Uekenpohl 25 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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==Gebäude==
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Auf der Stätte im Hagen/Evert/Ebert, Hörste Nr. 18, existiert um 1640 nur ''ein Hauß''; 1781 wird zusätzlich ''ein Schoppen'' aufgeführt.
Wohl dieses oder jedenfalls ein vorhandenes Haus wird 1880 von Interimswirt/Kötter Gottlieb Hilgenstöhler durch einen Neubau ersetzt; Beschreibung: ''2 Stockwerke, massiv mit Brettergiebel, Dach aus Ziegeln in Kalk,'' (im Inneren:) ''2 heizbare Stuben, 3 Kammern, 1 Keller, 1 Dreschdehle, 3 Bühnen, 1 Rauchkammer.'' Grund des Neubaus: ''Das frühere Wohnhaus ist abgebrannt.''<ref> LAV NRW OWL, L 101 A Nr. 431 </ref>
 
Das 1880 erbaute Haus, einst Zieglerstätte mit Selbstversorgung, wird 1969 als Pension „Waldklause“ genannt, ist also (in der Nachkriegszeit ?) erheblich umgebaut worden.
 
==Inschriften==
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nicht bekannt / keine
 
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
-  Adressbuch 1901:  
-  Adressbuch 1901:  

Version vom 30. September 2026, 21:09 Uhr

Uekenpohl 25 (Hörste)
OrtsteilHörste
StraßeUekenpohl (Hörste)
Hausnummer25
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHörste
Hausnummer018

Diese Straßenkötterstätte hieß ursprünglich Hermann im Hagen, 1781 wurde sie mit Hermann im Hagen olim Evert bezeichnet, im 20. Jahrhundert schließlich Ebert. Sie hatte vor 1970 die Hausnummer 18.

Geschichte

Der Vollmeierhof Krawinkel, deutlich entfernt von den nächsten Bauerschaften gelegen, sah sich um 1600 genötigt, etwas für die bessere Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu tun.[1] Die Lösung bestand in der Einrichtung von drei, etwas später vier Kötterstellen, für die man jeweils etwa einen Hektar Land im Uekenpohl - zehn Minuten vom Hof, aber deutlich weiter entfernt von Hörste und Währentrup - zur Verfügung stellte.[2]

Eine dieser Krawinkelschen Kötterstätten besitzt laut Salbuch um 1617 Teyß im Hagen: Teyß im Hagen vf Krawinckels Gewelde beruft sich vf Freÿheit; die Frowe aber ist M. G. H. eigen. Landschatz 6 Gr.; Hofgerichtsgeld 9 d. Dient vorigem gleich. Dieser vorige in der Auflistung ist Boker Johan, ebenfalls Krawinkels Kötter (später Nr. 17). Bei diesem ist aber nur pauschal angegeben: vbrigs dem Meÿer zum Krawinckell.

Die Wendung „vbrigs dem Meÿer“ findet sich im Salbuch 1781 näher aufgeschlüsselt: dem Colono Crawinckel jährlich 12 Hand diensttage mit 3 mahliges Eßen; demnächst aber in recognitionem [3] beÿ denen Verheÿrathungen erst — 20 thl., beÿ der 2ten 10 thl. und beÿ der 3ten Verheÿrathung 5 thl., wogegen er freÿe Hude und Feurung hätte. Die extrem hohe Zahlung bei erster Eheschließung würde bei baldigem Tod eines Ehepartners wohl direkt in den Ruin führen, ist deshalb für Zweit- und Drittehen abgemildert . . .

Drei Jahrzehnte später - um 1645 - wird der Zustand der Höfe in der Vogtei Lage erfasst[4] ; dabei werden eindeutig alle vier späteren Krawinkel-Kötterstätten aufgeführt: a) Bocker Henrich (später Nr. 17), b) Henrich im Hagen (später Nr. 18), c) Cordt Bax (später Nr. 19) und d) Tyes Henrich (später Nr. 29). Alle sind - wie vom Grundherrn vormals bezweckt - neben ihrer eigenen Kleinlandwirtschaft als Daglohner (Tagelöhner) tätig.

Eher schwierig ist die Frage, ob die 1617 als Teyß im Hagen bezeichnete Stätte in b) oder in d) oder in beide späteren Stätten übergeht. Ties (auch Tÿes) im Hagen wird (neben dem Salbuch 1617) in Registern 1620, 1640 und 1641 genannt, weiteres - etwa ein zusätzlicher Vorname - kommt nicht vor. Henrich Ties u. ä. tritt auf im Salbuch um 1640, in Registern 1641/42, 1645 und 1656.

Im Salbuch um 1640 ist Henrich im Hagen “regulär“ aufgeführt: Henrich im Hagen ein Hoppenplocker, Meÿers zum Krawinckell Kotter, gibt der gn. Herrschafft Burgfestgeldt 9 gr., Hoffgerichtsschatz 3 d., 3 Burgfesttage, nichts eigenes nur ein Hauß. Ties Henrich dagegen ist als Krawinkels Kötter mit ähnlichen Belastungen 1653 nachgetragen.[5]

Henrich im Hagen hat 1633 geheiratet: Hinrich im Hagen des Krawinckels Kotter nimpt Lisken Geller mit vierzig Thaler einer Kuh vndt einem Schweine.[6] 1645 sind aus der Ehe 4 Kinder hervorgegangen, 1648 werden 3 Kinder unter 10 Jahren auf der Stätte gezählt, Ende 1656 werden alle (lebenden) Kinder namentlich genannt:

1) Anke . . . dienet beÿ Krawinkel, 20 Jahre

2) Ursula . . . beÿ dem Niedermeÿer, 14 Jahre

3) Ilsabe . . . beÿm Krawinkel, 12 Jahre

4) Trinecke . . . von 10 Jahren

5) Lische . . . von 7 Jahren

6) Gertrut . . . von 3 Jahren

7) Nesche . . . von 20 Wochen

Aus dem nächsten Gogerichtseintrag von 1681/82 lässt sich in Umrissen entnehmen, wie es auf der Stätte weitergegangen ist: Erbtheil. Henrich im Hagen Klein Hoppenplocker, Tochter Ilsabein, Wittwe, vom Appelbaum sich zu tode gefallen, nichts hinterlaßen alß eine Kuh und 3. unmündige Kinder.[7] Offenbar hat die dritte, 1644 geborene Tochter um 1670 geheiratet und mit ihrem Mann die Stätte angetreten; er ist dann vor einiger Zeit, sie durch einen Unfall jetzt gestorben. Wegen Armut auf der Stätte wird die eigentlich fällige Abgabe nicht erhoben.

Das nächste Paar auf der Stätte wird am 5. Juli 1682 auf der Amtsstube zu Detmold verheiratet: [8] Er, hier Cord Krükemeier genannt, stammt von einer kleinen Stätte in Kalldorf, Amt Vahrenholz, und hat bis jetzt als Knecht beim Meier zu Stapelage gedient. Fünf Taler und eine Kuh von der elterlichen Stätte und 20 Taler verdienet Lohn, so er beÿ dem Meÿer zu Stapelage stehen hatt, bringt er mit in die Ehe. Sie ist Agnete, weil. Henrichs im Hagen eheliche Tochter, also die 1656 geborene jüngste Schwester Nesche (= Agnete). Vier Schwestern der Braut sind zu diesem Zeitpunkt noch unverheiratet.

Bei dem mit Stättenantritt fälligen Weinkauff [9] wird erstmals ein (zunächst unerklärlich) geänderter Stätten- und Familienname dokumentiert: Evert im Hagen Hoppenplocker muß seine Stette beweinkauffen. Der Vorname „Evert“ wird in der nächsten Generation zum Bestandteil des Stätten- und Familiennamens - etwa in der Form Evert alias im Hagen, schließlich verkürzt zu „Evert“, später „Ebert“ als alleinigem Nachnamen.

In den Salbüchern heißt die Stätte 1680 noch Henrich im Hagen, 1685 dann Evert im Hagen. 1708 wird eindeutig festgestellt: Angneta an Erbe der Stätte, hat zum Man Evert Krükkemeÿern vom Winterberge Ambts Vornholtz.[10] Der im Eheprotokoll 1682 eingetragene Vorname Cord muss also falsch sein. Der Freikauf einer Tochter von der Stätte 1713 bestätigt dies: Anna Evert, gebohren von Evert im Hagen und Agnethen im Hagen, Eheleuthen und Strahtenkötters auf des Meÿers zum Crawinckels Grund und Boden, Ambts Detmold, freÿ gelaßen für—- 4 thlr.[11]

1717 heiratet der Sohn Johann Christoffel, übernimmt die Stätte und bewirtschaftet sie wohl bis an sein Lebensende; im Oktober 1761 wird im Kirchenbuch Stapelage eingetragen: Christopf Evert alias im Hagen aus dem Ukenpohl, gewesener Kircheneltester der Bauerschaft Hörste, alt 68 Jahre und 3 Monathe. Zwei seiner Töchter sind lange Jahre verheiratet auf die Hörster Stätten Hunke und Bax im Uek., die dritte ist 15-jährig verstorben. So gibt es 1761 keine unmittelbare Nachfolge auf der Stätte. Noch in der Volkszählung 1769 wird (nur hier) vermerkt: Diese Stätte bewohnen nur Einliegers.

Erst 1778 wird das anders; Johann Hermann Schulze aus Währentrup, Soldat der 2. Compagnie in Detmold, heiratet Amalie Ilsabein Bax, eine jetzt 21-jährige Enkelin des letzten Kötters Christoph Evert. Der Bräutigam ist - damaligen Gepflogenheiten folgend - mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Verwandter von Anna Marg. Elis. Schulte, der ersten Frau von Christoph Evert.

Ab 1820 folgen auf der Stätte nacheinander zwei Söhne des Soldatenkötters aus seiner zweiten Ehe. Der ältere, Friedrich Wilhelm Ebert, scheint zunächst einen damals alltäglichen Lebensweg zu gehen: Heirat 1819, dann sieben Kinder, von denen vier die ersten Jahre überleben - dazu das armselige Dasein als Weber. Das versucht er über die Jahre immer wieder etwas abzumildern durch Kreditaufnahme. Ungewöhnliches kommt hinzu: 1833 wird ein Einbruchdiebstahl auf der Stätte angezeigt, bei dem allerlei abhanden kommt.

1836 kann er dann eingegangene Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen; die „Acta in Sachen Gläubiger, Liquidanten gegen Colon Ebert im Uekenpohle der Bauerschaft Hörste, Liquidaten“ enthält Einzelheiten.[12] Das übliche Procedere läuft im Sommer 1836 an: Die Gläubiger werden öffentlich aufgefordert, ihre Forderungen zu benennen und zu belegen, die Stätte incl. lebendem und totem Inventar wird geschätzt, Überschuldung wird amtlich festgestellt und die Zwangsversteigerung der Stätte in die Wege geleitet. Im dritten Versteigerungstermin erwirbt Colon Ebert aus Augustdorf, der vier Jahre jüngere Bruder Jobst Hermann Wilhelm des verschuldeten bisherigen Kötters seine elterliche Stätte. Er verkauft sein Colonat in Augustdorf und bezieht die elterliche Stätte im Uekenpohl, die er bis 1866 bewirtschaftet.

Der älteste Sohn tritt die Nachfolge an, verstirbt aber bereits fünf Jahre später an Schwindsucht. Daraufhin heiratet 1871 der Weber Gottlieb Hilgenstöhler, ein Sohn vom nahen Hilgenstuhl, die Witwe Ebert und damit auf die Stätte, die nun nach dem sieben Jahre zuvor geänderten Namensrecht offiziell seinen Namen tragen müsste. Offenbar sind aber alte Gewohnheiten stärker; seine sechs auf der Stätte geborenen Kinder werden in den Folgejahren unter dem Namen „Ebert“ ins Taufregister eingetragen, denn ihr Vater wird dort als „Ebert, geb. Hilgenstöhler“ angegeben.

Beim nächsten Generationswechsel 1909 übernimmt der Anerbe, vom Amtsgericht Oerlinghausen korrekt als "Ziegler Adolf Hilgenstöhler" bezeichnet, die Stätte von seiner Mutter, der Witwe Hilgenstöhler.[13] Bei seiner Eheschließung im Februar 1910 wird er vom Standesbeamten als „Adolf Hilgenstöhler, genannt Ebert“ eingetragen. Offenbar ist er irgendwann über die Diskrepanz zwischen Alltagsnamen (Ebert) und amtlich korrektem Namen (Hilgenstöhler) so ungehalten, dass er eine Verfügung des Landespräsidiums Detmold vom 16. August 1921 erwirkt, nach der für ihn und seine Nachkommen der alleinige Familienname „Ebert“ lautet. Anfang 1925 lässt er mit der Verfügung auch seinen bzw. den Stättennamen im Grundbuch zu „Ebert“ korrigieren.

Adolf Hilgenstöhler/Ebert hat aber keine (überlebenden) Nachkommen, denn nach seinem Tod 1942 treten 9 Erben - alle außerhalb ansässige Geschwister und Geschwisterkinder — in Erscheinung, die die 6 ha große Stätte Nr. 18 1950 zunächst an eine Erbin aus ihrem Kreis verkaufen, die das Anwesen dann 1951 an einen „ostvertriebenen Landwirt“ weiterveräußert.[14]

Gebäude

Auf der Stätte im Hagen/Evert/Ebert, Hörste Nr. 18, existiert um 1640 nur ein Hauß; 1781 wird zusätzlich ein Schoppen aufgeführt.

Wohl dieses oder jedenfalls ein vorhandenes Haus wird 1880 von Interimswirt/Kötter Gottlieb Hilgenstöhler durch einen Neubau ersetzt; Beschreibung: 2 Stockwerke, massiv mit Brettergiebel, Dach aus Ziegeln in Kalk, (im Inneren:) 2 heizbare Stuben, 3 Kammern, 1 Keller, 1 Dreschdehle, 3 Bühnen, 1 Rauchkammer. Grund des Neubaus: Das frühere Wohnhaus ist abgebrannt.[15]

Das 1880 erbaute Haus, einst Zieglerstätte mit Selbstversorgung, wird 1969 als Pension „Waldklause“ genannt, ist also (in der Nachkriegszeit ?) erheblich umgebaut worden.

Inschriften

nicht bekannt / keine

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

- Adressbuch 1901:

18 (Uekenpohl) Ebert, Henriette, Landw.


- Adressbuch 1926:

18 (Uekenpohl) Ebert, Adolf, Landw.

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Mitteilungen aus der lipp. Geschichte und Landeskunde Bd. 10 (1914), S. 109 – 151
  2. ↑ Eine schriftliche Quelle für die so von Aug. Krawinkel dargestellte Gründung der Kötterstellen existiert allerdings offenbar nicht.
  3. ↑ in recognitionem (lat.) = in Anerkennung von . . . (Weinkauf) Gebühr für die Akzeptanz der auf die Stätte einheiratenden Personen durch den Grundherrn
  4. ↑ LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 94
  5. ↑ LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 92, S. 160
  6. ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 174, S. 82
  7. ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 179, S. 45
  8. ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 134, S. 79
  9. ↑ LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 179, S. 71
  10. ↑ LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 496
  11. ↑ LAV NRW OWL, L 83 D Nr. 2, S. 178
  12. ↑ LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XIV
  13. ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300357
  14. ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300357
  15. ↑ LAV NRW OWL, L 101 A Nr. 431

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

Seitenhistorie

Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 30.09.2026 von Dr. Horst Wissbrock