Kolonat 7 (Haustenbeck)
OrtsteilHaustenbeck
Straße-
Hausnummer-
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHaustenbeck
Hausnummer007

Das Kolonat Nr. 7 wurde im Jahr 1664 von Dietrich Andersen gegründet.[1]

Geschichte

Das Kolonat Pucker Nr. 7 in Haustenbeck wurde zunächst unter dem Namen Anders oder Andersen geführt.

Der Gründer der Stätte, Dietrich Andersen, stammte aus Gütersloh. Er kam mit seiner Familie nach Haustenbeck, war Paukenschläger.[2] Deshalb wurde er „Pauker“ genannt. Der Name Pauker wandelte sich im Laufe der Zeit (um 1750) zu Pucker.[3]

Johann Henrich Pucker trat 1768 für 15 Reichstaler einen Platz von zwei Scheffelsaat Land „zu einer neuen Stätte“ an Jürgen Moshage (Nr. 49) ab.

Im Jahr 1769 lebte die Eheleute Pucker mit einem Sohn und einer Tochter (beide unter zehn Jahren) in einem Haushalt. Sie besaßen vier Kühe.[4] Einige Jahre später, 1776, lebten zwei jüngere Söhne zusammen mit ihren Eltern auf dem Kolonat. Die Familie besaß damals vier Kühe und ein Rind.[5]

Johann Henrich Pucker (* 1746, † 1822) heiratete in zweiter Ehe 1775 Anne Christine Ilsebein Horstmann (* 1751, † 1807) aus Haustenbeck. Die alte Stätte brach er im Jahr 1778 wegen Baufälligkeit ab und richtete die neue etwa an gleicher Stelle wieder auf.

Der 27jährige Anerbe Cord Herm Pucker war im Jahr 1801 „in Stellung“ bei Amtsrat Rötteken auf Niederbarkhausen. Er trat sein Anerbenrecht gegen 50 Reichstaler und den ihm zustehenden Brautschatz an Conrad, den ältesten Sohn aus der zweiten Ehe Johann Henrich Puckers ab.[6]

1826 wurde der 40jährige Kolon Johann Bernhard Wilhelm Conrad Pucker wegen Blutschande angeklagt. Er hatte die 25 Jahre alte dritte Frau seines verstorbenen Vaters geheiratet.

Beim Tod seiner Frau Hatte Pucker im Jahr 1825 hatte er fünf Kinder zu versorgen. Seine Stiefmutter war zu ihm gezogen und hatte ihn unterstützt. Bald wurde aber bekannt, dass der Kolon Pucker mit seiner Stiefmutter, der Witwe Pucker, „Unpflicht getrieben habe“. Aufgefallen war das, weil die Stiefmutter war schwanger. Er wollte sie auch heiraten. Er argumentierte, seine Stiefmutter Witwe Pucker, die jünger war als er, sei, als sie seinen Vater geheiratet habe, etwas 45 Jahre jünger gewesen als dieser.[7]

Doch nach langer Prozessdauer wurden beide zu Zuchthausstrafen von einem Jahr verurteilt. Strafmildernd wirkte sich ihre Unwissenheit aus: Die Senne galt als eine Gegend, „die nur von Wilderern und Schmugglern passiert wird“.[8]

Im Jahr 1828 lebte Kolon „Pukker“ allein mit fünf Söhnen und einer Tochter. Nur einer der Söhne war schon über 14 Jahre alt.[9] Da nun sechs Kinder gezählt wurden, wird eines der Kinder dasjenige sein, das er zusammen mit seiner Stiefmutter gezeugt hatte. Zu einer Eheschließung des Kolon Pucker mit seiner Stiefmutter kam es nicht mehr. Im Jahr 1830 verheiratete sich der Kolon mit Catharine Hesse aus Heidenoldendorf.

Die Stätte blieb bis zur Auflösung des Dorfes in Familienbesitz. Letzter Eigentümer war Wilhelm Pucker (* 1879), der 1939/40 auf eine Ersatzstätte in Hiddesen zog.[10]

Gebäude

Der Vorgängerbau wurde 1664 von Dietrich Andersen gen. Pauker, einem der ersten Siedler in Haustenbeck errichtet. Der Namenszusatz Pauker wandetle sich im Laufe der Zeit (um 1750) zu Pucker.[11]

1930 wurde das Haus umgebaut, u.a. wurde die vordere Hausfront komplett neu gestaltet. Dabei wurde der alte Torbalken von 1778 (s. Inschrift) wiederentdeckt.[12]

1939: "Aufnahme vom Kolonat Plöger Nr. 8 aus. Hinter der Linde die Stätte Pucker Nr. 7. "Franzosenlinde", weil französische Truppen hier in einer Einquartierung während des Siebenjährigen Krieges ihre Pferde angebunden hatten. In dem danebenliegenden Kolonat Nr. 8 war die Feldschmiede der Franzosen."[13]

 
"Franzosenlinde" vor dem Kolonat Pucker Nr. 7, LLB HSA 2,61a, Foto: Hans Sprenger.
 
Haustenbeck Nr. 7, Pucker, Foto: Sammlung Olaf Biere.

Inschriften

„Wer Gott vertraut hat wohl gebau im Himmel und auf Erden Wer sich verläßt auf Jesus Christ Dem soll der Himmel werden“ Johann Henrich und Anne Christine Ilsebein Pucker haben dieses Haus bauen lassen 18. Junius 1778 M. J. Prasse [14]

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1664 Dietrich Andersen
  • Johann Henrich Pucker (* 1746, † 1822) I ⚭ 1766 Amalia Wille(† 1775);

II ⚭ 1775 Anne Christine Ilsebein Horstmann (* 1751, † 1807) aus Haustenbeck; III ⚭ 1813 Anna Maria Elisabeth Brüggemann († 1862)

  • 1809 Johann Bernhard Wilhelm Conrad Pucker (* um 1777, Sohn aus 2. Ehe; † 1855) I ⚭ 1809 Katharine Sophie Strunkmann († 1825);

II ⚯ 1826 Anna Maria Elisabeth Brüggemann; III ⚭ 1830 Catharine Hesse (* 1787, † 1852)

  • 1901 Pucker, Karoline, Hebamme. Oesterhaus, August, Ziegler. Plaß, Friedrich, Ziegler.[15]
  • 1926 Pucker, Wilhelm, Landwirt; Büker, Arbeiter.[16]
  • bis 1939 Wilhelm Pucker

Literatur

  • Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
  • Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
  • Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
  • Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 28, 74 und 200 ff.
  2. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 28.
  3. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  4. L 92 Z Nr. 1450, S. 98f.
  5. L 92 Z Nr. 1448, S. 112f.
  6. Kartei Hans Sprenger.
  7. L 86 Nr. 1873, Bl. 3f.
  8. Kartei Hans Sprenger. Sprenger bezieht sich auf die Kriminalakten.
  9. L 92 Z Nr. 1451, S. 205.
  10. Walter Göbel in Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994 , S. 54 ff
  11. Walter Göbel, Hausinschriften in Haustenbeck
  12. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  13. Lippische Landesbibliothek Album Hans Sprenger
  14. Walter Göbel, Hausinschriften in Haustenbeck
  15. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 206 ff.
  16. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 673 ff.

Autor*innen

Margit Lenniger, Olaf Biere

Seitenhistorie

Seite erstellt am 23.06.2026 von Olaf Biere

Letzte Änderung am: 26.07.2026 von Margit Lenniger