Siegfriedstraße 4 (Detmold)
| Siegfriedstraße 4 (Detmold) | |
|---|---|
| Ortsteil | Detmold (Kernstadt) |
| Straße | Siegfriedstraße (Detmold) |
| Hausnummer | 4 |
| Karte | |
| Quartiersnummer | D 588 |
| Adressbuch von 1901 | Nein |
1910/11 erbaute Knabenbürgerschule (heute: Weerthschule), erstmals 1914 im Adressbuch unter Petristraße 14.[1] Quartiernummer D 588.[2]
Geschichte
Bereits 1887-1889 war in der Gerichtsstraße 6 von der Stadt eine Mädchenschule gebaut worden. Nachdem die Knabenschule von 1838/39 am Markt längst nicht mehr ausreichte, kam es 1910/11 zum Schulneubau auf dem Areal des alten Pestfriedhofs am Lemgoer Tor außerhalb der Stadtmauern. Dieses Grundstück erwarb sie im Tausch mit der Kirche, welche dafür das Gelände des alten Viehmarkts neben dem Kaiser-Wilhelm-Platz (Detmold) erhielt, auf dem diese 1905-1907 die Christuskirche erbaute.
Bauherr der neuen Schule war der Schulverein, vertreten durch den Schulvorstand A. Buße. Pläne vermutlich von Architekt D. Langewort, der auch Bauleiter war. "Neben der ehemaligen 'Töchterschule' am Wall, die bei dem tiefgreifenden Umbau 1911 ihre heutige Gestalt erhielt, ist das Gebäude der 'Knabenschule' bedeutend für die Entwicklung des Detmolder Schulwesens. Der gut angepaßte Erweiterungsbau an der Gebäuderückseite von 1936 ist Bestandteil des Baudenkmals. Der nach teilweisen Kriegszerstörungen wieder aufgebaute Turnsaal ist nicht Bestandteil des Baudenkmals.[3]
Als Baudenkmal eingetragen in die Denkmalliste der Stadt Detmold am 27.4.1998, Nr. A 538.
Gebäude
Beschreibung in der Denkmalkartei der Stadt Detmold: "Der langgestreckte, dreigeschossige Schulbau auf halbhohem Souterraingeschoß mit gegliederten Fassaden aus Hausteinsichtmauerwerk und Rauhputzflächen ist mit einem pfannengedeckten Walmdach überdeckt, das mehrfach von quer gesetzten Sattel- oder Walmdächern durchdrungen wird und am Südwestende, bedingt durch einen breiteren Baukörper in einem höheren Walmdach endet, dessen bauzeitlicher Akzent in Form eines offenen Glockentürmchens vermutlich 1945 zusammen mit dem stirnseitig angeordneten Turnsaal kriegszerstört worden ist. Die zur südöstlichen Längsseite ausgerichteten Klassenräume werden durch axial aufeinander bezogene dreibahnige Originalfenster mit Oberlichtern und eigenwilliger T-Sprossierung in den unteren Hälften der Drehflügel belichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Flure und 2 aus der Fassade vorspringende Treppenhäuser angelegt. Die zum südöstlich vorgelagerten Schulhof hin als Schauseite gestaltete Fassade besteht aus sorgfältig behauenen Muschelkalksteinflächen, die in den Brüstungsfeldern der beiden Obergeschosse und in den beiden Querhausgiebeln durch rauhe Putzflächen unterbrochen werden, wobei das profilierte Traufgesims, das Stockwerksgesims über dem Erdgeschoß und die Sohlbänke aus Sandstein gefertigt sind. Erschlossen wird das Gebäude über ein großes Rundbogenportal mit 2 waagerecht verbretterten Holztüren zwischen profilierten Sandsteinpfosten. In der halbkreisförmigen Oberlichtzone ganz aus Sandstein befindet sich ein 9scheibiges querovales Sprossenfenster, umrahmt von einem Schleifenkranz mit Pflanzen- und Tiermotiven, der von 2 Putten gehalten wird, alles im Relief. Die seitlich des Hauptportals angeordneten Rundbogensprossenfenster mit dazwischen eingestellten Halbsäulen, diese mit zeittypischen geometrischen Volutenformen am Kapitell, verdeutlichen die ursprüngliche Sonderfunktion als Rektor- bzw. Lehrerzimmer. Die nordöstliche Fassade des Gebäudes ist nur zweigeschossig. Die Traufe des quer gestellten Satteldaches endet ein Geschoß tiefer. Der im 2. Obergeschoß eingebaute Zeichensaal wird durch eine mansarddachähnliche Gaube mit 9 Sprossenfenstern großzügig von Norden belichtet. In dem Gebäudewinkel neben dem Haupttreppenhaus an der Rückseite ist 1936 eine Erweiterung um 3 Klassenräume mit gleicher Fenstergestaltung angefügt worden, jedoch ist der Anbau mit Rauhputz versehen, während die Rückfassade wie alle anderen, nicht dem Schulhof zugewandten Fassaden aus Bruchsteinsichtmauerwerk bestehen. Die Brüstungs- bzw. Sturzfelder zwischen den Fenstern des 1. und 2. Obergeschosses sind profiliert gerahmt. Im Nebentreppenhaus befindet sich in der Nordostseite noch eine gut gestaltete, bauzeitliche Eingangstür mit verglastem Rundbogenoberlicht und eisenvergitterten Glasfeldern sowie je 2 Kassetten in den Türflügeln. Der Turnsaal als eigenständiger Baukörper ist an der südwestlichen Schmalseite des Schulbaus angefügt. Er wurde im Krieg teilzerstört und 1949 mit einem Walmdach anstelle eines früheren Satteldaches zwischen Blendgiebeln wiederaufgebaut und an der freien Traufseite um einen Anbau erweitert. Die auf den Schulhof bezogenen Fassaden mit Hausteinmauerwerk und Putzfeldern und die Rundbogeneingangstür mit floral stuckiertem Bogenfeld und 2flügeliger Eichenholztür sind erhalten geblieben. Die innere Raumkonzeption mit ihren Klassen, Fluren, Nebenräumen und Treppenanlagen ist weitgehend unverändert erhalten geblieben. Hervorzuheben sind die Folge von Eingangsportal, Entree mit raumbreiter Treppe. Fliesensockel, Putzkassetten an Decke und Oberwänden und doppelflügeliger Rundbogentür, Halle mit (verdeckter) Kassettendecke und Terrazzoboden (auch in den Fluren) und Treppenhaus mit dreiläufiger Podesttreppe zwischen Pfeilern, die Bögen tragen und um ein großzügiges Treppenauge angeordnet sind. Die lichtdurchfluteten Treppenräume werden akzentuiert durch die gut gearbeiteten Eisengeländer. Parallel zum südöstlich des Schulhofes vorbeiführenden Fußweg verläuft eine bauzeitliche Einfriedigung, bestehend aus Bruchsteinmauer mit genietetem Eisengitterzaun und 2 Toren zwischen Bruchsteinmauerwerkspfeilern mit profilierter Werksteinbekrönung."[4]
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1914 (Knabenbürgerschule); Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener.[5]
1916 (Knabenbürgerschule); Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener; Anna Ebertheld, Kontoristin.[6]
1918 Neue Knabenbürgerschule; Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener; Anna Ebertheld, Kontoristin.[7]
1920 Neue Knabenbürgerschule; Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener.[8]
1923 Neue Knabenbürgerschule; Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener; Frl. Ebertheld, Kontoristin.[9]
1925 Neue Knabenbürgerschule; Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Schuldiener; Ebertheld, Stenotypistin.[10]
1926 Eigentümerin: Stadt Detmold, Neue Knabenbürgerschule; Bewohner*innen: Ernst Ebertheld, Oberamtsgehilfe; Anna Ebertheld, Stenotypistin.[11]
Literatur
Quellen
LAV NRW OWL, L 80.21 / Regierung/Landesregierung Lippe - Schulabteilung (Konsistorium), Nr. 4111: Schul(visitations)berichte der Schule zu Detmold (Knabenschule), 1918-1933.
LAV NRW OWL, L 80.21 / Regierung/Landesregierung Lippe - Schulabteilung (Konsistorium), Nr. 4240: Anstellung von Schuldienern (Hausmeistern), 1912-1947, enthält u. a.: Schuldiener Heinrich Hinrichs an der Knabenschule Detmold, 1933/35.
LAV NRW OWL, L 80.21 / Regierung/Landesregierung Lippe - Schulabteilung (Konsistorium), Nr. 3415: Erweiterung und Neubau der Knabenschule zu Detmold, 1929-1936, darin: Baurisse.
LAV NRW OWL, D 72 Richter / Nachlass Friedrich Richter, Nr. 40: Bürgerschule Detmold, 1862-1955.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914, S. 54.
- ↑ Georg Wegemann, Das Alter der Detmolder Wohnhäuser, Typoskript, Detmold 1957 (häufig mit ungenauen oder falschen Datierungen).
- ↑ Stadt Detmold, Untere Denkmalbehörde, Denkmalkartei.
- ↑ Stadt Detmold, Untere Denkmalbehörde, Denkmalkartei.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914, S. 54.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1916, S. 103.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918, S. 70.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1920, S. 111.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1923, S. 65.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1925, S. 181.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 226.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 30.05.2026 von Joachim Kleinmanns
Letzte Änderung am: 30.05.2026 von Joachim Kleinmanns