Lohweg 24 (Hörste)
| Lohweg 24 (Hörste) | |
|---|---|
| Ortsteil | Hörste |
| Straße | Lohweg (Hörste) |
| Hausnummer | 24 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Hörste |
| Hausnummer | 076 |
Dies ist die Neuwohnerstätte Riesenberg, früher Hörste Nr. 76.
Zur Orientierung: Unter dem wohl ursprünglich Hörster Namen Riesenberg [1] sind allein in Hörste vier vor 1900 entstandene Stätten/Häuser zu unterscheiden:
a) Hoppenplöcker Riesenberg Nr. 16 (vor 1500 – ca. 1870)
b) Straßenkötter Riesenberg Nr. 21 (gegründet vor 1590)
c) Neuwohner Riesenberg Nr. 76 („hinterm Loh“, gegründet 1879)
d) Riesenberg, W., Ziegelmeister Nr. 95 („auf dem Kreuze“, erbaut 1897)
Darüber hinaus kommt ziemlich früh eine Stätte Riesenberg in Pivitsheide VL hinzu.



Geschichte
Der aus Hörste stammende und in eher bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Ziegelmeister Friedrich („Fritz“) Riesenberg schickt sich Anfang des Jahres 1878 an, eine Neuwohnerstätte in Hörste zu gründen. Er ist fast 40 Jahre alt, verfügt über einiges Erspartes, und die Gelegenheit ist günstig: Colon Hanning, bisher Besitzer des uralten Hofes Nr. 6 in Hörste, hat den verschuldeten Hof seines verstorbenen Schwiegervaters bzw. ausgewanderten Schwagers in Heesten bei Horn übernommen und verkauft jetzt stückweise seinen ererbten Hof in Hörste. Zahlreiche Hörster - Hof- und Stättenbesitzer, die sich vergrößern wollen, ebenso wie Einlieger mit Bau- bzw. Gründungsabsicht - greifen zu.
Fritz Riesenberg kauft ca. 1,2 ha Ackerland auf dem Südfelde an der Heide sowie knapp 4 ha Hude am Torfstich auf dem schwarzen Drecke für 4500 Mark. Ein Drittel davon zahlt er sofort bar, den Rest des Kaufpreises gewährt der Verkäufer als verzinslichen Kredit.[2]
Alsbald wird die Stättengründung von der Bauerschaft Hörste befürwortet, vom Amt genehmigt und ein Wohnhaus errichtet. 1893 vergrößern weitere 0,8 ha Ackerland auf den Südfeld, die von Gottlieb Gees, Hörste Nr. 37, erworben werden, die kleine Landwirtschaft.
Die ersten Jahrzehnte auf der neuen Stätte sind erkennbar mühsam: 1915 übernimmt der bereits 44-jährige Sohn Hermann die Stätte von seinem verwitweten Vater. Er hat all die Jahre zuvor seinen Zieglerverdienst daheim abgegeben, denn es sind noch Schulden aus dem einstigen Grunderwerb zu tilgen.[3] Bereits zwei Jahre später - im September 1917 - verstirbt er im Krankenhaus Königswusterhausen.[4] Die nächsten 18 Jahre ist seine Witwe Julie, geb. Vogt, allein mit ihren fünf Kindern auf der Stätte.
Bis in die 1970er Jahre wird die Stätte Riesenberg Nr. 76 im Nebenerwerb bewirtschaftet. Ihre Lage am Rande des Teutoburger Waldes/ Landschaftsschutzgebietes hat sicherlich dazu beigetragen, dass auch heute noch teils Felder und Natur an die Stätte/Hofstelle angrenzen.
Gebäude
Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude sind in den ersten Jahrzehnten der Neuwohnerstätte errichtet.
Inschriften
-
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Die naheliegende Mutmaßung, die beiden Stättengründungen Riesenberg im späten 19. Jahrhundert ( Nr. 76 und Nr. 95) ließen sich mehr oder weniger direkt auf die beiden alten Riesenberg-Stätte in Hörste (Nr. 16 und Nr. 21) zurückführen, trifft nicht zu.
Beide Stättengründer, Friedrich Gottlieb R. (* 1839) und Friedr. Wilhelm August R. (* 1847), sind Söhne des Einliegers und Tagelöhners Philipp Adolf Riesenberg, der erst mit seiner Eheschließung 1839 mit er aus Haustenbeck stammenden Anna Maria K. E. Röhrmann nach Hörste gekommen ist und in einem Kotten des Meiers zu Stapelage auf der Röde lebt. Er ist wie auch schon sein Vater als Einlieger auf dem Meierhof zu Heipke geboren.
1878 – 1915 Friedrich (Fritz) Riesenberg (1839 – 1923), ∞ 1868 Henriette Amalia Mellies (1843 – 1914) von Pivitsheide VL Nr. 5, er ist bei Eheschließung Einlieger und Ziegelmeister
Kinder:
• Hermann Heinrich, * 1871, Anerbe
• Marie Karoline Justine, * 1873, † 1873
• Johanne Wilhelmine Henriette, * 1875, 1924 verh. Diekjobst in Detmold
• Friederike Wilhelmine (Frieda), * 1877, 1924 verh. Fillies a. d. Breitenheide
• Gustav, * 1879
• Anna Bertha, * 1884, † 1890
1915 – 1917 Hermann Heinrich Riesenberg (1871 – 1917, † in Königswusterhausen, Krankenhaus), Col. und Ziegler, ∞ 1899 Julie Vogt (1873 - 1939) aus Ohrsen
Kinder:
• Pauline, * 1898, 1935 verh. Meier in Stapelage
• Heinrich, * 1900, Anerbe
• Helene, * 1904, 1935 verh. Kleine in Hörste Nr. 64
• Elise, * 1910, 1935 verh. Wißbrok in Augustdorf
• Erna, * 1912, 1935 verh. Meier in Piv.
1917 – 1935 Witwe Julie Riesenberg, geb. Vogt (s. o.)
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Das um 1617 entstandene lippische Salbuch kennt unter dem Namen Riesenberg nur die beiden frühen Stätten in Hörste. Somit spricht vieles für eine ursprüngliche Herkunft des Namens Riesenberg, der bereits im 17. und 18. Jahrhundert in vielen anderen lippischen Dörfern vorkommt, von der Hörster Stätte mit der späteren Hausnummer 16.
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage / Amt Lage, Fach 2 Nr. 26 Bd. XXV
- ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Lage Bl. 2783, S. 40f
- ↑ Er steht nicht in den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges, ist also wahrscheinlich als Ziegler in der Fremde erkrankt und verstorben.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 24.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock
Letzte Änderung am: 04.03.2026 von Dr. Horst Wissbrock