Krumme Straße 4 (Barntrup)
OrtsteilBarntrup (Kernstadt)
StraßeKrumme Straße (Barntrup)
Hausnummer4
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBarntrup
StraßeKrumme Straße
Hausnummer084

1872 in einem älteren Haus eingerichtete Synagoge. Ehemals Barntrup Nr. 84.

Geschichte

Zwischen 1756 und 1768 sind regelmäßige Zahlungen von Synagogengeld der Barntruper Juden nachgewiesen, was einen eigenen Betsaal belegt. 1847 beklagte der Vizerabbiner Dr. Henoch J. Fahrenbach dessen „bedauernswerten Zustand“.[1]

1872 erwarb der Barntruper Kaufmann Jacob Aron Steinberg das Haus und stiftete es kurz darauf, am 1. Mai 1872, der Synagogengemeinde. Diese hatte bereits längere Zeit darin Gottesdienste abgehalten; der Betsaal war also schon vorhanden. Steinberg verband seine Stiftung mit 11 Bedingungen, u. a. einer jährlichen Mietzahlung von 12 Reichstalern für den Betsaal und weitere Miete für die Wohnräume, die seinerzeit an die Witwe Hüker vermietet waren. Die Miete sollte aber nicht an ihn gezahlt werden, sondern der Unterhaltung des Gebäudes dienen. Überschüsse sollten an die Barntruper Armen verteilt werden, unabhängig von deren Konfession. Sollte die Synagogengemeinschaft aufgelöst oder die Synagoge nicht mehr genutzt werden, sollten die Zinsen aus dem Verkaufserlös ebenso den Armen zugute kommen. Im Fall eines Brandes sollte die Brandkassen-Entschädigung zum Wiederaufbau einschließlich Mietwohnung genutzt werden.

1909 wurde das Haus grundlegend saniert, kurz darauf aber nicht mehr als Betsaal genutzt. Die Einrichtung bis hin zu den Thorarollen war aber 1938 noch vorhanden, wenn auch der Saal von den Mietern als Abstellraum genutzt wurde. Während der Pogromnacht 1938 zerstörten SS-Männer die Inneneinrichtung. 1939 kaufte ein Barntruper Gastwirt das Haus für 1.250 Reichsmark. Eine 1951 erteilte Abrissgenehmigung wurde nicht genutzt, die Wohnungen im Haus weiter vermietet. Zum Abriss kam es erst 1978, nachfolgend Neubau.[2]

Gebäude

 
Krumme Straße 4, kurz vor dem Abriss, Foto: Gerhard Linck, 1978 (LLB, BA BA-1-49)

Dreiständer-Fachwerkhaus mit hoher Deele rechts, Lehmausfachungen, steiles Satteldach. Kellerfenster im hohen Bruchsteinsockel, im Erdgeschoss Mietwohnung mit Stube (2 Fenster über dem Keller), darüber Speicherstock (Nutzung als Betsaal, 40 qm) mit 3 Fenstern, Ladeluke im Giebeldreieck. Zuletzt war die Fachwerkfassade mit einem rauen Putz versehen.[3]

Inschriften

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

1872 Jacob Aron Steinberg; Bewohner*innen: Witwe Hüker.[4] Steinberg betrieb eine Lohgerberei in Barntrup.[5]

ab 1.5.1872 Eigentümer*in: Jüdische Gemeinde; Synagoge; Bewohner*innen: Witwe Hüker.[6]

1901 Eigentümer*in: Jüdische Gemeinde; Synagoge; Bewohner*innen: Fritz Reese, Zigarrenmacher.[7]

1926 Eigentümer*in: Synagogengemeinde; Bewohner*innen: Fritz Reese, Arbeiter.[8]

Literatur

Elfi Pracht-Jörns, Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, 3. Regierungsbezirk Detmold. Köln 1998, S. 289-291.

Friedrich Böttcher, Ortsartikel Barntrup, in Karl Hengst, Ursula Olschewski (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 226-232.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Friedrich Böttcher, Ortsartikel Barntrup, in Karl Hengst, Ursula Olschewski (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 226-232, hier S. 230.
  2. Elfi Pracht-Jörns, Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, 3. Regierungsbezirk Detmold. Köln 1998, S. 289-291.
  3. Friedrich Böttcher, Ortsartikel Barntrup, in Karl Hengst, Ursula Olschewski (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 226-232, hier S. 231.
  4. Elfi Pracht-Jörns, Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, 3. Regierungsbezirk Detmold. Köln 1998, S. 289-291, hier S. 290.
  5. LAV NRW OWL, L 108 Sternberg-Barntrup / Amt Sternberg-Barntrup, Nr. 101: Jüdische Begräbnisplätze und Sterbetaler für verstorbene Juden, 1728, 1793-1851, enthält u. a. Lohgerberei des Jakob Steinberg zu Barntrup.; LAV NRW OWL, L 77 A / Lippische Regierung (Ältere Registratur) - Allgemeine und innere Verwaltung, Nr. 832: Anlage einer Lohgerberei durch Jakob Steinberg zu Barntrup, 1841-1845.
  6. Elfi Pracht-Jörns, Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, 3. Regierungsbezirk Detmold. Köln 1998, S. 289-291, hier S. 290.
  7. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 190.
  8. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 618.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 29.06.2026 von Joachim Kleinmanns

Letzte Änderung am: 29.06.2026 von Joachim Kleinmanns