Kirchweg Kirche (Heiligenkirchen): Unterschied zwischen den Versionen
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===Die Hammerstein’sche Gruft=== | ===Die Hammerstein’sche Gruft=== | ||
1663 wurde an der Nordseite des Langhauses, unmittelbar an den Chor anschließend, die Gruft der Familie von Hammerstein angebaut.<ref> Zur Familie von Hammerstein siehe LAV NRW OWL, L 52 Lippischer Adel, Nr. 104: v. Hammerstein, 1592–1757.</ref> 1614 hatte der lippische Rat Hans Adam von Hammerstein (1579–1653) | 1663 wurde an der Nordseite des Langhauses, unmittelbar an den Chor anschließend, die Gruft der Familie von Hammerstein angebaut.<ref> Zur Familie von Hammerstein siehe LAV NRW OWL, L 52 Lippischer Adel, Nr. 104: v. Hammerstein, 1592–1757.</ref> 1614 hatte der lippische Rat Hans Adam von Hammerstein (1579–1653) die 1610 von Graf Simon VI. gegründete herrschaftliche Meierei im benachbarten [[Hornoldendorf]] pfandweise übernommen, da der Graf bei Gesamtschulden von rund 700.000 Talern die 12.000 von Hammerstein geliehenen Taler nicht zurückzahlen konnte. Hammerstein saß hier bereits seit der Meiereigründung als Verwalter ("Hofmeister") und hatte erhebliche Eigenmittel in die Bauten gesteckt. Er erreichte, dass die Meierei nun den Status eines adeligen, erblichen und landtagsfähigen Rittergutes erhielt.<ref> LAV NRW OWL, L 18 Vogtei Falkenberg, Nr. 25, 1610–1614, 1713.</ref><ref> LAV NRW OWL, L 19 Vogtei Falkenberg, Nr. 27, 1657, 1709–1722, 1761–1783.</ref> | ||
Als Hammerstein 1643 zum dritten Mal heiratete, vermachte er seiner neuen Ehefrau Leveke von Münchhausen (1616–1675) das Gut als künftigen Witwensitz. Immerhin war er 37 Jahre älter als seine Braut. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes ließ die Witwe die Familiengruft errichten. Sie war durch eine Treppe mit dem Kirchenschiff verbunden. 1685 wurde auch Hans Adams Neffe Friedrich Christoph von Hammerstein (1608–1685) hier beigesetzt. Er hatte zehn Jahre zuvor der Kirchengemeinde 400 Reichstaler geschenkt, deren Zinsen jährlich auf Haus Hornoldendorf unter die Armen verteilt werden sollten, und weitere 1.600 Reichstaler je zur Hälfte dem Pastor und den Armen der Gemeinde vermacht, um in dem Gewölbe beerdigt zu werden. Davon wissen wir, weil es ein knappes Jahrhundert später zum Streit darüber kam, ob eine Reparatur des Totengewölbes von der Gemeinde oder durch Ludwig von Hammerstein, der sie in Auftrag gegeben hatte, bezahlt werden sollte. Zur Untersuchung war eine gräfliche Kommission eingesetzt worden, deren Zuständigkeit von Hammerstein vor dem Reichskammergericht erfolglos anfocht.<ref> LAV NRW OWL, L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 274 und Nr. 276. </ref> | Als Hammerstein 1643 zum dritten Mal heiratete, vermachte er seiner neuen Ehefrau Leveke von Münchhausen (1616–1675) das Gut als künftigen Witwensitz. Immerhin war er 37 Jahre älter als seine Braut. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes ließ die Witwe die Familiengruft errichten. Sie war durch eine Treppe mit dem Kirchenschiff verbunden. 1685 wurde auch Hans Adams Neffe Friedrich Christoph von Hammerstein (1608–1685) hier beigesetzt. Er hatte zehn Jahre zuvor der Kirchengemeinde 400 Reichstaler geschenkt, deren Zinsen jährlich auf Haus Hornoldendorf unter die Armen verteilt werden sollten, und weitere 1.600 Reichstaler je zur Hälfte dem Pastor und den Armen der Gemeinde vermacht, um in dem Gewölbe beerdigt zu werden. Davon wissen wir, weil es ein knappes Jahrhundert später zum Streit darüber kam, ob eine Reparatur des Totengewölbes von der Gemeinde oder durch Ludwig von Hammerstein, der sie in Auftrag gegeben hatte, bezahlt werden sollte. Zur Untersuchung war eine gräfliche Kommission eingesetzt worden, deren Zuständigkeit von Hammerstein vor dem Reichskammergericht erfolglos anfocht.<ref> LAV NRW OWL, L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 274 und Nr. 276. </ref> | ||
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Friedrich Christoph von Hammerstein war kinderlos geblieben, daher stiftete der seit Levekes Tod auf dem [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Rittergut Hornoldendorf]] sitzende Sohn Christoph Ludolf von Hammerstein (1646–1728) seinem Vetter 1686 ein steinernes Epitaph. Diese Gedenktafel ist erhalten und befindet sich heute innen an der Nordwand des Langhauses. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716) formulierte Inschrift lautet: | Friedrich Christoph von Hammerstein war kinderlos geblieben, daher stiftete der seit Levekes Tod auf dem [[Rittergutsweg 1 (Hornoldendorf)|Rittergut Hornoldendorf]] sitzende Sohn Christoph Ludolf von Hammerstein (1646–1728) seinem Vetter 1686 ein steinernes Epitaph. Diese Gedenktafel ist erhalten und befindet sich heute innen an der Nordwand des Langhauses. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716) formulierte Inschrift lautet: | ||
MEMORIÆ/FRIDERICI CHRISTOPHORI / DE GENTE EX ARCE RHENI/HAMMERSTEIN / NATI BOCKELHEMII IN PALATINATU / XV SEPTEMB. ANNO CHRISTI MDCVIII / PATRE IOHANNE WERNERO, / MATRE MARTA A SPONHEIM, / QUI/UBICUM GUSTAVO ADOLPHO SUECORUM REGE / IN GERMANIAM TANTUM MILES APPULIT, INDE / PER OMNES GRADUS IN EADEM LEGIONE AD/TRIBUNI ET POSTREMO IN EXERCITU AD/PRÆFECTI VIGILARUM GENERALIS / HONOREM PERVENIT/TANDEM PACE PATRIÆ REDDITA / SERERENISSIMORUM DUCUM BRUNOVICENSIUM/COPIIS CUM SUMMO IMPERIO/PRÆFUIT/OBIIT COELEBS IN OLENDORF LIPSIENS. COMITATUS / XII OCTOB. ANNO CHRISTI MDCLXXXV. / SEPULCHRI MONUMENTUM/CONSOBRINO BENE DE GENTE MERITO POSUIT / CHRISTOPHORUS LUDOLPHUS/DE HAMMERSTEIN / ANNO CHR. MDCLXXXVI. | |||
Eine Übersetzung bietet Wendt an: | Eine Übersetzung bietet Wendt an: | ||
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"Zum Gedächtnis an Friedrich Christoph von Hammerstein aus dem Geschlechte der Burggrafen vom Rhein. Geboren in Böckelheim in der Pfalz [Schloss an der Nahe zwischen Bad Kreuznach und Bad Sobernheim] am 15. Sept. im Jahre des Herrn 1608 als Sohn des Johann Werner und seiner Frau Martha von Sponheim. Er kam mit dem Schwedenkönig Gustav Adolph nach Deutschland und durchlief in demselben Regiment alle Dienstgrade bis zum Oberst und schließlich im Heer bis zu der des Generales der Wachtruppen. Er hatte schließlich, nachdem der Friede dem Vaterland geschenkt war, den Oberbefehl über die Truppen der erhabenen Herzöge von Braunschweig. Er starb als berühmter Mann in Öhlendorf [Oelentrup] in [der Grafschaft] Lippe. Am 12. Oct. i. J. d. H. 1685 wurde er zu Grabe getragen. Dies Grabmal setzte dem um das Geschlecht sehr verdienten Vetter Christoph Ludolph von Hammerstein im Jahre des Herrn 1686."<ref>{{WendtAmt1965}}, S. 195</ref> | "Zum Gedächtnis an Friedrich Christoph von Hammerstein aus dem Geschlechte der Burggrafen vom Rhein. Geboren in Böckelheim in der Pfalz [Schloss an der Nahe zwischen Bad Kreuznach und Bad Sobernheim] am 15. Sept. im Jahre des Herrn 1608 als Sohn des Johann Werner und seiner Frau Martha von Sponheim. Er kam mit dem Schwedenkönig Gustav Adolph nach Deutschland und durchlief in demselben Regiment alle Dienstgrade bis zum Oberst und schließlich im Heer bis zu der des Generales der Wachtruppen. Er hatte schließlich, nachdem der Friede dem Vaterland geschenkt war, den Oberbefehl über die Truppen der erhabenen Herzöge von Braunschweig. Er starb als berühmter Mann in Öhlendorf [Oelentrup] in [der Grafschaft] Lippe. Am 12. Oct. i. J. d. H. 1685 wurde er zu Grabe getragen. Dies Grabmal setzte dem um das Geschlecht sehr verdienten Vetter Christoph Ludolph von Hammerstein im Jahre des Herrn 1686."<ref>{{WendtAmt1965}}, S. 195</ref> | ||
Abweichend von Leibniz Entwurf wurden die Namen der Angehörigen auf der Tafel ergänzt und die Aufstellung, die erst 1700 stattgefunden haben soll, zurückdatiert | Abweichend von Leibniz' Entwurf wurden die Namen der Angehörigen auf der Tafel ergänzt und die Aufstellung, die erst 1700 stattgefunden haben soll, zurückdatiert, vgl. [https://leibniz-potsdam.bbaw.de/fileadmin/Webdateien/bilder/IV8text.pdf Leibnitz-Edition Bd. IV/8, S. 124 f.]. | ||
Da Friedrich Christoph von Hammerstein 1675 und 1680 die Zinseinkünfte aus zwei Schuldbriefen im Gesamtwert von immerhin 2.000 Talern den Armen, der Schule und dem Prediger der Kirchengemeinde Heiligenkirchen vermacht hatte, soll hier noch kurz berichtet werden, dass er am 15. September 1608 auf der Burg Schlossböckelheim an der Nahe geboren war, seine Militärlaufbahn als Pikenier in Holland begann, 1629 nach Stockholm ging, im Jahr darauf wieder nach Deutschland zurückkehrte, wo er es im Dreißigjährigen Krieg zum schwedischen Generalmajor brachte, und nach dem Krieg Generalwachtmeister der braunschweigisch-lüneburgischen Truppen war. 1663 quittierte er den Dienst und verbrachte seinen Lebensabend auf der gräflich-lippischen Meierei Oelentrup bei Burg Sternberg, die er 1648 – ähnlich wie sein Onkel die Meierei Hornoldendorf – pfandweise erworben hatte. Hier starb er am 12. Oktober 1685. | Da Friedrich Christoph von Hammerstein 1675 und 1680 die Zinseinkünfte aus zwei Schuldbriefen im Gesamtwert von immerhin 2.000 Talern den Armen, der Schule und dem Prediger der Kirchengemeinde Heiligenkirchen vermacht hatte, soll hier noch kurz berichtet werden, dass er am 15. September 1608 auf der Burg Schlossböckelheim an der Nahe geboren war, seine Militärlaufbahn als Pikenier in Holland begann, 1629 nach Stockholm ging, im Jahr darauf wieder nach Deutschland zurückkehrte, wo er es im Dreißigjährigen Krieg zum schwedischen Generalmajor brachte, und nach dem Krieg Generalwachtmeister der braunschweigisch-lüneburgischen Truppen war. 1663 quittierte er den Dienst und verbrachte seinen Lebensabend auf der gräflich-lippischen Meierei Oelentrup bei Burg Sternberg, die er 1648 – ähnlich wie sein Onkel die Meierei Hornoldendorf – pfandweise erworben hatte. Hier starb er am 12. Oktober 1685. | ||
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Der andere Stein, der an die Stifterin der Familiengruft erinnern soll, hat nach dem Abbruch der Gruft 1863 seinen Platz außen unter der neuen Fensteröffnung an der Nordwand gefunden, wo er auf die hier ehemals vorhandene Gruft hinweist. Der Text – soweit noch lesbar – lautet mit Ergänzungen nach Wendt: | Der andere Stein, der an die Stifterin der Familiengruft erinnern soll, hat nach dem Abbruch der Gruft 1863 seinen Platz außen unter der neuen Fensteröffnung an der Nordwand gefunden, wo er auf die hier ehemals vorhandene Gruft hinweist. Der Text – soweit noch lesbar – lautet mit Ergänzungen nach Wendt: | ||
ETTI..XMMX SEPVLCHRALE / VT CONDAT CINERES ET SVOS VMBRAS [ET] SVO / RVM HAMMERSTEINIADVM POSVIT HOC / GENETRIX NOBILIS ILLA FVIT GENERE ET VIR / TVTE PROBATA CAETERA [Q]VID LETHI SIC/MEMOR ILLA FVIT SIT SVA LAVS IGITUR/PIETATI LE[C]TOR [ET] IPSE CVM / SIS MORTIIS [QU]OD MORIERE [SCIAS] | |||
Ein freier Übersetzungsversuch: "... dieses Grab erbaut und die Asche und seinen Schatten in das Hammersteiniadum eingestellt durch diese edle Mutter, deren Tüchtigkeit anerkannt ist. Im Übrigen kümmerte sie sich nicht um den Strom des Vergessens der Erinnerung. Der Leser lobe deshalb die Frömmigkeit und lerne mit den Toten das Sterben." | |||
Anfang des 18. Jahrhunderts erfahren wir aus den Akten des Gogerichts, dass der vierte Stuhl hinter der Kanzel Teutmeyer gehörte. Johan Cord Teutmeyer verklagte Anthon Stockmeyer, der ihn im Kirchenstuhl auf die Seite gestoßen habe, "allwo er doch nichts zu sagen hätte".<ref> Zit. nach {{TeutmeyerChroniken2019}}, S. 55. </ref> | Anfang des 18. Jahrhunderts erfahren wir aus den Akten des Gogerichts, dass der vierte Stuhl hinter der Kanzel Teutmeyer gehörte. Johan Cord Teutmeyer verklagte Anthon Stockmeyer, der ihn im Kirchenstuhl auf die Seite gestoßen habe, "allwo er doch nichts zu sagen hätte".<ref> Zit. nach {{TeutmeyerChroniken2019}}, S. 55. </ref> | ||