichen quadratischen Backsteinplatten. Ca. 60 Grad steiles Sparrendach mit zwei angeblatteten Kehlbalkenlagen, datiert 1452 (d), mindestens drei Gebinde sind noch unverändert erhalten.

Räume nach Taxation von 1829: Stube rechts mit Lamperrei (Lambris) und alkoben, dahinter Schlafkammer. Zweite Stube mit Nebenkammer in schmalerem Seitenschiff links, wohl 1824 (d) eingebaut. Geschlossene Küche mit gewellerter Decke, Feuerherd mit Brandmauer und Schornstein. Über dem Keller der Sal, zu dem eine Treppe hinaufführte, mit Neben Kammer. Erhaltener Stallanbau mit Schleppdach an der rechten Traufwand des Hinterhauses (heute Garage). Um 1930 zweigeschossiger Durchbau der vorderen Diele und Vergrößerung der linken Stube; moderner Ladeneinbau 1968.

Inschriften

Riegel an der linken Traufseite oben, eingeritzte Jahreszahl "1826"

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Literatur

  • Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996.
  • Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise


Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 10.09.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 10.09.2026 von Heinrich Stiewe