Hiddentruper Straße 15 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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}}An diesem Platz stand ursprünglich die Leibzucht des Hofes Hanning Nr. 6 (1870/71 abgetragen), dann das Neuwohnerhaus Fritz Meier Nr. 72 (in den 1870er Jahren gebaut), welches durch Verkauf 1919/20 zur Stätte Brockmann Nr. 10 wurde.
}}An diesem Platz stand ursprünglich das Leibzuchtshaus des Hofes Hanning Nr. 6 (1870/71 abgetragen), dann das Neuwohnerhaus Fritz Meier Nr. 72 (in den späten 1870er Jahren gebaut), welches durch Verkauf 1920 zur Stätte Brokmann (vordem Nr. 10) wurde.


==Geschichte==
==Geschichte==
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Der Anfang dieser Stätte wird im letzten Salbuch von 1855 wie folgt beschrieben: <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 131, S. 1805</ref> '''''N. 72 Meier, Friedrich''', hat vom Colonate N. 6 den Grund und Boden dieser Stätte angekauft und besitzt: 1. Ein Wohnhaus, 2. Hofraum, 3. Land auf dem Amelkampe und Broke  5 Schl., 4. Gehölz auf der Mesche 4 Metzen, hat die dingliche Berechtigung der Mitbenutzung eines über den Hanningschen Hof neu angelegten Weges. Eingetr. 10. Juni 1876.''
 
Fritz Meier, ein 37-jähriger Einlieger und Ziegelmeister aus Stapelage, dessen Ehefrau gerade das vierte Kind erwartet, greift im Frühjahr 1876 wie andere auch beim Verkauf des aufgeteilten Hofes Hanning zu. Er kauft u. a. den an der Hiddentruper Straße gelegenen Teil des Hanningschen Hofraumes, auf dem bis wenige Jahre zuvor das Leibzuchtshaus des Hofes gestanden hat (vgl. Hörste Nr. 6), und baut dort das Haus seiner Neuwohnerstätte Nr. 72. Ende 1878 kauft er weitere 2 Scheffelsaat Land von seinem Schwager Gottlieb Brokmann.
 
Das Ehepaar Meier hat schließlich acht Kinder  -  sieben Töchter und einen Sohn, von denen keines in Hörste bleibt. Die Eheleute sterben 1908 und 1911 bei einer ihrer Töchter in Schötmar. 1913 wird ihre Stätte von der Erbengemeinschaft/den Kindern für 11 000 Mark an den Ehemann der ältesten Tochter, Gottlieb Fillies, einen von Hörste Nr. 53 stammenden und in Bochum lebenden Ziegelmeister, verkauft. Die Wohnorte der Kinder im Jahre 1913 (Bochum, Detmold, 2 x Berlin-Pankow, Schötmar, 2 x Zehdenick in Brandenburg, Köln) verdeutlichen, dass auch vor hundert Jahren Kinder durchaus andere Wege als ihre Eltern eingeschlagen haben.<ref>LAV NRW OWL, D 23 (Detmold) Hörste Bd. 2 Bl. 23 bzw. 53, S. 40f</ref> Ziegeleien und öffentlicher Dienst sind die Berufsfelder der Kinder-Generation, keines von ihnen lebt auf einer Stätte und betreibt Kleinlandwirtschaft.
 
Die Eheleute Fillies leben weiter in Bochum und vermieten das Haus in Hörste Nr. 72 an Paul Stawicki, einen Weichensteller a. D., der aus dem damals schwarzen Ruhrgebiet in das schöne Hörste zieht und noch 1925 dort lebt. 1920 verkauft Gottlieb Fillies die Stätte Nr. 72 an den Nachbarn dort gegenüber auf Nr. 10 und neuerdings auch nebenan auf Nr. 6, Landwirt August Brokmann. Der Kaufpreis beträgt 19 000 Mark. Der Käufer August Brokmann ist  ein Vetter von des Verkäufers Ehefrau Emilie Fillies, geb. Meyer.
 
Im Februar 1929 schließen die Eheleute August und Emilie Brokmann mit ihren beiden ältesten Söhnen einen umfassenden Abtretungsvertrag mit detaillierter Leibzuchtsregelung.<ref>LAV NRW OWL, D 23 (Detmold) Hörste Bd. 2 Bl. 23 bzw. 53, S. 78f</ref>  Danach erhalten die abtretenden Eheleute  -  bisher wohnhaft auf Nr. 6  -  ''ein Wohnungrecht auf der Stätte Nr. 72. Der Anerbe ist verpflichtet, die Gebäude auf Nr. 72 zu unterhalten und gegen Feuersgefahr zu versichern.''
[[Datei:Nr. 72 Ostgiebel.jpg|mini|Hörste Nr. 72, Ostgiebel mit Rundbogentür, 2017, Foto: Dr. Horst Wissbrock  ]]
==Gebäude==
==Gebäude==
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Das äußerlich wenig veränderte Haus Hörste Nr. 72 fällt durch zweierlei Bauart auf: Auf Ost- und Nordseite sind die Außenwände  -  inclusive Rundbogentür – in Fachwerkbauweise ausgeführt, auf Süd- und Westseite dagegen bestehen die Außenmauern erkennbar aus massivem Ziegelmauerwerk.
==Inschriften==
==Inschriften==
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In das Haus wurde der Torbalken des Vorgängerbaus an gleicher Stelle (Leibzucht Hanning, Hörste Nr. 6, um 1871 abgerissen) eingebaut.
 
Auf dem rechten Ständer befindet sich noch (blaues Emailleschild mit weißer Schrift) die alte Hausnummer '''72'''.
 
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
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1876 – 1908  Friedrich Adolf (Fritz) Meyer (1839 – 1908), Ziegler/Ziegelmeister, ∞ 1869 Auguste Karoline Brokmann (1846 – 1911) von Hörste Nr. 10
 
Kinder:
 
• Emilie Auguste, * 1870, ∞ 1892 Gottlieb August Fillies (1864 – 1924) von Hörste Nr. 53 (1913 Ziegelmeister in Bochum), † 1923 in Bochum
 
• Henriette, * 1872, ∞ 1xxx Christoph Hambusch (1913 Oberpostschaffner in Detmold)
 
• Auguste Johanne, * 1874, ∞ 1xxx Franz Backschat (1913 Stadtsekretär in Berlin-Pankow)
• Pauline Wilhelmine, * 1876, ∞ 1899 Friedrich Wilhelm Klarholz aus Stapelage (1913 Ziegelmeister in Berlin-Pankow)
 
• Helene Johanne Juliane, * 1879, ∞ 1xxx NNm Voß (sie lebt 1913 in Schötmar)
 
• Hermine, * 1881 (1913 unverheiratet in Zehdenick/Brandenburg)
 
• Helene Anna, * 1883, ∞ 1xxx Julius Riesenberg aus Hörste (1913 Ziegelmeister in Zehdenick/Brandenburg)
 
• Fritz, * 188x (1913 Postassistent in Köln)
 
 
1913 – 1920  (Eigentümer durch Kauf von Erbengemeinschaft) Gottlieb August Fillies (1864 – 1924), 1913 wohnhaft in Bochum
 
 
ca. 1913 – ca. 1929 (Bewohner als Mieter) Paul Stawicki, Weichensteller a. D. aus Essen
 
 
1920 – 1929 (Eigentümer durch Kauf) Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 6
 
 
ab 1929 (Bewohner als Leibzüchter) Landwirt August Brokmann u. Ehefrau Emilie, geb. Prüßner
 
==Literatur==
==Literatur==
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Autor*innen==
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Aktuelle Version vom 30. April 2026, 09:26 Uhr

Hiddentruper Straße 15 (Hörste)
OrtsteilHörste
StraßeHiddentruper Straße (Hörste)
Hausnummer15
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHörste
Hausnummer072

An diesem Platz stand ursprünglich das Leibzuchtshaus des Hofes Hanning Nr. 6 (1870/71 abgetragen), dann das Neuwohnerhaus Fritz Meier Nr. 72 (in den späten 1870er Jahren gebaut), welches durch Verkauf 1920 zur Stätte Brokmann (vordem Nr. 10) wurde.

Geschichte

Der Anfang dieser Stätte wird im letzten Salbuch von 1855 wie folgt beschrieben: [1] N. 72 Meier, Friedrich, hat vom Colonate N. 6 den Grund und Boden dieser Stätte angekauft und besitzt: 1. Ein Wohnhaus, 2. Hofraum, 3. Land auf dem Amelkampe und Broke 5 Schl., 4. Gehölz auf der Mesche 4 Metzen, hat die dingliche Berechtigung der Mitbenutzung eines über den Hanningschen Hof neu angelegten Weges. Eingetr. 10. Juni 1876.

Fritz Meier, ein 37-jähriger Einlieger und Ziegelmeister aus Stapelage, dessen Ehefrau gerade das vierte Kind erwartet, greift im Frühjahr 1876 wie andere auch beim Verkauf des aufgeteilten Hofes Hanning zu. Er kauft u. a. den an der Hiddentruper Straße gelegenen Teil des Hanningschen Hofraumes, auf dem bis wenige Jahre zuvor das Leibzuchtshaus des Hofes gestanden hat (vgl. Hörste Nr. 6), und baut dort das Haus seiner Neuwohnerstätte Nr. 72. Ende 1878 kauft er weitere 2 Scheffelsaat Land von seinem Schwager Gottlieb Brokmann.

Das Ehepaar Meier hat schließlich acht Kinder - sieben Töchter und einen Sohn, von denen keines in Hörste bleibt. Die Eheleute sterben 1908 und 1911 bei einer ihrer Töchter in Schötmar. 1913 wird ihre Stätte von der Erbengemeinschaft/den Kindern für 11 000 Mark an den Ehemann der ältesten Tochter, Gottlieb Fillies, einen von Hörste Nr. 53 stammenden und in Bochum lebenden Ziegelmeister, verkauft. Die Wohnorte der Kinder im Jahre 1913 (Bochum, Detmold, 2 x Berlin-Pankow, Schötmar, 2 x Zehdenick in Brandenburg, Köln) verdeutlichen, dass auch vor hundert Jahren Kinder durchaus andere Wege als ihre Eltern eingeschlagen haben.[2] Ziegeleien und öffentlicher Dienst sind die Berufsfelder der Kinder-Generation, keines von ihnen lebt auf einer Stätte und betreibt Kleinlandwirtschaft.

Die Eheleute Fillies leben weiter in Bochum und vermieten das Haus in Hörste Nr. 72 an Paul Stawicki, einen Weichensteller a. D., der aus dem damals schwarzen Ruhrgebiet in das schöne Hörste zieht und noch 1925 dort lebt. 1920 verkauft Gottlieb Fillies die Stätte Nr. 72 an den Nachbarn dort gegenüber auf Nr. 10 und neuerdings auch nebenan auf Nr. 6, Landwirt August Brokmann. Der Kaufpreis beträgt 19 000 Mark. Der Käufer August Brokmann ist ein Vetter von des Verkäufers Ehefrau Emilie Fillies, geb. Meyer.

Im Februar 1929 schließen die Eheleute August und Emilie Brokmann mit ihren beiden ältesten Söhnen einen umfassenden Abtretungsvertrag mit detaillierter Leibzuchtsregelung.[3] Danach erhalten die abtretenden Eheleute - bisher wohnhaft auf Nr. 6 - ein Wohnungrecht auf der Stätte Nr. 72. Der Anerbe ist verpflichtet, die Gebäude auf Nr. 72 zu unterhalten und gegen Feuersgefahr zu versichern.

Hörste Nr. 72, Ostgiebel mit Rundbogentür, 2017, Foto: Dr. Horst Wissbrock

Gebäude

Das äußerlich wenig veränderte Haus Hörste Nr. 72 fällt durch zweierlei Bauart auf: Auf Ost- und Nordseite sind die Außenwände - inclusive Rundbogentür – in Fachwerkbauweise ausgeführt, auf Süd- und Westseite dagegen bestehen die Außenmauern erkennbar aus massivem Ziegelmauerwerk.

Inschriften

In das Haus wurde der Torbalken des Vorgängerbaus an gleicher Stelle (Leibzucht Hanning, Hörste Nr. 6, um 1871 abgerissen) eingebaut.

Auf dem rechten Ständer befindet sich noch (blaues Emailleschild mit weißer Schrift) die alte Hausnummer 72.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

1876 – 1908 Friedrich Adolf (Fritz) Meyer (1839 – 1908), Ziegler/Ziegelmeister, ∞ 1869 Auguste Karoline Brokmann (1846 – 1911) von Hörste Nr. 10

Kinder:

• Emilie Auguste, * 1870, ∞ 1892 Gottlieb August Fillies (1864 – 1924) von Hörste Nr. 53 (1913 Ziegelmeister in Bochum), † 1923 in Bochum

• Henriette, * 1872, ∞ 1xxx Christoph Hambusch (1913 Oberpostschaffner in Detmold)

• Auguste Johanne, * 1874, ∞ 1xxx Franz Backschat (1913 Stadtsekretär in Berlin-Pankow)

• Pauline Wilhelmine, * 1876, ∞ 1899 Friedrich Wilhelm Klarholz aus Stapelage (1913 Ziegelmeister in Berlin-Pankow)

• Helene Johanne Juliane, * 1879, ∞ 1xxx NNm Voß (sie lebt 1913 in Schötmar)

• Hermine, * 1881 (1913 unverheiratet in Zehdenick/Brandenburg)

• Helene Anna, * 1883, ∞ 1xxx Julius Riesenberg aus Hörste (1913 Ziegelmeister in Zehdenick/Brandenburg)

• Fritz, * 188x (1913 Postassistent in Köln)


1913 – 1920 (Eigentümer durch Kauf von Erbengemeinschaft) Gottlieb August Fillies (1864 – 1924), 1913 wohnhaft in Bochum


ca. 1913 – ca. 1929 (Bewohner als Mieter) Paul Stawicki, Weichensteller a. D. aus Essen


1920 – 1929 (Eigentümer durch Kauf) Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 6


ab 1929 (Bewohner als Leibzüchter) Landwirt August Brokmann u. Ehefrau Emilie, geb. Prüßner

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 131, S. 1805
  2. LAV NRW OWL, D 23 (Detmold) Hörste Bd. 2 Bl. 23 bzw. 53, S. 40f
  3. LAV NRW OWL, D 23 (Detmold) Hörste Bd. 2 Bl. 23 bzw. 53, S. 78f

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

Seitenhistorie

Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 30.04.2026 von Dr. Horst Wissbrock