Ameide 4 (Detmold): Unterschied zwischen den Versionen

Gebäude: Text zu historischen Erweiterungsbauten des Lippischen Landesmuseums ergänzt
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"Haus Ameide", 1871–1873 erbautes Gesellschaftshaus des Vereins Ressource, ehem. Quartier-Nr. D 86, dann Bismarckstraße 4. Seit 1953 beherbergt das Gebäude das [https://lippisches-landesmuseum.de Lippische Landesmuseum Detmold].
"Haus Ameide", 1871–1873 erbautes Gesellschaftshaus des Vereins Ressource, ehem. Quartier-Nr. D 86, dann Bismarckstraße 4. Seit 1953 beherbergt das Gebäude das [https://lippisches-landesmuseum.de Lippische Landesmuseum Detmold], das in den folgenden Jahren um mehrere translozierten Fachwerkbauten und das Bestandsgebäude der Mittelmühle erweitert wurde.
[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-SW.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Südwesten, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-Ost.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Osten, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-Sued.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Süden, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:Detmold2024 0594tm.jpg|thumb|Ameide 4, nächtliche Ansicht 2024, Foto: Falko Sieker]]


==Geschichte==
==Geschichte==
 
Die Gesellschaft Ressource wurde 1825 gegründet und 1831 als förmlicher Verein eingetragen.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 9–12.</ref> Vereinslokale waren zunächst der Gastwirt Seiff in der [[Neustadt 12 (Detmold)|Neustadt 12]], ab 1827 der Gasthof zur Stadt Frankfurt in der [[Lange Straße 65 (Detmold)|Langen Straße 65]]. 1831 erfolgte der Umzug in den Neubau des [[Marktplatz 5 (Detmold)|Rathauses]]. 40 Jahre später entschloss sich die Gesellschaft Ressource zum Bau eines eigenen Gesellschaftshauses. Dazu schloss sie 1872 mit der Fürstlichen Rentkammer einen Erbpachtvertrag über das Grundstück in der Mühlenwiese an der Ameide<ref>LAV NRW OWL, L 83 B Nr. 116.</ref> und kündigte die Räume im Rathaus zu Michaelis (29. Sept.) 1873.  
Die Gesellschaft Ressource wurde 1825 gegründet und 1831 als förmlicher Verein eingetragen.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 9–12.</ref> Vereinslokale waren zunächst der Gastwirt Seiff in der [[Neustadt 12 (Detmold)|Neustadt]], ab 1827 der Gasthof zur Stadt Frankfurt in der [[Lange Straße 65 (Detmold)|Langen Straße 65]]. 1831 erfolgte der Umzug in den Neubau des [[Marktplatz 5 (Detmold)|Rathauses]]. 40 Jahre später entschloss sich die Gesellschaft Ressource zum Bau eines eigenen Gesellschaftshauses. Dazu schloss sie 1872 mit der Fürstlichen Rentkammer einen Erbpachtvertrag über das Grundstück in der Mühlenwiese an der Ameide<ref>LAV NRW OWL, L 83 B Nr. 116.</ref> und kündigte die Räume im Rathaus zu Michaelis (29. Sept.) 1873.  


Am 25. Juli 1872 Grundsteinlegung, am 21. Dezember 1872 Richtfest und 1. Oktober 1873 Einweihung des neuen Hauses.<ref>{{KirchhofRessource1954}}.</ref>  
Am 25. Juli 1872 Grundsteinlegung, am 21. Dezember 1872 Richtfest und 1. Oktober 1873 Einweihung des neuen Hauses.<ref>{{KirchhofRessource1954}}.</ref>  
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Der erhebliche Mitgliederschwund zu Beginn der NS-Diktatur legte den Verkauf des Hauses nahe, das die Wehrmacht 1935 als Kasino für 130.000 RM erwarb.<ref>LAV NRW OWL, L 80.20 Nr. 394.</ref> Der Verein erwarb stattdessen das Haus [[Allee 11 (Detmold)|Allee 11]] für 45.000 RM.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 96–100.</ref>
Der erhebliche Mitgliederschwund zu Beginn der NS-Diktatur legte den Verkauf des Hauses nahe, das die Wehrmacht 1935 als Kasino für 130.000 RM erwarb.<ref>LAV NRW OWL, L 80.20 Nr. 394.</ref> Der Verein erwarb stattdessen das Haus [[Allee 11 (Detmold)|Allee 11]] für 45.000 RM.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 96–100.</ref>


Seit 1953 Sitz des [https://lippisches-landesmuseum.de Lippischen Landesmuseums], <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0094, Nr. 2635: Zustimmung zur Veräußerung des bundeseigenen Grundstücks "Haus Ameide" in Detmold, 1957.</ref> <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0060, Nr. 242: Neubau eines Lippischen Landesmuseums in Detmold, 1950–1955.</ref> Museumsverwaltung und Abt. Ur- und Frühgeschichte. Ab 1953 wurde das Museum um mehrere translozierte historische Fachwerkbauten zu einer "Traditionsinsel" am Detmolder Burggraben erweitert: Kornhaus der Domäne Schieder, 1587 (d), Abbau 1955, Aufbau 1955-58, Abt. Kultur- und Landesgschichte; Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen, 1555 (i), Abbau 1953, Aufbau 1960-62, Abt. Volkskunde (seit 2009: "Mythos Varusschlacht"); Speicher vom [[Lakeweg 9 (Belle)|Lakehof]] bei Belle, 1780/81 (i), Abbau 1976, Aufbau 1977, Gaststätte; Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742, Aufbau 1972, Schmiede/Museumspädagogik. 1973 wurde die frühere Mittelmühle ([[Ameide 2 (Detmold)|Ameide 2]]) in den Museumskomplex einbezogen und für die Abteilung Naturkunde ("Naturkundehaus") umgebaut. Zwischen dem Haus Ameide und der Zehntscheune aus Sabbenhausen wurde 1962 ein moderner, eingeschossiger Verbindungsbau mit Eingangsbereich, Vortragssaal und Ausstellungsräumen errichtet; dieser Bau wurde 1999 nach einem Architekturwettbewerb durch einen großen Neubau mit Eingangsbereich und ober- und unterirdischen Ausstellungsräumen an einem "Museumsgraben" ersetzt (Schuster & Schuster Architekten, Düsseldorf).  
Seit 1953 Sitz des [https://lippisches-landesmuseum.de Lippischen Landesmuseums], <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0094, Nr. 2635: Zustimmung zur Veräußerung des bundeseigenen Grundstücks "Haus Ameide" in Detmold, 1957.</ref> <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0060, Nr. 242: Neubau eines Lippischen Landesmuseums in Detmold, 1950–1955.</ref>. Ab 1953 wurde das Museum um mehrere translozierte historische Fachwerkbauten zu einer "Traditionsinsel" am Detmolder Burggraben erweitert: Kornhaus der Domäne Schieder, 1587 (d), Abbau 1955, Aufbau 1955-58; Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen, 1555 (i), Abbau 1953, Aufbau 1960-62; Speicher vom [[Lakeweg 9 (Belle)|Lakehof]] bei Belle, 1780/81 (i), Abbau 1976, Aufbau 1977; Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742, Aufbau 1972. 1973 wurde die frühere Mittelmühle in den Museumskomplex einbezogen und für die Abteilung Naturkunde ("Naturkundehaus") umgebaut. Zwischen dem Haus Ameide und der Zehntscheune aus Sabbenhausen wurde 1962 ein moderner, eingeschossiger Verbindungsbau mit Eingangsbereich, Vortragssaal und Ausstellungsräumen errichtet; dieser Bau wurde 1999 nach einem Architekturwettbewerb durch einen großen Neubau mit Eingangsbereich und ober- und unterirdischen Ausstellungsräumen an einem "Museumsgraben" ersetzt (Schuster & Schuster Architekten, Düsseldorf).  


1973 wurde das Gebäude Aameide 4 in die Baudenkmalliste des Landeskonservators aufgenommen und am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold, Nr. A 096. Auch die translozierten Fachwerkbauten des Lippischen Landesmuseums und die frühere Mittelmühle wurden am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen: "Spieker" ([[Ameide 8 (Detmold)|Ameide 8]]), Denkmal-Nr. 90; Kornhaus, Denkmal-Nr. 91; Zehntscheune aus Sabbenhausen, Denkmal-Nr. 92, Mittelmühle ([[Ameide 2 (Detmold)|Ameide 2]]), Denkmal-Nr. 93.
1973 wurde das Gebäude Aameide 4 in die Baudenkmalliste des Landeskonservators aufgenommen und am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold, Nr. A 096. Auch die translozierten Fachwerkbauten des Lippischen Landesmuseums und die frühere Mittelmühle wurden am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen: "Spieker" ([[Ameide 8 (Detmold)|Ameide 8]]), Denkmal-Nr. 90; Kornhaus, Denkmal-Nr. 91; Zehntscheune aus Sabbenhausen, Denkmal-Nr. 92, Mittelmühle, Denkmal-Nr. 93.


==Gebäude==
==Gebäude==
'''Haus Ameide:''' Dreigeschossiger, repräsentativer villenartiger Bau von 1872 (Wiederaufbau nach Brand 1883), das obere Geschoss jedoch nur als Mezzanin ausgebildet. Flach geneigtes Walmdach mit Schieferdeckung. Haupteingang im Süden mit einem Vordach auf vier kannelierten Pfeilern. Die Fassade hier dreiachsig, die Mittelachse als Risalit mit flachem Dreieckgiebel.


[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-SW.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Südwesten, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
Die West- und Ostseite mit sieben Fensterachsen, davon je drei als Mittelrisalit, im Erdgeschoss Putzquaderung, im Obergeschoss die Risalite mit kannelierten Pilastern mit korinthischen Kapitellen, die seitlichen Fenster im Osten mit flachen Dreieckgiebeln, im Westen mit geradem Gebälk überdeckt. Fensteröffnungen der Westseite verändert. Die Nordseite schmuckloser ohne Risalit, drei Fensterachsen, im Obergeschoss mit flachen Dreieckgiebeln.


[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-Ost.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Osten, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
Das Gebäude beherbergt seit 1953 die Abteilung Ur- und Frühgeschichte und die Verwaltung des Lippischen Landesmuseums.
[[Datei:Detmold2024 0594tm.jpg|thumb|Ameide 4, nächtliche Ansicht 2024, Foto: Falko Sieker]]
[[Datei:DT-Ameide4_JK2013-Sued.jpg|thumb|Ameide 4, Ansicht von Süden, 2013, Foto: Joachim Kleinmanns]]
 
''Haus Ameide:'' Dreigeschossiger, repräsentativer villenartiger Bau von 1872 (Wiederaufbau nach Brand 1883), das obere Geschoss jedoch nur als Mezzanin ausgebildet. Flach geneigtes Walmdach mit Schieferdeckung. Haupteingang im Süden mit einem Vordach auf vier kannelierten Pfeilern. Die Fassade hier dreiachsig, die Mittelachse als Risalit mit flachem Dreieckgiebel.
 
Die West- und Ostseite mit sieben Fensterachsen, davon je drei als Mittelrisalit, im Erdgeschoss Putzquaderung, im Obergeschoss die Risalite mit kannelierten Pilastern mit korinthischen Kapitellen, die seitlichen Fenster im Osten mit flachen Dreieckgiebeln, im Westen mit geradem Gebälk überdeckt. Fensteröffnungen der Westseite verändert. Die Nordseite schmuckloser ohne Risalit, drei Fensterachsen, im Obergeschoss mit flachen Dreieckgiebeln.


'''Erweiterungsbauten des Lippischen Landesmuseums ab 1953:'''
'''Erweiterungsbauten des Lippischen Landesmuseums ab 1953:'''
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'''Mittelmühle, 1826:''' 1973 Erwerb und Sanierung (Totalentkernung), Umbau zum "Naturkundehaus". Zweigeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach nach Entwurf von Landbaumeister Theodor v. Natorp. Neunachsige Fassade mit Mitteleingang, Tür- und Fensteröffnungen mit scharrierten Sandsteingewänden. Türen und Fenster 1973 erneuert, Am Nordgiebel blieb ein bauzeitliches klassizistisches Türblatt erhalten. Keine Inschriften.
'''Mittelmühle, 1826:''' 1973 Erwerb und Sanierung (Totalentkernung), Umbau zum "Naturkundehaus". Zweigeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach nach Entwurf von Landbaumeister Theodor v. Natorp. Neunachsige Fassade mit Mitteleingang, Tür- und Fensteröffnungen mit scharrierten Sandsteingewänden. Türen und Fenster 1973 erneuert, Am Nordgiebel blieb ein bauzeitliches klassizistisches Türblatt erhalten. Keine Inschriften.


'''Kornspeicher aus Belle, 1781:''' 1976 Erwerb und Abbau, 1977 Wiederaufbau aals Museumscafé mit Ausstellungsraum im Obergeschoss (heute als Gaststätte verpachtet). Zweistöckiger Speicher mit kräftigem Gefüge, fischgrätartig übereinander angeordnete Streben an den Ecken und in der Mitte der Fassaden. Reiche Zierschnitzerei am Eingangsportal, Inschriften auf dem Türsturz und dem Rähm des Erdgeschosses, s. [[Ameide 8|Detmold]].
'''Kornspeicher aus Belle, 1781:''' 1976 Erwerb und Abbau, 1977 Wiederaufbau aals Museumscafé mit Ausstellungsraum im Obergeschoss (heute als Gaststätte verpachtet). Zweistöckiger Speicher mit kräftigem Gefüge, fischgrätartig übereinander angeordnete Streben an den Ecken und in der Mitte der Fassaden. Reiche Zierschnitzerei am Eingangsportal, Inschriften auf dem Türsturz und dem Rähm des Erdgeschosses, zu Inschriften und Einzelheiten s. [[Ameide 8 (Detmold)]].


'''Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742:'' 1982 wurde hinter dem Kornhaus aus Schieder ein großes Backhaus vom Hof Lambracht aus Wülfer-Bexten wiedererrichtet, Nutzung zur Ausstellung einer Schmiedewerkstatt (heute: Museumspädagogik). Fachwerkbau von # Fachen (# Gebinden), eingehälste Deckenbalken, zu den Wandständern mit Kopfbändern verstrebt. Im Innern ein großer Backraum, angebauter Backofen am Rückgiebel im Museum durch Schmiedeesse ersetzt.
'''Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742:''' 1982 wurde hinter dem Kornhaus aus Schieder ein großes Backhaus vom Hof Lambracht aus Wülfer-Bexten wiedererrichtet, Nutzung zur Ausstellung einer Schmiedewerkstatt (heute: Museumspädagogik). Fachwerkbau von # Fachen (# Gebinden), eingehälste Deckenbalken, zu den Wandständern mit Kopfbändern verstrebt. Im Innern ein großer Backraum, angebauter Backofen am Rückgiebel im Museum durch Schmiedeesse ersetzt.


==Inschriften==
==Inschriften==