Brokhauser Straße 89 (Brokhausen)

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Brokhauser Straße 89 (Brokhausen)
OrtsteilBrokhausen
StraßeBrokhauser Straße (Brokhausen)
Hausnummer89
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBrokhausen
Hausnummer001

Ehem. Hof Potthoff Nr. 1. Größter und wahrscheinlich ältester Vollspännerhof in Brokhausen, erstmals Ende des 14. Jh. erwähnt.

Geschichte

Der Hof Potthoff zählt zu den ältesten Brokhauser Höfen. Erstmals erwähnt wird er im ältesten lippischen Schatzregister um 1390 als "Nolte Pothof" mit 4 Mark Landschatz.[1] Im Landschatzregister von 1467 ist Pothoff mit 6 Gulden verzeichnet, 1497 mit 1 Gulden und 1507 mit 2 Gulden.[2]

Aus dem Salbuch der Vogtei Detmold von 1614 ist zu entnehmen, dass der Hof der Adelsfamilie von Exter(de) in Detmold eigen war. Symon Pothoff besaß damals 7 Pferde, 1 Stute, 1 Fohlen, Land für 2 ½ Fuder Hafer, 5 Fuder Heuwachs, sowie 4 Schweine, 7 Kühe, 5 Rinder, 2 Kälber, 18 Schweine sowie eine Schäferei mit 55 Schafen. An Abgaben waren an die Witwe von Exter und an Johan von Exter je ½ Fuder Korn zu geben, Heinrich Erp in Lemgo standen 4 Scheffel Korn zu. Als Vollspänner hatte der Hof der Witwe von Exter Spanndienste zu leisten, den Burgfestdienst, 2 ½ Gulden Landschatz sowie 1 Hammel und 1 Lamm allerdings den lippischen Grafen.[3]

Im Salbuch von 1782 ist Potthoff Nr. 1 nur noch ein großer Halbmeyer, "war ehedem dem Herrn von der Borg in Detmold, ist aber jetzt gnädigster Landesherrschaft leibeigen", besitzt des Kolonat von dieser meierstättisch, entrichtet derselben Weinkauf und Sterbfall.[4] Zum Hof gehörten 2 Kötterhäuser (s. u.)

Am 22.12.2004 als Baudenkmal eingetragen in die Denkmalliste der Stadt Detmold, Nr. A611.

Gebäude

Brokhausen Nr. 1, Torbogen des Haupthauses. Foto: Friedrich Wilhelm Pahmeier, 1970 (LLB: BA TB-9-55)
Brokhausen Nr. 1, Speicher. Foto: Friedrich Wilhelm Pahmeier, 1970 (LLB: BA TB-9-45)

Laut Salbuch 1782 standen auf dem Hof Potthoff ein Wohnhaus, eine Leibzucht, Pferdehaus, Schoppen, Schafstall, Rinderhaus, Backhaus, Schweinehaus, noch ein Häuschen an der Wiese und ein Einliegerhaus.[5]

Hof Potthoff in Brokhausen, Schaubild der Hofanlage, Zustand um 1850. Zeichnung: Stiewe 1985

1883 wurde ein Vormundschaftsinventar aufgenommen, da die Nachkommen des verstorbenen Hofbesitzers Karl Potthoff noch minderjährig waren. Darin werden auch die Gebäude beschrieben:[6]

1. Das Wohnhaus; dasselbe ist in gutem Zustande, das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt, muß aber bald umgelegt (= umgedeckt) werden.
2. Die Leibzucht; dieselbe ist in schlechtem Zustande, es sind keine Beschlüsse und Fenster darin, das Dach ist mit Stroh gedeckt, aber auch schlecht, wenn dieselbe bewohnt werden soll, muß dieses Gebäude vollständig durchgebaut werden.
3. Die Scheune, worin sich auch der Pferdestall befindet, ist in gutem Zustande, das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt.
4. Der Schafstall, derselbe ist in ziemlich gutem Zustande und hat derselbe Raum für ca. 200 Stück Schafe, das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt.
5. Das Schweinehaus ist in mittelmäßigem Zustande und einer Reparatur bedürftig, das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt.
6. Das Backhaus; dasselbe ist in ziemlich gutem Zustande, der Bodenraum dient zur Lagerung für reines Korn, das Dach ist in Ziegel gedeckt und in Kalk gelegt.
7. Das Kötterhaus auf der Mesche dasselbe ist in schlechtem Zustande; es enthält 1. Wohnstube, 2. Kammern und Stallung; das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt.
8. Das Kötterhaus auf dem Bohlen; dasselbe ist baufällig, enthält 1 Wohnung und Stallung, das Dach ist mit Ziegel gedeckt und in Docken gelegt.

Auf dem Hofraum standen ca. 30 Apfelbäume, 15 Birnbäume und 65 Zwetschenbäume, außerdem an Nutzholz 13 Eichen und 2 Buchen. Es gehörten ca. 70 Hektar Ackerland, Wiese, Weiden und Holzung zum Hof.

Haupthaus, erbaut 1799

1799 erbauter großer Vierständer-Fachwerkbau, 10 Fache lang. Brettergiebel, Giebeldreiecke auf eingezapften Stichbalkenköpfen vorgekragt, Satteldach. Im Westen Torbogen mit Inschrift (s. u.), Rankenornament auf den Torständern, Herz zwischen den Oberlichtern. Innen 7,40 m breite Deele, mit Sandsteinplatten belegt, am Ende ursprünglich Flett mit zwei halbhohen seitlichen Luchten mit Seitenausgängen. Im rechten Seitenschiff Kuhstall von 5 Fach Länge und einer Kammer, links kleiner Pferdestall (es gab zusätzlich ein Pferdehaus), 3 Kammern und Jungviehstall. Im Osten unterkellertes dreiteiliges Kammerfach, Stube in der NO-Ecke. Kurz vor 1900 Einbau eines zweigeschossigen Querflurs im Flett, vor dem Südausgang Verandaanbau. Um 1900 an der Nordseite Anbau eines Göpelhauses aus auf Lücke gesetzten Backsteinen, im Süden Anbau eines Kuhstalls aus Bruchsteinmauerwerk.[7]

Brokhausen, Hof Potthoff, Haupthaus von 1799, Westgiebel. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980.
Haupthaus von 1799, Ostgiebel. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980
Haupthaus von 1799, südliche Traufwand. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980
Haupthaus von 1799, Längsschnitt rechte Dielenseite. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980
Haupthaus von 1799, Querschnitt und Details. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980
Haupthaus von 1799, Grundriss, Bestand 1980. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980
Haupthaus von 1799, Grundirss, Rekonstruktion. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1980

Leibzucht, 17. Jahrhundert

Speicher und Leibzuchthaus flankieren die Hofeinfahrt im Norden und Süden. Zur Leibzucht siehe Brokhauser Straße 87.

Speicher und Backhaus, Ende 17. Jahrhundert

Zweistöckiger Fachwerkbau des späten 17. Jahrhunderts auf annähernd quadratischem Grundriss, Ober- und Dachgeschoss auf profilierten Balken- und Stichbalkenköpfen allseitig vorkragend. Im 19. Jh. mit Backsteinen ausgemauert (zuvor Lehmflechtwerk). Strohdeckung des Daches durch Ziegel ersetzt, am südlichen Giebeldreieck die Verbretterung durch Fachwerk ersetzt. Der Backofen ursprünglich an der östlichen Seitenwand angebaut. Im Obergeschoss Kornspeicher. Wohl um 1680 von Zimmermeister Kort Kruel erbaut.[8]

Hof Potthoff, Speicher, 17. Jh., Giebelansichten. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1979
Speicher, Traufansicht und Längsschnitt. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1979
Speicher, 17. Jh., Querschnitt und Grundriss. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1979
Speicher, Details: Klappe OG und Türschloss. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1979

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden neue Wirtschaftsgebäude errichtet, die vor dem Torgiebel des Haupthauses einen lockeren Dreiseithof bilden: Scheune 1904, Viehhaus 1907 und Wagenremise mit Getreidespeicher 1914.

Inschriften

Inschrift am Torbogen des Haupthauses von 1799:

DEN 22. YUNI / ANNO 1799 / FRANS HENRICH POTTHOF UND ANNA MARIA POTTHOFFS GEBORENE BORN.M. V. BROKH. / DIE HABEN MIT DER HÜLFE GOTTES DIESES HAUS LASSEN BAUEN. ES IST BESZER WENIG MIT GER / ECHTIGKEIT DEN VIEL EINKOMENS MIT UNRECHT. DES MENSCHEN HERZ SCHLÄGET SEINEN WEG / AN ABER DER HERR ALLEIN GIBT / DAS ER VORTGEHE SPR. 16 V. 7-8

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

um 1390 Nolte Pothof.

1411 Johan Pothof.

1614 Symon Pothoff.

1799 [i] Franz Henrich Potthoff, ev. (* 5.4.1761 in Brokhausen, † 22.2.1830 in Brokhausen, ‡ 25.2.1830 in Detmold, oo K 1.10.1786 in Detmold mit Anna Maria Bornemeyer, ev. (* 30.4.1765 in Barkhausen, † 8.10.1834 in Brokhausen an Schwindsucht, ‡ 11.10.1834 in Detmold).

1871 an den Anerben Carl Potthoff.[9]

1899 Übergabe von Heinrich Potthoff geb. Reineke aus Oettern an den Stiefsohn und Anerben Wilhelm Potthoff.

1901 Wilhelm Potthoff, Landwirt.[10]

1926 Wilhelm Potthoff, Landwirt; Heinrich Potthoff, Leibzüchter; Wilhelm Reuter, Knecht; Rose, Witwe; Fr. Sprick, Ziegler.[11]

Literatur

Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985, S. 59-86.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985, S. 60.
  2. Herbert Stöwer (Bearb.), Die ältesten lippischen Landschatzregister von 1467, 1488, 1497 und 1507 (Westfälische Schatzungs- und Steuerregister; 7), Münster 2001, S. 108 f.
  3. Herbert Stöwer und Fritz Verdenhalven, Salbücher der Grafschaft Lippe von 1614 bis etwa 1620, Münster/Westf. 1969, S. 18 u. 39.
  4. LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782, S. 1603.
  5. LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782, S. 1603.
  6. Zit. nach Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985, S. 61.
  7. Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985, S. 63 f.
  8. Heinrich Stiewe, Lippische Bauernhöfe des 16.–19. Jahrhunderts (Schriften des Lippischen Landesmuseum, hg. v. Friedrich Hohenschwert; 1), Detmold 1985, S. 66.
  9. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 54: Salbuch der Vogtei Detmold von 1854, S. 2138.
  10. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 204.
  11. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 671.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 20.07.2026 von Joachim Kleinmanns

Letzte Änderung am: 27.07.2026 von Heinrich Stiewe