Marktstraße 14 (Heiden)
OrtsteilHeiden
StraßeMarktstraße (Heiden)
Hausnummer14
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHeiden
Hausnummer018

Ehemals Heiden Nr. 18, "Alter Krug" Heiden

Anzeige im Adressbuch 1901

Geschichte

Die Hausstätte 4 / vor 1970 Marktstraße / Heiden Nr. 18 liegt an der Südseite des Marktplatzes. Das Grundstück grenzt südöstlich an den Krugberg, der hier ein starkes Gefälle hat sowie südwestlich an die Straße Feuerborn, zu der eine hohe Natursteinmauer das Grundstücksniveau sichert.

Nach den Angaben von Hüls, Heiden in Lippe, wird schon im Landschatzregister von 1568 ein Hennrich de Kroger als Gastwirt genannt. In der Friemelschen Karte von 1728 sind als Besitz des Alten Krug neben dem Hofgrundstück am Marktplatz drei Flächen ausgewiesen, die an der Heßloher Straße (ein Teil ist heute Sportplatz) sowie in der Lake liegen. Bis 1881 kommen drei kleinere Flächen hinzu, die zuvor zum Meierhof Nr. 3 gehörten. [1]

Gemäß dem Salbuch von 1770 wird dem Krüger erlaubt Bier zu brauen und anzubieten. Im 18. Jahrhundert waren die Einzugsbereiche der Gaststätten fest geregelt. Der Krüger in Heiden durfte sein Bier nur an die Einwohner aus Heiden, Heßloh, Hardissen Hedderhagen und Niewald verkaufen. Bis 1840 war er auch zuständig von „ausländischen Fahrern“ Zoll zu erheben. [2] Von 1890 bis ca. 1970 befindet sich im Alten Krug auch die Poststelle in Heiden. [3]

Gebäude

 
Der Alte Krug in Heiden, Foto: Pahmeier, 1970, LLB BA_TB-18-30_001
 
Marktstraße 14 Alter Krug, Foto Lothar Kaup 2015
 
Ausschnitt der Inschrift im Balken der Geschoßdecke, Foto: Hans-Christian Schall, 2009
 
Inschrift an Giebel der Scheune, abgelesen 1882

Im Jahre 1819 wird das Gebäude des Alten Kruges als Fachwerkhaus neu erbaut. So steht es als Inschrift im Rähm über dem Hauseingang. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude mit eine 45° Satteldach und einem Krüppelwalm zum Markt. Aus dem regelmäßigen Fachwerk ergibt sich die fünfachsige Fensteranordnung bis in den Giebel sowie dem zentralen Eingang mit der doppelflügeliegen Haustür, wohl aus der Bauzeit, im Erdgeschoss. An der Westseite, die 16 Gebinde tief ist und einen Nebeneingang hat, lässt sich die Fachwerkstruktur noch erkennen, doch die östliche Traufseite ist mit Faserplatten verkleidet.

Das Fachwerkhaus ist in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen. Der Denkmalwert ergibt sich einerseits aus dem Gebäude selbst,

„das mit seiner schlichten wohlproportionierten Fachwerkkonstruktion ohne wesentliche Zierformen ein typischer Vertreter der Zimmermannskunst der Biedermeierzeit ist“ und andererseits aus der städtebaulichen Situation, denn „der Bau schließt mit seiner breiten Front den annähernd dreieckigen (Markt-) Platz vor der Kirche nach Südwesten wirkungsvoll ab, womit das Haus eine städtebaulich sehr wirksame und wichtige Dominante am Rand der leicht geneigten Terrasse über dem Bachtal ist“.
„Kultur- und ortshistorisch bedeutend ist das Gebäude als Gastwirtschaft im Kernbereich des Dorfes; auf diese Funktion weist die reizvolle gereimte Rähminschrift hin.

Quelle: Benehmen LWL vom 28.04.1986“. [4]

Im Urkatasterplan von 1883 ist das Gebäude eingetragen. Dort ist auch erkennbar, dass der Anbau eines großen Saales hinter dem Gaststättengebäude vermutlich um 1900 erfolgt ist, mit sichtbarem Ziegelsteinmauerwerk und hohen Fenstern und voll unterkellert. Für den Saalanbau ist ein schmales langes Gebäude abgebrochen worden, was die Annahme erlaubt, dass hier ehemals eine Kegelbahn der Gaststätte bestanden hat. [5]


Der Katasterplan zeigt auch drei weitere Gebäude auf dem Grundstück des Alten Krug, das mittlere Gebäude ist die ehemalige Leibzucht. Das alte Fachwerkhaus wurde um 1900 nach Norden mit einem Ziegelsteinanbau um ca. 5 m erweitert und ist nach Grundstücksteilungen heute Marktstraße 12.

Die Bemühungen aus der Dorfgemeinschaft Heiden, mit Gründung eines Vereines das Gebäude des Alten Kruges im Rahmen einer Zwangsversteigerung im Jahre 2016 zu erwerben, um es als eine genossenschaftliche Gaststätte weiterzuführen, waren gut vorbereitet, doch nicht erfolgreich. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus wurde von einem Privatmann erworben, der das Haus inzwischen als Lager nutzt.

Inschrift[6]

Im Jahre 1829 am 12.Juni hat W. Büngener aus Brake und Annemarie Gellhaus aus Heiden dieses Haus bauen lassen. Liebe Gäste, kommt herein und trinkt ein Gläschen Branntwein, ein Gläschen Bier und auch wohl Wein, möchte ebenfalls nicht schädlich sein. Auch gibt es hier ein gut Quartier und nebenbei ein gut Pläsier.

Inschrift an der Scheune, abgelesen 1882:[7]:
KIRCHEN GEHEN * SEVMET NICHT ALMISSEN
GEBEN ARMET NICHT UNRECHT FERTICH
GVT VASELT NICHT * ANNO 1607

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1781 Salbuch, Nr.18 alt. Krüger, ein Kleinkötter [8]
  • 1829 Salbuch, Nr.18 Alter Krüger, ein Kleinkötter [9]
  • 1855 Salbuch, Nr.18 Krüger Büngener [10]
  • 1901[11] Wilhelm Büngener, Gastwirth
  • 1926[12] Wilhelm Büngener, Kaufmann und Landwirt

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Hüls: Heiden in Lippe, Zur Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Im Auftrag der Stadt Lage herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe. Detmold 1974. Gleichzeitig im Selbstverlag der Geographischen Komission für Westfalen erschienen. Online abrufbar Abb. 38 und 53
  2. Hüls 1974 S. 79 und 96
  3. Hüls 1974 S.170
  4. Stadt Lage, Stadtarchiv
  5. Kreis Lippe, Katasteramt
  6. Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV
  7. Zeichnung (1882) Carl Dewitz in Sammlung Lippischer Hausinschriften der Lippischen Landesbibliothek
  8. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 108: Salbuch Vogtei Heiden 1781
  9. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 121: Salbuch Vogtei Heiden 1829
  10. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 137: Salbuch Vogtei Heiden 1855
  11. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 257.ff.
  12. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 731.ff.

Autor

Lothar Kaup

Seitenhistorie

Seite erstellt am 12.03.2025 von Hans-Christian Schall

Letzte Änderung am: 16.04.2026 von Lothar Kaup