Kolonat 15 (Haustenbeck)
OrtsteilHaustenbeck
Straße-
Hausnummer-
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHaustenbeck
Hausnummer015

Die ehemalige Stätte Nr. 15 in Haustenbeck wurde wohl um 1700 gegründet trug zunächst den Kolonatsnamen Kötter, später Kelle.[1]

Geschichte

Die ersten Eigentümer der Stätte mit dem Namen Redeker wurden auch Kötter genannt. Der Zuname Kötter entwickelte sich zum Kolonatsnamen. Zuletzt wurde die Stätte unter dem Namen Kelle mit dem Beinamen „Beckekötter“ geführt, weil die Stätte nahe am Haustenbach lag, 1939 "An der Sandstraße".[2]

Bereits im Jahr 1709 wurden der alte und der junge Kötter genannt. Der alte Kötter, der Leibzüchter, hatte 1707 wohl noch ein weiteres Mal geheiratet. Er starb am 4. April 1720.[3]

Der im Jahr 1709 genannte „junge Kötter“ war Carl Wilhelm Kelle, der am 1. November 1709 Clara Anna Redeker geheiratet hatte.[4] Das Verhältnis Carls zu seinem Schwiegervater war nicht harmonisch. 1710 klagt Karl Kötter, sein Schwiegervater, der alte Kötter, habe ihn in seinem Haus angefallen und hätte ihn fast geschlagen. Er habe ihn auch als einen Würstedieb beschimpft.[5]

Die Stätte war von 1753 bis 1789 im Besitz von Töns Henrich Kötter († 1791). Er war ein geborener Johannmann und stammte von der Heide, dem heutigen Oesterholz-Haustenbeck. Am 28.10.1753 heiratete er die Erbin der Stätte, Anne Margarete Ilsebein Redeker vulgo Kötter (* 1730, † 1782). Da er „concubitum anticipiret“ [vorehelicher Beischlaf] hatte, musste er 5 Reichstaler Strafe zahlen.[6] Nur wenig später wurde der Sohn Johan Jürgen Henrich am 4. Januar 1754 geboren.

Im Jahr 1769 lebt Kolon Töns Henrich Kötter mit Frau und zwei Kindern (ein Sohn und eine Tochter, beide noch unter zehn Jahren) auf seiner Stätte. Er hielt fünf Kühe. Seine Einliegerin Agnese Kruse lebte allein und besaß kein Vieh.[7]

Im Jahr 1774 verkaufte Kötter sechs Scheffelsaat Land an Johann Jobst Walter von Nr. 67 in Haustenbeck. In der Familie wohnte 1776 eine Tochter. Bei der Familie lebte auch ein männlicher Verwandter unter 14 Jahren. Sie betrieben Spinnerei und besaßen zwei Kühe und drei Rinder.[8]

Töns Henrich Bernd Kop (*1761, † 1843) heiratete im Jahr 1789 die Anerbin der Stätte, Anne Marie Henriette Louise Kötter (* 1768, † 1842). Er ließ im Jahr 1811 die alte Stätte Nr. 15 abbrechen und ersetzte sie durch einen Neubau.[9]

Der Anerbe Töns Bernd Wilhelm (* 1792) verheiratete sich im Jahr 1821 mit Catharine Elisabeth Voß, Haustenbeck Nr. 67. Familie Kötter lebte im Jahr 1828 mit einem Sohn, einer Tochter und einem Dienstboten auf ihrem Kolonat. Das Leibzüchterpaar lebte allein. Der Einlieger Wilhelm Eikermann und seine Frau hatten einen Sohn unter 14 Jahren.[10]

Die Stätte blieb bis zur Auflösung des Dorfes in Familienbesitz.[11] Der Stättename wechselte jedoch, als nach Einführung der Standesamtsregister und der damit verbundenen Festschreibung der Familiennamen nach der Einheirat von August Kelle dessen Familienname geführt wurde.

Letzter Eigentümer war Henrich Kelle, der Sohn von August Kelle.[12] Die Familie wurde 1939 nach Pivitsheide umgesiedelt.[13]

Gebäude

 
Kelle Nr. 15, LLB HSA 2,62, Foto: Hans Sprenger.

Im Jahr 1723 wird ein kleines Leibzuchtshaus genannt.[14]

Gebäude auf dem Foto: Kleiner Dreiständerbau mit Brettergiebel, Vorkragung auf kleinen Balkenköpfen (Stichköpfen), wohl 18. oder frühes 19. Jahrhundert. Stallabseite rechts, links vom Dielentor zwei Stubenfenster. Links später angefügte Abseite mit breitem Schleppdach. Rechts vom Dielentor um 1900 offerner Schuppen vorgebaut. Gebäude nach 1939 verschwunden, Hausstätte heute wüst.

Inschriften

Die Inschrift ist nicht überliefert. In dem Torbalken soll aber die Jahreszahl 1811 und der Name des Zimmermeisters W. Prasse gestanden haben.[15]

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • NN (Johann Henrich?) Kötter († 1719/20) II oo 1707 Christina Wächter († 1723)
  • 1709 Karl Wilhelm Kelle († 1729) oo 1.11.1709 Anna Clara Redeker († 1731)
  • 1753 Töns Henrich Kötter geb. Johannmann oo 1753 Anne Margarete Ilsebein Redeker vulgo Kötter
  • 1789 Töns Henrich Bernd Kop aus Oerlinghausen 1789 oo Anne Marie Henriette Louise Kötter (Erbin)
  • 1821 Töns Bernd Wilhelm (* 1792) oo 1821 Catharine Elisabeth Voß (* 1802)
  • 1856 Heinrich Wilhelm Conrad Kötter (* 1824, Sohn von Töns Bernd Wilhelm) oo 1856 Anna Marie Wilhelmine Plöger von der Kohlstädter Heide Nr. 30
  • 1895 August Kelle 1895 oo Anerbin NN Kötter
  • Henrich Kelle
  • 1901 Kelle, Friedrich, Landwirth.[16]
  • 1926 Kelle, Friedrich, Landwirt.[17]
  • 1939 (genannt) Henrich Kelle

Literatur

  • Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
  • Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
  • Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
  • Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 201.
  2. Zu Zu Kelle und Beckekötter s. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 164f.; Lippische Landesbibliothek Album Hans Sprenger.
  3. Kirchenbuch Haustenbeck und Gogerichtseintrag (L 89 A Nr. 99, Bl. 22.
  4. Kirchenbuch Haustenbeck und Gogerichtseintrag (L 89 A Nr. 98, S. 241.
  5. L 89 A Nr. 99, Bl. 22.
  6. L 89 A Nr. 102, Bl. 140.
  7. L 92 Z Nr. 1450, S. 98f.
  8. L 92 Z Nr. 1448, S. 114f.
  9. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  10. L 92 Z Nr. 1451, S. 206.
  11. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  12. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  13. Walter Göbel in Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994 , S. 54 ff
  14. L 89 A Nr. 100, Bl. 154.
  15. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  16. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 206 ff.
  17. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 673 ff.

Autor*innen

Margit Lenniger, Olaf Biere

Seitenhistorie

Seite erstellt am 08.07.2026 von Olaf Biere

Letzte Änderung am: 29.07.2026 von Margit Lenniger