Nordstraße 9 (Horn): Unterschied zwischen den Versionen

Joachim Kleinmanns (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Joachim Kleinmanns (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(2 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 8: Zeile 8:
|Straße1901=Nordstraße
|Straße1901=Nordstraße
|Hausnummer1901=270
|Hausnummer1901=270
}}1579 erbaut. Bei Vergabe der Hausnummern 1819 erhielt die Stätte die Hausnummer 270.
}}1579 erbaut, ältestes Fachwerkhaus in Horn. Bei Vergabe der Hausnummern 1819 erhielt die Stätte die Hausnummer 270.
==Geschichte==
==Geschichte==
1579 erbaut von Peter Steffen [i]. Er war zwischen 1566 und 1587 mehrfach im Stadtrat vertreten, und ab 1589 bezog seine Witwe Ilse eine Rente aus der städtischen Kasse.
1579 erbaut von Peter Steffen [i]. Er war zwischen 1566 und 1587 mehrfach im Stadtrat vertreten, und ab 1589 bezog seine Witwe Ilse eine Rente aus der städtischen Kasse.<ref>{{LindeHorn1999}}.</ref>


Am 25.11.1780 verunglückte Johann Christoph Heitheckermit einem Wagen in der Nähe des [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Gutes Hornoldendorf]] wobei der Schäfer Johann Henrich Köller zu Tode kam. Johann Christoph floh daraufhin außer Landes. Seine Eltern richteten Bittschriften an den Grafen, ob ihr Sohn freien Fußes vor Gericht erscheinen dürfe, wenn er zurückkehre. Am 4.1.1803 ist er im Alter von 42 Jahren in Horn verstorben, also nach Hause zurückgekehrt.
Am 25.11.1780 verunglückte Johann Christoph Heithecker mit einem Wagen in der Nähe des [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Gutes Hornoldendorf]] wobei der Schäfer Johann Henrich Köller zu Tode kam.<ref>LAV NRW OWL, L 86 / Lippisches Kriminalgericht, Nr. 1423, 1780: Todesfall Johann Henrich Köller.
</ref> Johann Christoph floh daraufhin außer Landes. Seine Eltern richteten Bittschriften an den Grafen, ob ihr Sohn freien Fußes vor Gericht erscheinen dürfe, wenn er zurückkehre.<ref>LAV NRW OWL, L 86 / Lippisches Kriminalgericht, Nr. 2034 a: Bittschreiben im Fall Heithecker.</ref> Am 4.1.1803 ist er im Alter von 42 Jahren in Horn verstorben, also nach Hause zurückgekehrt.


1853 Kombination von Metzgerei und Gaststätte, bis in die 2. Hälfte des 20. Jh.
1853 Kombination von Metzgerei und Gaststätte, bis in die 2. Hälfte des 20. Jh.


8.10.1882 Vergiftung der Witwe Kruse, ein Sohn wurde zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt und 1908 begnadigt, seine Schuld ist fraglich.
8.10.1882 Vergiftung der Witwe Kruse, ein Sohn wurde zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt und 1908 begnadigt, seine Schuld ist fraglich.<ref>LAV NRW OWL, D 21 B / Staatsanwaltschaft Detmold, 1879-2007: Zug. 43/1954 Nr. 1 (Mordfall Kruse).</ref>


1953–1955 Freilegung der Fachwerkfassade.
1953–1955 Freilegung der Fachwerkfassade.
 
Am 16.1.1984 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Horn-Bad Meinberg eingetragen, Nr. 01.13.
==Gebäude==
==Gebäude==
[[Datei:HBM-Horn-Nordtstr9_c1900.jpg|thumb|Nordstraße 9, um 1900, Foto: Archiv Thies]]
[[File:Horn - 01.13 - Nordstr. 9.jpg|thumb|Nordstraße 9, Foto: Tsungam, 2012]]
[[Datei:Horn Nordstraße 9 LLB BA TB-14-20 001-huge.png|thumb|Nordstraße 9, Foto: Friedrich Pahmeier, um 1970 (LLB, BA TB 14-20)]]
Zweischiffiges Fachwerkhaus, hohe Diele, 18./19. Jh. (1775?) Umbau zum Flurhaus, Querdeelenanbau links. Zierschnitzereien, besonders Fächerrosetten (Weserrenaissance). 2. Hälfte 19. Jh. (1865?) Besenwurf-Putz auf der Fassade; 1865 Anhebung des Versicherungswertes im Brandkataster von 1.625 auf 2.200 Taler, wohl aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten.<ref>Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. 54: Brandkatasterbücher, 1858-1893.</ref>


[[Datei:Horn Nordstraße 9 LLB BA TB-14-20 001-huge.png|thumb|Haus Nordstraße 9 um 1970. Foto: Friedrich Pahmeier. LLB BA TB 14-20]]
==Inschriften==
Zweischiffiges Fachwerkhaus, hohe Diele, 18./19. Jh. (1775?) Umbau zum Flurhaus, Deelenanbau links. Zierschnitzereien, besonders Fächerrosetten (Weserrenaissance). 2. Hälfte 19. Jh. (1865?) Besenwurf-Putz auf der Fassade; 1865 Anhebung des Versicherungswertes im Brandkataster von 1.625 auf 2.200 Taler, wohl aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten.
Auf der Giebelschwelle niederdeutsche Inschrift: "Im dusent vyff hundert negen undt seventichstenn Jaer alse Speckes genoech war heft Peter Steffen dith Huß gebauweth des sy Godt der Almechtige geloweth" (Im 1579. Jahr, als es Speck genug gab, hat Peter Steffen dieses Haus gebaut, dafür sei Gott der Allmächtige gelobt).


==Inschriften==
Giebelschwelle in Kehlbalkenlage: "Erbaut 1579 - Wiederhergestellt 1955".
Niederdeutsche Inschrift: „Im dusent vyff hundert negen undt seventichstenn Jaer alse Speckes genoech war heft Peter Steffen dith Huß gebauweth des sy Godt der Almechtige geloweth" (Im 1579. Jahr, als es Speck genug gab, hat Peter Steffen dieses Haus gebaut, dafür sei Gott der Allmächtige gelobt").


Inschrift über dem Torbogen des seitlichen Anbaus: "Johan Ernst Heithecker und Anna Maria Henzen haben dieses Haus mit der Hülfe Gotes lasen repariren. Die mir nicht gönen und nicht geben müsen doch leiden dass ich lebe. Anno 1775 den 29. Aug."
Inschrift über dem Torbogen des seitlichen Anbaus: "Johan Ernst Heithecker und Anna Maria Henzen haben dieses Haus mit der Hülfe Gotes lasen repariren. Die mir nicht gönen und nicht geben müsen doch leiden dass ich lebe. Anno 1775 den 29. Aug."
Zeile 31: Zeile 37:
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==


1756/1760 Maria Henze (1739-1824), 1. Ehe 1756 mit Carl Ludwig Meyer († 1758), 2. Ehe 1760 mit Johann Ernst Heithecker (1734-1817), Kinder: 1760 Johann Christoph Heithecker 1762 Johann Carl († 1766). 1776 wohnte Johann Ernst und Maria Heithecker mit dem Sohn Johann Christoph und einer Magd im Haus, sie betrieben Ackerbau und besaßen vier Pferde, vier Kühe und zwei Schweine (Volkszählungsliste 1776).
1756/1760 Maria Henze (1739-1824), 1. Ehe 1756 mit Carl Ludwig Meyer († 1758), 2. Ehe 1760 mit Johann Ernst Heithecker (1734-1817), Kinder: 1760 Johann Christoph Heithecker 1762 Johann Carl († 1766). 1776 wohnte Johann Ernst und Maria Heithecker mit dem Sohn Johann Christoph und einer Magd im Haus, sie betrieben Ackerbau und besaßen vier Pferde, vier Kühe und zwei Schweine.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z / Lippische Rentkammer - Kammer- und Amtsrechnungen, Nr. 1447: Volkszählung, 1776, Nr. 37.</ref>


1824 Nach dem Tod der Witwe Heithecker 1824 erbte Schlossermeister Friedrich Weeke den Nachlass und veräußerte das Haus für 851 Taler an Amelung Geise, den Erbpächter der vormaligen Burgmeierei, der das Haus vermietete.  
1824 Nach dem Tod der Witwe Heithecker 1824 erbte Schlossermeister Friedrich Weeke den Nachlass und veräußerte das Haus für 851 Taler an Amelung Geise, den Erbpächter der vormaligen Burgmeierei, der das Haus vermietete.<ref>LAV NRW OWL, L 88 Horn / Stadtgericht Horn, Nr. 0 - Fach 5 Nr. - Band I: 18a. Verkauf des Wohnhauses an der Nordstraße und des Grundbesitzes durch die Universalerben der Witwe der Johann Ernst Heithecker, 1824.</ref>


1828 Bewohner: Pferdehändler Samuel Arensberg, 7 Personen.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z / Lippische Rentkammer - Kammer- und Amtsrechnungen, Nr. 1451: Volkszählungsliste 1828.</ref>, kaufte später das Haus Nr. 224 am Nordtor.  
1828 Bewohner: Pferdehändler Samuel Ahrensberg, 7 Personen.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z / Lippische Rentkammer - Kammer- und Amtsrechnungen, Nr. 1451: Volkszählungsliste 1828.</ref>, kaufte später das Haus Nr. 224 am Nordtor.


1853 Verkauf an den Metzger Hermann Conrad Ludwig Kruse (1818-1875) aus Loßbruch, hatte 1853 das Horner Bürgerrecht erworben und mit der Gastwirtstochter Sophie Luise Elisabeth Dreimann aus Schönemark (1831-1882) die Ehe geschlossen. 1853 Antrag an den Stadtrat und Genehmigung für den Betrieb einer Gastwirtschaft, v. a. für die Fuhrleute auf der Chausseebau von Steinheim nach Detmold.
1853 Verkauf an den Metzger Hermann Conrad Ludwig Kruse (1818-1875) aus Loßbruch, hatte 1853 das Horner Bürgerrecht erworben und mit der Gastwirtstochter Sophie Luise Elisabeth Dreimann aus Schönemark (1831-1882) die Ehe geschlossen. 1853 Antrag an den Stadtrat und Genehmigung für den Betrieb einer Gastwirtschaft, v. a. für die Fuhrleute auf der Chausseebau von Steinheim nach Detmold.<ref>Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. K 7 Stadt Horn (Stadt Horn), Nr. 1446: Die hiesigen Gastwirtschaften, Restaurationen und dergl., 1815-1929.</ref>


1889 Verkauf an Friedrich Schierenberg (1860-1942) und dessen Ehefrau Wilhelmine Vogt (1865-1951) aus Fissenknick.
1889 Verkauf an Friedrich Schierenberg (1860-1942) und dessen Ehefrau Wilhelmine Vogt (1865-1951) aus Fissenknick.
Zeile 45: Zeile 51:
1926 Nordstraße 270 Friedrich Schierenberg, Metzgermeister; Thies, Metzger.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 597</ref>
1926 Nordstraße 270 Friedrich Schierenberg, Metzgermeister; Thies, Metzger.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 597</ref>
==Literatur==
==Literatur==
Roland Linde, Horn. Nordstraße 9. Aus der Geschichte eines Fachwerkhauses von 1579, in: Heimatland Lippe, 92. Jg. Nr. 9 (Sept. 1999), S. 238-242.
{{LindeHorn1999}} [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/periodical/pageview/6140912 Digitalisat].
==Quellen==
==Quellen==
LAV NRW OWL, D 21 B / Staatsanwaltschaft Detmold, 1879-2007: Zug. 43/1954 Nr. 1 (Mordfall Kruse).
LAV NRW OWL, D 21 B / Staatsanwaltschaft Detmold, 1879-2007: Zug. 43/1954 Nr. 1 (Mordfall Kruse).
Zeile 67: Zeile 73:
Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. 54: Brandkatasterbücher, 1858-1893.
Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. 54: Brandkatasterbücher, 1858-1893.


Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. K 7 Stadt Horn (Stadt Horn), Nr. 1446: Die hiesigen Gastwirtschaften, Restaurationen und dergl., 1815-1929.
Kreisarchiv Lippe, K 7 Horn / Stadt Horn, Nr. K 7 Stadt Horn, Nr. 1446: Die hiesigen Gastwirtschaften, Restaurationen und dergl., 1815-1929.


==Weblinks==
==Weblinks==
[https://www.youtube.com/watch?v=HowHYzA5baw Film Fachbereich Medienproduktion TH OWL, 2023 (youtube)]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==