Uekenpohl 37 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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Dr. Horst Wissbrock (Diskussion | Beiträge)
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==Geschichte==
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Der Vollmeierhof Krawinkel, deutlich entfernt von den umliegenden Bauerschaften gelegen, sah sich um 1600 genötigt, etwas für die bessere Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu tun.<ref> Mitteilungen aus der lipp. Geschichte und Landeskunde Bd. 10 (1914), S. 109 – 151 </ref> Die Lösung bestand in der Einrichtung von drei, etwas später vier Kötterstellen, für die man jeweils etwa einen Hektar Land im Uekenpohl  -  zehn Minuten vom Hof, aber deutlich weiter entfernt von Hörste und Währentrup  -  zur Verfügung stellte.<ref> Eine schriftliche Quelle für die so von Aug. Krawinkel dargestellte Gründung der Kötterstellen existiert allerdings offenbar nicht. </ref>
Eine dieser Krawinkelschen Kötterstätten besitzt laut Salbuch um 1617 Deppe Backs: ''Deppe Backs vf Krawinckels Gewelde ist M. G. H. Eigen, die Frowe aber bereumbt sich Freÿheit. Landschatz 3 Gr.; Hofgerichtsgeld 6 Gosl.; ubrigs dem Meyer.''
 
Die Wendung „''ubrigs dem Meyer''“ findet sich im Salbuch 1781 näher aufgeschlüsselt: ''dem Colono Crawinckel jährlich 12 Hand diensttage mit 3 mahliges Eßen; demnächst aber in recognitionem<ref> in recognitionem (lat.) = in Anerkennung von . . .  (Weinkauf) Gebühr für die Akzeptanz der auf die Stätte einheiratenden Personen durch den Grundherrn </ref>  beÿ denen Verheÿrathungen erst  —  20 thl., beÿ der 2ten 10 thl. und beÿ der 3ten Verheÿrathung  5 thl., wogegen er freÿe Hude und Feurung hätte.'' Die extrem hohe Zahlung bei erster Eheschließung würde bei baldigem Tod eines Ehepartners wohl direkt in den Ruin führen, ist deshalb für Zweit- und Drittehen abgemildert  . . .
 
Deppe Bax wird in Steuerlisten 1620, 25, 28, 40 und 1643 genannt, sein Nachfolger  -  Sohn oder Schwiegersohn ? -  Cordt Bax<ref> im Uhrgeldregister von 1654 bezeichnet als „Backs Deppen Cort“ (ALLK, Bestand 04/17 Nr. 246) </ref> tritt ab 1640 als Kötter in Erscheinung. Er hat drei Kinder: Bernhard, * 1642, Ilsabein, * 1645 und einen namenlos 1648 gezählten Säugling.
Nach weiten Lücken in den 1660er und 1670er Jahren finden sich aus den 1680er Jahren wieder Nachrichten über die Stätte: ''Jost Backhauß . . . hatt . . . 4 Stieffkinder'' (Salbuch 1683), dann 1685 folgende spezielle Ehekonstellation: <ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 134, S. 315 </ref> ''Jost Langemann wittiber im Ückenpohl nimbt zur andern Ehe Anna Elisabeth, weil. Henrich Baxs daselbst eheliche Tochter, sponsa ist sponsus seiner sehl. Fr. Stiefftochter, wohnen in einem Hause und behält der Bräutigam so zu ihrem Stiefsonn . . . die Gühter.''  . . .
 
Diese Konstellation ist eigentlich nur denkbar, wenn die 1645 geborene Ilsabein Bax sehr jung (um 1665) mit ihren Ehemann Henrich NN ein erstes Kind gezeugt hat  -  die spätere Braut Anna Elisabeth Bax. Drei weitere Kinder des Paares, dann ihr Tod, seine/Henrichs Wiederheirat, sein Tod, der Witwe Wiederheirat mit Langemann und schließlich dieser ersten Langemann-Ehefrau Tod müssten vor 1685 gefolgt sein.
Langemann, bisher nur Interimsverwalter der Stätte, wird jedenfalls durch diese Heirat der Anerbin zum Erbkötter Bax, kann die Stätte also einst an eines seiner Kinder weitergeben  -  und so geschieht es auch fast drei Jahrzehnte später. Der ihm 1714 folgende Sohn Simon Jost Bax erlebt nur eine, fast vier Jahrzehnte währende Ehe  -  damals eine Seltenheit.
 
In wiederum der nächsten Generation übernimmt Berend Hermann Bax die Stätte mit seiner ersten Eheschließung 1754. Er überlebt vier Ehefrauen, ist dann seine letzten 13 Jahre alleinstehender Leibzüchter auf der Stätte. Sein im Kirchenbuch festgehaltener Unfalltod Anfang 1801 wirft ein Schlaglicht auf Mühen und Gefahren des damaligen ländlichen Alltags: ''den 5ten Febr. starb Berend Herman Bax vulgo Cordsmann, Leibzüchter im Uekenpohl, nachdem ihm den 2ten Febr. ein Rad von einem schwer beladenen Wagen mit Holz über seinen Leib gegangen, ward begraben d. 9ten Febr.; seines alters 72 Jahr 9 Monath.'' Ungeklärt ist die Herkunft des bei ihm gelegentlich verwendeten Vulgonamens ''Cordsmann'' oder ''Cords''.
 
Fast 70 Jahre später ein anderer ungewöhnlicher Todesfall: Töns Hermann Christoph Bax, Kötter auf der Stätte Nr. 19 und Ziegler, stirbt Anfang September 1869 47-jährig in Lomma, einem südschwedischen Ort nahe Malmö, an ''Brustkrankheit''.
Sein Sohn Wilhelm, der letzte Straßenkötter Bax auf Nr. 19, wird bereits 20-jährig 1881 Eigentümer der Stätte, und bewirtschaftet diese mit seinem Stiefvater, dem Interimswirt und Weber Heinrich Reuter.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Hörste Bd. 1 Bl. 3 </ref> Im Mai 1886 bevollmächtigt er diesen von seinem Aufenthaltsort ''Burkhardtsdorf'' <ref> Ort im Erzgebirge (südlich Chemnitz) mit ehemaliger Ziegelei (vgl. Internet) </ref>aus, die notwendigen Erklärungen bei der Einrichtung des Hörster Grundbuches für ihn abzugeben.
 
15 Jahre nach seiner Eheschließung 1887 geht er die grundlegende bauliche Erneuerung der Stätte an. Vermutlich führt dies zu erheblichen Schulden auf der Stätte, die er seiner Ehefrau hinterlässt, als er Anfang des Jahres 1913 52-jährig verstirbt. Kinder des Ehepaares werden in der Grundakte nicht erwähnt.
 
Am 5. Okt. 1917 erscheint die Witwe Auguste Bax, geb. Kleinegees, mit dem Landwirt Adolf Krawinkel, Hörste Nr. 2  -  ehemals Grundherr der Stätte Nr. 19  -  vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und verkauft ihm ihre Stätte für 12 000 Mark. Dieser Kaufpreis wird beglichen durch a) Übernahme von 7 000 Mark auf der Stätte lastenden Hypotheken, b) 500 Mark sofortige Barzahlung, c) Gewährung eines verzinslichen Kredites von 4 500 Mark seitens der Verkäuferin an den Käufer.
 
Die Witwe Bax wohnt noch 1925 auf der Stätte  -  ob als Einliegerin oder wohl eher auf Basis einer formlos gewährten, nicht im Grundbuch eingetragenen Leibzucht, ist nicht ersichtlich.
 
==Gebäude==
==Gebäude==
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Version vom 21. September 2026, 13:31 Uhr

Uekenpohl 37 (Hörste)
OrtsteilHörste
StraßeUekenpohl (Hörste)
Hausnummer37
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHörste
Hausnummer019

Hier liegt die Straßenkötterstätte Bax (im Uekenpohl), früher Hörste Nr. 19.

Achtung: Verwechselungsgefahr mit Hörste Nr. 15 - Bax (im Orte)

Geschichte

Der Vollmeierhof Krawinkel, deutlich entfernt von den umliegenden Bauerschaften gelegen, sah sich um 1600 genötigt, etwas für die bessere Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu tun.[1] Die Lösung bestand in der Einrichtung von drei, etwas später vier Kötterstellen, für die man jeweils etwa einen Hektar Land im Uekenpohl - zehn Minuten vom Hof, aber deutlich weiter entfernt von Hörste und Währentrup - zur Verfügung stellte.[2]

Eine dieser Krawinkelschen Kötterstätten besitzt laut Salbuch um 1617 Deppe Backs: Deppe Backs vf Krawinckels Gewelde ist M. G. H. Eigen, die Frowe aber bereumbt sich Freÿheit. Landschatz 3 Gr.; Hofgerichtsgeld 6 Gosl.; ubrigs dem Meyer.

Die Wendung „ubrigs dem Meyer“ findet sich im Salbuch 1781 näher aufgeschlüsselt: dem Colono Crawinckel jährlich 12 Hand diensttage mit 3 mahliges Eßen; demnächst aber in recognitionem[3] beÿ denen Verheÿrathungen erst — 20 thl., beÿ der 2ten 10 thl. und beÿ der 3ten Verheÿrathung 5 thl., wogegen er freÿe Hude und Feurung hätte. Die extrem hohe Zahlung bei erster Eheschließung würde bei baldigem Tod eines Ehepartners wohl direkt in den Ruin führen, ist deshalb für Zweit- und Drittehen abgemildert . . .

Deppe Bax wird in Steuerlisten 1620, 25, 28, 40 und 1643 genannt, sein Nachfolger - Sohn oder Schwiegersohn ? - Cordt Bax[4] tritt ab 1640 als Kötter in Erscheinung. Er hat drei Kinder: Bernhard, * 1642, Ilsabein, * 1645 und einen namenlos 1648 gezählten Säugling.

Nach weiten Lücken in den 1660er und 1670er Jahren finden sich aus den 1680er Jahren wieder Nachrichten über die Stätte: Jost Backhauß . . . hatt . . . 4 Stieffkinder (Salbuch 1683), dann 1685 folgende spezielle Ehekonstellation: [5] Jost Langemann wittiber im Ückenpohl nimbt zur andern Ehe Anna Elisabeth, weil. Henrich Baxs daselbst eheliche Tochter, sponsa ist sponsus seiner sehl. Fr. Stiefftochter, wohnen in einem Hause und behält der Bräutigam so zu ihrem Stiefsonn . . . die Gühter. . . .

Diese Konstellation ist eigentlich nur denkbar, wenn die 1645 geborene Ilsabein Bax sehr jung (um 1665) mit ihren Ehemann Henrich NN ein erstes Kind gezeugt hat - die spätere Braut Anna Elisabeth Bax. Drei weitere Kinder des Paares, dann ihr Tod, seine/Henrichs Wiederheirat, sein Tod, der Witwe Wiederheirat mit Langemann und schließlich dieser ersten Langemann-Ehefrau Tod müssten vor 1685 gefolgt sein.

Langemann, bisher nur Interimsverwalter der Stätte, wird jedenfalls durch diese Heirat der Anerbin zum Erbkötter Bax, kann die Stätte also einst an eines seiner Kinder weitergeben - und so geschieht es auch fast drei Jahrzehnte später. Der ihm 1714 folgende Sohn Simon Jost Bax erlebt nur eine, fast vier Jahrzehnte währende Ehe - damals eine Seltenheit.

In wiederum der nächsten Generation übernimmt Berend Hermann Bax die Stätte mit seiner ersten Eheschließung 1754. Er überlebt vier Ehefrauen, ist dann seine letzten 13 Jahre alleinstehender Leibzüchter auf der Stätte. Sein im Kirchenbuch festgehaltener Unfalltod Anfang 1801 wirft ein Schlaglicht auf Mühen und Gefahren des damaligen ländlichen Alltags: den 5ten Febr. starb Berend Herman Bax vulgo Cordsmann, Leibzüchter im Uekenpohl, nachdem ihm den 2ten Febr. ein Rad von einem schwer beladenen Wagen mit Holz über seinen Leib gegangen, ward begraben d. 9ten Febr.; seines alters 72 Jahr 9 Monath. Ungeklärt ist die Herkunft des bei ihm gelegentlich verwendeten Vulgonamens Cordsmann oder Cords.

Fast 70 Jahre später ein anderer ungewöhnlicher Todesfall: Töns Hermann Christoph Bax, Kötter auf der Stätte Nr. 19 und Ziegler, stirbt Anfang September 1869 47-jährig in Lomma, einem südschwedischen Ort nahe Malmö, an Brustkrankheit.

Sein Sohn Wilhelm, der letzte Straßenkötter Bax auf Nr. 19, wird bereits 20-jährig 1881 Eigentümer der Stätte, und bewirtschaftet diese mit seinem Stiefvater, dem Interimswirt und Weber Heinrich Reuter.[6] Im Mai 1886 bevollmächtigt er diesen von seinem Aufenthaltsort Burkhardtsdorf [7]aus, die notwendigen Erklärungen bei der Einrichtung des Hörster Grundbuches für ihn abzugeben.

15 Jahre nach seiner Eheschließung 1887 geht er die grundlegende bauliche Erneuerung der Stätte an. Vermutlich führt dies zu erheblichen Schulden auf der Stätte, die er seiner Ehefrau hinterlässt, als er Anfang des Jahres 1913 52-jährig verstirbt. Kinder des Ehepaares werden in der Grundakte nicht erwähnt.

Am 5. Okt. 1917 erscheint die Witwe Auguste Bax, geb. Kleinegees, mit dem Landwirt Adolf Krawinkel, Hörste Nr. 2 - ehemals Grundherr der Stätte Nr. 19 - vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und verkauft ihm ihre Stätte für 12 000 Mark. Dieser Kaufpreis wird beglichen durch a) Übernahme von 7 000 Mark auf der Stätte lastenden Hypotheken, b) 500 Mark sofortige Barzahlung, c) Gewährung eines verzinslichen Kredites von 4 500 Mark seitens der Verkäuferin an den Käufer.

Die Witwe Bax wohnt noch 1925 auf der Stätte - ob als Einliegerin oder wohl eher auf Basis einer formlos gewährten, nicht im Grundbuch eingetragenen Leibzucht, ist nicht ersichtlich.

Gebäude

Inschriften

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

- Adressbuch 1901:

19 (Uekenpohl) Bax, Wilhelm, Ziegelmstr.


- Adressbuch 1926:

19 (Uekenpohl) Bax, Auguste, Witwe

Röhrmann, Marie, Witwe

Wiemann, August, Ziegler

Wiemann, Fritz, Ziegler

Westerheide, August, Ziegler

Kalkreuter, Ernst, Ziegler

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Mitteilungen aus der lipp. Geschichte und Landeskunde Bd. 10 (1914), S. 109 – 151
  2. ↑ Eine schriftliche Quelle für die so von Aug. Krawinkel dargestellte Gründung der Kötterstellen existiert allerdings offenbar nicht.
  3. ↑ in recognitionem (lat.) = in Anerkennung von . . . (Weinkauf) Gebühr für die Akzeptanz der auf die Stätte einheiratenden Personen durch den Grundherrn
  4. ↑ im Uhrgeldregister von 1654 bezeichnet als „Backs Deppen Cort“ (ALLK, Bestand 04/17 Nr. 246)
  5. ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 134, S. 315
  6. ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Hörste Bd. 1 Bl. 3
  7. ↑ Ort im Erzgebirge (südlich Chemnitz) mit ehemaliger Ziegelei (vgl. Internet)

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

Seitenhistorie

Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 21.09.2026 von Dr. Horst Wissbrock