Kirchweg Kirche (Heiligenkirchen): Unterschied zwischen den Versionen
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Der romanische Rechteckchor wurde im 15. Jahrhundert abgebrochen und durch den heute noch vorhandenen größeren Chor ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbesakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten. | Der romanische Rechteckchor wurde im 15. Jahrhundert abgebrochen und durch den heute noch vorhandenen größeren Chor ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbesakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten. | ||
===Die | ===Die Hammersteinsche Gruft=== | ||
1663 wurde an der Nordseite des Langhauses, unmittelbar an den Chor anschließend, die Gruft der Familie von Hammerstein angebaut.<ref> Zur Familie von Hammerstein siehe LAV NRW OWL, L 52 Lippischer Adel, Nr. 104: v. Hammerstein, 1592–1757.</ref> 1614 hatte der lippische Rat Hans Adam von Hammerstein (1579–1653) | 1663 wurde an der Nordseite des Langhauses, unmittelbar an den Chor anschließend, die Gruft der Familie von Hammerstein angebaut.<ref> Zur Familie von Hammerstein siehe LAV NRW OWL, L 52 Lippischer Adel, Nr. 104: v. Hammerstein, 1592–1757.</ref> 1614 hatte der lippische Rat Hans Adam von Hammerstein (1579–1653) die 1610 von Graf Simon VI. gegründete herrschaftliche Meierei im benachbarten [[Hornoldendorf]] pfandweise übernommen, da der Graf bei Gesamtschulden von rund 700.000 Talern die 12.000 von Hammerstein geliehenen Taler nicht zurückzahlen konnte. Hammerstein saß hier bereits seit der Meiereigründung als Verwalter ("Hofmeister") und hatte erhebliche Eigenmittel in die Bauten gesteckt. Er erreichte, dass die Meierei nun den Status eines adeligen, erblichen und landtagsfähigen Rittergutes erhielt.<ref> LAV NRW OWL, L 18 Vogtei Falkenberg, Nr. 25, 1610–1614, 1713.</ref><ref> LAV NRW OWL, L 19 Vogtei Falkenberg, Nr. 27, 1657, 1709–1722, 1761–1783.</ref> | ||
Als Hammerstein 1643 zum dritten Mal heiratete, vermachte er seiner neuen Ehefrau Leveke von Münchhausen (1616–1675) das Gut als künftigen Witwensitz. Immerhin war er 37 Jahre älter als seine Braut. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes ließ die Witwe die Familiengruft errichten. Sie war durch eine Treppe mit dem Kirchenschiff verbunden. 1685 wurde auch Hans Adams Neffe Friedrich Christoph von Hammerstein (1608–1685) hier beigesetzt. Er hatte zehn Jahre zuvor der Kirchengemeinde 400 Reichstaler geschenkt, deren Zinsen jährlich auf Haus Hornoldendorf unter die Armen verteilt werden sollten, und weitere 1.600 Reichstaler je zur Hälfte dem Pastor und den Armen der Gemeinde vermacht, um in dem Gewölbe beerdigt zu werden. Davon wissen wir, weil es ein knappes Jahrhundert später zum Streit darüber kam, ob eine Reparatur des Totengewölbes von der Gemeinde oder durch Ludwig von Hammerstein, der sie in Auftrag gegeben hatte, bezahlt werden sollte. Zur Untersuchung war eine gräfliche Kommission eingesetzt worden, deren Zuständigkeit von Hammerstein vor dem Reichskammergericht erfolglos anfocht.<ref> LAV NRW OWL, L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 274 und Nr. 276. </ref> | Als Hammerstein 1643 zum dritten Mal heiratete, vermachte er seiner neuen Ehefrau Leveke von Münchhausen (1616–1675) das Gut als künftigen Witwensitz. Immerhin war er 37 Jahre älter als seine Braut. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes ließ die Witwe die Familiengruft errichten. Sie war durch eine Treppe mit dem Kirchenschiff verbunden. 1685 wurde auch Hans Adams Neffe Friedrich Christoph von Hammerstein (1608–1685) hier beigesetzt. Er hatte zehn Jahre zuvor der Kirchengemeinde 400 Reichstaler geschenkt, deren Zinsen jährlich auf Haus Hornoldendorf unter die Armen verteilt werden sollten, und weitere 1.600 Reichstaler je zur Hälfte dem Pastor und den Armen der Gemeinde vermacht, um in dem Gewölbe beerdigt zu werden. Davon wissen wir, weil es ein knappes Jahrhundert später zum Streit darüber kam, ob eine Reparatur des Totengewölbes von der Gemeinde oder durch Ludwig von Hammerstein, der sie in Auftrag gegeben hatte, bezahlt werden sollte. Zur Untersuchung war eine gräfliche Kommission eingesetzt worden, deren Zuständigkeit von Hammerstein vor dem Reichskammergericht erfolglos anfocht.<ref> LAV NRW OWL, L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 274 und Nr. 276. </ref> | ||
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Friedrich Christoph von Hammerstein war kinderlos geblieben, daher stiftete der seit Levekes Tod auf dem [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Rittergut Hornoldendorf]] sitzende Sohn Christoph Ludolf von Hammerstein (1646–1728) seinem Vetter 1686 ein steinernes Epitaph. Diese Gedenktafel ist erhalten und befindet sich heute innen an der Nordwand des Langhauses. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716) formulierte Inschrift lautet: | Friedrich Christoph von Hammerstein war kinderlos geblieben, daher stiftete der seit Levekes Tod auf dem [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Rittergut Hornoldendorf]] sitzende Sohn Christoph Ludolf von Hammerstein (1646–1728) seinem Vetter 1686 ein steinernes Epitaph. Diese Gedenktafel ist erhalten und befindet sich heute innen an der Nordwand des Langhauses. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716) formulierte Inschrift lautet: | ||
MEMORIÆ/FRIDERICI CHRISTOPHORI / DE GENTE EX ARCE RHENI/HAMMERSTEIN / NATI BOCKELHEMII IN PALATINATU / XV SEPTEMB. ANNO CHRISTI MDCVIII / PATRE IOHANNE WERNERO, / MATRE MARTA A SPONHEIM, / QUI/UBICUM GUSTAVO ADOLPHO SUECORUM REGE / IN GERMANIAM TANTUM MILES APPULIT, INDE / PER OMNES GRADUS IN EADEM LEGIONE AD/TRIBUNI ET POSTREMO IN EXERCITU AD/PRÆFECTI VIGILARUM GENERALIS / HONOREM PERVENIT/TANDEM PACE PATRIÆ REDDITA / SERERENISSIMORUM DUCUM BRUNOVICENSIUM/COPIIS CUM SUMMO IMPERIO/PRÆFUIT/OBIIT COELEBS IN OLENDORF LIPSIENS. COMITATUS / XII OCTOB. ANNO CHRISTI MDCLXXXV. / SEPULCHRI MONUMENTUM / CONSOBRINO BENE DE GENTE MERITO POSUIT / CHRISTOPHORUS LUDOLPHUS/DE HAMMERSTEIN / ANNO CHR. MDCLXXXVI. | |||
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"Zum Gedächtnis an Friedrich Christoph von Hammerstein aus dem Geschlechte der Burggrafen vom Rhein. Geboren in Böckelheim in der Pfalz [Schloss an der Nahe zwischen Bad Kreuznach und Bad Sobernheim] am 15. Sept. im Jahre des Herrn 1608 als Sohn des Johann Werner und seiner Frau Martha von Sponheim. Er kam mit dem Schwedenkönig Gustav Adolph nach Deutschland und durchlief in demselben Regiment alle Dienstgrade bis zum Oberst und schließlich im Heer bis zu der des Generales der Wachtruppen. Er hatte schließlich, nachdem der Friede dem Vaterland geschenkt war, den Oberbefehl über die Truppen der erhabenen Herzöge von Braunschweig. Er starb als berühmter Mann in Öhlendorf [Oelentrup] in [der Grafschaft] Lippe. Am 12. Oct. i. J. d. H. 1685 wurde er zu Grabe getragen. Dies Grabmal setzte dem um das Geschlecht sehr verdienten Vetter Christoph Ludolph von Hammerstein im Jahre des Herrn 1686."<ref>{{WendtAmt1965}}, S. 195</ref> | "Zum Gedächtnis an Friedrich Christoph von Hammerstein aus dem Geschlechte der Burggrafen vom Rhein. Geboren in Böckelheim in der Pfalz [Schloss an der Nahe zwischen Bad Kreuznach und Bad Sobernheim] am 15. Sept. im Jahre des Herrn 1608 als Sohn des Johann Werner und seiner Frau Martha von Sponheim. Er kam mit dem Schwedenkönig Gustav Adolph nach Deutschland und durchlief in demselben Regiment alle Dienstgrade bis zum Oberst und schließlich im Heer bis zu der des Generales der Wachtruppen. Er hatte schließlich, nachdem der Friede dem Vaterland geschenkt war, den Oberbefehl über die Truppen der erhabenen Herzöge von Braunschweig. Er starb als berühmter Mann in Öhlendorf [Oelentrup] in [der Grafschaft] Lippe. Am 12. Oct. i. J. d. H. 1685 wurde er zu Grabe getragen. Dies Grabmal setzte dem um das Geschlecht sehr verdienten Vetter Christoph Ludolph von Hammerstein im Jahre des Herrn 1686."<ref>{{WendtAmt1965}}, S. 195</ref> | ||
Abweichend von Leibniz Entwurf wurden die Namen der Angehörigen auf der Tafel ergänzt und die Aufstellung, die erst 1700 stattgefunden haben soll, zurückdatiert | Abweichend von Leibniz' Entwurf wurden die Namen der Angehörigen auf der Tafel ergänzt und die Aufstellung, die erst 1700 stattgefunden haben soll, zurückdatiert, vgl. [https://leibniz-potsdam.bbaw.de/fileadmin/Webdateien/bilder/IV8text.pdf Leibnitz-Edition Bd. IV/8, S. 124 f.]. | ||
Da Friedrich Christoph von Hammerstein 1675 und 1680 die Zinseinkünfte aus zwei Schuldbriefen im Gesamtwert von immerhin 2.000 Talern den Armen, der Schule und dem Prediger der Kirchengemeinde Heiligenkirchen vermacht hatte, soll hier noch kurz berichtet werden, dass er am 15. September 1608 auf der Burg Schlossböckelheim an der Nahe geboren war, seine Militärlaufbahn als Pikenier in Holland begann, 1629 nach Stockholm ging, im Jahr darauf wieder nach Deutschland zurückkehrte, wo er es im Dreißigjährigen Krieg zum schwedischen Generalmajor brachte, und nach dem Krieg Generalwachtmeister der braunschweigisch-lüneburgischen Truppen war. 1663 quittierte er den Dienst und verbrachte seinen Lebensabend auf der gräflich-lippischen Meierei Oelentrup bei Burg Sternberg, die er 1648 – ähnlich wie sein Onkel die Meierei Hornoldendorf – pfandweise erworben hatte. Hier starb er am 12. Oktober 1685. | Da Friedrich Christoph von Hammerstein 1675 und 1680 die Zinseinkünfte aus zwei Schuldbriefen im Gesamtwert von immerhin 2.000 Talern den Armen, der Schule und dem Prediger der Kirchengemeinde Heiligenkirchen vermacht hatte, soll hier noch kurz berichtet werden, dass er am 15. September 1608 auf der Burg Schlossböckelheim an der Nahe geboren war, seine Militärlaufbahn als Pikenier in Holland begann, 1629 nach Stockholm ging, im Jahr darauf wieder nach Deutschland zurückkehrte, wo er es im Dreißigjährigen Krieg zum schwedischen Generalmajor brachte, und nach dem Krieg Generalwachtmeister der braunschweigisch-lüneburgischen Truppen war. 1663 quittierte er den Dienst und verbrachte seinen Lebensabend auf der gräflich-lippischen Meierei Oelentrup bei Burg Sternberg, die er 1648 – ähnlich wie sein Onkel die Meierei Hornoldendorf – pfandweise erworben hatte. Hier starb er am 12. Oktober 1685. | ||
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Der andere Stein, der an die Stifterin der Familiengruft erinnern soll, hat nach dem Abbruch der Gruft 1863 seinen Platz außen unter der neuen Fensteröffnung an der Nordwand gefunden, wo er auf die hier ehemals vorhandene Gruft hinweist. Der Text – soweit noch lesbar – lautet mit Ergänzungen nach Wendt: | Der andere Stein, der an die Stifterin der Familiengruft erinnern soll, hat nach dem Abbruch der Gruft 1863 seinen Platz außen unter der neuen Fensteröffnung an der Nordwand gefunden, wo er auf die hier ehemals vorhandene Gruft hinweist. Der Text – soweit noch lesbar – lautet mit Ergänzungen nach Wendt: | ||
ETTI..XMMX SEPVLCHRALE / VT CONDAT CINERES ET SVOS VMBRAS [ET] SVO / RVM HAMMERSTEINIADVM POSVIT HOC / GENETRIX NOBILIS ILLA FVIT GENERE ET VIR / TVTE PROBATA CAETERA [Q]VID LETHI SIC/MEMOR ILLA FVIT SIT SVA LAVS IGITUR/PIETATI LE[C]TOR [ET] IPSE CVM / SIS MORTIIS [QU]OD MORIERE [SCIAS] | |||
Ein freier Übersetzungsversuch: "... dieses Grab erbaut und die Asche und seinen Schatten in das Hammersteiniadum eingestellt durch diese edle Mutter, deren Tüchtigkeit anerkannt ist. Im Übrigen kümmerte sie sich nicht um den Strom des Vergessens der Erinnerung. Der Leser lobe deshalb die Frömmigkeit und lerne mit den Toten das Sterben." | |||
Anfang des 18. Jahrhunderts erfahren wir aus den Akten des Gogerichts, dass der vierte Stuhl hinter der Kanzel Teutmeyer gehörte. Johan Cord Teutmeyer verklagte Anthon Stockmeyer, der ihn im Kirchenstuhl auf die Seite gestoßen habe, "allwo er doch nichts zu sagen hätte".<ref> Zit. nach {{TeutmeyerChroniken2019}}, S. 55. </ref> | Anfang des 18. Jahrhunderts erfahren wir aus den Akten des Gogerichts, dass der vierte Stuhl hinter der Kanzel Teutmeyer gehörte. Johan Cord Teutmeyer verklagte Anthon Stockmeyer, der ihn im Kirchenstuhl auf die Seite gestoßen habe, "allwo er doch nichts zu sagen hätte".<ref> Zit. nach {{TeutmeyerChroniken2019}}, S. 55. </ref> | ||
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1791 wurde von der Gottsbürener [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Stephan_Heeren Orgelbauerfamilie Heeren] eine Orgel für 400 Taler geliefert.<ref>{{GroßmannOrgeln1998}}.</ref> Deren Zinnpfeifen mussten im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen für Rüstungszwecke abgeliefert werden. 1919 wurden sie durch neue Orgelpfeifen ersetzt. Die Gemeindemitglieder spendeten dafür innerhalb weniger Tage 5000 Mark. | 1791 wurde von der Gottsbürener [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Stephan_Heeren Orgelbauerfamilie Heeren] eine Orgel für 400 Taler geliefert.<ref>{{GroßmannOrgeln1998}}.</ref> Deren Zinnpfeifen mussten im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen für Rüstungszwecke abgeliefert werden. 1919 wurden sie durch neue Orgelpfeifen ersetzt. Die Gemeindemitglieder spendeten dafür innerhalb weniger Tage 5000 Mark. | ||
Eine umfassende Renovierung war 1863 nach Plänen des Bau-Inspektors [https://lippelex.de/index.php?title=Merckel,_Ferdinand_(1808-1893) Ferdinand Merckel] (1808–1893) erfolgt. Er ersetzte das Spitzbogenportal durch die noch heute vorhandene Rechtecköffnung und ein Maßwerkfenster darüber, nach dem Vorbild des | Eine umfassende Renovierung war 1863 nach Plänen des Bau-Inspektors [https://lippelex.de/index.php?title=Merckel,_Ferdinand_(1808-1893) Ferdinand Merckel] (1808–1893) erfolgt. Er ersetzte das Spitzbogenportal durch die noch heute vorhandene Rechtecköffnung und ein Maßwerkfenster darüber, nach dem Vorbild des rechts anschließenden Fensters. Den relativ niedrigen und dunklen Kirchenraum empfand er als "kellerartig" und wollte ihn "freundlicher und heller" gestalten. Deswegen verlängerte er einige Fenster nach unten und brach eine zusätzliche Fensteröffnung an der Nordseite ein. Dazu musste die Hammersteinsche Familiengruft abgebrochen werden. Die Emporen im Süden und Westen wurden durch größere ersetzt, da die wachsenden Einwohnerzahlen dies erforderten. Aus diesem Grund wurde nun auch im Chor eine Empore errichtet. Man erreichte sie nur von außen durch eine Tür, die man unterhalb des Fensters in die Ostseite des Chores brach, wo sie sich noch heute befindet. Wenige Jahre später, 1871, erhielt auch die Südempore einen Außenzugang, indem man das kleine Fenster in der Nordwand des Seitenschiffs zu einer Tür vergrößerte und außen eine Treppe anbaute.<ref>Archiv der Lippischen Landeskirche, 04.03 Nr. 119.</ref> Ein Abschnitt der alten hölzernen Emporenbrüstungen mit offenen Maßwerkbögen gelangte in die Sammlung des Lippischen Landesmuseums, wo er in der Dauerausstellung zu sehen ist.<ref> Lippisches Landesmuseum, Landesgeschichtliche Sammlung im Kornhaus aus Schieder, Erdgeschoss "Kirchenhalle".</ref> | ||
Aus dem Jahr 1937 sind zwei Fotografien des Innenraums überliefert, einmal der Blick vom Chor zur Westempore mit Orgel, zum anderen der Blick von Westen Richtung Chor. Die Aufnahmen | Aus dem Jahr 1937 sind zwei Fotografien des Innenraums überliefert, einmal der Blick vom Chor zur Westempore mit der Orgel, zum anderen der Blick von Westen in Richtung Chor. Die Aufnahmen erstellte Otto Gaul bei seinen Inventarisierungsarbeiten des Landkreises Detmold, sie befinden sich im Bildarchiv des Landesdenkmalamtes (jetzt: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen) in Münster. Gaul hatte am 1. Oktober 1935 unter Leitung des lippischen Landeskonservators und Baurats Karl Vollpracht mit der Erfassung der Bau- und Kunstdenkmäler im damaligen Freistaat Lippe begonnen, die in vier Inventarbänden (Stadt Detmold, Kreis Detmold, Stadt Lemgo, Kreis Lemgo) erscheinen sollten. Obwohl das Detmolder Inventar bei Kriegsbeginn fast druckfertig war, blieb er bis heute unveröffentlicht. Wegen der umfangreichen Restaurierungen in der Nachkriegszeit wurde dann eine aktualisierende Neubearbeitung notwendig. So erschien der Band Stadt Detmold erst 1968,<ref>{{GaulStadt1968}}. </ref> der für den Kreis Detmold jedoch bis heute nicht. Auch für Lemgo ist, erst 1983, nur der Band über die Stadt erschienen.<ref> {{GaulStadt1983}}.</ref> Zwei weitere Fotografien des Innenraums, die das zu Pfingsten festlich geschmückte Kirchenschiff in Ost- und Westrichtung zeigen, wurden 1969 kurz vor Beginn der archäologischen Untersuchungen aufgenommen.<ref>{{HegerfeldGemeindezentrum1998}}}, S. 10. </ref> | ||
1942 | 1942 stellte die Gemeinde einen Antrag, eine Heizung mit Heizkeller anzulegen. Landeskonservator Karl Vollpracht genehmigte diesen, wollte aber die sorgfältige Unterfangung der Fundamente selbst überwachen.<ref> LAV NRW OWL, L 104 Nr. 2. Daraus auch die folgenden Angaben zu den Renovierungen bis 1950.</ref> 1950 war wieder eine Heizung im Gespräch, diesmal jedoch eine Luftheizung. Schon zwei Jahre zuvor, 1948, wollte die Gemeinde das unbequeme, viel zu schmale Gestühl ersetzen und die Dachdeckung gegen dunkelbraune Pfannen austauschen, da die alte Biberschwanzdeckung abgängig war. Zu einer umfassenden Renovierung der Kirche kam es aber erst 1969/70. Zuvor richtete die Gemeinde 1962 im Erdgeschoss des Turms eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege ein. Den Entwurf für die drei Namenstafeln hatte der in Lippe aufgewachsene Grafiker und Kunsterzieher Conrad von Witzleben-Wurmb (geb. 1933) 1960 gemacht. Die Mutter lebte 1962 noch im Pfarrhaus Heiligenkirchen (Adressbuch). Die Sandsteintafeln nennen die Namen und Lebensdaten der Gefallenen beider Weltkriege aus Hornoldendorf und Heiligenkirchen.<ref> Liste abgedruckt in {{WendtAmt1965}}, S. 159–164. </ref> Ein älteres Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus den Gemeinden Heiligenkirchen und Hornoldendorf hatte bis dahin auf dem [[Kirchhof (Heiligenkirchen)|Kirchhof]] gestanden. 1956 wurde noch eine Ansichtskarte dieses Denkmals verschickt.<ref> LLB: ME-PK-24-44, gestempelt 2.1.1956. </ref> | ||
[[Datei:DT-Hk_KircheinnenME-PK-24-118.jpg|thumb|Kircheninneres, Blick vom Chor zum Turm, um 1970, LLB: ME-PK-24-118]] | [[Datei:DT-Hk_KircheinnenME-PK-24-118.jpg|thumb|Kircheninneres, Blick vom Chor zum Turm, um 1970, LLB: ME-PK-24-118]] | ||
1969/70 erfolgte die letzte umfassende | 1969/70 erfolgte die letzte umfassende Renovierung der Kirche. Für den Einbau einer Warmluft-Heizung musste der Fußboden tief ausgeschachtet werden. Dies gab Gelegenheit zu einer archäologischen Untersuchung, die Uwe Lobbedey leitete.<ref>{{LobbedeyHeiden1971}}.</ref> Dabei konnte auch eine gut erhaltene Wandmalerei in einer vermauerten Sakramentsnische der Nordwand freigelegt werden. Sie zeigt vor einem regelmäßigen gotischen Blattmotiv das Kreuz mit den Leidenswerkzeugen, den ''arma Christi'': Dornenkrone, Geißel, Lanze und essiggetränkter Schwamm. Die Restaurierung dieses Wandgemäldes wie auch der aufgemalten Gewölbegliederung im Seitenschiff übernahm die Firma Ochsenfarth aus Paderborn. Eine fragmentarisch erhaltene Darstellung des Martyriums des Heiligen Erasmus am südlichen Chorpfeiler sowie einige weitere Malereifragmente wurden nach ihrer Dokumentation wieder übermalt. | ||
Die Gesamtleitung der Baumaßnahmen lag bei dem Detmolder Regierungs-Baudirektor Kurt Wiersing. Rund um die Kirche wurde eine Ringdrainage verlegt, um die Wasseraufnahme des Mauerwerks zu reduzieren. Aus dem gleichen Grund und "um das äußere Erdreich an das innere Fußbodenniveau anzugleichen", wurde der Boden westlich und südlich der Kirche um etwa 50 Zentimeter abgetragen. Im Lauf der Jahrhunderte war das äußere Bodenniveau erheblich angestiegen. | Die Gesamtleitung der Baumaßnahmen lag bei dem Detmolder Regierungs-Baudirektor Kurt Wiersing. Rund um die Kirche wurde eine Ringdrainage verlegt, um die Wasseraufnahme des Mauerwerks zu reduzieren. Aus dem gleichen Grund und "um das äußere Erdreich an das innere Fußbodenniveau anzugleichen", wurde der Boden westlich und südlich der Kirche um etwa 50 Zentimeter abgetragen. Im Lauf der Jahrhunderte war das äußere Bodenniveau erheblich angestiegen. | ||
Im Inneren wurde ein Großteil der Ausstattung entfernt: der Altar, das Kirchengestühl, die Vertäfelung und die Empore im Chor, die Westempore mit der Orgel und die Südempore, ebenso die Kanzel an der Nordseite, die beiden vielarmigen Hängeleuchter und ein am Mittelpfeiler aufgestellter Ofen. Nur im Süden und Osten wurden neue Emporen eingebaut, der Westen blieb frei. | Die Dächer der Kirche wurden mit braunen Ton-Hohlpfannen neu gedeckt. Dabei wurden die steinernen Ortgänge der beiden Quergiebel an der Südseite und des Ostgiebels am Chor beseitigt. | ||
Im Inneren wurde ein Großteil der historischen Ausstattung entfernt: der Altar, das Kirchengestühl, die Vertäfelung und die Empore im Chor, die Westempore mit der Orgel und die Südempore, ebenso die Kanzel an der Nordseite, die beiden vielarmigen Hängeleuchter und ein am Mittelpfeiler aufgestellter Ofen. Nur im Süden und Osten wurden neue Emporen eingebaut, der Westen blieb frei. | |||
Der Detmolder Künstler [https://lippelex.de/index.php?title=Ehlers,_Karl_(1904-1973) Karl Ehlers] (1904–1973) schuf | Der Detmolder Künstler [https://lippelex.de/index.php?title=Ehlers,_Karl_(1904-1973) Karl Ehlers] (1904–1973) schuf eine neue schlichte Ausstattung mit Altar, Ambo und Taufbecken aus Sandstein, die noch heute in Gebrauch ist. | ||
Die entfernte Heeren-Orgel von 1791, deren Pfeifen im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden, konnte schon 1919 ersetzt werden.<ref> {{ButterweckGeschichte1926}}, S. 414. </ref> Die Gemeinde brachte dazu 1918 innerhalb weniger Tage 5000 Mark an Spenden auf. Diese auf der Westempore stehende Orgel wurde 1973 durch eine Orgel auf der Chorempore ersetzt. Der laut Inschrift 1700 gebaute barocke Orgelprospekt stammt aus der Herforder Werkstatt von Hinrich Klausing. Bis 1894 stand er in der Kirche von [[Bösingfeld]], wurde dann ausgebaut | Die entfernte Heeren-Orgel von 1791, deren Pfeifen im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden, konnte schon 1919 ersetzt werden.<ref> {{ButterweckGeschichte1926}}, S. 414. </ref> Die Gemeinde brachte dazu 1918 innerhalb weniger Tage 5000 Mark an Spenden auf. Diese auf der Westempore stehende Orgel wurde 1973 durch eine Orgel auf der Chorempore ersetzt. Der laut Inschrift 1700 gebaute barocke Orgelprospekt stammt aus der Herforder Werkstatt von Hinrich Klausing. Bis 1894 stand er in der Kirche von [[Bösingfeld]], wurde dann ausgebaut und zuletzt im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold (jetzt: LWL-Freilichtmuseum) eingelagert. Die Firma Tombusch aus Ascheberg restaurierte ihn, ergänzte abgängige Teile und stellte das Orgelgehäuse am neuen Standort auf. Das neue Orgelwerk baute die Saarbrücker Firma Walcker. Das Instrument hat 15 Register (Pfeifenreihen gleicher Klangfarbe), zwei Manuale (Klaviaturen) und ein Pedal.<ref>Westfalen 53, 1975, S. 477.</ref> "Der 1972 in den Kirchenraum übertragene und ergänzte Orgelprospekt von 1700 wurde 1974 nach historischen Vorbildern farbig gefaßt."<ref>Westfalen 1978, S. 458.</ref> Schon nach 13 Jahren, 1986, war eine Erneuerung der Orgel notwendig, welche die Firma Steinmann aus Vlotho ausführte. | ||
1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref> | 1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref> | ||
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==Baubeschreibung== | ==Baubeschreibung== | ||
Zweischiffige Hallenkirche mit Rechteckchor und quadratischem Westturm. Putzbau aus Bruchstein, Werksteingewände aus Sandstein, der Turm aus wuchtigen Sandsteinquadern mit | Zweischiffige Hallenkirche mit Rechteckchor und quadratischem Westturm. Putzbau aus Bruchstein, Werksteingewände aus Sandstein, der Turm aus wuchtigen Sandsteinquadern mit schiefergedecktem Zeltdach, darin nach Süden eine überdeckte Glockenöffnung, nach Osten eine flache Gaube. Das südliche Kirchenschiff wird von zwei Querhäusern mit hohen Giebeln überdacht, dieses ist wie das Satteldach über Nordschiff und Chor mit Hohlpfannen gedeckt. In den Giebelwänden je ein hohes dreibahniges Spitzbogenfenster mit Rautenverglasung, unter dem westlichen Fenster der Haupteingang. Gegenüberliegende Fenster im Norden. Im Chor alle drei Seiten mit hohem Spitzbogenfenster, im Osten darunter eine Tür. An der Ostseite des Südschiffs eine Außentreppe mit Zugang zur Empore. Schräg gestellte gestufte Stützpfeiler an den Ecken. | ||
Turm mit gestuftem Rundbogenportal an der Südseite. In den beiden oberen Geschossen an der Ostseite je zwei Biforien, an der Süd- und Nordseite je eine. | Turm mit gestuftem Rundbogenportal an der Südseite. In den beiden oberen Geschossen an der Ostseite je zwei Biforien, an der Süd- und Nordseite je eine. | ||
Innen Turmhalle mit | Innen Turmhalle mit Namenstafeln der Gefallenen beider Weltkriege, vom Schiff durch eine Holztür getrennt. In der Turmmauer verläuft eine Treppe zum Obergeschoss, von dort sind die Glockengeschosse über Holzstiegen erreichbar. | ||
Hauptschiff mit Kreuzgratgewölben und aufgemalten Rippen, Südschiff und Chor mit Kreuzrippen. Weitere Ausstattung s. o. | Hauptschiff mit Kreuzgratgewölben und aufgemalten Rippen, Südschiff und Chor mit Kreuzrippen. Weitere Ausstattung s. o. | ||
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==Pastoren== | ==Pastoren== | ||
Die Pfarrer Heiligenkirchens seit Ende des 14. Jahrhunderts | Die Pfarrer Heiligenkirchens seit Ende des 14. Jahrhunderts, nach Dreves<ref>{{DrevesGeschichte1881}}, S. 73–75.</ref> und Butterweck:<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, Seite 413 ff</ref> | ||
1. Johann, Pfarrer von Heiligenkirchen, Rector der Capelle des Heiligengeistes zu Lemgo, schließt vor dem Vicearchidiacon des Lemgoer Stuhls am 23. August 1394 einen Vergleich. (Lipp. Reg. II., 1425.) | 1. Johann, Pfarrer von Heiligenkirchen, Rector der Capelle des Heiligengeistes zu Lemgo, schließt vor dem Vicearchidiacon des Lemgoer Stuhls am 23. August 1394 einen Vergleich. (Lipp. Reg. II., 1425.) | ||
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Ihm folgte als erster lutherischer Prediger: | Ihm folgte als erster lutherischer Prediger: | ||
1. 1541 Johann Deterdink. | 1. 1541 Johann Deterdink. | ||
2. 1565 Joachim Drepper, der bis hier bis zu seinem Tode 1595 verblieb.<ref>Wird auch 1598 in den Amtsprotokollen als der »selige Pastor zu Hilgenkirchen Herr Joachim Drepper« genannt: L 108 A Nr. 130, Amtsprotokolle Detmold 1596–1605, S. 172.</ref> | 2. 1565 Joachim Drepper, der bis hier bis zu seinem Tode 1595 verblieb.<ref>Wird auch 1598 in den Amtsprotokollen als der »selige Pastor zu Hilgenkirchen Herr Joachim Drepper« genannt: L 108 A Nr. 130, Amtsprotokolle Detmold 1596–1605, S. 172.</ref> | ||