Uekenpohl 37 (Hörste)

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Uekenpohl 37 (Hörste)
OrtsteilHörste
StraßeUekenpohl (Hörste)
Hausnummer37
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHörste
Hausnummer019

Hier liegt die Straßenkötterstätte Bax (im Uekenpohl), früher Hörste Nr. 19.

Achtung: Verwechselungsgefahr mit Hörste Nr. 15 - Bax (im Orte)

Geschichte

Der Vollmeierhof Krawinkel, deutlich entfernt von den umliegenden Bauerschaften gelegen, sah sich um 1600 genötigt, etwas für die bessere Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu tun.[1] Die Lösung bestand in der Einrichtung von drei, etwas später vier Kötterstellen, für die man jeweils etwa einen Hektar Land im Uekenpohl - zehn Minuten vom Hof, aber deutlich weiter entfernt von Hörste und Währentrup - zur Verfügung stellte.[2]

Eine dieser Krawinkelschen Kötterstätten besitzt laut Salbuch um 1617 Deppe Backs: Deppe Backs vf Krawinckels Gewelde ist M. G. H. Eigen, die Frowe aber bereumbt sich Freÿheit. Landschatz 3 Gr.; Hofgerichtsgeld 6 Gosl.; ubrigs dem Meyer.

Die Wendung „ubrigs dem Meyer“ findet sich im Salbuch 1781 näher aufgeschlüsselt: dem Colono Crawinckel jährlich 12 Hand diensttage mit 3 mahliges Eßen; demnächst aber in recognitionem[3] beÿ denen Verheÿrathungen erst — 20 thl., beÿ der 2ten 10 thl. und beÿ der 3ten Verheÿrathung 5 thl., wogegen er freÿe Hude und Feurung hätte. Die extrem hohe Zahlung bei erster Eheschließung würde bei baldigem Tod eines Ehepartners wohl direkt in den Ruin führen, ist deshalb für Zweit- und Drittehen abgemildert . . .

Deppe Bax wird in Steuerlisten 1620, 25, 28, 40 und 1643 genannt, sein Nachfolger - Sohn oder Schwiegersohn ? - Cordt Bax[4] tritt ab 1640 als Kötter in Erscheinung. Er hat drei Kinder: Bernhard, * 1642, Ilsabein, * 1645 und einen namenlos 1648 gezählten Säugling.

Nach weiten Lücken in den 1660er und 1670er Jahren finden sich aus den 1680er Jahren wieder Nachrichten über die Stätte: Jost Backhauß . . . hatt . . . 4 Stieffkinder (Salbuch 1683), dann 1685 folgende spezielle Ehekonstellation: [5] Jost Langemann wittiber im Ückenpohl nimbt zur andern Ehe Anna Elisabeth, weil. Henrich Baxs daselbst eheliche Tochter, sponsa ist sponsus seiner sehl. Fr. Stiefftochter, wohnen in einem Hause und behält der Bräutigam so zu ihrem Stiefsonn . . . die Gühter. . . .

Diese Konstellation ist eigentlich nur denkbar, wenn die 1645 geborene Ilsabein Bax sehr jung (um 1665) mit ihren Ehemann Henrich NN ein erstes Kind gezeugt hat - die spätere Braut Anna Elisabeth Bax. Drei weitere Kinder des Paares, dann ihr Tod, seine/Henrichs Wiederheirat, sein Tod, der Witwe Wiederheirat mit Langemann und schließlich dieser ersten Langemann-Ehefrau Tod müssten vor 1685 gefolgt sein.

Langemann, bisher nur Interimsverwalter der Stätte, wird jedenfalls durch diese Heirat der Anerbin zum Erbkötter Bax, kann die Stätte also einst an eines seiner Kinder weitergeben - und so geschieht es auch fast drei Jahrzehnte später. Der ihm 1714 folgende Sohn Simon Jost Bax erlebt nur eine, fast vier Jahrzehnte währende Ehe - damals eine Seltenheit.

Kirchenbuch Stapelage, Begräbnisse 1801

In wiederum der nächsten Generation übernimmt Berend Hermann Bax die Stätte mit seiner ersten Eheschließung 1754. Er überlebt vier Ehefrauen, ist dann seine letzten 13 Jahre alleinstehender Leibzüchter auf der Stätte. Sein im Kirchenbuch festgehaltener Unfalltod Anfang 1801 wirft ein Schlaglicht auf Mühen und Gefahren des damaligen ländlichen Alltags: den 5ten Febr. starb Berend Herman Bax vulgo Cordsmann, Leibzüchter im Uekenpohl, nachdem ihm den 2ten Febr. ein Rad von einem schwer beladenen Wagen mit Holz über seinen Leib gegangen, ward begraben d. 9ten Febr.; seines alters 72 Jahr 9 Monath. Ungeklärt ist die Herkunft des bei ihm gelegentlich verwendeten Vulgonamens Cordsmann oder Cords.

Fast 70 Jahre später ein anderer ungewöhnlicher Todesfall: Töns Hermann Christoph Bax, Kötter auf der Stätte Nr. 19 und Ziegler, stirbt Anfang September 1869 47-jährig in Lomma, einem südschwedischen Ort nahe Malmö, an Brustkrankheit.

Sein Sohn Wilhelm, der letzte Straßenkötter Bax auf Nr. 19, wird bereits 20-jährig 1881 Eigentümer der Stätte, und bewirtschaftet diese mit seinem Stiefvater, dem Interimswirt und Weber Heinrich Reuter.[6] Im Mai 1886 bevollmächtigt er diesen von seinem Aufenthaltsort Burkhardtsdorf [7]aus, die notwendigen Erklärungen bei der Einrichtung des Hörster Grundbuches für ihn abzugeben.

15 Jahre nach seiner Eheschließung 1887 geht er die grundlegende bauliche Erneuerung der Stätte an. Vermutlich führt dies zu erheblichen Schulden auf der Stätte, die er seiner Ehefrau hinterlässt, als er Anfang des Jahres 1913 52-jährig verstirbt. Kinder des Ehepaares werden in der Grundakte nicht erwähnt.

Am 5. Okt. 1917 erscheint die Witwe Auguste Bax, geb. Kleinegees, mit dem Landwirt Adolf Krawinkel, Hörste Nr. 2 - ehemals Grundherr der Stätte Nr. 19 - vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und verkauft ihm ihre Stätte für 12 000 Mark. Dieser Kaufpreis wird beglichen durch a) Übernahme von 7 000 Mark auf der Stätte lastenden Hypotheken, b) 500 Mark sofortige Barzahlung, c) Gewährung eines verzinslichen Kredites von 4 500 Mark seitens der Verkäuferin an den Käufer.

Die Witwe Bax wohnt noch 1925 auf der Stätte - ob als Einliegerin oder wohl eher auf Basis einer formlos gewährten, nicht im Grundbuch eingetragenen Leibzucht, ist nicht ersichtlich.

Gebäude

Auf der Hofstelle Bax Nr. 19 wird als Gebäudebestand genannt: nichts eigenes nur 1 Hauß (Salbuch um 1640), zweÿ Häuser (Salbuch 1685), ein Wohnhauß, eine Leibzucht (Salbuch 1781 u. Salbuch 1829).

Diese offenbar zuletzt baufälligen Gebäude wurden vom letzten Kötter Wilhelm Bax Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrochen und durch Neubauten ersetzt: Wohnhaus (jährl. Nutzungswert 60 Mark) 1902 abgebrochen; Wohnhaus mit Stall (jährl. Nutzungswert 150 Mark) 1903 neu eingeschätzt; Leibzucht (jährl. Nutzungswert 45 Mark) 1904 abgebrochen [8]

Inschriften

- nicht bekannt. -

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

vor 1617 - ca. 1640 Deppe Bax (o. eingeheir.)


ca. 1640 - ca. 1665 Cord Bax (o. eingeheir.) (1611 (?) - 1678) (Sohn o. Schwiegersohn des Vorgängers ?), ∞ um 1640 NN (o. Bax)

Kinder:

• Bernhardt, * 1642

• Ilsabein, * 1645, Anerbin

• NN, * um 1647


ca. 1665 - ca. 1680 Henrich NN1 († 1680), ∞ (I) um 1665 Ilsabein Bax, Anerbin (1645 - ca. 1678), ∞ (II) NN2 († ca. 1684), diese ∞ (III) um 1681 Jobst Langemann († 1726) aus Wellentrup, der Interimswirt Bax im Uekenpohl wird; er ∞ (IV) 1685 Anna Elisabeth Bax, Anerbin

Kinder aus 3 Ehen:

• Anna Elisabeth, * um 1665, Anerbin

• Anna Margaretha, * um 1667

• NN, * um 1670, † vor 1709

• Hermann Christoffer, * um 1678, 1708 noch ledig

• Simon Jost, * 1688, Anerbe

• Gerd Hermann, * 1700, ∞ 1728, † 1745

• Anna Margaretha Ilsabein, * um 1702, ∞ 1731 Jobst Henrich Westerheyde a. d. Ksp. Heepen


ca. 1680 - 1714 Jobst Bax, geb. Langemann (s. o.)


1714 - 1753 Simon Jost Bax (1688 - 1753), ∞ 1714 Anna Catharina Schierlau (1687 - 1756) aus dem Heysundern

Kinder:

• Berend Henrich, * 1715, ∞ 1748 Anna Cathrine Wind, Anerbin Piv. VL Nr. 44, u. wird Wind, † 1762

• Johann Henrich, * 1717 (konf. 1730 als Johann Henrich Klein-Bax), ∞ 1762 Anna Margarethe Ilsabein Witwe Kaiser in Piv. VL, wird Interimswirt Kaiser

• Anna Catharina, * um 1720, ∞ 1746 Henrich Hermann Tölke im Wistinghauser Kotten

• Hermann Christian, * 1723, konf. 1737

• Jobst Hermann, * 1725, † 1756, offenbar ledig

• Berend Hermann, * 1728, Anerbe


1754 - ca. 1790 Berend Hermann Bax (1728 - 1801), ∞ (I) 1754 Catharina Agnetha Evert (1727 - 1761) a. d. Uekenpohl, ∞ (II) 1762 Anna Ilsabein Schultze (1738 - 1766) aus Hörste, ∞ (III) Trine Ilsabein Holzmann (1723 - 1775), verwitwete Müller aus Währentrup, ∞ (IV) 1777 Anne Ilsabein Heidsiek (1713 - 1786) aus Mackenbruch

Kinder aus 2 Ehen:

• Johann Berend Christoph, * 1755, † 1757

• Johann Friedrich Adolph, * 1760, † 1763

• Anna Ilsabein, * 1763, † 1769 (Blattern)

• Johann Conrad, * 1765, Anerbe


ca. 1790 - 1816 Johann Conrad Bax (1765 - 1816), ∞ (I) 1788 Wilhelmine Amalia Katharine (Pflegekind) Brokmann (1766 - 1833) aus Müssen, diese ∞ (II) 1818 Johann Henrich Welge (1770 - 1828) von Wellentrup Nr. 10, der Interimswirt und LZer Bax wird

Kinder:

• Wilhelmine Conradine, * 1789, ∞ 1814 Witwer StK Töns Henrich Mölling a. d. Piv. VL Nr. 81 u. wird Möllingsche, † 1827 (Wochenbett)

• Florentine Wilhelmine Henriette, * 1793

• Töns Henrich Conrad, * 1795, Anerbe

• Friedrich Adolph Wilhelm, * 1798, † 1798 (Kinderschürken)

• Catharina Elisabeth, * 1800, † 1800 (Brustkrankheit)

• Johann Friedrich Wilhelm, * 1803, ∞ 1838 Karoline Wilhelmine Kleinegees (1815 - 1877), † 1876; leben als Einl. im Uekenpohl

Conradine Louisa, * 1807, ∞ 1828 Witwer StK Töns Henrich Mölling a. d. Piv. VL Nr. 81 u. wird Möllingsche


1821 - 1853 Töns Henrich Conrad Bax (1796 - 1873), ∞ 1821 Anna Maria Sophie Wilhelmine Ahle (1798 - 1857) von Piv. VL Nr. 1

Kinder:

• Töns Hermann Christoph, * 1822, Anerbe

• Henrich Adolph, * 1824, Einl. u. Weber, ∞ (I) 1854 Henriette Friederike Stührenberg (1823 - 1859) von Piv. Nr. 49, ∞ (II) 1859 Henriette Amalie Friederike Heißenberg (* 1831) aus Oerlinghausen, † 1901 als Colon in Ubbedissen

• Friedrich Wilhelm, * 1826, Einl. u. Weber, ∞ 1858 Friederike Wilhelmine Thies (* 1834) a. d. Uekenpohl, † 1900

• Gehardine Wilhelmine, * 1831, † 1870 (offenbar ledig) (Brustkrankheit)

• Friedrich Adolf, * 1833, Einl. u. Weber, ∞ 1867 Friederike Wilhelmine Kindsgrab aus Lipperreihe


1853 - 1869 Töns Hermann Christoph Bax (1822 - 1869), StK u. Ziegler, ∞ (I) 1853 Florentine Sophie Henriette Meier (1831 - 1859) von Piv. VL Nr. 66, ∞ (II) 1860 Karoline Wilhelmine Meier (1833 - 1887) von Piv. VL Nr. 66, diese ∞ (III) 1870 Henrich Ludwig August Reuter (* 1824), Witwer aus Oerl. u. Weber, der Interimswirt u. LZer Bax Nr. 19 wird

Kinder aus 3 Ehen:

• Karoline Wilhelmine, * 1854, ∞ 1881 Heinrich Wilhelm Meyer, Col. Nr. 41 in Hörste u. Ziegler, wird Meyersche

• Henriette Friederike, * 1857, † 1858 (Brustkrankheit)

• NNw, * 1859, † 1859 (ungetauftes Wochenkind)

• Wilhelm August, * 1861, Anerbe

• Friedrich Adolf ( Fritz ), * 1864, Zimmermann/Zimmermeister, ∞ (I) 1889 Auguste Wilhelmine Busch (1862 - 1896) aus Piv. VL, ∞ (II) Juliane Friederike Karoline ( Julie ) Böger (1874 - 1954) aus Piv. VL, † nach 1945 [9]

• Hanne Karoline Wilhelmine, * 1867, † 1869 (Masern)

• Karl Friedrich, * 1871, † 1872 (Brustkrankheit)

• Marie Auguste Karoline, * 1873, † 1875 (Brustkrankheit)

• Friederike Wilhelmine Henriette ( Frieda ), * 1876


1870 - 1887 Henrich Ludwig August Reuter, Interimswirt Bax Nr. 19 (s. o.)


1887 - 1913 Wilhelm August Bax (1861 - 1913), ∞ 1887 Auguste Johanne Kleinegees (1867 - 1943) von Hörste Nr. 28


(5. Okt. 1917 Verkauf der Stätte Bax, Hörste Nr. 19, seitens der Witwe Auguste Bax, geb. Kleinegees, an den Landwirt Adolf Krawinkel, Hörste Nr. 2)



- Adressbuch 1901:

19 (Uekenpohl) Bax, Wilhelm, Ziegelmstr.


- Adressbuch 1926:

19 (Uekenpohl) Bax, Auguste, Witwe

Röhrmann, Marie, Witwe

Wiemann, August, Ziegler

Wiemann, Fritz, Ziegler

Westerheide, August, Ziegler

Kalkreuter, Ernst, Ziegler

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Mitteilungen aus der lipp. Geschichte und Landeskunde Bd. 10 (1914), S. 109 – 151
  2. ↑ Eine schriftliche Quelle für die so von Aug. Krawinkel dargestellte Gründung der Kötterstellen existiert allerdings offenbar nicht.
  3. ↑ in recognitionem (lat.) = in Anerkennung von . . . (Weinkauf) Gebühr für die Akzeptanz der auf die Stätte einheiratenden Personen durch den Grundherrn
  4. ↑ im Uhrgeldregister von 1654 bezeichnet als „Backs Deppen Cort“ (ALLK, Bestand 04/17 Nr. 246)
  5. ↑ LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 134, S. 315
  6. ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Hörste Bd. 1 Bl. 3
  7. ↑ Ort im Erzgebirge (südlich Chemnitz) mit ehemaliger Ziegelei (vgl. Internet)
  8. ↑ LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Hörste Bd. 1 Bl. 3
  9. ↑ Fritz Bax I lebt zunächst als Einl. in Piv., gründet dann um 1890 die Stätte Piv. VL Nr. 113. Sein Sohn Fritz Bax II (1905 - 1987), Tischler, baut die väterliche Tischlerei zur industriellen Möbelproduktion aus und gründet dazu 1935 gemeinsam mit seinem Schwager die Firma Bax & Hellweg in Piv. VL. Der Enkel Fritz Bax III (1940 - 2022), Dipl.-Kfm., verlagert den Betrieb mit 50 - 100 Mitarbeitern um 1980 in eine neu erbaute Betriebsstätte in Detmold, Niemeierstraße. Er veräußert seinen Betrieb, jetzt BAX Küchenmanufaktur, um 2005. Einstellung des Betriebes nach Insolvenz 2022.

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

Seitenhistorie

Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 22.09.2026 von Dr. Horst Wissbrock