Kolonat 59 (Haustenbeck)

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Kolonat 59 (Haustenbeck)
OrtsteilHaustenbeck
Straße-
Hausnummer-
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHaustenbeck
Hausnummer059

Die Stätte 59 in Haustenbeck wurde 1781 von Johann Hermann Eikelmann (Eikermann) gegründet. Nach ihrer Lage und dem letzten Besitzer trug sie den Beinamen „Kaiser im Locke“ (im Loch).

Geschichte

Stätte Kaiser, 1928, Bildersammlung Walter Göbel.
Stätte "Kaiser im Locke", 1940, Bildersammlung Walter Göbel.
Links Stätte Heuwinkel Nr. 40, rechts Kaiser Nr. 59, beim Bau der Straße nach Oesterholz, 1940, Bildersammlung Walter Göbel.

Johann Hermann Eikelmann stammte aus der preußischen Senne. Er war im Mai 1756 auf dem dortigen Kolonat Nr. 19 (heute Sennestadt) geboren und in Oerlinghausen getauft worden. Im Jahr 1777 hatte er in Oerlinghausen Johanne Loise Jacobskrüger aus der lippischen Senne (heute Lipperreihe) im Kirchspiel Oerlinghausen geheiratet. Der Name Eikelmann wandelte sich in Haustenbeck zu Eikermann.[1]

Am 20. Dezember 1780 stellte Eikelmann einen Bauantrag. Derzeit arbeitete er als Knecht auf dem Kolonat Cruse (später Nagel) in Kohlstädt. Bei seinem Antrag gab Eikelmann in der Amtsstube zu Protokoll, er habe von dem Kolon Jobst Henrich Linnemann in Haustenbeck Nr. 39 einen Zuschlag von 6 Scheffelsaat für 18 Taler erworben. Darauf möchte er eine Neuwohnerstätte errichten. Auch das Haus, das damals mit Heide gedeckt war, habe er bereits im Delbrückschen gekauft und bitte nun um Genehmigung zum Anbau und gleichzeitig um den obligatorischen Neuwohnerzuschuss von 50 Talern. Bereits am 8. Januar 1781 wurde Eikelmann dies genehmigt und das Haus auf der Stätte wieder aufgebaut.[2]

Das Ehepaar hatte vier Söhne: 1. Johann Henrich (* 1778) heiratete 1809 Juliane Wilhelmine Justine Kalkreuter aus Haustenbeck Nr. 73. Er bezog mit ihr das Kolonat Nr. 66 in Haustenbeck, das sein Vater gekauft und ihm vererbt hatte. 2. Johann Hermann Philipp (* 1781) heiratete 1804 in die Stätte Sprenger Nr. 46 in Haustenbeck ein. 3. Töns Henrich Christoph (*1787) erbte das elterliche Kolonat Nr. 59. 4. Johann Friedrich Conrad (* 1792) wanderte nach Holland aus, heiratete dort und wohnte bei Groningen.

Mit seinem Nachbarn Biere von Kolonat 40 kam es wegen der Plaggennutzung zu Streitereien. Bei diesen Plaggen ging es um flach ausgestochene Stücke mit Heide bewachsenen Boden, die als Stalleinstreu und Dünger dienten und sehr begehrt waren. Im Jahr 1798 beabsichtigte Eikermann, zur Beilegung des Konfliktes mit zwei Scheffelsaat die Hälfte des Platzes, der zwischen beiden Grundstücken lag, zu erwerben. Da er aber wieder heiraten wollte, nahm er Abstand von dem Kauf. 1799 erwarb er zwei Scheffelsaat Land und einen weiteren Zuschlag am Eckelauer Weg. Ein weiteres Kaufvorhaben 1799 setzte er jedoch nicht um. Für seinen 22jährigen Sohn Johann Henrich wollte er eigentlich 24 Scheffelsaat Land auf der Moosheide ankaufen. Um Streit im Dorf zu vermeiden, trat er davon aber zurück.[3]

Nachdem dem Tod seiner Ehefrau Johanne Loise geb. Jacobskrüger Anfang Mai 1799 ging der Witwer bereits im Juni des Jahres eine zweite Ehe ein. Seine Frau Anne Marie Elisabeth Ellermann stamme ebenfalls aus dem Amt Oerlinghausen. Von den drei Kindern dieser Ehe hat nur Johann Hermann Christoph das Erwachsenenalter erreicht. Er trat nach seiner Eheschließung das Kolonat Budde Nr. 42 an.

In seiner dritten Ehe mit Florentine Beining wurden noch zwei Töchter geboren. Die ältere erbte das Kolonat Nr. 83, das ihr Vater in seiner dritten Ehe gründete, die zweite heiratete 1830 den Kolon Brinkmann auf der Stätte Nr. 86.

Johann Hermann Eikermann hatte bereits 1801 an der Straße nach Augustdorf, am Lamsort, 7 Scheffelsaat Land erworben. Dort sollte eigentlich sein 1787 geborener dritter Sohn Töns Henrich Christoph eine Neuwohnerstätte errichten. Als sich aber 1812 die Heirat dieses Sohnes mit Marie Catharine Sophie Ilsabein Nolte von der Stätte Nr. 68 abzeichnete und die jungen Leute lieber die Stätte 59 behalten wollten, erbaute Johann Hermann Eikermann 1812 selbst die neue Stätte Nr. 83 und zog mit seiner Familie dorthin. Die Stätte Nr. 59 übertrug er seinem Sohn Töns Henrich Christoph.[4]

Die alte, 1781 in der Senne wieder aufgebaute Stätte, muss laut Bauinschrift im Jahr 1819 von Töns Henrich Christoph Eikermann ersetzt worden sein. Das neue Haus baute er größtenteils in Fachwerkbauweise, teilweise aber auch mit Ziegelsteinen. Die Torbogeninschrift war 1937 nicht mehr lesbar und ist bis auf das Datum (s.u.) auch nicht überliefert.[5]

1828 lebten Eikermanns mit drei Söhnen und zwei Töchtern auf ihrem Kolonat. Nur einer der Söhne war schon über 14 Jahre alt.[6]

1838 übertrug Töns Henrich Christophs seinem ältester Sohn Johann Hermann Friedrich Töns Henrich den Besitz. Dessen Familie wanderte im Sommer 1852 mit sechs Kindern über Bremen nach Amerika aus. Die jüngste, 1851 geborene Tochter und die Mutter verstarben während der Überfahrt. Der älteste Sohn Friedrich Hermann Eikermann wurde später Farmer in Missouri. Auf dem Kolonat zurück bleib die Mutter und Leibzüchterin Marie Catharine Sophie Ilsabein geb. Nolte.

Sein Kolonat mit der eingetragenen Leibzucht hatte Hermann Eikermann am 29. Juni 1852 an seinen Cousin Hermann Sprenger von Haustenbeck Nr. 46 verkauft, einem Sohn von Philipp Sprenger, geb. Eikermann. Hermann Sprenger war seit 1837 Colon der elterlichen Stätte Nr. 46 Sprenger besaß nun zwei Kolonate, wohnte aber weiterhin auf der Stätte 46. Als er 1865 verstarb, erbte sein Sohn Hermann Christoph Wilhelm beide Kolonate. Der verkaufte einige Scheffelsaat Land der Stätte Nr. 59 an die Kolone Koch (Nr. 48), Schneider (Nr. 51) und Mellies (Nr. 115). Die Reststätte verkaufte er seinem Schwager Karl Heinrich Adolf Kaiser. Adolph Kaiser stammte aus Hiddesen. Er hatte 1858 Sprengers Tochter Marie Sophie Henriette Sprenger geheiratet und mit ihr und seiner jungen Familie ab 1858 in Sprengers zweiter Stätte Nr. 59 zur Miete gewohnt.[7]

Als Adolph Kaiser starb und kein Testament vorlag, wurde die Stätte auf die Witwe Sophie geb. Sprenger umgeschrieben, obwohl der Sohn und Anerbe Heinrich Kaiser direkt nach dem Tod des Vaters sein Erbe als Kolon des Kolonates angetreten hatte. Erst 1905 wurde die Abtretung amtlich festgehalten und für die Mutter das Leibzuchtsrecht eingetragen.[8]

Dem Sohn und Nachfolger Adolph Heinrich August Kaiser und seine Frau Luise Caroline Henriette geb. Kehne verkauften 1937 für den Übungsplatz im Norden von Haustenbeck etwa fünf Hektar Land, das war ungefähr die Hälfte ihres Besitzes. Ab Mai 1939 wurden ihnen von der Ruges (Reichsumsiedlungsgesellschaft) verschiedene Ersatzankäufe vorgeschlagen. Es kam aber zu keiner Einigung, weil Kaisers sich nicht von ihrem Besitz trennen wollten und alle Angebote ablehnten. 1940 kam es zu einer gerichtlichen Entscheidung, bei der ein Kaufpreis festgesetzt, die Stätte an die Ruges übergeben, Kaisers aber als Mieter übernommen wurden. Erst als Ende 1943 die Zwangsräumung drohte, verließen Kaisers „ihre“ Stätte und zogen in die Randsiedlung Nr. 71, wo sie noch 1957 gewohnt haben.[9]

Gebäude

Inschriften

von der alten Inschrift ist nur das Datum überliefert:

„22. März 1819“ M. Chr. Filges und M. Pfeim (?)

An dem 1928 fotografierten Haus mit dem verzierten Torbogen:

1881 „Ehre sei Gott in der Höhe“

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1781 Johann Hermann Eikermann (* 1756, † 1823 in Haustenbeck Nr. 83) oo 1777 Johanne Loise Jacobskrüger (* um 1748, † 1799);
    er II oo 1799 Anne Marie Elisabeth Ellermann (* 1773, † 1805);
    er III oo 1806 Florentine Beining aus Hiddentrup Kirchspiel Stapelage (* 1771, † 1831 in Haustenbeck Nr. 83)
  • 1812 Töns Henrich Christoph Eikermann (* 1787, Sohn von Johann Hermann E., † 1842) oo 1812 Marie Catharine Sophie Ilsabein Nolte aus Haustenbeck (* 1787, † 1870)
  • 1838 Hermann Töns Heinrich Hermann (Herm) Eikermann (Eikerman), * 20.01.1813 Haustenbeck, † 20.07.1883 Gasconade County (Missouri).
    oo 1/1 24.11.1838 Haustenbeck mit Florentine Bergmann, * 22.11.1816 Augustdorf, † 1852 auf See.
    oo 2/1 1853 Missouri mit Caroline Louise (Carrie) Deppe, * 12.01.1834 Wehrendorf, † 29.01.1903 Gasconade County (Missouri).
    1852 Auswanderung nach Amerika; 1880 Farmer in Boulware, Gasconade County (Missour).

verkauft an:

  • 1852 Sprenger (Eikermann), Johann Hermann Simon Heinrich, Colon in Haustenbeck, * 10.11.1805 in Haustenbeck, † 27.03.1865 in Haustenbeck, oo 20.05.1831 in Haustenbeck Haase, Anna Maria, * 20.01.1811 in Schlangen, † 25.12.1868 in Haustenbeck.
    Bewohner / Mieter ab 1858:
    Adolf Kaiser aus Hiddesen oo Marie Sophie Henriette Sprenger (s.u.)
  • 1865 Hermann Christoph Wilhelm Sprenger (* 1839, Sohn von Johann Hermann Simon Henrich Spr., s. Stätte Nr. 46)

verkauft an:

  • 1867 Kaiser (Kaiser modo Eikermann), Carl Heinrich Adolf, Colon in Haustenbeck, * 27.03.1833 in Hiddesen, † 23.06.1894 in Haustenbeck, oo 05.04.1858 in Haustenbeck Sprenger (Eikermann), Marie Sophie Henriette, * 21.10.1832 in Haustenbeck, † 19.04.1913 in Haustenbeck.
  • 1894 Witwe Marie Sophie Henriette Kaiser geb. Sprenger
  • 1905 Kaiser, Hermann Heinrich Friedrich August, Landwirt in Haustenbeck, * 04.10.1859 in Haustenbeck, oo 27.11.1887 in Haustenbeck Wächter, Charlotte Wilhelmine Henriette, * 30.10.1866 in Haustenbeck.
  • 1901 Keiser, Heinrich, Ziegler.[10]
  • 1925 Adolph Heinrich August Kaiser oo 1919 Luise Caroline Henriette Kehne
  • 1926 Kaiser, Heinrich, Landwirt; Kaiser, Heinrich, Ziegler.[11]

Literatur

  • Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
  • Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
  • Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
  • Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994

Quellen

  • Nachlass Walter Göbel (in Privatbesitz).
  • Kartei Hans Sprenger (in Privatbesitz).
  • L 92 Z Nr. 1451

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  2. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  3. ↑ Kartei Hans Sprenger (in Privatbesitz).
  4. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  5. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  6. ↑ L 92 Z Nr. 1451, S. 210.
  7. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  8. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript.
  9. ↑ Forschungen Walter Göbel, Manuskript; auch aufgelistet in Walter Göbel in Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994 , S. 55.
  10. ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 207.
  11. ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 674.

Autor*innen

Margit Lenniger, Olaf Biere

Seitenhistorie

Seite erstellt am 08.07.2026 von Olaf Biere

Letzte Änderung am: 24.10.2026 von Margit Lenniger