Kirchweg Kirche (Heiligenkirchen): Unterschied zwischen den Versionen

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===Bauphasen===
===Bauphasen===


[[Datei:Hk-Kirche_Baualtersplan 880–1950.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirchen, Baualtersplan, Zeichnung: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:Hk-Kirche_Baualtersplan 880–1950.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirchen, Baualtersplan. Zeichnung: Joachim Kleinmanns]]


[[Datei:DT-Hk KircheaußenJK2017.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirche, Ansicht von Südosten, 2017, Foto: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:DT-Hk KircheaußenJK2017.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirche, Ansicht von Südosten, 2017. Foto: Joachim Kleinmanns]]


[[Datei:DT-Hk Kircheinnen2021JK.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirchen, Innenraum mit Blick zum Chor, 2021, Foto: Joachim Kleinmanns]]
[[Datei:DT-Hk Kircheinnen2021JK.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirchen, Innenraum mit Blick zum Chor, 2021. Foto: Joachim Kleinmanns]]


Am ausführlichsten berichtet Linde <ref>{{LindeKirche2015}}.</ref> über die Kirche, worauf im Folgenden vielfach zurückgegriffen wird. Der heute vor uns stehende Bau ist in verschiedenen Bauabschnitten entstanden. Im Kern geht er zurück auf den Bau II, den romanischen Neubau aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ihn umgibt ein ummauerter Kirchhof, der bis zur Anlegung des neuen Friedhofs an der [[Richard-Thiemann-Straße (Heiligenkirchen)|Richard-Thiemann-Straße]] im 20. Jahrhundert der Begräbnisplatz für die Bewohner des Kirchspiels Heiligenkirchen, also der Bauerschaften Heiligenkirchen, Berlebeck und Hornoldendorf war.  
Am ausführlichsten berichtet Roland Linde <ref>{{LindeKirche2015}}.</ref> über die Geschichte der Kirche, worauf im Folgenden vielfach zurückgegriffen wird. Der heute vor uns stehende Bau ist in verschiedenen Bauabschnitten entstanden. Im Kern geht er zurück auf den Bau II, den romanischen Neubau aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ihn umgibt ein ummauerter Kirchhof, der bis zur Anlegung des neuen Friedhofs an der [[Richard-Thiemann-Straße (Heiligenkirchen)|Richard-Thiemann-Straße]] im 20. Jahrhundert der Begräbnisplatz für die Bewohner des Kirchspiels Heiligenkirchen, also der Bauerschaften Heiligenkirchen, Berlebeck und Hornoldendorf war.  


Bau I hatte in einer Erweiterung des 11. Jahrhundert sogar einen Turm bekommen, der dem Bau des romanischen Kirchenschiffs schon wieder zum Opfer fiel. Seine Datierung gelang anhand von Tonscherben in einem Pfostenloch. Aus dem Fehlen von Gräbern westlich von diesem Turm schloss Lobbedey, dass sich hier eine Vorhalle befunden habe. Das ist plausibel, da in der Phase der Christianisierung solche Vorhallen für noch Ungetaufte notwendig waren, da sie das Kirchenschiff erst nach der Taufe betreten durften. Noch heute befinden sich in vielen mittelalterlichen Kirchen die Taufsteine im Westen vor dem Kirchenschiff im Turm oder eigens angebauten Kapellen.
Der älteste, archäologisch nachweisbare Kirchenbau ist Bau I, ein vorromanischer Saalbau mit einer halbrunden Apsis im Osten. Dieser Bau hatte in einer ersten Erweiterung des 11. Jahrhunderts sogar einen Turm bekommen, der dem Bau des romanischen Kirchenschiffs schon wieder zum Opfer fiel. Seine Datierung gelang anhand von Tonscherben in einem Pfostenloch. Aus dem Fehlen von Gräbern westlich von diesem Turm schloss Lobbedey, dass sich hier eine Vorhalle befunden habe. Das ist plausibel, da in der Phase der Christianisierung solche Vorhallen für noch Ungetaufte notwendig waren, da sie das Kirchenschiff erst nach der Taufe betreten durften. Noch heute befinden sich in vielen mittelalterlichen Kirchen die Taufsteine im Westen vor dem Kirchenschiff im Turm oder eigens angebauten Kapellen.


Bau II wurde nicht nur um einiges länger als Bau I, sondern man drehte ihn auch um wenige Grad, um ihn genauer nach Osten auszurichten. Das Langhaus ist zwei Joche lang, die anfangs mit einer Flachdecke gedeckt waren. Die Langschiffmauern muss man sich mit kleinen, hochliegenden Rundbogenfenstern vorstellen. Erhalten sind die nördliche Mauer sowie ein kurzes Stück der Südwand, das als mächtiger Mittelpfeiler überdauerte. Der Turm aus Osning-Sandstein stammt ebenfalls noch aus dem 12. oder dem frühen 13. Jahrhundert. Er zeigt romanische Stilmerkmale wie gekuppelte Rundbogenfenster, sogenannte Biforien, und ein gestuftes Rundbogenportal. Ursprünglich betrat man die Kirche durch dieses. Das Erdgeschoss dieses zweiten Turms diente demnach als Vorhalle. In der Süd- und Westmauer des Turms verläuft, zum Kirchenschiff durch eine Tür getrennt, eine Mauertreppe in das erste Turmgeschoss. Ab dort führen Holzstiegen weiter hinauf in das Glockengeschoss. Der romanische Rechteckchor im Osten ist nicht erhalten, er fiel einer Erweiterung des 15. Jahrhunderts zum Opfer.  
Der romanische, in wesentlichen Teilen erhaltene Bau II ist nicht nur um einiges länger als Bau I, sondern auch um wenige Grad gedreht, um ihn genauer nach Osten auszurichten. Das Langhaus umfasst zwei Joche, die anfangs mit einer Flachdecke gedeckt waren. Die Langschiffmauern muss man sich mit kleinen, hochliegenden Rundbogenfenstern vorstellen. Erhalten sind die nördliche Mauer sowie ein kurzes Stück der Südwand, das als mächtiger Mittelpfeiler überdauerte. Der Turm besteht aus Quadermauerwerk aus Osning-Sandstein und stammt ebenfalls noch aus dem 12. oder dem frühen 13. Jahrhundert. Er zeigt romanische Stilmerkmale wie gekuppelte Rundbogenfenster, sogenannte Biforien, und ein gestuftes Rundbogenportal an der Südseite. Ursprünglich betrat man die Kirche durch dieses Portal, das Erdgeschoss dieses zweiten Turms diente als Vorhalle. In der Süd- und Westmauer des Turms verläuft, zum Kirchenschiff durch eine Tür getrennt, eine Mauertreppe in das erste Turmgeschoss. Ab dort führen Holzstiegen weiter hinauf in das Glockengeschoss. Der romanische Rechteckchor als Obstsabschluss von Bau II ist nicht erhalten, er wurde durch den erhaltenen gotischen Cor des 15. Jahrhunderts ersetzt.  


Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche zu klein, so dass man sie um das südliche Seitenschiff erweiterte. Da die Bevölkerung aber nur bis zur Pestepidemie von 1350 wuchs und danach stark dezimiert war, wird diese Erweiterung zuvor, also in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgt sein. Damals wurde die mächtige Außenmauer an der Südseite bis auf einen mittleren Abschnitt, der als Stützpfeiler dient, abgebrochen. Die neue, nach Süden vorgeschobene Außenwand erhielt zwei hohe Giebel, ein Portal mit kleinerem Maßwerkfenster darüber im linken und ein dreibahniges hohes Spitzbogenfenster im rechten Giebel. Wohl ab diesem Zeitpunkt wurde das Turmportal nicht mehr als Hauptzugang genutzt. Das zwei Joch lange Seitenschiff wurde mit einem Kreuzgratgewölbe geschlossen.
Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche zu klein, so dass man sie um das südliche Seitenschiff erweiterte. Da die Bevölkerung aber nur bis zur Pestepidemie von 1350 wuchs und danach stark dezimiert war, wird diese Erweiterung zuvor, also in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgt sein. Damals wurde die mächtige Außenmauer an der Südseite des romanischen Langhauses auf einen mittleren Abschnitt, der als Stützpfeiler stehen blieb, abgebrochen. Die neue, nach Süden vorgeschobene Außenwand erhielt zwei hohe Giebel, ein Portal mit einem kleineren Maßwerkfenster darüber im linken und ein dreibahniges hohes Spitzbogenfenster im rechten Giebel. Wohl ab diesem Zeitpunkt wurde das Turmportal nicht mehr als Hauptzugang genutzt. Das zwei Joch lange Seitenschiff wurde mit einem Kreuzgratgewölbe geschlossen.


In der Eversteinischen Fehde (1403–1407) wurde die Kirche beschädigt, <ref>{{WendtAmt1965}}, S. 12.</ref> nicht jedoch 40 Jahre später in der Soester Felde, wie Pustkuchens Bericht über Heiligenkirchen wiedergibt: "Es ist hier schon anno 1447, da die von dem Erzbischof zu Cöln in das Land erlassenen Böhmen und Polacken die Grafschaft verheerten, eine Kirche gewesen, welche wie die zu Meyenberg durch die Fürbitte des Horn’schen Magistrats unbeschädigt geblieben ist." <ref>Lippische Regesten III, 2061.</ref><ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 413.</ref>
In der Eversteinischen Fehde (1403–1407) wurde die Kirche beschädigt, <ref>{{WendtAmt1965}}, S. 12.</ref> nicht jedoch in der Soester Fehde 40 Jahre später, wie Pustkuchens Bericht über Heiligenkirchen wiedergibt: "Es ist hier schon anno 1447, da die von dem Erzbischof zu Cöln in das Land erlassenen Böhmen und Polacken die Grafschaft verheerten, eine Kirche gewesen, welche wie die zu Meyenberg durch die Fürbitte des Horn’schen Magistrats unbeschädigt geblieben ist." <ref>Lippische Regesten III, 2061.</ref><ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 413.</ref>


Eine weitere Vergrößerung erfolgte 1420 [d]. Die bis zu einer Renovierung 1863 über dem Südportal eingemauerte Inschrifttafel "A°m°cccc°lvvij[…]a" (Anno 1462) steht damit kaum in Zusammenhang. Die Inschrift ist uns über eine Zeichnung von Emil Zeiß aus dem Jahr 1860, nicht jedoch im Original überliefert.  
Eine weitere Vergrößerung erfolgte 1420 [d]. Die bis zu einer Renovierung 1863 über dem Südportal eingemauerte Schieferplatte mit der Inschrift "A°m°cccc°lvvij[…]a" (Anno 1462) steht damit kaum in Zusammenhang. Die Inschrift ist durch eine Zeichnung von Emil Zeiß aus dem Jahr 1860, nicht jedoch im Original überliefert.  


Der romanische Rechteckchor wurde abgebrochen und durch einen größeren, den heute noch vorhandenen ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbe-Sakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten.
Der romanische Rechteckchor wurde im 15. Jahrhundert abgebrochen und durch den heute noch vorhandenen größeren Chor ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbesakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten.


===Die Hammerstein’sche Gruft===
===Die Hammerstein’sche Gruft===