Teutoburger-Wald-Straße 8 (Hörste)
| Teutoburger-Wald-Straße 8 (Hörste) | |
|---|---|
| Ortsteil | Hörste |
| Straße | Teutoburger-Wald-Straße (Hörste) |
| Hausnummer | 8 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Hörste |
| Hausnummer | 021 |
1781 als Straßenkötter bezeichnete Stätte Henrich Riesenberg (oder Grothof), Hörste Nr. 21 - wird 1869 - 1871 durch Teilung und Verkauf zur Stätte Wendt, später Wiemann.
Zur Orientierung: Unter dem wohl typisch Hörster Namen Riesenberg[1] sind allein in Hörste vier vor 1900 entstandene Stätten/Häuser zu unterscheiden:
a) Hoppenplöcker Riesenberg Nr. 16 (vor 1500 – ca. 1870)
b) Straßenkötter Riesenberg oder Grothof, später Wendt, Nr. 21 (gegründet vor 1590)
c) Neuwohner Riesenberg Nr. 76 („hinterm Loh“, gegründet 1879)
d) Riesenberg, W., Ziegelmeister Nr. 95 („auf dem Kreuze“, erbaut 1897)
Darüber hinaus kommt ziemlich früh eine Stätte Riesenberg in Pivitsheide VL hinzu.
Geschichte
Neben der älteren Hpl.-Stätte Risenbruch (Riesenberg Nr. 16) wird im Hörster Landschatzregister von 1590 erstmals eine weitere Stätte Hencke Risenbruch (Riesenberg Nr. 21) genannt. Erstere wird mit 1 Ort (= ¼ Taler) veranlagt, letztere muss nur 2 ½ Gr(oschen) zahlen, ist also kleiner bzw. einkommensschwächer.
Auch im Salbuch von 1617 werden beide Hörster Stätten - jetzt als Rißenbergk (Nr. 16) und Johan Rißenbergk (Nr. 21) bezeichnet - aufgeführt. Erstere, jetzt gräflich lippisch, aber ehemals ein Kotten des Meiers zu Stapelage, muss weiterhin den Weinkauf an diesen entrichten, letztere den geringeren Landschatz zahlen.
Im Salbuch von etwa 1640 heißen von den nur zwei Dutzend Höfen/Stätten in Hörste zwei exakt gleich - „Henrich Riesenbergh“. Hier wird aber der Besitz der Stätten näher aufgeschlüsselt: Der erste Riesenberg hat nichts, nur ein Hauß (Nr. 21); der zweite verfügt über 1 Stück Landt zu 1 ½ schll Roggen, 1 Garten und 1 Hauß (Nr. 16).[2]
1645 wird deutlich, wovon die Stätte/Familie Riesenberg (Nr. 21) lebt: R. , der gn. Herrschaft eigen, hatt 3 Kinder, (hat) an Gelde ausstehen in Lande so er besamet 208 thlr., (ist) ein Daglohner.[3] Ähnlich ist die Situation auch noch 1683.[4]
Der 1683 auf der Stätte wirtschaftende Kötter Berend Riesenberg ist lange verstorben, als 1708 Hermann Rosenbaum, Sohn eines Schmiedes aus Lage (und offenbar auch selbst Schmied), seine Tochter, die Anerbin Catrina Riesenberg, heiratet und auf die Stätte kommt. Mit ihm beginnt eine 150 Jahre währende Tradition der Straßenkötterstätte Nr. 21 als Hörstes Dorfschmiede.[5]
Etwa um diese Zeit kommt es zu einem merkwürdigen Wandel des Stätte- und auch Besitzernamens. Wie oben angedeutet, sind gleiche Namen bisweilen eher problematisch, denn Namen dienen der Unterscheidbarkeit von Dingen oder auch Menschen. Die Hörster Stätte mit der späteren Nr. 21 wird ab dem frühen 18. Jahrhundert bis ins späte 19. Jahrhundert zwar amtlich weiterhin häufig als „Henrich Riesenberg“ (in Abgrenzung zu „Riesenberg“ - Nr. 16) bezeichnet. Vereinzelt findet sich aber auch „Grautehoff oder Henrich Riesenberg“ (z. B. im Salbuch von 1752/53). Die Besitzer und Bewohner aber werden mehr und mehr (Kirchenbuch, Gogerichtsregister etc.) Großhof, später i. d. R. Grothof genannt. Unklar bleibt, wie gerade dieser Beiname für eine Stätte, die alles andere als groß war, zustande gekommen ist.
Der 1708 eingeheiratete Hermann Rosenbaum kommt 1722 durch einen Unfall ums Leben - GoG Hörste 1722: Heinrich Riesenberg Stratenkötter Illstrmo eigen elendig unter einem Baum zu Todte gequetschet; hat nachgelaßen eine Kuh und die täglichen Kleÿder.[6] Kirchenbuch Stapelage 1722: den 29ten Julÿ Grotehoff begraben, alt 30 Jahre. Seine Ehefrau wird 1751 als Anna Cathrine Großhof, weil. Hermann Henrich Rosenbaums aus Hörste Witwe, 71 Jahre begraben. 1725/26 tritt ein anderer Rosenbaum in Erscheinung: Berend Rosenbaum, Einlieger, freÿ, hat eine Frau genohmmen, welche auch wieder gestorben, hat auch zu früh beÿ geschlaffen.[7] Dieser Berend Rosenbaum heiratet als junger Witwer Ende 1726 eine Frau aus Lage, die zu ihm nach Hörste zieht und 50 Taler Brautschatz mitbringt.[8] Im September 1727 haben der junge Schmidt in Hörste Berend Rosenbaum und seine Hausfrau eine Tochter taufen laßen, die 1742 als Anna Catharina Elisabeth Rosenbaum konfirmiert wird. (Kirchenb. Sta.) Eine weitere Tochter wird 1729 geboren; 1730 wird der Schmied Berend Rosenbaum als (gut verdienender) Einlieger im Einlieger-Verzeichnis Hörste geführt und muss einen Taler Einliegergeld zahlen.[9]
Im Frühjahr 1732 heiratet der Anerbe Cord Berend Grothof in Hörste Anne Elisabeth Mensendiek aus Kachtenhausen; sie kommt zu ihm und bringt 40 Taler mit. Sein Beruf geht aus dem Kirchenbuch hervor: (Im März 1737) haben Cordt Berend Grotehoff, der zeitige Schmidt in Hörste, und deßen Ehefrau . . . ein Töchterlein taufen laßen.
Vor dem übernächsten Generationswechsel findet im Herbst 1797 ein Amtstermin in Detmold statt: [10] Es hat sich ergeben, daß der Vater diese Stätte mit Bewilligung seines Anerben und 24-jährigen Sohns Jobst Herman an besagte seine Tochter und deren Bräutigam übergeben wolle, weil sein Sohn das auf der Stette immer getriebene Schmiedehandwerk nicht erlernt habe, und die Hörster Meÿers eine Schmiede gern an der Hand behallten wollten. . . . So geht es noch mehrere Generationen weiter, bis Ende 1857 in zweiter Ehe August Büker aus Hörste einheiratet, der kein Schmied ist, sondern dem damaligen Allerweltsberuf Ziegler nachgeht.
Der 1797 eingeheiratete Adolph Wind aus dem Kirchspiel Oerlinghausen mag ein guter Schmied gewesen sein; seine Bilanz als Haushälter und Geschäftsmann ist 27 Jahre später eindeutig negativ. Die Acte das Schuldenwesen des Straßenkötters Grothoff Nr. 21 in Hörste betr.[11] enthält einen öffentlichen Aufruf von Ende 1824, Forderungen gegen die Stätte Nr. 21 an der Amtsstube vorzubringen und zu belegen. Dutzende Positionen, die sich auf mehr als 700 Taler summieren, kommen zusammen. Ein Teil der Gläubiger akzeptiert einen Teilerlass ihrer Forderungen bei umgehender Zahlung der Restsumme. So kann der Sohn des Schuldners die Stätte mit etwas reduzierter Schuldenlast übernehmen.
Auf diese Weise kommt man auf der Stätte noch einige Jahrzehnte irgendwie zurecht. Anfang 1869 kann der zwölf Jahre zuvor eingeheiratete Colon August Büker den Konkurs jedoch nicht mehr abwenden.[12] Das Inventar und die Immobilien der Stätte Nr. 21, bestehend aus 1) Wohnhaus, 2) Schmiede Leibzucht, 3) 5 Metzen Garten und 4) 36 – 40 Schfls. Ackerland und Senne, werden gegen Höchstgebot zwangsverkauft. Salomon Paradies, Kaufmann in Lage und häufiger in Immobiliengeschäften aktiv, erwirbt die Stätte und veräußert sie nach Aufteilung bald weiter.
Der Besitzer der Grothoffschen Stätte Nr. 21 zu Hörste, Kaufmann Sal. I. Paradies hiers. erschien heute (14. Juli 1869) mit der Ehefrau des im Auslande befindlichen Colon Elkenkamp Nr. 60 zu Hörste . . . und verkauft den Garten und ein Stück Ackerland an Elkenkamp.[13] Etwa zur gleichen Zeit beantragt Paradies die Genehmigung zur Errichtung eines Kottens auf Flächen vor dem Ehberg, die der Stätte Nr. 21 bei der letzten Hörster Gemeinheitsteilung um 1860 zugefallen waren. Dieser Kotten auf 15 Schfls. (ca. 2,5 ha) Fläche wird zur Neuwohnerstätte Hörste Nr. 68 und 1874 von Paradies an Ziegelmeister August Klarholz aus Müssen verkauft.[14] Die restliche Stätte Nr. 21, bestehend aus 1) Hofraum, 2) Wohnhaus mit der Schmiede, 3) Garten beim Hause, 4) 4 Schfls. Land a. d. Hörsterbruche, hat Paradies bereits 1871 an den Einlieger Töns Wendt veräußert.[15]
Gebäude
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Das um 1617 entstandene lippische Salbuch kennt unter dem Namen Riesenberg nur die beiden frühen Stätten in Hörste. Somit spricht vieles für eine ursprüngliche Herkunft des Namens Riesenberg, der bereits im 17. und 18. Jahrhundert in vielen anderen lippischen Dörfern vorkommt, von der Hörster Stätte mit der späteren Hausnummer 16.
- ↑ LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 92, S. 156
- ↑ LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 94
- ↑ LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 97, S. 6
- ↑ Zu Schmiede in Hörste vgl. auch Stätte Nr. 25
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 184, S. 82
- ↑ LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 184, S. 249
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 A, Nr. 136, S. 20
- ↑ LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 542
- ↑ LAV NRW OWL, L 92 T 1, Nr. 1238
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage/Amt Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. VII, 6)
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage/Amt Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII, 8)
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage/Amt Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII, 3)
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage/Amt Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXIV, 13)
- ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage/Amt Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXIII, 15)
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock
Letzte Änderung am: 13.02.2026 von Dr. Horst Wissbrock