Kirchplatz o.Nr. (Heiden)
Ev.-ref. Dorfkirche Heiden
| Kirchplatz o.Nr. (Heiden) | |
|---|---|
| Ortsteil | Heiden |
| Straße | Kirchplatz (Heiden) |
| Hausnummer | o.Nr. |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | |
Nachdem er am 22. Oktober 1846 in Heiden eine Visitation abgehalten hatte, schrieb der lippische Generalsuperintendent Georg Althaus erkennbar beeindruckt, die Kirche sei " in ihrer Größe und Bauart nach eine der ansehnlichsten und schönsten im Lande".[1]
Geschichte

Die Kirche in Heiden wurde oberhalb des Oetternbaches auf einem Felssporn aus mergeligem Kalkgestein errichtet. Der Standort liegt nahe einer Furt am Oetternbach.
Schriftliche Quellen zur Gründung der Kirche liegen nicht vor. Eine erste schriftliche Erwähnung der Kirche in Heiden findet sich in einem Verzeichnis des Herforder Stiftes vom Berge aus dem Jahr 1151 unter der Ortsbezeichnung „Hethe“.[2] Der lateinische Name Hethe (später auch Hethis oder Hethem), als „Haus in der Heide“ für den Standort der Kirche nimmt offenbar Bezug auf den ca. 400 m westlich der Kirche damals schon bestehenden Meierhof zu Heiden, der später als Hof Meier Nr. 3 in Heiden bezeichnet wurde.
Zur Gründung der Kirche in Heiden gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese bezieht sich auf den Paderborner Bischof Meinwerk, der in seiner Zeit als Bischof (1009-1036) die neu gegründeten Kirchen im Bistum unter dem Patronat Peter und Paul errichten ließ. Ausführliche Überlegungen dazu finden sich bei Hüls. [3]

Im Jahre 1970 wurden in der Heidener Kirche im Zuge von Bauarbeiten archäologischen Grabungen durchgeführt. Dabei fanden Dr. Lobbedey und Hohenschwert im Chorraum der Kirche Fundamentreste von einem vorromanischen Apsidensaal, den sie in die Zeit von 950-1025 einordnen. Dieser erste Bau hatte eine Länge von 26,80 m und der Breite von 7,80 m und ähnelte anderen Kirchengrundrissen in Lippe (Schlangen, Heiligenkirchen), jedoch der Kirchenraum in Heiden war auffällig länger.
Gebäude
Der romanische Turm an der Westseite ist der älteste noch bestehende Teil der heidener Kirche und wurde zwischen 1100 und 1150 aus Natursteinmauerwerk erstellt. Die äußeren Abmessungen betragen 8 x 8 m und die Höhe des gemauerten Turmes beträgt 23 m.
Die Kirche in Heiden ist mehrfach durch Anbauten an den romanischen Turm erweitert worden, etwa im 12. Jahrhundert als romanische Kirche mit rechteckigem Chorraum an der Ostseite. Die folgenden Erweiterungen zu der noch heute bestehenden Kirche als einer dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche mit einem polygonen Chorraum entstanden bis 1380. Auf vier Pfeilern ruhen die Stützbögen, die das Kreuzgratgewölbe tragen. In die Außenwand des Chorraumes ist ein kleiner Tabernakel mit einer Pelikandarstellung eingebaut worden.
Unter den Kalkfarbanstrichen von vielen Jahrhunderten fanden sich im Jahre 1957 Ausmalungen aus der Frühzeit der Kirche, die in etwa eine Datierung der letzten Bauphase erlauben. Die Ausmalungen auf den Fensterpfeilern im Chorraum mit einem Apostelzyklus soll schon in der Zeit bis 1380 entstanden sein. Neben den Abbildungen vom heiligen Sebastian und Hubertus im Nordflügel kommt der Darstellung des heiligen Christopherus im Südflügel eine besondere Bedeutung zu. Hier verweisen die spätgotische Darstellung der umgebenden Landschaft, des Gewandes und des Schlapphutes auf Anlehnungen an die Gemälde des Soester Malers Heinrich Aldegrever (1502-1555), weshalb man davon ausgeht, dass diese Wandmalerei spätesten um 1530 entstanden ist. [4]

Besonderes Merkmal der Kirche in Heiden ist der hohe, um 90° gedrehte achtseitige Kirchturmhelm.
Der Kirchturm wurde 1594 erbaut, 1633 durch ein "Donnergewitter" zerstört, 1663 teilweise erneuert. 1843 wurde der Turm ein weiteres Mal durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt.[5]
Eine Vermessung der Höhe des Kirchturmes ergab 2024, dass die Höhe des Kirchturmes von der Schwelle am Turmeingang bis OK der Kugel eine Höhe von 50,62 m beträgt.
Die Kirche in Heiden ist seit vielen Jahrhunderten von einer Natursteinmauer umgeben, die mutmaßlich ehemals höher war und eine Schutzfunktion für die Dorfbewohner hatte. An der Ost- und Südseite ist die Kirchplatzmauer noch gut erhalten bzw. sie wurde vor einigen Jahren teilweise erneuert. An der Nordseite sind auf der Kirchenmauer ab ca. 1600 kleine Wohnstätten entstanden, die als Kirchplatzbebauung mit der Kirche ein in Westfalen fast einmaliges Ensemble historischer Bausubstanz bilden. Kirchplatz

Recht neu ist die These von Dr. Birgit Meineke zu einer deutlich früheren Gründung eines Klosters in Heiden, die von ihr 2021 erstmalig veröffentlicht wurde. Frau Dr. Meineke war in Münster für viele Jahre mit der Erforschung von Ortsnamen in Westfalen und Lippe befasst. Folgt man ihrer These, und Vieles spricht dafür, dann wären die erste Klosterbauten in Heiden bereits im Jahre 815 errichtet worden.
Es ist bekannt, dass im Jahre 815 die Mönche aus Corbie in Nordfrankreich nach Sachsen zogen. Sie hatten sich dort in einem Ort namens Hethis niedergelassen, um ein neues Kloster zur Missionierung der Sachsen zu gründen. Die Lage dieses Ortes Hethis (ein Ort mit mehreren Quellen) ist bisher unbekannt, denn Ortsbezeichnungen mit Hethis gab es in Norddeutschland mehrfach. Die örtlichen Verhältnisse in Hethis haben sich in den Anfangsjahren der Klostergründung nach 815 wohl als nicht ausreichend geeignet dargestellt für den großen Zuzug von Menschen in das neue Kloster, so dass ein alternativer Standort gesucht und mit der Weseraue in Corvey bei Höxter gefunden wurde. Der Umzug nach Corvey fand im Jahre 822 statt, und zwar (so ist überliefert) mit einem Wegemarsch von zwei Tagen. Für Frau Dr. Meineke erscheint es plausibel, dass das Dorf Heiden bei Lage dieser bisher unbekannte Ort namens Hethis ist, an dem von den Mönchen aus Corbie für sieben Jahre ein Kloster in der Aufbauphase betrieben wurde, bevor diese nach Corvey bei Höxter umzogen. [6]
Inschriften
Glocken
Der Glockenstuhl mit drei mittelalterlichen Glocken ist der älteste in Westfalen-Lippe. Im Kirchturm befinden sich drei Glocken, die die beiden Weltkriege unbeschadet überstanden haben. Die älteste und größte der Glocken stammt aus dem Jahre 1466, ist 1,20 m hoch, hat einen Durchmesser von 1,40 m und wiegt 1370 kg. [7]
Orgel
Eigentümer
Ev.-ref. Kirchengemeinde Heiden
Pastoren
Als erster Priester wird 1315 für Heiden Heinrich von Ickenhausen genannt. [8] Eine Liste der weiteren Priester bzw. Pfarrer in Heiden findet sich in der Beschreibung des Pfarrhauses Heiden Kirchplatz 8 sowie bei Butterweck bis 1926[5]
Literatur
- Burkhard Meier, Lippische Kirchen, 2004
Quellen
Weblinks
- Internetseite der Kirchengemeinde: https://www.kirche-heiden.de
- Archiv der Lippischen Landeskirche: Archivseite
- Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisch-reformierte_Kirche_Heiden
Einzelnachweise
- ↑ Burkhard Meier, Lippische Kirchen, 2004, S. 11
- ↑ Hans Hüls: Heiden in Lippe, Zur Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Im Auftrag der Stadt Lage herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe. Detmold 1974. Gleichzeitig im Selbstverlag der Geographischen Komission für Westfalen erschienen. Online abrufbar S.114
- ↑ Hüls 1974 S. 112 ff
- ↑ Hüls 1974 S. 107
- ↑ 5,0 5,1 Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, Seite 409 ff
- ↑ Meineke, Birgit, Historisches Jahrbuch Lage, 2023
- ↑ B. Meier, Dorfkirche Heiden, 1995, S. 83
- ↑ Hüls 1974 S. 106
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 12.05.2026 von Wolfgang Kramer
Letzte Änderung am: 18.05.2026 von Lothar Kaup