Lange Straße Kirche (Lage): Unterschied zwischen den Versionen

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Burkhard Meier, 1000 Jahre Marktkirche Lage. Ein historischer Streifzug, in: Burkhard Meier/Ulrich Pohl, Die Marktkirche Lage in Geschichte und Gegenwart (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage; 6), 2. Aufl., Lage 1993, S. 9–74.


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Version vom 9. September 2026, 15:55 Uhr

Ev.-ref. Marktkirche Lage

Lange Straße Kirche (Lage)
OrtsteilLage (Kernstadt)
StraßeLange Straße (Lage)
HausnummerKirche
Karte
Adressbuch von 1901

Im 9./10. Jh. entstanden, der heutige Bau im Wesentlichen 15. Jh.. Ausgrabungen haben ergeben, dass die Anfänge des Gotteshauses bereits im neunten oder zehnten Jahrhundert zu suchen sind. An der Kreuzung wichtiger Fernwege wurde direkt am Werreübergang eine Kirche errichtet.[1]

Lage

An einer Furt der Werre auf einem leicht erhöhten Sporn etwa 3 m über der Werreaue am Knotenpunkt mehrerer Verkehrswege von Schötmar, Hagen, Lemgo, Heiden und Detmold bzw. jenseits der Furt von Horn, der Dörenschlucht, Oerlinghausen und Iggenhausen, überregional verlief hier die Fernhandelsstraße von Frankfurt/Main nach Bremen.[2] Die Kirchhofmauer war spätestens 1615 mit der Schule bebaut, die Karte des Landmessers Heimburg zeigt 1771 3 Häuser (um 1900 abgerissen) und das Pfarrhaus mit Backhaus an/auf der Mauer.

Geschichte

Schon um 1274 kommt Lage als Kirchdorf urkundlich vor. Die Johanneskirche basiert auf einer Schenkung von Heinrich von Iggenhausen und seiner Frau Ermgard im Jahre 1375. [3]

Erste urkundliche Erwähnung 1274. 1972 archäologische Untersuchung während des Einbaus einer Fußbodenheizung. Freilegung mehrerer Perioden.

  • Periode I: rechteckiger Saalbau mit Flachdecke und eingezogenem Rechteckchor (annähernd quadratisch).
  • Perdiode II: Anbau einer eingezogenen halbrunden Apsis.
  • Periode III: 2. Hälfte des 12. Jh. teilweiser Neubau der Längswände wegen Einwölbung, Bau des Turmes.
  • Periode IV:
  • Periode V: Anbau schmaler Seitenschiffe.
  • Periode VI: Chorvergrößerung zum heutigen Ausmaß.
  • Periode VII: Anbau im Norden an das Ostjoch.
  • Periode VIII: Anbau des 2-jochigen nördlichen Seitenschiffs.
  • Periode IX: 15. Jh. Vergrößerung Südschiff, Ausbau zur spätgotischen Hallenkirche, fertiggestellt 1471 (i).

In der Eversteinische Fehde 1407 und im Dreißigjährigen Krieg Beschädigungen. Die Kirche diente in Kriegszeiten der Bevölkerung wie andernorts auch als Zufluchtsort. 1616 Entfernung des Bilderschmucks der Kirche.[4]

1883 Abriss der beiden Erbbegräbnisse des Gutes Iggenhausen an der Ost- (1707) und Westseite (1662) wegen Einsturzgefahr des Kirchenschiffs, Bau zusätzlicher Strebepfeiler zur Ableitung des Gewölbeschubs.[5] Überführung der 28 Särge auf den Friedhof von 1833. Preuß hatte diese 1873 noch gesehen: "Vor dem Erbbegräbnisse des Gutes Iggenhausen an der Nordseite der Kirche findet sich die Jahreszahl 1662 und über derselben ein Wappenstein mit den Namen des Johann Dietrich von dem Brink (gest. 1661) und seiner Ehefrau Katharina Hedwig von Oeynhausen (gest. 1681). Ueber einem jetzt vermauerten Eingange an der Ostseite der Kirche sind ebenfalls zwei Wappensteine und darunter die nicht mehr ganz lesbaren Namen des dänischen Generals Hans Christoph von Schack (gest. 1701 zu Iggenhausen) und seiner Ehefrau Amalia Katharina, geb. von dem Brink (gest. 1752) angebracht."[6]

1925 Einbau einer Dampfheizung, Ausmalung des Inneren nach Entwurf von Prof. Dauber/Marburg (1952 übermalt), Entfernung der Türen des Kirchengestühls. Am 21./22. März 1945 kleinere Bombenschäden an der Kirche (Dach, Türen und Glasfenster). Allerdings wurden 2 Kelche und 2 Abendmahlskannen im abgebrannten Haus des Kirchendieners August Kroos vernichtet. 1950 Erneuerung des Dachstuhls durch eine Stahlkonstruktion. Dabei auch die beiden westlichen Nordgiebel neu aufgemauert und die Wasserspeier ersetzt.[7] 1972 Entfernung von Abendmahlstisch, Kanzel, Längsemporen und Windfängen, Reduzierung der Westempore auf den Bereich der Orgel (in den 1990ern wieder verbreitert).[8]

Gebäude

Kirche St. Johann - Marktkirche Lage, 2008, Foto: Ingo2802
Kirche von Nordosten, Skizze: Ludwig Menke, 1851 (LLB, HV 15,18)
Kirche von Nordosten, Foto: Wilhelm Pecher, um 1910 (LLB, BA LA-1-41)

Zunächst eine etwa 12 m lange Saalkirche mit quadratischem eingezogenem Chor (archäologisch nachgewiesen).

Heute eine dreischiffige Hallenkirche aus Bruchstein mit Werksteingliederungen. Die Schiffe je 3 Joche lang, das südliche Seiten- und das Mittelschiff deutlich kürzer als das nördliche Seitenschiff. Die einzelnen Joche annähernd quadratisch, so dass der gesamte Grundriss quadratisch wirkt mit den Annexen Chor und Turm. Der Westturm von quadratischem Grundriss mit Nordportal, der Chor rechteckig, mit der Südmauer vor die Stirnseite des Südschiffs stoßend. Die Bruchsteingewölbe werden von schlichten Achteckpfeilern getragen. Im Chor und im Nordschiff die beiden westlichen Joche mit schlichten Kreuzgratgewölben, alle übrigen mit Kreuzrippengewölben und figürlichen Schlusssteinen. Der quadratische Turm an der Westseite hat ein schiefergedecktes Pyramidendach.

Maße: Langhaus Länge 16 m im Lichten, Breite 18,20 m. Breite des Mittelschiffs 6,20 m, der Seitenschiffe 5,70 m. Höhe bis zum Gewölbescheitel 8,20 m; Höhe der Pfeiler nur 3,10 bzw. 2,50 m. Chor im Lichten 5,35 m tief, 7,10 m breit, Mauerstärke 1,10 m. Turm äußere Länge 7,25 m, Mauerstärke (Erdgeschoss) 1,40m, Höhe bis zur Mauerkrone 18,20 m. Gesamte äußere Länge der Kirche 32 m.[9]

Am Triumphbogen und in den Ostecken des Chors Kapitelle und Säulen eines romanischen Portals (ehemals vermutlich an der Nordfassade), das Ähnlichkeiten mit der "Roten Pforte" des Paderborner Doms sowie Portalen von St. Nikolai in Lemgo und dem Mindener Dom zeigt.[10] Gotische Maßwerkfenster, Rose im mittleren Joch und Westjoch des Nordschiffs.

Inschriften

An der Nordseite am 3. Strebepfeiler in gotischer Minuskel: "na gots gebort mcccclxxi [1471] iar up michahelis beret [bereitet] van hermann hugen"

Auf der Marienglocke: "Maria bin ick geheten des sal dit kerspel geneten, van allen quaden se behoden unde bistendich in allen noden. Walter Westerhus godt mi in dem jar MCCCCCXVIII."[11]

Auf dem Renaissance-Epitaph (dt. Übersetzung): "Gedenkstein für Nikolaus und Katharina Margarethe, die lieblichsten Kinder des Egbert May und der Elisabeth Cothmann, von denen diese seit dem 17. November, jener seit dem 3. April 1412 [recte: 1612] beim gütigen Gott schläft, hinterlassen von den Eltern."

Unter dem Allianzwappen (ehem. am Orgelprospekt): links "V. G. G. [Von Gottes Gnaden] / FRIEDERICH ADOLFF / REGIRENDER GRAFF U. E. [Und Edler] / H. Z. [Herr Zur] LIPP. S. V. V. [Souverain von Vianen] / A. E. B. Z. U. [Ameiden Erb-Burggraf zu Utrecht]", rechts "V. G. G. / AMELIA REGIRENDE / GRAF U. EDELE FR. Z. / LIPP. G. G. Z. S. U. [Gräfin zu Solms und] / M. W. U. [Münzenberg, Wildenfels und] SONN / WALD", darunter mittig 1710.

Glocken

Marienglocke von 1518 (i), Durchmesser 1,45 m, 1.900 kg. Inschrift: "Maria bin ick geheten des sal dit kerspel geneten, van allen quaden se behoden unde bistendich in allen noden. Walter Westerhus godt mi in dem jar MCCCCCXVIII."[12] Die Glocke wurde 1942 für Rüstungszwecke zum Einschmelzen konfisziert, blieb jedoch verschont und wurde bei der Eisenhütte in Lünen wiedergefunden. 1948 kehrte sie nach Lage zurück.

Im Ersten Weltkrieg mussten die Glocken von 1754 und 1836 abgegeben werden. 1917 im Kupferwerk Ilsenburg eingeschmolzen. Die von 1754 gegossen von Carl de Lapaix, die Inschrift lautete: "Johann Conrad Antze, zeitiger Prediger zur Lage, Töns Jobst Bade zu Waddenhausen und Johan Arend Johanning zu Ohrsen, Kirchendechen. Anno 1754 gos mich Carl de Lapaix". Ersetzt wurden sie 1925, gegossen von Heinrich Humpert/Brilon, 1,03 und 1,22 m Durchmesser, 630 und 1.200 kg. Die größere 1942 eingeschmolzen, nach 1950 durch eine Glocke von A. Junker/Brilon ersetzt.

2002 Einbau eines Glockenspiels aus 13 kleinen Glocken.

Orgel

Orgel, Foto um 1960 (LLB, BA LA-1-48)

Barock-Prospekt von 1707 und sechs erhaltene Register von 1680 und 1707 (Johannes Fincke), einmanualig und mit einem "angehengten Pedal und drey beständigen Bälgen" ausgestattet. 1884 nach Umbau durch Orgelbauer Klaßmeyer/ Kirchheide zweimanualig mit selbstständigem Pedal. Barock-Prospekt nach hinten verschoben und Spieltisch von der Seite nach vorne gesetzt, wo sich früher das Stifterwappen befand. 1947 Rückpositiv von der Orgelbaufirma Emil Hammer/Hannover. 1962-1966 fast alle Holzteile und Pfeifen erneuert. 2006 Gehäuse statisch gesichert durch Paschen Orgelbau/Kiel, Spieltisch erneuert.[13] 25 klingende Stimmen und 1.924 Pfeifen. Die zugehörige Stiftertafel wurde in das Südschiff gehängt.

Ausstattung

Renaissance-Epitaph, von Säulen gerahmte Inschrift (s. u.), bekrönt von einem Engelskopf, unten zwei Wappen (May und Cothmann). 1996 im Keller des Pfarrhauses gefunden und im nördlichen Seitenschiff aufgehängt.

Stiftertafel, ursprünglich am Orgelgehäuse, jetzt im Südschiff. Allianzwappen Graf Friedrich Adolf zur Lippe und Amalie zu Solms-Hohensolms (Inschrift s. u.).

Barockkanzel, 1992 aus der Kapelle im alten Amtshaus in Schieder. 1992 durch einen neuen passenden Altartisch ergänzt.

Vier figürlich verglaste Farbfenster von 1925 (ein fünftes verloren). Darstellung von Petrus und Paulus im Chor. Unter der Fensterrose im mittleren Joch des Nordschiffs ein kleines Fenster mit zwei Wappenscheiben, links das Wappen Kotzenberg und rechts Lippische Rose (1925). Im Westjoch 1994 eine Kopie der Rosettenverglasung. 1954 Fensterstiftung der Kantorei im südwestlichen Joch.

Taufstein, 1952 durch Bildhauer Kubinsky/Lage. Symbolischer Bildschmuck mit Taube, Kreuz und Wellern.

Kronleuchter von 2002.

Eigentümer

Ev.-ref. Kirchengemeinde Lage

Pastoren

bis 1926[3]

  • JJJJ

Literatur

Otto Preuß, Die baulichen Alterthümer des Lippischen Landes, Detmold 1873.

Bernhard Meyer, Die alten Glocken des Lippischen Landes mit baugeschichtlichen Nachrichten über die zugehörigen Kirchen, Kapelle usw., in: Jahresbericht des Lippischen Bundes für Heimatschutz, 11 (1918), S. 10–56.

Otto Gaul: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen: Landkreis Detmold, Typoskript, Lemgo um 1960 Digitalisat .

Burkhard Meier, 1000 Jahre Marktkirche Lage. Ein historischer Streifzug, in: Burkhard Meier/Ulrich Pohl, Die Marktkirche Lage in Geschichte und Gegenwart (Beiträge zur Geschichte der Stadt Lage; 6), 2. Aufl., Lage 1993, S. 9–74.

Burkhard Meier, Lippische Kirchen, Detmold 2004

Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Burkhard Meier, Lippische Kirchen, Detmold 2004, S. 113
  2. Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008, S. 1.
  3. 3,0 3,1 Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, Seite 447 ff
  4. Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. #.
  5. Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008, S. 5/7.
  6. Otto Preuß, Die baulichen Alterthümer des Lippischen Landes, Detmold 1873, S. 56 f.
  7. Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008, S. 16.
  8. Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 53 (1975), S. 545 f.
  9. Otto Gaul: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen: Landkreis Detmold, Typoskript, Lemgo um 1960 Digitalisat .
  10. Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008, S. 18.
  11. Bernhard Meyer, Die alten Glocken des Lippischen Landes mit baugeschichtlichen Nachrichten über die zugehörigen Kirchen, Kapelle usw., in: Jahresbericht des Lippischen Bundes für Heimatschutz, 11 (1918), S. 10–56.
  12. B.Meyer, die alten Glocken des lipp. Landes, S.21. Zit. nach Burkhard Meier, Die Marktkirche in Lage (Lippische Kulturlandschaften; 9), Detmold 2008, S. 25.
  13. Website der Kirchengemeinde.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns, Wolfgang Kramer

Seitenhistorie

Seite erstellt am 05.05.2026 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 09.09.2026 von Joachim Kleinmanns