Wittekindstraße 26b (Detmold)
| Wittekindstraße 26b (Detmold) | |
|---|---|
| Ortsteil | Detmold (Kernstadt) |
| Straße | Wittekindstraße (Detmold) |
| Hausnummer | 26b |
| Karte | |
| Quartiersnummer | D 405 |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Detmold |
| Straße | Wittekindstraße |
| Hausnummer | - |
| Ergänzte Hausnummer | 030 |
Städtischer Schlachthof, 1896 gegründet, Quartiernummer D 405.[1] 1901 erstmals im Adressbuch, bis 1904 noch ohne Hausnummer, 1909–1925 Haus-Nr. 30, ab 1926 Nr. 28, heute Nr. 26b.
Geschichte
Der Städtische Schlachthof wurde 1896 gegründet. Schon 1888 waren erste Pläne ausgearbeitet worden, aber die Ausführung unterblieben.[2] Die Fürstl. Regierung hatte 1895 zunächst die Erlaubnis versagt.[3]
Der Bau des Hauptgebäudes wurde am 19. August 1895 begonnen, vollendet war die Gesamtanlage am 28. November 1896. Eröffnung war am 2.12.1896. Städtebauliche Planung Stadtbaumeister Rülle, äußere Gestaltung Architekt Stein Bauleitung Architekt Hermann Keim/Berlin mit der im Bau von Schlachthäusern erfahrenen Firma Beck und Henkel in Kassel.[4]
Anstellung von Inspektor (Tierarzt), Hallenmeister und Heizer.[5] Aufstellung eines Dampfkessels, elektrische Beleuchtung.[6] Schlachthofinspektor wurde der Tierarzt Erich Beiß aus Magdeburg, Hallenmeister der Bierfahrer Karl Brüning aus Heidenoldendorf.[7]
1957-1959 umfassende Modernisierung, z. T. Neubau an der Nord- und Südseite des Geländes, dabei Abriss des Flügels mit dem Wasserturm. Ende der 1990er Jahre Aufgabe des Schlachtbetriebs und Konversion. 2003 Abriss der seitlichen Flügel.
Gebäude




Die Lippische Tageszeitung berichtete ausführlich: "Wir betreten den Schlachthof von der neu angelegten Fahrstraße von der Elisabethstraße aus, die bis zum Bahndamm später durch elektrisches Licht erhellt wird. Das erste große Gebäude, erbaut von Herrn Maurermeister König, ist eingetheilt in eine große Schlachthalle für Rind-Vieh und eine Schlachthalle für Schweine und Nebenräume. In der Schlachthalle für Rindvieh befinden sich 4 eiserne Winden, welche das geschlachtete Vieh in 10 dafür bereitstehende eiserne Wagen heben, welche dasselbe in den daran stoßenden Vorkühlraum führen. Zwischen der Schlachthalle für Groß-Vieh und Vorkühlraum befindet sich eine eiserne Waage. Hinter dem Vorkühlraum ist ein Kühlhaus mit 16 Zellen zum Aufhängen des Fleisches angebracht. Sämmtliche Räume haben Betton-Fußboden. Ueber dem Vorkühlraum befindet sich der Thurm, der einen eisernen Wasser-Re¬servoir von 16 Kubikmeter Inhalt enthält und das Wasser in sämmtliche Hallen führt. Rechts neben dem Kühlhause ist die Schlachthalle für Schweine. Die geschlachteten Thiere werden hier mittelst eines frei stehenden Krahnes in den eisernen Brühbottich geführt und sodann durch 3 Lauf-Katzen (eiserne Wagen, welche auf T-Eisen laufen) zum Aufhängen transportirt. An die Schlachthalle für Schweine schließt eine Schweinestallung, welche 8 große eiserne Ställe aufweist. Sodann befindet sich noch hinter der Halle für das Groß-Vieh ein Raum für die Kaldaunen-Wäsche, hierzu sind 18 Wasch Gefäße mit eben soviel Wasch-Tischen mittelst eiserner Konsolen an den Wänden angebracht nebst 2 eisernen Kaldaunen-Bottiche für heißes Wasser. Das Kesselhaus mit einem Dampfkessel ist im ersten Gebäude angelegt, der eine Heizfläche von 20 Quadratmeter hat, gleich Schlachtballe für Großvieh befindet sich zugleich der Schlachtraum für Klein-Vieh. Auch in diesem Raum ist eine Lauf-Katze auf T-Eisen angebracht. Das daneben liegende stattliche Inspektor-Haus, von den Herren Maurermeister Danjes und Köller errichtet, hat eine Größe von 150 Quadratmeter und besteht aus einem Kellerraum, worin sich ein Versammlungsraum der Schlachtergesellen befindet und 2 Etagen. In der 1. Etage ist ein Versammlungszimmer für die Schlachtermeister und die betreffenden Bureaus, die II. Etage ist für die Inspektor-Wohnung bestimmt. Auf dem Schlachthofe befindet sich sodann noch ein von Herrn Maurermeister Danjes erbautes Remisengebäude, 315 qm."[8]
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1901 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Inspektor; Carl Brüning, Hallenmeister; Christ. Windt, Maschinist.[9]
1904 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Inspektor; Carl Brüning, Hallenmeister; Christ. Windt, Maschinist.[10]
1909 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Beiß, Schlachthof-Inspektor; Wind, Maschinist; Meierjohann, Arbeiter; Niewald, Hallenmeister.[11]
1912 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Beiß, Inspektor; Niewald, Hallenmeister; Windt, Maschinenmeister.[12]
1914 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Inspektor; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[13]
1916 Eigentümerin: Stadt Detmold, Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Inspektor; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[14]
1918 Eigentümerin: Stadt Detmold, Städt. Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Inspektor; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[15]
1920 Eigentümerin: Stadt Detmold, Städt. Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Inspektor; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[16]
1923 Eigentümerin: Stadt Detmold, Städt. Schlachthof; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Inspektor; Ernst Kuhlmann, Buchhalter; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[17]
1925 Eigentümerin: Stadt Detmold; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Direktor; Ernst Kuhlmann, Buchhalter; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Maschinenmeister.[18]
1926 Eigentümerin: Stadt Detmold; Bewohner*innen: Erich Beiß, Schlachthof-Direktor; Ernst Kuhlmann, Buchhalter; Wilhelm Niewald, Hallenmeister; Christian Windt, Ober-Maschinenmeister.[19]
Literatur
Vorschriften betreffend den städtischen Schlachthof zu Detmold, Detmold 1896 (LLB: 18an:LE 92)
Quellen
LAV NRW OWL, L 80.16 / Regierung/Landesregierung Lippe - Wirtschaftsabteilung, Nr. 398: Errichtung eines städtischen Schlachthofes zu Detmold, 1888-1917, 1888-1895, 1917
LAV NRW OWL, L 80.16 / Regierung/Landesregierung Lippe - Wirtschaftsabteilung, Nr. 399: Dienstbetrieb des städtischen Schlachthofs zu Detmold, 1896-1937, enthält: Vorschriften (1896), gedruckt; Orts- und Polizeiverordnungen; Trichenschau auf dem Schlachthof; Einführung- und Aufhebung des Schlachtzwanges, 1896 bzw. 1919; Gebührentarife; Regulativ für die Untersuchung des von außerhalb eingebrachten frischen Fleisches, 1896.
LAV NRW OWL, L 80.16 / Regierung/Landesregierung Lippe - Wirtschaftsabteilung, Nr. 400: Dienstbetrieb des städtischen Schlachthofs zu Detmold, 1897-1946, 1897-1920, 1936, 1946.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/16723 : Lageplan von Kläranlage, Gasanstalt und Schlachthof in Detmold, [1925].
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 5/6346: Plan für einen Erweiterungsbau des städtischen Schlachthofs Detmold, 1955.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/18288: Bestandszeichnung des städtischen Schlachthofs Detmold, 1959.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/18289:: Bestandszeichnung des städtischen Schlachthofs Detmold, 1959.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/18290: Kanalisationsplan des städtischen Schlachthofs Detmold, 1959.
LLB, BA-DT-20-22 bis 20-29: Fotos, vorwiegend Innenaufnahmen um 1950, auch Neubau um 1960.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Georg Wegemann, Das Alter der Detmolder Wohnhäuser, Typoskript, Detmold 1957 (häufig mit ungenauen oder falschen Datierungen).
- ↑ Lippische Landes-Zeitung Nr. 35 (11.2.1895).
- ↑ Lippische Landes-Zeitung, Nr. 34 (9.2.1895).
- ↑ Lippisches Volksblatt, 21. Jg. Nr. 284, (3.12.1896)
- ↑ Lippische Landes-Zeitung, Nr. 130 (5.6.1896).
- ↑ Lippische Tageszeitung, 1. Jg. Nr. 155 (30.10.1896).
- ↑ Lippisches Volksblatt, 21. Jg. Nr. 197 (22.8.1896).
- ↑ Lippische Tageszeitung, 1. Jg. Nr. 125 (25.9.1896).
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 46.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold, 6. Auflage, Detmold 1904, S. 79.
- ↑ Adreß- und Geschäftshandbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1909, S. 34.
- ↑ Adreß- und Geschäftshandbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1912, S. 39.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914, S. 62.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1916, S. 111.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918, S. 81.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1920, S. 121.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1923, S. 76.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1925, S. 195.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 236.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 26.05.2026 von Joachim Kleinmanns
Letzte Änderung am: 26.05.2026 von Joachim Kleinmanns