Gegenüber Hiddentruper Straße 5

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Gegenüber Hiddentruper Straße 5
OrtsteilHörste
StraßeHiddentruper Straße (Hörste)
Hausnummer16
Karte
Adressbuch von 1901Nein
GemeindeHörste

Etwa dort, wo der Besitzer des gegenüber liegenden Hofes Hörste Nr. 8 eine Pferdekoppel angelegt hat, standen bis etwa 1870 die beiden Häuser der alten Hoppenplöckerstätte Hörste Nr. 16 - Riesenberg. Die Stätte gehörte seit 1799 dem gegenüber ansässigen Mittelkötter Brink und war schon Jahrzehnte in seinen Hof/Landwirtschaftsbetrieb integriert, als um 1885 bei der Anlegung des Hörster Grundbuches auffiel, dass für diese Zusammenlegung keinerlei Genehmigung vorlag.


Zur Orientierung: Unter dem wohl ursprünglich Hörster Namen Riesenberg[1] sind allein in Hörste vier vor 1900 entstandene Stätten/Häuser zu unterscheiden:

a) Hoppenplöcker Riesenberg Nr. 16 (vor 1500 – ca. 1870)

b) Straßenkötter Riesenberg Nr. 21 (gegründet vor 1590)

c) Neuwohner Riesenberg Nr. 76 („hinterm Loh“, gegründet 1879)

d) Riesenberg, W., Ziegelmeister Nr. 95 („auf dem Kreuze“, erbaut 1897)

Darüber hinaus kommt ziemlich früh eine Stätte Riesenberg in Pivitsheide VL hinzu.

Geschichte

Stätte Riesenberg im Salbuch von 1533, LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 90, S. 23

Im Salbuch der Vogtei Lage von 1533 heißt es zur Hörster Stätte Riesenberg: Rÿsenbruck, dat guet hoert vp den Hove tho Stapellaghe.[2] Die Stätte ist zu dieser Zeit ein Pachtkotten des Meierhofes Stapelage, der seinerseits dem Kloster Marienfeld gehört. Irgendwann in den folgenden 85 Jahren ändert sich dies, denn im nächsten Salbuch von 1617 notiert der Vogt oder Schreiber zu der Stätte Riesenberg: M. gn.(ädigen) Herrn Eÿgen - die Stätte ist jetzt also Eigentum des lippischen Grafen. In allen Schatzregistern findet sich die kleine Stätte: 1467 Hencke Rÿsenbroick 1 g., 1488 Henke Rÿsenbrock, 1497 Hencke Rÿsenbrok 1 m., 1507 Hencke Risinbroick ½ g., 1535 Rÿsenbrock 1 Ort, 1545 Rÿsenbroick 1 Ort, 1562 Rÿsennbroick ½ Fl., 1572 Rÿsennbroick ½ Ort, 1590 Risenbruch 1 Ort, 1618 Rißenbergh 20 Gr..

Offenbar hat sich die letzte Silbe des Namens Riesenberg erst mit dem beginnenden 17. Jahrhundert von -brock zu –berg verschoben. Riesen- bedeutet nach Preuß soviel wie Buschwerk (kommt von Reiser oder Reisig), während –brock oder –bruch ein feuchtes natürliches Gelände beschreibt.[3] Die Hofstelle Riesenberg lag wie die des Nachbarn Brockmann vom Dorf Hörste aus gesehen vor dem Hörster Bruch. Ein Zusammenhang zwischen dem Familiennamen und dem Berg „Riesenberg“ im Teutoburger Wald (zwischen Stapelage und Oerlinghausen, 286 Meter üb. NN) besteht also nicht.

Um 1645 kommt es zu eher ungewöhnlichen Veränderungen auf zwei Hörster Höfen: [4] Zwischen etwa 1640 und 1645 fällt der Hof Schulte (später Nr. 9) ledig; d.h. er fällt durch Tod/Aussterben der Besitzer(familie) an den Grundherrn (hier das Kloster Marienfeld) zurück und kann neu vergeben werden. Der (bisherige) Kötter Riesenberg (Nr. 16) hat Interesse und wird mit dem Kloster vor 1649 einig und übernimmt den Hof Schulte, was aber erst im Sommerhalbjahr 1650 Niederschlag im Hörster Gogerichtsregister findet: [5] Henrich Riesenbergh hatt des Schulten Hoff erblich an sich gekauffet. Der Hoff ist den von Marienfelt eigen, Henrich Riesenbergh der Herrschaft eigen. Dieser Kauf ist Riesenberg nur möglich, indem er gleichzeitig seinerseits seine (kleinere) Stätte veräußert; so findet sich unter den Weinkauf-Einträgen desselben Registers ein weiterer: Henrich Cespoell hatt Riesenbergs Stätte zu Hörste erblich gekauffet; ist ein Hoppenplocker. 3 Thlr (Gebühr)[6]

Henrich Kespohl, der neue Riesenberg, hat Anfang 1644 eine Riesenberg geheiratet: [7] Straten Henrich zu Wehrendorff, Johan Kespoels sehl. Sohn verheÿrathet sich an Ilßgen Rießenbergs, . . . vndt verspricht der Vatter Curtt Rießenberg seiner Dochter, der Braudt, 60. thl,, eine Kuhe, ein Rindt neben gepührenden Braudtwagen, der Bräutigamb rühmet sich Freÿheit, die (er) auff nächstem Gogericht beweisen soll, wie auch die Braudt.

Im selben Amtstermin wird auch die Schwester der Braut, Anneken R., an einen Bielefelder Bürger verheiratet. Aus diesem Protokoll geht eindeutig hervor, dass der Brautvater Curt Riesenberg in Stapelage lebt.[8] Unmittelbar nach der Eheschließung kommt ebenfalls in Hörste/Stapelage das erste Kind der jungen Leute zur Welt: Strahten Henrich hatt mit seiner itzigen frauwen Ilschen Riesenbergh in Vnpflicht gelebet.[9]

Der recht ordentliche Brautschatz der Ehefrau Ilsche R. von 60 Talern mag die Stättenübernahme wenige Jahre später ermöglicht haben, ihre denkbare Verwandtschaft zu den weichenden Riesenbergs mag die Transaktion ebenso befördert haben.

Hörste: Dorfmitte im Jahre 1730; Parzelle 206 = Riesenberg, „der garte beim Hauße“; daneben rechts Parzelle 205 = Riesenberg „2 gebäu mit Hoffraum“; links Parzelle 203 = Hofstelle Brockmann, LAV NRW OWL, D 73 Nr. 7/13

Zwei Ehen mit acht Kindern liegen 30 Jahre später hinter Henrich Riesenberg (der als Strate geboren ist, aber in Hörste allgemein Kespohl genannt wird), als der nächste Generationswechsel nicht so recht gelingen will. Daran ist der alte Kespohl wohl nicht ganz unbeteiligt, wie eine Nachricht aus dem Jahre 1675 nahelegt, die man als Charakterstudie auffassen kann. Henrich Riesenberg, genannt Kespohl, hat sich im Hiddentruper Krug betrunken, prügelt und beschimpft seinen einstigen Vorgänger als Kolon Henrich (jetzt) Schulte, ehemals Riesenberg, der ihn zur Mäßigung drängt: Rießenberg claget das, als Kespoel dreÿ Tage in brinkmans hauße geßeßen vndt gesoffen, er Rißenbergh zu ihm gesacht, er solle doch einst zu Hauße gehen nach seinen Kindern, da hätte ihn Keßpoel auff den Leib gefallen vndt geschlagen, für einen alten Hundt gescholten.[10]

Diese 1675 festgehaltene Neigung ist womöglich Hof und Familie nur begrenzt zuträglich, und so will Henrich Kespohl/Riesenberg seine Stätte zwei Jahre später an seinen erst 22-jährigen Sohn Tönnies Jacob abtreten. Dabei ist er streng: Der Sohn wird u. a. verpflichtet, auf dem Hof stehende Schulden zu übernehmen und abzutragen. Der Sohn zögert, obwohl es schon ein (nicht erhaltenes) Ehe- u. Stättenabtretungsprotokoll vom 5. Mai 1677 gegeben hat. Zehn Jahre später wird all dies offenbar, als der alte Kötter seine Stätte immer noch hat und diese jetzt an seine Tochter Elisabeth übergibt, die Cord Hunke ehelicht.

In dem Eheprotokoll von 1687[11] führt der Alte bittere Klage über den Sohn . . . alleine weile selbiger seinem am Ambte gethanen Versprechen nicht nachgelebet, keine Schulden abgetragen, auch wie er vor 6 Jahren durch den Bauerrichter Hunecken, item die Städte ufftragen wollen sich deßen geweigert, und sich nicht wie ein Sohn gegen ihme verhalten, dahero er genöhtiget worden solche Verschreibung hiedurch zu revocieren (widerrufen) und seiner Tochter Elisabethen den Kotten abzutretten, jedoch mit diesem expreshen Vorbehalt, daß . . . Tochter Elisabeth und Schwiegersohn Cord Schulte sollen jetzt die zehn Jahre zuvor dem Sohne gemachten Auflagen erfüllen und die Schulden abtragen. Der Sohn Tönnies ist inzwischen unter ihro hochgräfl. Gnd. Herrn Graff Henrich Ernsten, bei dero damaliger heßischen Compagnie zu Rinteln im Kriegsdienste gewesen und erhebt nach Rückkehr 1691 bei der Regierung in Detmold Einspruch gegen die Stättenübertragung an seine Schwester Elisabeth.[12]

Diese hat aber mit ihrem Ehemann pünktlich alle Abgaben entrichtet, vertragsgemäß Schulden getilgt, Kinder aufgezogen und den alten Vater Henrich Kespohl/Riesenberg bis zu seinem Tode 1690 gepflegt. Das Entscheidende aber: Sie und ihr Mann haben bei Stättenantritt den Weinkauf gezahlt, was ihr Bruder Tönnies 1677 nicht getan hatte. Deshalb wird die Beschwerde abschlägig beschieden, Tönnies Riesenberg wird bzw. bleibt sein weiteres Leben Einlieger und Schneider in Stapelage.

Noch einmal besonders schwierig wird es auf der Stätte Riesenberg in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Als eher tragische Figuren erscheinen der Kötter Johann Berend Riesenberg und seine Ehefrau, die die Stätte zwischen 1752 und 1780 bewirtschaften. Dem Ehepaar werden acht Kinder geboren, von denen sieben im Kindesalter versterben - allein der 1758 geborene Anerbe Johann Töns überlebt. Der Vater ist lange Jahre Bauerrichter in Hörste - wird also einen gewissen Überblick gehabt haben.

Unter dem Sohn, der 1780 heiratet und die Stätte antritt, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation zusehens. 1795 muss der Vater und Leibzüchter aus Armenmitteln bestattet werden - ein Zeichen großer Not. Anfang 1799 erscheint das Kötterpaar Riesenberg schließlich mit ihrem nächsten Nachbarn, dem Mittelkötter Brink Nr. 8, auf der Amtsstube in Detmold und beantragt eine Genehmigung für den Verkauf ihrer Stätte Nr. 16 an den Nachbarn Brink. Der Kaufpreis besteht in der Übernahme von 650 Talern auf der Stätte lastender Schulden einerseits und einer Leibzucht für sich selbst und ihre vier Kinder andererseits.

In der amtlichen Einschätzung des Vorhabens klingt ein möglicher Grund für die hohe Verschuldung der Stätte an: [13] . . . da des Verkäufers Vater dreÿ Jahre ganz zusammen gewachsen bettlägerig gewesen, und dadurch der Colonus zurückgekommen, und in Schulden geraten ist, so wäre der angetragene Verkauf unter den für den Verkäufer vortheilhaften Bedingungen . . . wohl zu genehmigen, denn sonst müßte die Stette ohnehin nächstens öffentlich meistbietend verkauft werden, um die andringenden Creditoren zu befriedigen. Alsbald wird der Stättenverkauf genehmigt; Käufer Brink erhält einen Kauf- und Meierbrief, der der Akte im Entwurf beiliegt.

Kirchenbuch Stapelage, Sterbe- und Begräbniseintrag Johann Töns Riesenberg, 1806

Gänzlich anders sieht Pastor Jenin in Stapelage die Hintergründe zum Ende der Stätte Riesenberg, und er kann 1806 bei der Beerdigung des Verkäufers Johann Töns Riesenberg nicht umhin, dies mit schwerer Hand in aller Deutlichkeit in dessen Sterbeeintrag hineinzuschreiben: den 8ten Junii starb Johann Töns Riesenberg in Hörste an der Auszehrung, nach dem er seine gantze Güther, Hauß, Hoff, Gärtens und Berg versoffen hatte, er wurde abends den 11ten Jun: begraben, sein Alter war 48 Jahre.

Noch einmal Aufmerksamkeit erfährt die Stätte Riesenberg Nr. 16, als sie in der Realität längst verschwunden ist. 1886 werden bei Anlage des Hörster Grundbuches nicht nur Angaben aus dem letzten Salbuch von 1855 übernommen, sondern alle Grundbesitzer befragt, wie sie an ihren Besitz gekommen seien. Hermann Brink, der sich wie seine Vorgänger teils als Colon Nr. 8 und Nr. 16 bezeichnen lässt, gibt zu Protokoll, dass Stätte Nr. 16 vor etwa 100 Jahren von einem seiner Vorgänger käuflich erworben sei, die Felder der einfacheren Bewirtschaftung wegen bald danach zusammengelegt worden seien. . . . Die Gebäude des Colonats Nr. 16 habe ich im Jahre 1868 schleifen lassen und hernach dieses Colonat mit dem Colonat Nr. 8, unter Beibehaltung der letzteren Nummer vereinigt. Dass ein Colonat ohne jeden Verwaltungsvorgang einfach so verschwinden kann, löst bei den Amtspersonen Verwunderung, ja Befremden aus. Brink wird aufgefordert, schleunigst eine nachträgliche Genehmigung der Stättenauflösung bzw. –zusammenlegung zu beantragen. Er ist gut vernetzt im Dorf und kann alsbald eine positive Stellungnahme der Bauerschaft Hörste einreichen, die von gewichtigen Personen wie M. z. Stapelage, Krawinkel, Weeke etc. unterzeichnet ist:

Das vor etwa 110 Jahren von dem Colon Brink angekaufte Colonat Nr. 16 hatte zwei Wohngebäude, diese waren aber so baufällig, daß an eine Reperatur nicht gedacht werden konnte. Auch standen diese auf einem so nassen und sumpfigen Boden, daß gesunde Wohnungen nicht herzustellen wahren, auch war die Lage eine derartige, daß bei jedem auch nur etwas starken Gewitter beide Häuser im Wasser standen. Die Länderei vom Colonate Nr. 16 lag größtenteils zwischen den Ländereien des Colonats Nr. 8, es ist letzteres durch diese Zusammenlegung bedeutend verbessert worden, dieses wird den Käufer bewogen haben. Der sumpfige Hofraum ist in eine gute Wiese verwandelt worden. Unserer Überzeugung nach ist von großem Vortheil, daß das Colonat Nr. 16 zu dem Colonate Nr. 8 zugelgt worden ist.

Daraufhin wird das Ende des Kolonates Hörste Nr. 16 nachträglich auch amtlich genehmigt.

Gebäude

Um 1640 und 1683 wird in den Salbüchern ein Haus als Gebäudebestand der Stätte Riesenberg angegeben. 1730 werden Wohnhaus und Backhaus genannt, 1829 kommt ein Leibzuchtshaus hinzu, 1855 werden Wohnhaus und Leibzucht aufgeführt, dann wird in einem Nachtrag von Juli 1886 der (18 Jahre zuvor erfolgte) Abbruch beider Gebäude vermerkt.

Inschriften

(nicht bekannt)[14]

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Frühe Nachrichten zu den Riesenbergs, teils Besitzer und Bewohner dieser Stätte:

1595 Johan von gerres geclaget, das(s) Ihme Frantz Riesenbergck mit einer Barden in die Handt gehauwen (Gogericht)[15]

1597/98 Vnpflicht: Frantz Riesenberck mit Ilsche --- X thl (Gogericht)[16]

1598 Franz Riesenberg erwähnt (Amtsprotokoll)[17]

1599 (Erbteilung:) Berndt Rysenbroick fürstorben, eyn Kotten verlassen, 2 Kuhe, 1 Rinth, . . . (Gogericht)[18]

1601/02 Weinkauff: Bax Heincke kompt vff Riesenbruchs Stette (Gogericht)[19]

1609 Riesenbergk, Frauwe, klein Kinder 2; Inliggersche lebt v. Almosen (Volkszählung)[20]

1616/17 Unpflicht: Annicke Hanninck vndt Cordt Riesenberg, des Knechtes erste, vndt der Persohnen dritte mahll 10 thlr (Gogericht)[21]

1629 Weinkauff: Henrich Risenbergh hatt sich bestattet an Mejer Hermans dochter im Ehelenbruch, ist ein Hoppenplocker, bringt i(h)m 40 thl aller theile eines 5 thl (Gogericht)[22]

1633 Weinkauff: Herman Risenberch zieht auff Bertoldt Bringmans Stede auff der Pifites heide, ist ein Hoppenplocker (Gogericht)[23]

1635/36 Weinkauff: Gredecke Risenberg bestadet sich an Herman Huneken; ist ein Hoppenplöcker, bringt dabei 20 Thlr (Gogericht)[24]

1635 – 37 Grettke Risenberg klage vber ihren Bruder Herman Risenberg, der habe sie bruin v. blaeh geschlagen, auch bej den Haren hin vndt her geschle(i)ffet ------- 2 thl (Gogericht)[25]

1640 (um) Henrich Riesenbergh, ist der gn. Herrschaft eigen, gibt . . . , (Besitz:) sonst nichts alß 1 Stück Landt zu 1 ½ Schfl Roggen, 1 Garten vnnd 1 Hauß (Salbuch)LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 177LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 92, S. 196

1641/42 Erbtheile Horster: Henrich Riesenbergs fruwe gestorben, Nachlaeß ein Kuhe vnnd ein rindt, 3 Scheffell roggen im Felde, ein bette vnnd dagliecke Kleider –--- 4 thlr (Gogericht)[26]

1642/43 Henrich Riesenbergh hatt mit seiner maget Ilschen in Vnpflicht gelebett. (Gogericht)[27]

1643 Weinkäuffe: Henrich Riesenbergh hatt seine magett Ilschen vff seine Stette zur Ehe genommen, hadt Ihme aber nichts zugebrachtt (Gogericht)[28]

1643/44 Strahten Henrich hatt mit seiner itzigen Frauwen Ilschen Riesenbergh in Vnpflicht gelebet. (Gogericht)[29]

1645 (um) Henrich Riesenberg, der gn. Herrschafft eigen, ein Hpl., hatt Kinder --- 6, hatt bey Wieman ausstehen davor er zu 4 Sch Saat Landt vnterhatt ---– 115 thlr; noch an Gelde ausstehen ----- 125 thlr, ist schuldig -- 105 thlr (Zustand der Höfe/Salbuch)[30]

1646/47 Drewes im Steinwerke vnd der Riesenbergischen Schwester haben Unplicht gehabt (Gogericht 1646/47)[31]

1648 Riesenberg, Hoppenplöcker, ein Sch . . . er (Schlächter, Schuster o.ä.) vnd Linneweber, deßen Frauwe, 1 Klein Kindt, 2 Lehrjungens (Volkszählung)[32]

1650 Weinkeuffe: . . . 2.) Henrich Kespoell hatt Riesenbergs Stätte zu Hörste erblich gekauffet. 3) Henrich Riesenbergh hatt des Schulten Hoff erblich an sich gekauffet. Der Hoff ist den von Marienfeld eigen, Henrich Riesenberg der Herrschafft eigen. (Gogericht)[33]

1656 Riesenbergk, ein Hoppenplöcker (hat 2 Söhne, 1 Tochter)

1) Bernhart Andreas 7 Jahr

2) Johann Georgius von 3 Jahren

1) Ilsabe von 11 Jahren (Verz. der eig.behör. Kinder)[34]

1664 Erbtheile: Henrich Rießenbergß Frauw, nachdem sie lange krank gelegen, ist gestorben.; der gnd. Herrschafft eig. vnd hinterlaßen wie folgett . . . (Gogericht)[35]

1683 Henrich Rießenberg ist Illmo eigen und ein klein Hoppenplocker, hat 12 Kinder, wovon noch 8 leben, und 6 kleine noch beÿ ihm, hatt 3 Kühe, hatt nebenst Hauß 1 Garten, zu 1 ½ Sch.saat das Land, von Wiemann zu Hiddentrup 1 ½ Sch.saat vor 75 thl., . . . , ausstehend Geld beÿ Brinkman zu Hiddentrup 30 rthl, . . . (Salbuch)[36]

1688 Riesenberg muß sein Hoppenplücker-Städte beweinkauffen (Gogericht)[37]

1690 Sterbfälle: Alte Riesenberg Kleinkötter Illstrmo eigen verstorben, nachgelaßen beÿ Brinkman zu Hittentrup 20 rthl , 1 Kuhe u. dagliche Kleider (Gogericht)[38]

1693/94 Diederich Rießenberg klaget, daß ihm Brockmann vor einen Hundes etc. gescholten, bittet Bestraffung (Gogericht)[39]

1694 Stärbfälle: Riesenberg, ein Stratenkötter Illmi eigen verstorben, nachgelaßen 1 Kuhe, 1 Rind vndt tagliche Kleider (Gogericht)[40]

1695/96 Cordt Rießenberg muß seine kleine Kothstädte beweinkauffen (Gogericht)[41]

1706 Weinkauff: Aus voriger Wruge wird repetiert, dass Riesenberg aus Hörste der gn. Herrschafft eÿgen, des Meÿers zu Stapel Kottstette . . .  ?

1708 Henrich Riesenberg hat(te) Kinder (Verzeichnis der eigenbehörigen Untertanen in der Vogtei Lage)[42]

1. Elisabeth, Besitzerin der Stätte, darauff geheÿrahtet Cord Frevert aus dem Laßbruche, gleichfals eÿgen der gnd. Herschafft

2. Diederich (Schmiedeskamp), ist denen Marienfeldern zu Stapela Kötter geworden.

3. Töns Riesenberg, ein Einlieger

Frühe Personen wie Franz R., die Geschwister Grete und Hermann R., auch der 1601 verstorbene Bernd R. sowie der Knecht Cord R. lassen sich nicht eindeutig einer der Stätten Riesenberg (Nr. 16 oder Nr. 21) zuordnen. Die 1629 und 1639 geschlossenen Ehen der beiden namensgleichen Kötter Henrich Riesenberg können hingegen über Zahl und Alter ihrer Kinder eindeutig zugeordnet werden.


Auf der Stätte Nr. 16 stellen sich damit die frühen Generationen wie folgt dar:


1629 – ca. 1647 Henrich Riesenberg, * um 1600, ∞ 1629 NNw Meierhermann aus Ehlenbruch, wechselt ca. 1647 auf den ledigen Hof Schulte (später Hörste Nr. 11)

Kinder zu verschiedenen Zeiten nach verschiedenen Quellen:

• um 1645 (Riesbg.) 6 Kinder

• 1648 (Schulte !) 2 erwachsene Kinder sowie 4 Kinder bis 8 Jahre

• 1656 (Schulte !) folgende 11 Kinder:

• Trinecke ist nicht klug 28 Jahre -> * 1628

• Gretke ist gantz la(h)m 26 Jahre -> * 1630

• Johan von 22 Jahren -> * 1634

• Anke dienet beÿ Wiemann, 16 Jahre -> * 1640

• Jost von 13 Jahren -> * 1643

• Christoph von 11 Jahren -> * 1645

• NN (in VZ 1648 Anke u. 3 Geschwister) -> * um 1647, † vor 1657

• Agneta von 6 Jahren -> * 1650

• Trine Lische von 3 Jahren -> * 1653

• Cordt von ½ Jahr -> * 1656

(Nur die ältesten 6 dieser Kinder haben auf der Stätte Nr. 16 gelebt.)


ca. 1647 – 1687 Henrich Kespohl aus Währentrup, * um 1615, ∞ (I) 1644 Ilßgen Riesenberg in Stapelage, kommt um 1647 durch Kauf auf die Stätte Hörste Nr. 16, ∞ (II) um 1665 NN, † 1690

Kinder aus 2 Ehen:

• Ilsabe * 1645, ∞ 1668 Henrich Rachenpöhler, Hpl. a. d. Piv., u. wird Rachenpöhlersche, † 1709

• Bernhard Andreas, * 1649, Schneider, lebt (u. heiratet offenbar) 1676 in Halberstadt

• Johann Georgen (Hans Jürgen), * 1653, ∞ um 1680, lebt in Hörste

• Tönnies, * 1657, zunächst Anerbe, ∞ vor 1681, lebt als Einl. u. Schneider in Stapelage, † 1728

• Elisabeth, * um 1663, Anerbin

• Johann Diederich, * 1673, ∞ 1705, wird Schmiedeskamp, Kötter des M. z. Stapelage, † 1745

• NN, * 1684

• weitere früh verstorbene Kinder (Salbuch 1683: hatt 12 Kinder wovon noch 8 leben)


1687 – 1694 Cord Huneke (ca. 1660 – 1694) aus Hörste, ∞ (I) 1687 Elisabeth Riesenberg (ca. 1663 – 1732), Anerbin Hörste Nr. 16, und wird Riesenberg; die Ehefrau/Witwe ∞ (II) 1695 Cord Henrich Frevert (1668 – 1746) aus Laßbruch/Amt Sternberg, der Interimswirt Riesenberg wird; er ∞ (III) 1737 Witwe Anna Elisabeth Nieländer aus Piv.

Kinder aus 3 Ehen:

• NN, * um 1693 (Kindtaufe in GoG 1693/94)

• Johann Henrich, * 1695, ∞ (I) 1725 Anna M. Witwe Kip (1679 – 1744), geb. Pfenning aus Stadenhausen, wird KK Kip bzw. Kipmann in der Osterheide (Helpup), ∞ (II) 1745 A. M. Ils. Gruttmann aus Wellentrup, † 1759

• Cord Friederich, * 1698, ∞ 1726 Anna Ilsabein Busse, Anerbin der Hpl.-Stätte Busse in Piv. VL Nr. 41, wird Hpl. Busse, † 1738

• Johann Philip, * 1702, Anerbe

• Hermann Daniel, * 1743


1695 – 1726 Cord Henrich Riesenberg, geb Frevert (s. o.)


1726 – 1742 Johann Philip Riesenberg (1701 – 1742), ∞ (I) 1726 Anna Margaretha Kerkhoff (1696 – 1759) von Hörste Nr. 25, diese ∞ (II) 1743 Johann Jobst Grothof (1717 – 1771) von Hörste Nr. 21, der Interimswirt Riesenberg Nr. 16 wird

Kinder (erster Ehe):

• Johann Berend, * 1727, Anerbe

• Anna Margreth Elisabeth, * 1729

• Simon Henrich, * 1731, ∞ 1760 Anna Marg. Liesabeth Junghärtchen (1740 – 1811) aus Müssen, Einl. in Hörste, † 1811

• Johann Simon Conrad, * 1734

• Johann Henrich, * 1739


1743 – 1753 Johann Jobst Grothof (s. o.)


1753 – 1780 Johann Berend Riesenberg (1727 – 1795), ∞ 1753 Trine Ilsabein Grabe (1728 – 1796) aus dem Heysundern

Kinder:

• Johann Berend, * 1754, † 1754

• Johann Henrich Conrad, * 1755, † 1758

• Johann Töns, * 1758, Anerbe

• Johann Cord Hermann, * 1760, † 1769

• Johann Berend Ferdinand, * 1763, † 1768

• Johann Friederich Adolph, * 1765, † 1769

• Anna Cathrina Ilsabein, * 1766, † 1769

• Johann Berend Christoph, * 1771, † 1774


1780 – 1799 Johann Töns Riesenberg (1758 – 1806), ∞ (I) 1780 Trine Elisabeth Marie Schönhage († nach 1828) aus Billinghausen, diese ∞ (II) 1807 Witwer Jost Henrich Riesenberg (1767 – 1829; Vetter des verstorbenen J. T. Riesbg.), zuvor Einl. in Hörste, ab 1807 Leibzüchter auf Nr. 16

Kinder: • Anne Marie Ilsabein, * 1780

• Berend Henrich, * 1783, † 1791

• Anne Margarethe Ilsabein, * 1786, ∞ 1813 Friedrich Adolph Riekehof a. d. Bill. Heide, wird Riekehofsche

• Johann Berend, * 1790, † 1791

• Anna Catharina Ilsabein, * 1792, ∞ 1829 Joh. Hermann Christoph Sonnenbaum, Einl. in Hörste, † 1847

• Berend Henrich Christoph, * 1797, ∞ 1825 Luise Lükermann und wird Neuwohner Lükermann im Schling


(1799 Verkauf der Stätte Hörste Nr. 16 an den Nachbarn, Mittelkötter Brink, Hörste Nr. 8)


Bewohner der Stätte Nr. 16 im Jahre 1828 (Volkszählung):

• Leibzüchterpaar Riesenberg mit 1 Tochter

• Einl. Joh. H. Kuhlemann (4 Pers.)

• Einl. Philip Kreuzbusch (7 Pers.)

• Einl. Arnold Esselmann (5 Pers.)

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das um 1617 entstandene lippische Salbuch kennt unter dem Namen Riesenberg nur die beiden frühen Stätten in Hörste. Somit spricht vieles für eine ursprüngliche Herkunft des Namens Riesenberg, der bereits im 17. und 18. Jahrhundert in vielen anderen lippischen Dörfern vorkommt, von der Hörster Stätte mit der späteren Hausnummer 16.
  2. LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 90, S. 23
  3. Otto Preuß, Die lippischen Familiennamen mit Berücksichtigung der Ortsnamen (1887), S. 84 u. 96
  4. Für diesen Zeitraum liegen 4 relativ dicht einander folgende Archivalien im LAV NRW OWL vor: Salbuch „um 1640“ (L 101 C I, Nr. 92), Zustand der Höfe in der Vogtei Lage „um 1645“ (L 101 C I, Nr. 94), Volkszählung 20. Nov. 1648 (L 92 Z Nr. 1424, S. 323f), Verz. eig.beh. Kinder vom 8. Nov. 1656 (L 92 Z Nr. 1424, S. 399f)
  5. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 176, S. 25
  6. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 176, S. 24
  7. LAV NRW OWL, L 108 A, Nr. 133, S. 86
  8. LAV NRW OWL, L 108 A, Nr. 133, S. 87
  9. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 175, S. 177
  10. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 178, S. 52
  11. LAV NRW OWL, L 108 A, Nr. 135, S. 60/61
  12. LAV NRW OWL, L 21 Nr. 135, Riesenberg; Bl. 89ff
  13. LAV NRW OWL, L 92 T 1, Nr. 1239
  14. Ein Sohn dieser Stätte (Cord Friederich Riesenberg 1698 - 1738) hinterlässt jedoch eine Inschrift andernorts. Er heiratet 1726 auf die Stätte Busse, Piv. VL Nr. 41, und lässt mit seiner Ehefrau dort ein Haus errichten, das heute im Ziegeleimuseum Lage steht und dort als "Haus Riesenberg" bezeichnet wird, obwohl es zum Gebäudebestand der Stätte Busse gehört.
  15. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 355, S. 134
  16. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 355, S. 181
  17. LAV NRW OWL, L 108 A, Nr. 130, S. 200
  18. V NRW OWL, L 89 A, Nr. 171, S. 101 u. 111
  19. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 171, S. 184a
  20. LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1442, S. 137
  21. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 171, S. 357
  22. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 25
  23. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 81
  24. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 162
  25. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 177
  26. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 175, S. 100
  27. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 173, S. 32
  28. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 175, S. 168
  29. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 175, S. 177
  30. LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 94
  31. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 175, S. 343
  32. LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 326
  33. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 176, S. 24 u. 25
  34. LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 400
  35. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 177, S. 129
  36. LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 97, S. 7
  37. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 179, S. 198
  38. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 180, S. 3
  39. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 180, S. 124
  40. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 180, S. 149
  41. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 180, S. 218
  42. LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 495/96

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

Seitenhistorie

Seite erstellt am 18.02.2026 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 26.02.2026 von Dr. Horst Wissbrock