Bülowstraße 48 (Detmold)
| Bülowstraße 48 (Detmold) | |
|---|---|
| Ortsteil | Detmold (Kernstadt) |
| Straße | Bülowstraße (Detmold) |
| Hausnummer | 48 |
| Karte | |
| Quartiersnummer | C 300 |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Detmold |
| Straße | Allee (Detmold) |
| Hausnummer | 014.1 |
Eine im Jahr 1899 gegründete Hausstätte. Alte Quartiersnummer C 300. Die Hausstätte wurde ehemals auch als Allee 14 (bis 1909 14,1), später Allee 31 geführt.[1]
Geschichte
Bis 1899 war das Baugrundstück das heute unter der Adresse Bülowstraße 48 bekannt ist unbebaut. Das hatte einen nachvollziehbaren Grund. Das Baugrundstück ist Teil einer steil zum Knochenbach abfallenden und nach Südosten ausgerichteten Hanglage. Hanglage und eine unzureichende Wegeerschließung verhinderten zunächst eine Bebauung.
Die Hanglage trug die Flurbezeichnung "Weinberg". Zum Zeitpunkt der Katasteraufnahme 1883 war der Steilhang - wie noch heute - bewaldet. Der ursprüngliche Beiname "Villa Waldheim" für das 1899 erbaute Haus (heute: Bülowstraße 48) verweist noch auf den Standort im Wald.
1883 standen die Flächen des "Weinbergs" im Eigentum der Personen "Volger" und "Holz". Sie werden im Urkataster als "Partikuliere" bezeichnet, d.h. sie gingen keinem Erwerb nach und lebten von ihren Renten und Kapitalien. Der Eigentümer "Holz" hatte auf seinem Grundstück im südlichen Teil des "Weinbergs" bereits um 1875 ein villenartiges Wohnhaus (ehem. Allee 15) errichtet. Es stand auf einem kleinen künstlich geschaffenen Plateau am Hang oberhalb des Knochenbaches im Wald und war über einen Privatweg mit Zugang bei der "Oberen Mühle" zu erreichen. Weg und Toreinfahrt sind bei der Brücke über den Knochenbach erhalten. Vom früheren Haus Allee 15 existieren dagegen nur noch geringe Ruinenreste.
Die zunächst noch unbebaute nördliche Steilhangfläche des "Weinbergs" - ehemals Eigentum "Volger" - war zum Ende des 19. Jhdts. nur von oben, d.h. vom "Hiddeser Berg" aus über einen in den Wald führenden Stichweg zu erreichen. Der Stichweg bildet bis heute die Hauptzufahrt zum Haus Bülowstraße 48. Der Weg blieb lange namenlos und zweigte laut Urkataster von 1883 zunächst von der Brahmsstraße ab, die damals einzige Wegeverbindung von der Detmolder Innenstadt hinauf zum "Hiddeser Berg". Die Bülowstraße entstand erst 1910.
Im Jahre 1889 hatte es einen neuen Impuls zur Weiterentwicklung der südlichen Stadtquartiere von Detmold gegeben. Der Stadtrat reagierte auf das zunehmende Wachstum der Einwohnerzahlen und genehmigte erstmals die Bebauung der Fläche "Hiddeser Berg" - also der ersten Hangterrasse auf dem Höhenzug des Teutoburger Waldes. Damit waren zugleich die Weichen für eine Bebauung des "Weinbergs" als Randlage zum "Hiddeser Berg" gestellt - zumindest in dem Umfang, als das schwierige, steil abfallende Hanggelände eine Bebauung überhaupt zuließ.
Im Jahr 1898/99 erwarb ein "Fräulein Julie Hartung aus Dortmund" ein Grundstück im Weinberg von dem Rentner Ostermann (Besitznachfolger von Volger), um darauf ein Wohnhaus zu erbauen. Das gekaufte Grundstück erstreckte sich als ca. 20m breiter Geländestreifen vom erwähnten Stichweg bis hinunter zum Ufer des Knochenbaches. Die Planung von 1899 sah die Bebauung mit dem Haus im oberen Hangdrittel vor - d.h. mit einer Fahrweg-Erschließung über den noch namenlosen Stichweg.
16.12.1898 Baugenehmigung durch den Magistrat der Stadt Detmold. 1898 bis 1900 Plan- und Bauzeit des Hauses. Bauherrin: Fräulein Julie Hartung. Hausadresse: Alleestraße 14. 09.11.1901 Antrag von Frau Julie Hartung an die fürstliche Fideikommiss-Verwaltung zur Erlaubnis des Baus einer eigenen Brücke
über den Knochenbach für eine bessere Verbindung des Grundstückes an die Innenstadt. Das Gesuch wird zunächst abge-
lehnt, wegen der "Beeinträchtigung der landschaftlichen Schönheit" der Promenade. Im zweiten Anlauf wird die Er-
laubnis erteilt. Im Gesuchsantrag vom 9.11.1901 wird auch der Erwerb des Baugrundstückes im Jahre 1898 noch einmal
rekapituliert: "... im Jahre 1898 hat ein Fräulein Hartung von dem Renter Ostermann am Weinberg bei Detmold eine
Waldparzelle erworben, die zwischen der Besitzung des Verkäufers und des Rentners Harkort belegen, an den Knochen-
bach grenzt, und sich darauf eine Villa erbaut."
Gebäude
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1898 Erwerb des Baugrundstückes durch "Fräulein Julie Hartung aus Dortmund" und Erteilung der Bauerlaubnis (16.12.1898)
1901 Julie Hartung, Rentnerin; Anna Böhme, Lehrerin.[2]
1904 Julie Hartung, Rentnerin; Anna Böhme, Lehrerin.[3]
1909 Hartung, Rentnerin.[4]
1912 Hartung, Rentnerin; Böhme, Fräulein.[5]
1914 Julie Hartung, Rentnerin; Wilhelm Hartung, Referendar a. D.[6]
1916 Julie Hartung, Rentnerin.[7]
1918 Frl. Julie Hartung, Rentnerin.[8]
1920 Eigentümer: Gymnasialdirektor Gregorius; Bewohnerinnen: Julie Hartung, Rentnerin; Blaß, Direktors-Witwe.[9]
1923 Eigentümer: Gymnasialdirektor Gregorius; Bewohnerinnen: Julie Hartung, Rentnerin; Blaß, Direktors-Witwe; Charlotte Austmann, Frl.[10]
1925 Dr. Adolf Gregorius, Gymnasialdirektor; Julie Hartung, Rentnerin.[11]
1926 Dr. Adolf Gregorius, Gymnasialdirektor; Julie Hartung, Rentnerin.[12]
1934 Dr. Adolf Gregorius (im Ruhestand); Julie Hartung, Rentnerin.
1952 Eigentümer: Erben Gregorius. Bewohnt von: Martha Lamberg (Erbin), Apotheker Helmuth Pelz, Mattenflechter Bruno Seidler.
Literatur
Quellen
StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ StadtA Detmold, DT Manuskripte Nr. 19: Ingeborg Kittel (bearb.), Detmolder Häuserbuch.
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold. 6. Aufl., Detmold 1904.
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1909.
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1912.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1916.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1920.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1923.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1925.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926.
Autor*innen
Hubertus Michels, Joachim Kleinmanns
Seitenhistorie
Seite erstellt am 11.10.2024 von Nils Lienenlüke
Letzte Änderung am: 23.07.2026 von Hubertus Michels