Lakeweg 9 (Belle)
OrtsteilBelle
StraßeLakeweg (Belle)
Hausnummer9
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBelle
WohnplatzLakehof
Hausnummer001

Der Lakehof ist ein großer Einzelhof nordöstlich des Dorfes Belle. Vollspännerhof, früher Belle Nr. 1 (heute Lakeweg 9).

Lakehof bei Belle, Vogelschauansicht um 1950. Zeichnung: Stiewe 1985
Lakehof bei Belle, Lageplan nach Urkataster 1880. 1: Meierhaus, 1708; 2: Leibzucht, 19. Jahrhundert/1902; 3. Speicher, 1781; 4. Dreschhaus, 1809; 5. Schafstall, 1837; 6. Viehwaage (?); 7. Holzschuppen; 8. Bienenhaus. Zeichnung: Stiewe 1985
Lakehof, Meierhaus von 1708 mit Pferdestallanbau. Foto: Heinrich Schäfer, 1953 (LLB Detmold)
Lakehof, Meierhaus von 1708, Torinschrift. Foto: Stiewe, ca. 1982
Lakehof, Dreschhaus von 1809. Foto: Heinrich Schäfer, 1953 (LLB Detmold)
Lakehof, Speicher von 1781. Foto: Heinrich Schäfer 1953 (LLB Detmold)
Lakehof, Speicher von 1781. Eingangstür mit stark verwitterter Schnitzerei. Foto: Heinrich Schäfer, 1953 (LLB Detmold)
Lakehof, Meierhaus von 1708. Giebelansicht, Bestand. Aufmaß/Zeichnung: Stiewe 1982 (aus Stiewe 1985)
Lakehof, Meierhaus von 1708. Giebelansicht, Zustand zur Bauzeit 1708, Rekonstruktion (Stiewe 1985)
Lakehof, Meierhaus von 1708. Rechte Traufwand mit später angebautem Kammerfach. Zustand um 1730, Rekonstruktion (Stiewe 1985)
Lakehof, Meierhaus von 1708. Kammerfachgiebel, um 1730, Bestand und Rekonstruktion (Stiewe 1985)


Geschichte

Der Lakehof ist ein großer, vermutlich hochmittelalterlicher Einzelhof mit umgebender Kampflur. Von der alten Hofstelle am Hang eines Höhenrückens zwischen dem Molkenberg im Westen und dem Nessenberg im Osten hat man einen weiten Blick in die fruchtbare Lössbörde des Steinheimer Beckens.

Der Hof ist seit Jahrhunderten in Familienbesitz; die Hof- und Familiengeschichte lässt sich bis in das 15. Jahrhundert nahezu lückenlos zurückverfolgen. Der Familienname "Lakemeyer" ist im 16. Jahrhundert aus der Ortsbezeichnung des Hofes "upper Lake", d. h. oberhalb eines Teiches oder Feuchtgebietes gelegen, in Verbindung mit der bäuerlichen Berufsbezeichnung "Meier" entstanden. Im Landschatzregister von 1488 wird "der junge Brughenne" genannt; 1497 heißt er "Brughenne upper Lake". Der heutige Name "Lakemeyer" erscheint erstmals 1557.[1]

Der Hof ist vermutlich ein alter Haupthof der "Herrentruper Mark", der ursprünglich zum Tafelgut der Paderborner Bischöfe gehörte. 1036 hatte Bischof Meinwerk von Paderborn 17 Haupthöfe und 71 Vorwerke aus diesem Tafelgut dem neugegründeten Busdorfstift in Paderborn geschenkt. Die "curia Hardinctorp" war eines dieser Vorwerke und gehörte zum Haupthof Oeynhausen (bei Steinheim), sie hatte 1036 60 Scheffel Roggen, 84 Scheffel Hafer, 6 Denare (Pfennige), eine Gans und zwei Hühner an das Busdorfstift zu liefern.[2] Unklar ist der Zusammenhang zwischen der "curia Hardinctorp" und dem heutigen Lakehof, der als Einzelhof sicherlich schon im Hoch- oder beginnenden Spätmittelalter entstanden ist.

Seit dem Spätmittelalter war der Hof den drei "Markjunkern" von Donop, von Mengersen und von Friesenhausen, die vom Stift Busdorf mit der "Herrentruper Mark" belehnt worden waren, als Grundherren abgabe- und dienstpflichtig. Als Vollspänner musste der Lakemeyer mit einem vollen Gespann, also vier Pferden, Spanndienste leisten. Lakemeyer war dem lippischen Landesherrn eigenbehörig, doch gelang es Johann Wilhelm Lakemeyer (1727-1799) um die Mitte des 18. Jahrhunderts, sich aus der Leibeigenschaft freizukaufen. In der Volkszählung von 1766 wird er als "Freimeier" bezeichnet. Dennoch musste der Hof weiterhin umfangreiche Abgaben und Spanndienste an die Landesherrschaft leisten.

Der Landbesitz des Lakehofes betrug nach dem Salbuch von 1643/44 290 Scheffelsaat (ca. 49 Hektar) Ackerland, 6 "Dreißkämpe" (Dauerweiden) von etwa 20 Morgen (5 ha) und vier Wiesen, die je 1 Fuder Heu einbrachten. Außerdem besaß der Hof Nutzungsrechte an der Beller Gemeinheit und umfangreiche Hudeberechtigungen in der "Herrentruper Mark". Im Salbauch von 1721 werden nur ca. 32 ha Ackerland, 7 Weiden und 4 Fuder Wiesewachs angegeben. 1829 war der Besitz auf 60 ha Äcker und Weiden angestiegen und vergrößerte sich durch die Gemeinheitsteilung und Zukäufe auf 90,6 ha im Jahre 1953.[3]

Gebäude

Am Ende des 15. Jahrhunderts lag der Lakehof wüst, "Brughenne huss iss woiste", schrieb der Blomberger Amtmann 1493. Vermutlich war der Hof in der Soester Fehde von böhmischen Söldnern niedergebrannt worden und konnte noch nicht wiederaufgebaut werden.

Nördlich des Hofes, auf einem Flurstück mit dem Namen "auf dem Turm" auf dem "Hundsloh", sollen in den 1950er Jahren Fundamentsteine hochgepflügt worden sein. Möglicherweise stand hier ein Wartturm der Stadt Blomberg, von dem aus das angrenzende Steinheimer Becken überblickt werden konnte.

Nach dem Salbuch von 1643/44 besaß der Vollspänner Jochim Lackemeyer "Ein Wohnhauß von 8; ein Leibzuchtshauß von 9; ein Pferdehauß von 9; ein Schafstall von 5; ein Schweinehaus von 4 und ein Backhaus von 4 Spären (Sparren) groß".

Bis in die 1960er und 70er Jahre bestand eine eindrucksvolle Hofanalge mit umfangreichem Baubestand; seitdem sind die Gebäude fast sämtlich abgebrochen worden:[4]

Meierhaus von 1708, größtes und ältestes Gebäude des Hofes, abgebrochen 2013. Großer Vierständerbau, auf Stichbalken vorkragender Giebel, unteres Giebelstockwerk ursprünglich sichtbares Fachwerk mit Backsteinausfachung, im 19. Jahrhundert verbrettert. Gegenläufige Fußstreben beiderseits des Dielentores, Torbogen mit Rose und Stern auf den Kopfbändern und langer Bauinschrift, weitere Inschrift auf dem Giebelrähm. Großer Vierständerbau mit aufgelegten Dachbalken, dreischiffiges Flettdielenhaus mit breiterem Pferdestallseitenschiff links (um 1920 um seitlichen Pferdestallanbau erweitert) und schmalerem Kuhstallseitenschiff rechts. Die Kuhställe für 8 bis 12 Kühe waren ursprünglich unter mächtigen Kuhnackenriegeln, die jeweils zwei Fache überbrücken, zur Diele geöffnet. Mächtiges Sparrendach mit Hochständerdachwerk mit angeblatteten Streben, 2 Bodenaufzüge. Flett mit hoher Lucht rechts und halbhoher Küchenlucht links; hier befand sich die Herdstelle unter einer Räucherbühne. Der mächtige Luchtriegel, ca. 32/22 cm hochkant, war gebrochen und musste nachträglich mit einer Säule mit profilierten Knaggen abgestützt werden. Das Gebäude war ursprünglich ein Durchgangsdielenhaus ohne Kammerfach; der zulezt bestehende, Wohnteil in Stockwerkbauweise war etwa eine Generation später angebaut worden. Das Kammerfach war ursprünglich seitlich eingerückt und wurde im 19. Jahrhundert auf Hausbreite verbreitert. Er gliederte sich in eine große Stube in Ecklage rechts, eine Eheschlafkammer mit Wandbett und Abortanbau in der Mitte und eine kleine Kammer rechts; eine weitere große Kammer bestand im Obergeschoss. Bedeutende Teile der barocken Ausstattung waren erhalten geblieben: mehere Stuben- und Kammertüren mit durchbrochenen Schippenhespen und geohrten Füllungen sowie eine frühere Bettnische in der mittleren Eheschlafkammer mit einem geschnitzten Pfosten und Klappen zur Diele.

Speicher von 1781, großer, zweigeschossiger Fachwerkspeicher auf hohem Bruchstreinsockel mit Backsteinausfachung. Krüppelwalmdach mit Hochständerdachwerk, ursrprünglich mit Sollingplattendeckung. Ungewöhnliches Fachwerk aus kräftigen Hölzern mit fischgrätartigen Streben in den Eckfachen und beiderseits der Mittelachsen der Giebel, keine Stockwerkvorkragungen. Doppelflügelige, rautenförmig aufgedoppelte Eingangstür, breite Türständer und Sturz mit Tulpenranken, Rose und Stern und Bauinschriften reich beschnitzt, weitere Inschriften auf den Rähmen des Erdgeschosses, Eckständer mit geschnitzten Ecksäulchen. Im Innern große verräucherte Eingangsdiele mit angebautem Back- und Dörrofen; links unterkellerte Altenteilerwohnung mit Stube und Kammer, aufwendig ausgestattet mit Zweifüllungstüren, einem Wandschrank und einem angebauten Aborterker. Obergeschoss mit Ladeluke und Dachgeschoss als Kornspeicher genutzt. Der "Spieker" wurde 1977 vom Landesverband Lippe erworben, abgetragen und als Gaststätte beim Lippischen Landesmuseum an der Ameide in Detmold wiederaufgebaut.

Dreschhaus von 1809, große Längsdurchfahrtsscheune von 19 Fach Länge mit Brettergiebeln und Sollingplattendach, stand quer zum Haupthaus mitten auf dem Hof, zuletzt als Kuhstall genutzt, abgebrochen um 1960.

Schafstall von 1837, Schafscheune mit hohem Grundmauersockel und Längsdurchfahrt nahe der Hofeinfahrt. Sie beherbergte die große Schafherde des Hofes, die nach dem Salbuch von 1829 350 Tiere umfasste.

Leibzucht, 19. Jahrhundert, 1902 zum massiven Wohnhaus umgebaut und mordernisiert.

Feldscheune, um 1920-30 mit zwei Durchfahrten an einem Wirtschaftsweg westlich vom Hof.

Inschriften

Meierhaus, 1708

Torbogen:

ANNO 1708 Den 27. JUNIUS / VERBIRG DEIN ANTLITZ NICHT FÜR MIHR UND VERSTOSSE NICHT IM ZORN DEINEN KNECHT DEN DE / BIST MEINE HULFE . LAS MICH NICHT . UND THUE NICHT VON MIR DIE HAND AB . GOTT MEIN HEIL . DEN MEIN VATTER UND MEINE MUTTER VERLASSEN MICH . ABER DER HER NIMT MICH AUF . PAS. MXXVII VX 9 / JOHAN WILHELM LACKEMEIER UND CATHRINA ILSABEIN MEIERJOSTES

Giebelrähm:

(HABE DEINE LUST AN DEM HERRN DER) WIRD DIR GEBEN . WAS DEIN HERSZ WÜNSCHET . BEFIHL DEM HERRN DEINE WEGE . UND HOFFE AUF IHN . ER WIRD ES WOLMACHEN UND WIRD DEINE GERECHTIGKEIT HERFÜRBRIN(GEN)

Speicher, 1781

Eingangstür, Sturz, Medaillon links: JOHAN / WILHELM / LAKEMEYER / UND´

Sturz, Medaillon rechts: FRIEDRIKA / HENRIETTA / GELHAUS / 1780/81

Türständer: DEN 7. AUGUST ANNO 1781 / DER M(eister) HONNER

Stiel zwischen den Oberlichtern: MIT GOTT IN EINER JEDEN SACH ANFANG UND ENDE MACH

Sturz, Mitte (stark verwittert), vermutlich Fortsetzung: MIT GOTT GERÄT DER ANFANG WOHL AM ENDE MAN GOTT DANKEN SOLL

Rähm Erdgeschoss:

LASZ DEINE HAND DES ABENDS NICHT AB . DENN DU WEIST NICHT OB DIS ODER DAS GERATHEN WIRD . UND OBS BEIDES GERIETHE SO WÄRE ES DESTO BESSER . PRED. SALM. CAP. XI VRS VI ANO MDCCLXXXI

Dreschhaus, 1809

Torbogen:[5]

DENN DURCH GOTTES SEGEN BEISTAND UND GNADE IST ERBAUT WAS ALHIER DER MENSCH ERSCHAUET . ALLES IST MIT GOTTES HÜLFE . SOLI DEO GLORIA . RICHTE DRAUSSEN DEINE GESCHÄFTE UND DARNACH BAUE DEIN HAUS DENNN DURCH FAULHEIT SINKEN DIE BALKEN UND DURCH HINLÄSSIGE HÄNDE WIRD DAS HAUS TRIEFEND . PREDIGER SALOMON CP. 6. V. 10 UN 18 DEN 2. JUNY ANNO 1809

Namen der Erbauer in Medaillons auf den Torständern:

JOHANN / FRIEDRICH / LAKEMEIER / UND

ANNA / MARIA / LOWISA / GEBURNER / MEYER VON / WELLENTRUP

Zimmermeisternennung auf einem Torständer:

Z. M. CHRISTOPH GÖDER

Schafstall, 1837

Torbogen:

FRIEDRICH LAKEMEYER . FRIEDERIKE WALPER 10. JUNI 1837

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Literatur

Eduard Schulte, Der Lakehof und seine Erbmeier, Wattenscheid 1954.

Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eduard Schulte, Der Lakehof und seine Erbmeier, Wattenscheid 1954, S. 7.
  2. Schulte 1954, S. 4.
  3. Stiewe, Bauernhöfe (1985), S. 26f.
  4. Ausführliche Dokumentation von Hofanlage und Gebäuden bei Stiewe, Bauernhöfe (1985), S. 25-57.
  5. Inschriften von Dreschhaus und Schafscheune (abgebrochen) nach Schulte 1954.

Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 13.09.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 13.09.2026 von Heinrich Stiewe